Archive for the ‘Antisemitismus’ category

Ist Australien schuldig im Sinne der Anklage?

18. April 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 12. April 2016

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Ein kürzlicher Meinungsbeitrag im Sydney Morning Herald von Paul Duffill, ein australischer Akademiker und BDS-Unterstützer, beschuldigt Australien einer Doppelmoral in puncto Menschenrechte, weil das Land es versäumt, israelische Siedlungen durchgängig zu verurteilen.

Im Artikel werden der Leserschaft folgende Hintergrundinformationen geboten:

Israels Siedlungen werden auf Land erbaut, das den Palästinensern 1967 weggenommen wurde.

Kein Wort darüber, dass Israels Kontrolle über diese Gebiete ein Resultat des Angriffs auf Israel im Jahre 1967 war. Kein Wort darüber, dass die umstrittenen Gebiete auch die Altstadt Jerusalems und Gush Etzion umfassen, also Orte, die bis 1948 historisch jüdische Gebiete waren — 1948 kam es zu einem Massaker an vielen der jüdischen Einwohner, und die Überlebenden wurden von den Arabern aus ihrem Zuhause vertrieben.

Und was noch beunruhigender ist: Der Artikel stellt die Siedlungen als Alleinschuldige für den mangelnden Fortschritt hin zu einem Friedensvertrag dar. Er ignoriert die Terrorwelle — Terror, der sich in keinster Weise nur auf die umstrittenen Gebiete beschränkt — und die unablässige Aufwiegelung und die Lobpreisung des Terrors seitens der Palästinenserbehörde.

Duffill hätte Israels zahlreiche Angebote erwähnen können, sich mit den Palästinensern zusammenzusetzen und direkte Friedensverhandlungen abzuhalten. Selbst als Premierminister Benjamin Netanyahu vor kurzem sagte, er würde seine Termine absagen, um sich jederzeit mit PA-Präsident Abbas zusammensetzen zu können, wurde dieses Angebot ignoriert.

Lieber stellte Duffill ein paar unzutreffende Behauptungen über die israelische Sicherheitsbarriere auf. Die Barriere — keine „Mauer“ — wurde weitestgehend entlang oder nahe der Waffenstillstandslinie von 1949 gebaut und nicht „quer durch das besetzte palästinensische Westjordanland“. Ebensowenig ist die Barriere „integraler Bestandteil von Israels Besatzung und Siedlungsaktivität“. Sie ist integraler Bestandteil von Israels Bemühungen, den aus den Palästinensergebieten überbordenden Terrorismus einzudämmen.

Noch schlimmer: Duffill vergleicht das demokratische Israel mit einigen der übelsten Menschenrechtsverletzer der Welt — einschließlich der Terrororganisation Hamas. Das ist jene Hamas, die nicht nur israelische Männer, Frauen und Kinder ermorden will, sondern die palästinensische Einwohner Gazas als menschliche Schutzschilde missbrauchte und Waffen in Schulen, Moscheen und Krankenhäusern lagerte.

Duffill ignoriert den Terror, die Aufhetzung und die Uneinsichtigkeit auf palästinensischer Seite und beschuldigt Israel, das einzige Friedenshindernis zu sein.

Wer ist hier also einer Doppelmoral schuldig?

Regenten der University of California verurteilen antisemitischen Antizionismus, und die Medien missbilligen das

5. April 2016

Cherryl Smith, HonestReporting, 4. April 2016

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Cherryl Smith, PhD ist Professor Emerita für Satzbau und Rhetorik an der California State University in Sacramento. Sie schreibt für Framing Israel.

Die University of California unternahm diese Woche einen bedeutsamen ersten Schritt zur Bekämpfung von Antisemitismus auf ihrem Campus. Die Prinzipienerklärung der Regenten verurteilt „antisemitische Formen des Antizionismus“ und erklärt, solche Verhaltensformen hätten „keinen Platz an der University of California“.

„Es steht zweifelsfrei fest, dass Antizionismus die treibende Kraft hinter dem alarmierendem Ausmaß von Antisemitismus an der UC und an Schulen im ganzen Land ist“, so Tammi Rossman-Benjamin, Fakultätsmitglied der UC Santa Cruz und Kopf der AMCHA-Initiative, welche den Antisemitismus auf dem Campus nachverfolgt.

Die meiste Berichterstattung über die Regentenerklärung unterschlägt jedoch diese Verbindung von Antizionismus und Antisemitismus: die Schlagzeilen sprechen von Antisemitismus, nicht aber von Antizionismus, und die Artikel suggerieren, es bestehe keine echte Notwendigkeit für diese Erklärung und die Redefreiheit sei nicht in Gefahr.

Die LA Times machte ihre Position per Redaktionsbeitrag explizit klar: „In Wirklichkeit ist es sehr wohl möglich, gegen den Zionismus zu sein oder sich für einen säkularen Staat im heutigen Israel und Westjordanland einzusetzen, ohne antijüdisch zu sein.“

Wenn wir mal außer Acht lassen, dass das jüdische Israel zuallererst säkular ist und von islamischen Ländern umgeben ist, die anders als Israel keine Religionsfreiheit besitzen, und wenn wir ebenso die säkularen zionistischen Gründer des jüdischen Staates außer Acht lassen, so bleibt immer noch die höchst beunruhigende Formulierung „heutiges Israel und Westjordanland“.

Irgendwie kann die LA Times, das auflagenstärkste Blatt der Stadt mit der zweitgrößten jüdischen Bevölkerung in den USA, deren Redaktion Antizionismus als „Gegner der Idee eines jüdischen Staates“ definiert, nicht begreifen, dass Universitätsstudenten von Ausgrenzung und Verfolgung berichten, weil sie (auf dem Campus) die Minderheitenmeinung vertreten, der einzige jüdische Staat der Welt solle weiterbestehen. Die Studenten erleben den altbekannten Antisemitismus in derartigem Ausmaß, dass selbst die Regenten der University of California, die wirklich ganz andere Sorgen haben, dies bemerkten.

Ich gebe zu, ich habe Schwierigkeiten zu verstehen, welche Formen des Antizionismus nicht antisemitisch sind. Die Definition der LA Times, Antizionismus stelle sich gegen die Idee eines jüdischen Staates, suggeriert eine unmittelbare Antijüdischkeit des Antizionismus. Antizionismus ist jedoch auch eine eigene Form von Fanatismus. Die Forderung nach legalistischer Sprache zum Schutz jüdischer Studenten entspringt der Realität, dass Antizionismus auf dem Campus sehr akzeptabel geworden ist und Juden gleichzeitig keine „geschützte Minderheit“ sind.

Die von AMCHA erfassten vielen hundert antisemitischen Vorfälle sind verknüpft mit der weithin hörbaren Campus-Position, Israel solle nicht als jüdischer Staat existieren. Zudem wird der Zionismus verteufelt. Vielsagenderweise stellten Berichte der Associated Press, die in vielen kalifornischen Blättern einschließlich dem San Francisco Chronicle abgedruckt wurden, „Israelunterstützer“ in Kontrast zu „Unterstützern der Rechte von Palästinensern“, obgleich der Zionismus das Konzept des jüdischen Selbstbestimmungsrechts ist. Kein einziger Bericht, den ich finden konnte, beschrieb proisraelische Studenten als „Unterstützer der Rechte von Juden“.

Tatsächlich betitelte die LA Times ihren Redaktionsbeitrag mit „Ein Gleichgewicht zwischen Redefreiheit und Bigotterie finden“, als sei Antizionismus keine Form der Bigotterie und als seien antizionistische Aussagen nicht durch den ersten Verfassungszusatz geschützt.

Niemand legt die Situation so klar dar wie der UCLA-Professor Judea Pearl:

Die UC-Richtlinien gegen Antisemitismus sind grob unzureichend bei der Zügelung der aktuellen Welle antijüdischer Feindseligkeiten auf den Campussen, die im Großen und Ganzen nicht auf jene abzielt, die ihre Religion praktizieren, sondern auf jene, von denen man glaubt, sie würden Israel unterstützen…

…die UC-Regenten haben antisemitische, islamophobe und weißrassistische Reden nicht verboten und wollen auch keine antizionistischen Reden verbieten; vielmehr möchten die Regenten es berechtigterweise klarstellen, dass Letzteres den Rahmen des zivilen Diskurs überschreitet.

Legen die Regenten also die Prinzipien gegen Intoleranz fest, beschränken sie die Redefreiheit nicht offiziell. Aber, und das ist eine wichtige Unterscheidung, sie schicken der Gemeinschaft eine Botschaft, dass Antizionismus ähnlich wie Islamophobie und andere Hassideologien kulturell „keinen Platz an der University of California“ haben.

BDS: Was schürt den Hass?

31. März 2016

Joe Hyams, HonestReporting / Times of Israel, 28. März 2016

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Folgender Meinungsbeitrag des HonestReporting-Geschäftsführers Joe Hyams erschien in der Times of Israel:

Warum die BDS-Bewegung von mehr als Antisemitismus, Geld und Böswilligkeit lebt.

Vor einigen Jahren erhielt ich eine Flugstunde zum Geburtstag. Mitten unter dem Flug fragte der Pilot, der mir vorher die Kontrollen überlassen hatte, eine einfache Frage: „Joe, was glauben Sie, ist die wichtigste Komponente des Flugzeugs, die uns hier und jetzt am Leben erhält?“

„Der Motor“, so meine intuitive Antwort, denn ich glaubte, dass uns nur anhaltende Fluggeschwindigkeit in der Luft hielt.

„Falsch“, sagte der Pilot und schaltete den Motor aus. „In diesem Augenblick sind die Flügel der Grund, dass wir hier oben bleiben. Wir können einige Zeit weitergleiten, ohne dass wir Treibstoff verbrauchen.“ Sobald ich den Schock der plötzlichen unheimlichen Stille verarbeitet hatte, begriff ich sein Argument.

Das Flugzeug schlingerte, fiel aber nicht vom Himmel.

Es war eine wichtige Lektion, und zwar nicht nur über das Fliegen, sondern auch über Instinkt, Wahrnehmung und Intuition. Wenn es um die BDS-Bewegung geht, dann sehen wir Fanatismus und Antisemitismus als den Motor und vielleicht Geld und politische Doppelzüngigkeit als Treibstoff. Natürlich treiben diese Dinge die hässliche BDS-Maschinerie vorwärts und nach oben.

Aber diese Dinge sind nicht die „Flügel“, die BDS in der Luft halten.

Ich habe das Privileg, diesen Beitrag von der Jerusalemer Anti-BDS-Konferenz von Ynet und Yedioth Ahronoth zu schreiben, wo ich über HonestReportings einzigartige Erfahrungen beim Kampf gegen BDS sprach. Präsident Reuven Rivlin hatte die Eröffnungsworte dieser Konferenz gesprochen, und es steht dem Staat Israel und den Organisatoren von Ynet und ihrem Partner StandWithUs gut zu Gesicht, dass so viele Menschen zusammengekommen sind, um einer gemeinsamen Sache ernsthaft Gedanken zu widmen: gegen eine Hassbewegung zurückzuschlagen, die weiterhin in der Luft ist und von der viele den Eindruck haben, dass sie im Lauf der Zeit immer höher fliegt.

Präsident Reuben Rivlin eröffnet die Anti-BDS-Konferenz in Jerusalem

Präsident Reuben Rivlin eröffnet die Anti-BDS-Konferenz in Jerusalem (Foto: Joe Hyams)

Mein heutiger Vortrag konzentrierte sich auf zwei oft übersehene Komponenten, die hasserfüllte Bewegungen am Leben halten: a) die zunehmend visuelle Natur sozialer Medien und b) die elegante Leichtigkeit, mit welcher Freunde und Kollegen die Meinungen und Ansichten von Freunden übernehmen, ohne dass sie die Integrität jener Vorstellungen bezweifeln.

Neu im Zusammenhang mit BDS ist der große Sturm, den ein simplifiziertes und emotional anrührendes Narrativ in Kombination mit hochvisuellen Kommunikationskanälen wie Facebook, Twitter und YouTube entfacht. Die inhärente Falschheit des Narrativs, die Israel als Unterdrücker brandmarkt, entgeht dem Beobachter anfangs, da die ikonischen Repräsentationen machtvoll und oft emotional nahegehend sind.

Medienvoreingenommenheit ist nichts Neues und befeuert die Ausbreitung und den Einfluss von BDS nicht unmittelbar. Heutzutage können mehr Menschen andere in Echtzeit beeinflussen als jemals zuvor — und zwar professionell mit billigen und kostenlosen Mitteln, die noch vor 20 Jahren nur einer eng begrenzten nachrichtenproduzierenden Gemeinschaft vorbehalten waren.

BDS-Social-Media-Workshop mit den Sprechern Amit Cotler, Ynet; Ido Daniel, Israeli Students Combating Anti-Semitism; Evyatar Gat; Mark Halawa; Joe Hyams, HonestReporting; Hen Mazzig & Emily Schrader, StandWithUs (Foto: Simon Plosker)

BDS-Social-Media-Workshop mit den Sprechern Amit Cotler, Ynet; Ido Daniel, Israeli Students Combating Anti-Semitism; Evyatar Gat; Mark Halawa; Joe Hyams, HonestReporting; Hen Mazzig & Emily Schrader, StandWithUs (Foto: Simon Plosker)

Der zweite unterschätzte Faktor, der BDS beflügelt, ist die kognitive Einfachheit, mit welcher wir hervorstechende Ideen akzeptieren und verinnerlichen. Wir alle lesen Nachrichten und neigen dazu, dem zu schnell Konsumierten zu vertrauen, wobei uns beim ersten Aufnehmen Voreingenommenheit und Falschaussagen entgehen. Es benötigt eine große Menge geistiger Arbeit, um gegen den Strom zu schwimmen und die uns vorgesetzten Ideen in Frage zu stellen, aber wir müssen uns solches Verhalten aneignen und andere dazu ermutigen. Wir wissen, dass unsere Kinder zu viel fernsehen und zu wenig lesen. Und es ist nicht weniger wichtig, sich für größere Beschäftigung mit den Kernthemen einzusetzen, die BDS diffamieren und damit Israel und das jüdische Volk beschämen will.

Joe Hyams und Roseanne Barr auf der Anti-BDS-Konferenz

Joe Hyams und Roseanne Barr auf der Anti-BDS-Konferenz (Foto: Joe Hyams)

Diejenigen von uns, die eine visuelle, kraftvolle und prägnante Gegenbotschaft formulieren wollen, müssen Überstunden machen und haben oft nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung. Wir müssen zusammenarbeiten, Erkenntnisse teilen und uns gegenseitig unterstützen. Medium für Medium, Trend für Trend, Partnerschaft für Partnerschaft — wir lernen, in ihrem unglückseligen Spiel der vernünftige Feind zu sein.

Doch die kraftvollen Bilder im Verbund mit einem willigen Publikum sind eine echte Herausforderung, die man nicht einfach beiseiteschieben kann, nur weil es sich hier um eine asymmetrische Bedrohung handelt. Wir müssen uns bemühen sicherzustellen, dass die Bürger und Gemeinschaften auf der ganzen Welt hinter den moralischen und intellektuellen Abgrund sehen können, in welchem diese seichten Ideen letztlich ihr Ende finden werden. Unsere Arbeit soll den Hasskampagnen die heiße Luft verwehren, die sie zum Funktionieren brauchen, und wir brauchen strategisches Denken, um ihnen scharfen, kalten Gegenwind gegen ihre antifriedlichen, antifortschrittlichen Absichten zu bescheren.

Die von BDS vorgebrachten Aussagen sind falsch und verleumderisch. Die sozialen und psychologischen Faktoren anzuerkennen, die BDS am Laufen halten, ist der erste Schritt, diese Bewegung schnell wieder auf den Erdboden zurückzubringen.

Journalistengruppe verteidigt Aufstachelung zum Mord

21. März 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 17. März 2016

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Was ist passiert?

Während einer Welle von Messer-, Schusswaffen- und Auto-Ramm-Anschläge auf Israelisschloss die IDF „Palestine Today“, einen Radio- und Fernsehsender des palästinensischen Islamischen Dschihad, der Aufstachelung zu Gewalt gesendet hat. Die International Federation of Journalists hatte Folgendes zu sagen:

Die International Federation of Journalists (IFJ), die 600.000 Journalisten auf der ganzen Welt repräsentiert, steht zu ihrem Vertragspartner, der Palestinian Journalists Union (PJS), und verurteilt diese brutale Attacke auf die Pressefreiheit und fordert die UN zu einer sofortigen Reaktion auf die Eskalation der Attacken auf die Presse in den besetzten Gebieten auf.

Weiters beschuldigte die IFJ Israel einer „Welle der Gewalt gegen Journalisten“.

Was hat die IFJ dabei bewusst ignoriert?

Eine Journalistenorganisation sollte die Wichtigkeit von Kontext und Ausgewogenheit kennen. Und deshalb ist es ganz besonders ärgerlich, dass die IFJ in ihrem Statement verschweigt, dass der palästinensische Islamische Dschihad von Australien, Kanada, der EU, der UK und den USA als Terrororganisation aingestuft wird.

Bezüglich Kontext hätte die IFJ auch erwähnen können, dass das dieselbe Einstufung ist, die diese Länder auch auf Gruppen wie ISIS, Al-Qaida und Boko Haram anwenden.

Eine Journalistenorganisation sollte auch die Wichtigkeit von Nachforschungen kennen, weswegen es besonders scheinheilig ist, dass die IFJ verschweigt, dass der Sender den Mord an Israelis glorifiziert und zu weiterem Morden ermutigt. Hier ein Beispiel für den „Journalismus“ von Palestine Today:

Yair Lapid, Mitglied der israelischen Knesset und langjähriger professioneller Journalist, erklärte IFJ in einem Statement:

Die Pressefreiheit erstreckt sich nicht auf terroristische Propaganda und auch nicht auf Leute, die zum Mord aufrufen. Die Inhalte von Palestine Today würden den redaktionellen Leitlinien vieler Ihrer Mitglieder nicht genügen. Ich war mehr als 30 Jahre lang Journalist; und das ist kein Journalismus. Das ist keine Redefreiheit, es sind Hassreden. Sie verteidigen hier nicht die Pressefreiheit; sie verteidigen Aufrufe zum Mord.

Nicht alle „Journalisten“ sind wirklich Journalisten.

Es ist nicht das erste Mal, dass die IFJ versucht hat, Terroristen wie anständige Journalisten zu behandeln. Das Newseum in Washington, D.C., ein Medien-Museum, gedenkt Journalisten, die „bei der Ausübung ihrer Pflichten“ umgekommen sind. 2013 gedachte das Newseum anfangs Mahmoud Al-Kumi und Hussam Salama, die sich offiziell als Journalisten ausgegeben hatten. Als herauskam, dass die zwei in Wirklichkeit Hamas-Mitglieder waren und in Terrorismus verstrickt waren, ignorierte das Newseum den Druck seitens IFJ und anderen und entfernte die zwei Terroristen aus der Gedenkliste.

Terroristen werden verteidigt und Journalisten verraten.

Wenn Terrororganisationen die Bezeichnung „Journalist“ für ihre eigenen ruchlosen Zwecke missbrauchen, beschädigen sie den Berufsstand als ganzes. Die IFJ hätte gegen diese Praxis sein können — aber nein, sie entschieden sich dazu, sie zu verteidigen. Bei ihrer fehlgeleiteten Unterstützung von Terroristen erweist die IFJ den vielen hundert israelischen Opfern aus jüngster Zeit sowie auch den vielen tausend tatsächlichen Journalisten, die sie angeblich repräsentieren, einen Bärendienst.

Newsweek gibt antiisraelischem Extremisten eine Bühne

14. März 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 9. März 2016

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Ben White hat schon sehr lange seinen Ruf als besessener antiisraelischer Extremist weg. Er ist Autor von „Israeli Apartheid: A Beginner’s Guide“ und hat behauptet: „Ich betrachte mich nicht als Antisemiten, ich kann aber Leute verstehen, die welche sind.“ Er hat sich rassistisch geäußert und unterstützt rassistische Aussagen Dritter. White setzt sich für eine Einstaatenlösung und das Ende Israels als jüdischem Staat ein.

Was uns zu der Frage führt, warum eine scheinbar glaubwürdige Mainstreampublikation wie Newsweek White eine Bühne gibt, um sein Gift zu verspritzen.

Der Twitter-Feed von Newsweek Middle East bewirbt Whites Artikel mit einem kurzen eingebetteten Video, in dem von einer „israelischen Besatzungsmacht“ die Rede ist — eine Vorverurteilung einer laufenden und komplexen Gebietsstreitigkeit, die sich für eine professionelle und angeblich unparteiische Nachrichtenorganisation schlichtweg nicht ziemt.

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Man muss sich fragen, warum Newsweek Middle East die Frage tweetete: „Verletzt Israels Praxis einer Verwaltungshaft das Völkerrecht?“ Da White der Autor ist, ist es unmöglich, dass er diese „Frage“ irgendwie anders darstellt als die Präsentation einer Tatsache.

Tatsächlich redet White mehrere Absätze lang über nichts anderes. In Wirklichkeit gibt es signifikante Beweise für das Gegenteil, von denen White keinen einzigen erwähnt und die Newsweek-Leser damit aufs Neue in die Irre führt, indem er ihnen die Möglichkeit vorenthält, zu informierten Schlussfolgerungen zu gelangen. Ein professioneller Journalist hat die Verpflichtung, die Argumente zur Stützung der Rechtmäßigkeit der Verwaltungshaft ebenso deutlich und lang zu diskutieren wie die Argumente dagegen.

Aber White ist kein professioneller Journalist.

Sein Artikel regt sich über die Verhaftung und Inhaftierung eines gewissen Muhammad al-Qeq auf, aber die Gründe für dessen Inhaftierung erwähnt er mit keiner Silbe. Die Associated Press berichtete: „Der israelische Geheimdienst Shin Bet sagt, al-Qeq sei an terroristischen Aktivitäten in Verbindung mit der militanten Hamas-Bewegung beteiligt gewesen.“ Und AFP berichtete: „Shin Bet, der israelische Inlandsgeheimdienst, sagte, Qiq sei wegen ‚Terroraktivitäten‘ als Teil der islamistischen Gruppe Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert, festgenommen worden.“ Selbst wenn der Autor den Aussagen von Shin Bet keinen Glauben schenkt, hat ein neutraler Journalist dennoch die Verpflichtung, diese Information mitzuerwähnen und dem Leser eine umfassend informierte Schlussfolgerung zuzugestehen.

White behauptet, al-Qeqs Festnahme sein ein Beleg für die „Unterminierung der Pressefreiheit“, womit er andeuten will, al-Qeq sei aufgrund seines Status als palästinensischer Journalist festgenommen worden. Aber al-Qeq stand auch mit Terrorhandlungen in Verbindung — absolut wesentlicher Kontext, den White einfach verschweigt und es den Newsweek-Lesern damit unmöglich macht, akkurat einzuschätzen, ob Whites Beschuldigungen wirklich der Wahrheit entsprechen.

White erwähnt mehrfach, dass Gefangene „ohne Gerichtsverhandlung“ festgehalten werden, verschweigt aber, dass die Verwaltungshaft-Prozeduren die Möglichkeit bieten, vor Gericht gegen den Arrest vorzugehen. Indem er diese Prozedur verheimlicht, führt White die Newsweek-Leser zu der falschen Schlussfolgerung, die Verwaltungshaft habe keinen Regress. Und das ist schlicht falsch.

Dass Ben White einen irreführenden und voreingenommenen Text schreiben würde, war zu erwarten. Dass Newsweek ihn akzeptierte, ist nicht hinnehmbar.

AFP zelebriert Mord und Totschlag am Weltfrauentag

9. März 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 8. März 2016

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Am gestrigen Weltfrauentag brachte der Nachrichtendienst AFP einen Artikel, der die Frauen verurteilter palästinensischer Terroristen pries. Natürlich nicht von allen Terroristen, sondern nur von denen, die Israelis angegriffen haben.

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AFP beginnt mit der Feststellung: „Mehr als 7000 Palästinenser sitzen aktuell in israelischen Gefängnissen, 600 davon lebenslang.“ Ein bezeichnendes Beispiel schamloser Medienvoreingenommenheit, denn AFP verschweigt, warum diese Insassen verurteilt wurden. Ebenso verschweigt AFP den Terror, den viele veranstaltet haben, und auch die Zahl der Todesopfer, die sie auf dem Gewissen haben.

Nichts über die israelischen Opfer oder ihre Familien, nichts darüber, dass die Palästinenserbehörde eingekerkerten Terroristen Summen zahlt, die sich weit jenseits dessen bewegen, was diese in Freiheit verdienen können, was einen starken wirtschaftlichen Anreiz zum Töten von Israelis bringt.

Danach schreitet AFP zu einer emotional aufgeladenen Fallstudie eines gewissen Ahed Abu Golmi, wobei nur ganz am Ende erwähnt wird, dass er für seine Rolle bei der Ermordung des israelischen Tourismusministers Rehavam Ze’evi im Jahr 2001 verurteilt wurde. (Existiert überhaupt ein Land auf dieser Erde, wo der Mörder eines Regierungsministers nicht im Gefängnis landet?) Wenig überraschend wird Ze’evis Familie im Artikel weder interviewt noch überhaupt erwähnt: Hinterbliebene waren seine Frau Yael und ihre fünf Kinder.

Auch über Khalida Muslih wird rührselig die Tränendrüse gedrückt, Ehefrau von Mohammed Muslih, der „neunmal lebenslänglich für tödliche Angriffe auf Israelis bekam“. Natürlich erfahren wir auch hier weder über die Anschläge noch über die Opfer irgend etwas. Statt dessen lesen wir:

Laut ihrer Aussage ist die Frau eines Gefangenen, der wegen eines Angriffs auf Israelis im Gefängnis sitzt, etwas, auf das man stolz sein kann, und sie wird ihre Haltung diesbezüglich niemals ändern.

Als ihr Mann 2002 verurteilt wurde, nur anderthalb Jahre nach ihrer Heirat, heulte sie vor Freude.

„All diese Jahre habe ich nicht das geringste bereut“, so Muslih, deren Sohn erst vier Monate alt war, als sein Vater ins Gefängnis kam.

„Ich war stolz darauf, die Frau eines Kämpfers zu sein, selbst wenn dies bedeutet, dass mir viele Dinge vorenthalten werden und mein Herz gebrochen wird.“

AFP verschweigt ebenfalls, dass 7.000 Gefängnisinsassen bei einer Palästinenserbevölkerung von 6,08 Mio. Menschen eine Quote von 1,15 pro 100.000 ergibt; eine der niedrigsten Quoten weltweit. Angesichts des Ausmaßes des Terrorismus, dem Israel ausgesetzt ist, ist dies ein erstaunlicher Wert. (Die mittlere Quote in Europa beträgt 98 pro 100.000, und die USA haben die weltweit höchste Quote mit 716 pro 100.000, über 600x höher als die Einkerkerungsquote der Palästinenser in Israel.)

Doch am unbegreiflichsten an diesem Artikel bleibt, wie es einem Journalisten in den Sinn kommen kann, die Lobpreisung der Frauen von Terroristen sei eine passende Art und Weise, den Weltfrauentag zu begehen.

Warum BDS noch immer SodaStream bekämpft

7. März 2016

Zahava Raymond, HonestReporting, 2. März 2016

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Als sich SodaStream im Oktober 2015 dem Druck durch BDS beugte und das Westjordanland verließ, verloren 500 palästinensische Angestellte ihre Arbeit. Weitere 74 waren in der Lage, am neuen Standort weiterzuarbeiten, der in der Nähe der südlich gelegenen Stadt Rahat liegt — aber nur per zeitweiliger Arbeitserlaubnis. Am Montag letzter Woche liefen diese aus, und SodaStream war gezwungen, auch seine letzten palästinensischen Angestellten vor die Tür zu setzen.

Dank der Handlungen der BDS-Bewegung haben 600 Palästinenser ihre Arbeit verloren.

Die BDS-Aktivisten haben keinen Zweifel übriggelassen, dass ihr einziges Ziel darin besteht, Israel Schaden zuzufügen. Dabei kümmert es sie nicht im Mindesten, ob dabei auch Palästinenser geschädigt werden. Mahmoud Nawajaa, der BDS-Koordinator in Ramallah, bezeichnete den Verlust palästinensischer Arbeitsplätze bei SodaStream als…

…Bestandteil des Preises, der im Kampf um die Beendigung der Besatzung bezahlt werden muss.

BDS verursachte unwiderruflichen Schaden, indem die Bewegung 600 Palästinensern ihren Lebensunterhalt nahm, aber die Bewegung selbst bekam genau das, was sie wollte. BDS-Anhänger behaupten, sie seien „gegen die Besatzung“, und SodaStream hat das Westjordanland verlassen. Also was kümmert sie die Firma dann noch, was bleibt für BDS denn noch zu tun?

Die Boykottbewegung greift SodaStream immer noch an, denn ihre Führer behaupten, von der Negev aus zu operieren „kommt einer Teilhabe an Israels Plänen gleich, wenigstens 40.000 palästinensische Beduinen in Gemeinden umzusiedeln“, und laut BDS-Führer Omar Barghouti „wirkt es heimlich mit der ethnischen Säuberung beduinisch-palästinensischer Bürger zusammen“. Nur dass Beduinen keine Palästinenser sind und BDS einfach ihre Identität vereinnahmt, um ihr Narrativ, Israel besetze palästinensisches Land, nicht verbiegen zu müssen.

Dies bezieht sich auf den umstrittenen Prawer-Begin-Plan, der fallengelassen wurde, als die Regierung eine neue Version formulieren wollte. Der Plan hätte die Angelegenheit mit den illegalen Beduinensiedlungen lösen und sie stärker in die israelische Gesellschaft integrieren sollen.

Die SodaStream-Fabrik wurde in einem neuen Industriegebiet in der Negev gebaut, das von der Beduinenstadt Rahat, der jüdischen Stadt Lahavim und dem Bnei-Shimon-Regionalkonzil verwaltet wird. Wenn das Industriegebiet voll entwickelt sein wird, werden zirka 40 Fabriken dort stehen und vielen hundert Arbeitnehmern Beschäftigung bieten, darunter auch vielen Beduinen aus nahegelegenen Städten. Auch eine Schule und ein Krankenhaus sollen dort entstehen. Die Negev befindet sich unbestritten unter israelischer Souveränität, aber für BDS ist sie einfach nur ein weiteres Gebiet, das zur Delegitimierung Israels missbraucht werden kann.

Genau wie die 600 Palästinenser, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, ist die Realität und das Leid der Beduinen der BDS-Bewegung völlig unwichtig. Die Bewegung nutzt jede Gelegenheit zur Dämonisierung Israels, selbst wenn dies zum Nachteil der Menschen ist, für die sie sich angeblich einsetzt.

Comedian opfert die Wahrheit für Comedy

29. Februar 2016

Zahava Raymond, HonestReporting, 25. Februar 2016

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Im Toronto Star stand ein Video mit dem „Comedian“ Scott Vrooman, der sich über Kanadas Gesetzesvorstoß gegen BDS lustig machte: „Parlamentsdebatte über Israel verfehlt das Thema„.

In Wirklichkeit ist es Vrooman, der das Thema in vielfacher Hinsicht verfehlt. In einem schon früher auf der Website des Toronto Star veröffentlichten Video, das sich Kritik von HonestReporting Canada anhören musste, verbog Vrooman komplett die Fakten, um Israel so hinzustellen, als töte das Land mit voller Absicht unbewaffnete palästinensische Zivilisten.

Sein neuestes Video ist ein weiterer Fehlschlag — auch dieses opfert die Wahrheit für einen krampfhaften Versuch, „witzig“ zu sein.

Vrooman behauptet, die BDS-Bewegung könne unmöglich antisemitisch sein, da sie — wie er sarkastisch anmerkt — von „vielen tausend offenbar antisemitischen Juden“ unterstützt wird. Dies soll absurderweise bedeuten, dass ein Jude unmöglich des Antisemitismus beschuldigt werden kann, wenn er exakt dieselben Ansichten nichtjüdischer Antisemiten vertritt. Und es ignoriert die Tatsache, dass es die grundlegende Natur von BDS ist, Antisemitismus anzufachen, und zwar völlig ungeachtet des persönlichen Hintergrunds seiner Anhänger.

Im Begleiteintrag in seinem Blog, welcher den gesprochenen Text des Videos enthält, verlinkt Vrooman die Jewish Voice for Peace. Das ist eine extreme Organisation, die offen sagt, sie würde ihre behauptete jüdische Identität bewusst zum Abschmettern von Anschuldigungen des Antisemitismus einsetzen, da dies sonst ihre Position schwächen würde. JVP haben ihre Feindschaft gegenüber Israels bloßer Existenz bewiesen und haben ebenso die hetzerische Unterstellung der Palästinenser verbreitet, Israel bedrohe die Al-Aqsa-Moschee — eine der Rechtfertigungen auf Seiten der Palästinenser, dass sie israelische Zivilisten abschlachten.

Für Vrooman gilt der Spruch „selig sind die geistig Armen“. Vollkommen naiv behauptet er, die Haltung der BDS sei im Einklang mit der offiziellen Politik Kanadas, da beide…:

…denken, die Besatzung Gazas und des Westjordanlands sowie die dortigen Siedlungen seien illegal, und beide wollen Rechte und einen Staat für die Palästinenser.

Was ihm nicht bewusst ist — oder was er einfach ausklammert: Die BDS-Bewegung sagt klipp und klar, dass sie einen Palästinenserstaat will, der den jüdischen Staat ersetzt. Also keinen, der neben ihm besteht.

Und er sagt, Kanada ignoriere zwar Israels „kriminelles Verhalten“, aber:

Die BDS-Bewegung versucht etwas, das wirklich funktionieren könnte: Bestrafung.

Es stimmt, dass die BDS-Bewegung Israel straft, aber nicht für sein „kriminelles Verhalten“, sondern für seine bloße Existenz und weil es die Frechheit besitzt, sich gegen Terror zu verteidigen. Diesen blenden BDS-Anhänger gerne aus, wenn sie ihn nicht sogar ausdrücklich gutheißen.

Vrooman stellt Israels Demokratie in Frage und sagt: „Eine Demokratie herrscht nicht über eine Gruppe von Menschen, der nicht zu wählen erlaubt ist.“ Vrooman ist eindeutig verwirrt. Palästinenser, die keine israelischen Staatsbürger sind, haben das Wahlrecht bei palästinensischen Wahlen (falls sie sich mal für eine Wahl entscheiden — Abbas ist aktuell im 11. Jahr seiner 4jährigen Amtszeit), haben Zugang zu palästinensischen Sozialleistungen und müssen sich an die palästinensischen Gesetze halten. Und natürlich wählen israelische Araber bei israelischen Wahlen, und arabische Parteien und Politiker sitzen in der Knesset.

Vrooman zerrt die Aussage eines IDF-Befehlshabers im Libanonkrieg 2006 aus jeglichem Zusammenhang und beschuldigt damit Israel des willkürlichen Bombardements von Zivilisten. Israel zielt nicht auf Zivilisten, Punkt!

Er behauptet, die wahre Bedrohung durch die BDS-Bewegung sei Folgendes:

Sie droht die Israel-Story zu verändern, und zwar von der armen kleinen Nuklearmacht, die einfach nur Frieden will, zu einer Story, welche die Wirklichkeit spiegelt.

In Wirklichkeit liegt die wahre Bedrohung durch BDS darin, dass die „Wirklichkeit“, die die Bewegung propagiert, Israel als jüdischen Staat beenden würde.

Soll Vrooman das doch mal in einem Video thematisieren und versuchen, das „lustig“ zu machen.

Anleitung zum Israelboykott bei der Huffington Post?

26. Februar 2016

Zahava Raymond, HonestReporting, 24. Februar 2016

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Der britische Gesetzesvorschlag gegen Israelboykotte führte zu recht breitgefächerten negativen Reaktionen und Anschuldigungen, es handle sich hierbei um einen Angriff auf Demokratie und Meinungsfreiheit.

Während die britische Regierung der BDS-Bewegung Israelboykotte schwerer macht, schien dies der Huffington Post offenbar eine gute Gelegenheit, eine Art Anleitung zu liefern — Israelboykott „leicht gemacht“.

Sie schreibt:

Eine augenöffnende Liste von Dingen, die auf der Website der BDS-Bewegung zum Boykott empfohlen werden, beleuchtet die Waren, auf die sich die Kampagne konzentriert — Waren, die schon bald von der Regierung geschützt werden könnten.

Zu jedem Produkt verrät der Artikel Einzelheiten, woher sie für gewöhnlich stammen, wo im Vereinigten Königreich sie normalerweise gelagert werden, wie sie etikettiert sind, und im Falle der Medjoul-Datteln wird die Tatsache erwähnt, dass „die BDS-Bewegung ihren Rat jedes Jahr vor Ramadan erneuert — da Datteln traditionell zum Brechen des Tagesfastens genutzt werden“.

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Bei den Jaffa-Orangen steht folgender hilfreiche Hinweis: „Die BDS-Bewegung rät Verbrauchern zum Lesen des Etiketts, um eine informierte Kaufentscheidung zu treffen.“

Zwar sagt der Artikel: „Boykotte zielen auf Waren und Dienstleistungen israelischer Firmen, die sich auf umstrittenem Gebiet im Westjordanland befinden“, aber die Liste enthält auch Eiskrem von Ben & Jerry’s. Jene Firma wird von BDS wegen ihrer „langjährigen vertraglichen Beziehung zu einem israelischen Franchise“ bekämpft, „die Eiskrem in Israel produziert und sie in israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland und in Ostjerusalem anbietet“.

HonestReporting hat die Irish Times einst für einen ähnlich verschlagenen Versuch kritisiert, eine Anleitung unter die Leute zu bringen, wie man israelische Produkte boykottieren kann. Artikel wie diese unterstützen die BDS-Agenda und geben BDS das, was es am meisten ersehnt — Medienberichterstattung und öffentliche Aufmerksamkeit.

In der Zwischenzeit hat der Huffington-Post-Artikel, ein bemerkenswertes Beispiel für unausgewogene Berichterstattung, auch Ali Milani, Präsident der Union of Brunel Students, zu Wort kommen lassen. Dieser befördert die „Apartheid“-Verleumdung und behauptet (womöglich sogar ohne eine Miene zu verziehen):

Studenten hatten schon immer die Haltung, der Universitätscampus sollte das Herz moralisch-ethischer Praktiken sein, und die mit uns kooperierenden Firmen sollten frei von Besatzungs- und Apartheid-Politik sein. BDS ist die beste Form gewaltlosen Protests gegen sie.

Eine weitere Apartheidreferenz erscheint in einem Zitat eines Sprechers des britischen Oppositionsführers Jeremy Corbyn:

Dieses Regierungsverbot hätte auch jede Handlung gegen das Südafrika der Apartheidzeit illegal gemacht.

Der Autor bemühte sich vergeblich um Aussagen von Ben & Jerry’s, Eden und Ahava — Firmen, bei denen man nicht voraussetzen sollte, dass sie Erfahrung in israelischer oder britischer Regierungspolitik haben. Wäre es so schwierig gewesen, Kommentare von Quellen zu bringen, die gegen die BDS-Kampagne sind?

Zwar erwähnt der Artikel, dass der britische Minister Matthew Hancock Boykotte „spaltend“ und „kontraproduktiv“ nannte, verschweigt aber die weit ernstere Warnung, dass Boykotte den Antisemitismus anheizen könnten. Dieses Risiko — das kein Risiko ist, sondern erwiesene Tatsache — in Kombination mit dem Extremismus der BDS-Bewegung sind exakt die Gründe, warum verschiedene Strategien einschließlich staatlicher Gesetzgebung zum Stoppen von BDS unternommen werden.

Israelhasser bestätigt aus Versehen: BDS ist antisemitisch

22. Februar 2016

Zahava Raymond, HonestReporting, 17. Februar 2016

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In einem Independent-Artikel beschuldigt Ben White die britische Regierung einer „Fehlrepräsentation der BDS-Bewegung als antisemitisch“, und zwar im Rahmen der neuen Rechtsprechung, welche Kommunen und öffentlichen Einrichtungen einen Boykott Israels verbietet. White führt die Tatsache, dass es auch Juden gibt, welche die Boykotte unterstützen, als Beweis an, dass BDS — und Juden — nicht antisemitisch sein können. Diese „Logik“ führt er nicht weiter aus, und ebensowenig erklärt er, warum es für eine Bewegung nicht antisemitisch sein soll, mit den Boykotten ausschließlich auf Juden zu zielen. Die von ihm erwähnten jüdischen Organisationen sind Randgruppen, die in keinster Weise die jüdische Mainstream-Meinung repräsentieren.

Er behauptet, BDS stelle den „Kolonialismus der israelischen Siedler und die Besatzung“ in Frage, das „Apartheidregime“ der israelischen Regierung und das „willkürliche Töten von Palästinensern“ in Gaza, die laut White alle unschuldig sind, denn in seinem Hirn existiert keine Hamas, und daher gibt es absolut keinen Grund, warum sich Israel je verteidigen müsste. Was er jedoch verschweigt. ist die Delegitimierung Israels und dessen Beendigung als dem jüdischen Staat durch die BDS-Bewegung, beispielsweise durch das Einfordern eines „Rückkehrrechts“ für palästinensische Flüchtlinge von 1948 und 1967 sowie deren Nachkommen.

Zwar gibt es natürlich viele palästinensische Gruppen, die sich für einen Israelboykott einsetzen, aber in Wahrheit schaden diese Boykotte dem durchschnittlichen Palästinenser, der einfach nur ein normales Leben führen will, mehr als sie Israel betreffen. Zum Beispiel verloren Hunderte Palästinenser ihre Jobs, als SodaStream, wo viele tausend Israelis und Palästinenser arbeiteten, zum Verlassen des Westjordanlands gezwungen wurde.

White argumentiert, die BDS-Bewegung würde nicht nur Israel herauspicken, sondern es gebe auch Sanktionen und Waffenembargos gegen Gruppen und Staaten wie Al-Qaida, Nordkorea, Syrien und Iran. Seine absurde Verteidigung besteht darin, dass er eine unmoralische Gleichwertigkeit herstellen will, indem er Israel mit Terrororganisationen und undemokratischen Menschenrechtsverletzern gleichsetzt. Er scheint irrtümlich anzunehmen, dass BDS-Gegner seine Ansichten über Israel zwar teilen würden, aber sagen: „Israel ist nicht das einzige Terror-/Apartheid-Land bzw. nicht die einzige Diktatur, warum also nur wir?“

Was er jedoch richtig hinbekommt, ist das Zitat des BDS-Nationskomiteesprechers Rafeef Ziadah, die neuen Maßnahmen seien ungeeignet, „die wachsende öffentliche Unterstützung für den Kampf der Palästinenser zu vereiteln“. Natürlich war es unvermeidlich, dass BDS-Anhänger gegen die neue Gesetzgebung als Angriff auf die Demokratie protestieren würden. Leider ist das Gesetz in dieser Hinsicht kontraproduktiv, da es den Boykotteuren noch mehr Grund als bisher gibt, das Opfer zu spielen (‚jetzt ist es nicht mehr nur ein Kampf gegen Israel, sondern ein Kampf für die Redefreiheit!‘) — und Aktivisten wie Ben White mehr Grund zu geben, ihre antiisraelischen Verunglimpfungen im Independent auszuspeien.

Die Gesetzgebung ist für Israel gewiss kein PR-Sieg, und die Zeit wird zeigen, ob sie sich wirtschaftlich oder auf andere Weise für Israel vorteilhaft auswirkt. In jedem Fall sollte dies nicht von den realen Gefahren der BDS-Bewegung in anderen Bereichen ablenken. White stellt fest, die BDS-Bewegung würde mehr bewirken als irgendwelche Regierungshandlungen gegen BDS oder für Israel.

Dies liegt daran, weil sie Israel durch die Wiederholung der falschen Anschuldigungen gegen Israel in den Medien delegitimieren können. Diese falschen Anschuldigungen wiederum führen zu einer toxischen Atmosphäre, wo sich Juden auf der ganzen Welt an Universitäten bedroht fühlen und für die israelische Regierung und die Aktionen der Armee, die aus Notwehr gegen Palästinenser unternommen werden, verantwortlich gemacht und körperlich attackiert werden.

Ben Whites Artikel befasst sich mit der Frage, ob BDS antisemitisch ist und Antisemitismus befördert. Die Antwort findet man im Artikel, aber es ist nicht die, die er zu geben hoffte.

Bild CC BY-ND claudia gabriela marques viera

Haneen Zoabi: Israel angreifen ist meine ganz normale Tagesordnung

19. Februar 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 17. Februar 2016

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In einer aktuellen Newsweek-Kolumne veröffentlichte das israelische Knessetmitglied Haneen Zoabi eine Reihe irreführender Aussagen und glatter Lügen über Israel.

Dies reicht von erlogenen Behauptungen, israelische Soldaten hätten ein 15jähriges Mädchen ermordet, während es hilflos am Boden lag, bis hin zu vollkommen falschen Beschuldigungen über „Hinrichtungen“ oder zu der surrealen Leugnung, die Juden hätten keinerlei Vergangenheit im Land Israel: Zoabis Text ähnelte mehr einem Fantasyroman. Für Zoabi war das aber ganz normale Tagesordnung.

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Wer Israel nicht kennt, ist oft überrascht davon, dass die Bevölkerung des Landes auch 1,7 Millionen Araber umfasst, volle Staatsbürger mit vollen und gleichen Rechten, und dass die arabischen Israelis mehrere politische Parteien unterhalten und 17 Sitze in der Knesset haben, einschließlich Zoabis Sitz.

Aber Haneen Zoabis Amtszeit als Knessetmitglied hat nicht viel gebracht. Zu ihren zweifelhaften Leistungen zählt z. B., dass sie 2010 auf der „Flotille“ mitsegelte, die die israelische Seeblockade von Gaza durchbrechen wollte, welche das Schmuggeln von Waffen auf dem Seeweg in den Gazastreifen blockiert. Zoabis Versuch, diese Blockade zu durchbrechen, kann technisch als Kriegshandlung gegen ihr eigenes Land gesehen werden — oder anders gesagt: als Landesverrat. Allerwenigstens hat sie direkt versucht, ihre eigenen Mitbürger in Gefahr zu bringen.

Ebenso bemühte sie sich, die Menschen weltweit davon zu überzeugen, Israel sei ein „Apartheid-Staat“ — und dies trotz der Ironie, dass sie höchstpersönlich die volle Staatsbürgerschaft besitzt und Knessetmitglied ist. Am letzten Jahrestag der Reichskristallnacht besuchte Zoabi Amsterdam und hielt dort eine Rede, in welcher sie Israel einer „ethnischen Säuberung nach dem Vorbild des Nazitums“ beschuldigte.

Haneen Zoabi

Haneen Zoabi

Überdies rechtfertigte sie die Vorstellung, dass israelische Araber ISIS beitreten, obwohl sie die IDF als „schlimmer als ISIS“ bezeichnete, und sie traf sich provokanterweise mit den Familien von Terroristen, die Israelis ermordet hatten.

Zoabi hat den Israel hassenden Autor Ben White unterstützt, den Hassredner Scheich Raed Salah verteidigt und sich sogar mit der Terrororganisation Hamas verbündet. 2014 schrieb Zoabi einen Beitrag für eine Publikation der Hamas, in welcher sie Raketenangriffe rechtfertigte.

Haneen Zoabis Unglück ist nicht, dass sie ihrem eigenen Land Schaden zufügen will, und auch nicht, dass sie dafür permanent lügen muss. Ihr Unglück ist vielmehr, dass sie ihre einzigartig einflussreiche Stellung in der israelischen Regierung verspielt hat, um eine Kampagne diffamierender Propaganda zu fahren, statt dass sie sich um positive Veränderungen für die Menschen bemüht hätte, die sie gewählt haben.

Kurz gesagt — Zoabi hat ihre arabisch-israelischen Wähler zugunsten einer provokanten Selbstdarstellung im Stich gelassen. Und diese Woche für das vergängliche Rampenlicht einer Newsweek-Kolumne.

Bilder: CC BY Circuito Fora do Eixo; Zoabi via SocialTV

Nissans GPS-App kann Israel nicht finden

18. Februar 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 15. Februar 2016

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Ein HonestReporting-Fan (und begeisterter Nissanfahrer) sah, dass die mobile App namens NissanConnect in der Länderliste Israel einfach auslässt.

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Diese Entwicklung ist befremdlich, denn Nissan wird seit 1991 in Israel verkauft und ist dort ausgesprochen beliebt.

Nissans Website enthält Israel, und Israels Beziehungen zu Japan, dem Heimatland des Unternehmens, sind positiv.

Was ist also mit Nissans Karten los?

Ein genauerer Blick auf NissanConnect zeigt, dass diese App über ein Unternehmen namens „Nissan Middle East“ seinen Weg nach Israel fand. Das genannte Unternehmen hat seinen Sitz in Dubai. Obwohl Israel eine diplomatische Mission im Bereich erneuerbare Energieprojekte in den Vereinigten Arabischen Emiraten hat, haben die beiden Länder keine diplomatischen Beziehungen, und die VAE erkennt die Existenz Israels offiziell nicht an.

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Nissans japanisches Hauptquartier weiß eventuell gar nichts davon, dass sein Nahost-Zweig entschieden hat, einen der besten Nissan-Märkte aus seiner eigenen mobilen App zu löschen.

Sagen wir es Nissans Welthauptquartier also einfach. Schließen Sie sich an? Bei Twitter ist Nissan erreichbar unter @nissan oder http://twitter.com/Nissan

CBS News verpasst Israel ein blaues Auge

8. Februar 2016

Pesach Benson, HonestReporting, 3. Februar 2016

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Update: CBS News änderte die Schlagzeile ab. Sie lautet nun wie folgt:

Palästinenser greifen 2 israelische Beamte an, bevor sie getötet werden

* * *

Drei mit Messern, Schusswaffen und Rohrbomben bewaffnete Palästinenser gingen zum Damaskustor in Jerusalem, um Israelis zu ermorden.

Als sie von Polizisten aufgehalten wurden, die an ihnen verdächtiges Verhalten bemerkten, griffen die Palästinenser sie an. Die schnelle Reaktion der Polizisten hat heute eine Menge Blutvergießen verhindert.

Wenn ich durch die Schlagzeilen auf Twitter, Facebook, Google News usw. blättere, sehe ich Schlagzeilen wie diese hier:

Reuters: Israelische Polizistin stirbt bei Anschlag durch Palästinenser, drei Angreifer getötet

AFP: Bei Anschlag in Jerusalem Polizistin getötet, Angreifer erschossen

BBC: Anschlag in Jerusalem: israelische Grenzpolizistin stirbt nach Schüssen

Leider ragt eine vollkommen unprofessionelle Schlagzeile von CBS News aus den anderen Schlagzeilen hervor wie ein hässliches blaues Auge.

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3 Palästinenser getötet, während die tägliche Gewalt weitergeht

Es ist dieselbe müde alte Story: Israelis sind Mörder. „Während die tägliche Gewalt weitergeht“ ist unpersönlich und unentschuldbar.

Es ist ein blaues Auge für Israel und ein blaues Auge für die Leser, die Besseres verdienen als das.

Der HonestReporting-Geschäftsführer Joe Hyams sagte:

CBS versagte nicht nur bei der Erfüllung ihrer Journalistenpflichten, sondern haben sich anderen kläglich gescheiterten Schlagzeilenmachern angeschlossen, die Terroristen zu Opfern machten. Die Medien müssen für den nicht wiedergutzumachenden Schaden, den sie anrichten, zur Rechenschaft gezogen werden. Terror ist Terror, und die Gewalt in Jerusalem, Paris und San Bernardino mit anderen Maßstäben zu messen ist nicht hinnehmbar. Es ist Zeit, sich gegen den institutionellen Antiisraelismus aufzulehnen, der die Büros viel zu vieler Medien weltweit befallen hat.

Hierzu gibt es einen Brief an den Präsidenten von CBS News, David Rhodes — bitte unterzeichnet ihn mit Namen und E-Mail-Adresse; je mehr mitmachen, desto wirksamer ist er.

New-York-Times-Korrespondentin (erneut) von Redaktion korrigiert

1. Februar 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 26. Januar 2016

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Diaa Hadid, Korrespondentin der New York Times, begann ihren Artikel über die Zwangsräumung von Palästinenserwohnungen in Jerusalems Altstadt mit einigen bewegenden Zeilen:

Nazira Maswadis neuer Vermieter versucht sie mit der Behauptung loszuwerden, ihr Noch-Ehemann Tawfiq, der ursprüngliche Mieter, sei verstorben. „Er ist nicht tot“, insistiert sie. „Er hat 10 Kinder mit mir. Wäre er tot, müssten sie ihn begraben.“

So beunruhigend die Behauptung auch ist, sie wird durch die Fakten nicht gestützt. Ausgelöst durch eine Untersuchung durch die Organisation CAMERA erklärt eine Redaktionsnotiz der Times vom 26. Januar, dass Gerichtsdokumente zeigen, dass sie wegen Nichtzahlung der Miete vor die Tür gesetzt wurde. Nicht ganz so emotional oder Sympathie erzeugend.

Die Anerkenntnis des wahren Grundes für die Zwangsräumung würde Hadids Meinung (die in einer Nachrichtenstory nichts zu suchen hat) unterminieren. Dies wird klar, als sie Folgendes schreibt:

Die palästinensischen Familien und ihre Unterstützer behaupten, die oft mit scheinbar obskuren Verletzungen ihrer Mietverträge begründeten Zwangsräumungen seien Teil einer übergeordneten Agenda, jüdische Enklaven innerhalb des historischen muslimischen Viertels zu erzeugen.

Will sie die Leser glauben machen, eine Nichtzahlung der Miete sei eine „obskure Verletzung eines Mietvertrags“?

In Wirklichkeit war das nur eines von drei Problemen mit dem Artikel, welche die Autorin korrigieren musste. Alle aufgrund desselben grundlegenden journalistischen Versagens.

Wie die Times-Redaktion schreibt:

Die Beschreibungen beruhten auf den Aussagen der Mieterin; der Artikel hätte weitere Informationen aus Gerichtsunterlagen oder von den Vermietern enthalten sollen.

Anders gesagt, Hadid hatte sich mit den Gekündigten zusammengesetzt und ihre Aussagen aufgeschrieben, ohne sich die Mühe zu machen, nach anderen Aussagen oder Hinweisen zu forschen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Hadid einen Artikel für die Times geschrieben hat, in welchem sie wesentliches Material, das nicht auf ihre Agenda passte, einfach ausgelassen hat. Wie wir bereits berichtet haben, beschwerten sich vier der Leute, die sie als Hauptquelle für ihren Artikel über die arabische Szene in Haifa interviewt hatte, Hadid habe ihre Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen.

Nachdem sie von ihrer Redaktion zweimal öffentlich korrigiert wurde, können wir uns nur fragen, ob Hadids Auslassungen das Ergebnis schlampigen Journalismus sind oder ob es sich um Absicht handelt. Natürlich ist ihre Vergangenheit bei der berüchtigten antiisraelischen Seite Electronic Intifada („New York Times Employs Veteran of Anti-Semitic Website„) äußerst beunruhigend.

Wir waren ermutigt, als Margaret Sullivan, Public Editor der Times, auf Kritik an der Israel-Berichterstattung des Blattes reagierte und sagte, die New York Times müsse das Leben der Palästinenser und ihre Ansichten stärker dokumentieren und sie nicht nur als Opfer darstellen. Aber Hadid macht die Berichterstattung der Times schlechter und nicht besser.

Die New York Times lässt das Messer fallen

25. Januar 2016

Yarden Frankl, HonestReporting, 24. Januar 2016

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Hier die Schlagzeile, mit welcher die New York Times anfangs einen Artikel über das Ergebnis eines fehlgeschlagenen palästinensischen Terroranschlags begann:

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Selbst die NYT erkannte irgendwann, wie komplett irreführend diese Schlagzeile war. Also fügten sie zwei Wörter ein, die einen großen Unterschied machen — obwohl sie auch „sagt Polizei“ schreiben, um Zweifel zu wecken, ob das palästinensische Mädchen überhaupt ein Messer in der Hand gehalten hat. Die ursprüngliche Schlagzeile hatte keinen solchen Vorbehalt.

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Aber reicht dies aus? Zugegeben, es ist wichtig, dass die Times (im Nachhinein!) das Gefühl hatte, die Leser sollten wissen, dass das Mädchen ein Messer in der Hand hatte. Es wirft jedoch die Frage auf, warum der für die Schlagzeile Verantwortliche nicht klarstellte, dass sie getötet wurde, als sie das Messer gegen eine israelische Wache einsetzen wollte. Es steht ja im ersten Absatz: Sie wurde getötet, „nachdem sie mit einem Messer auf ihn zurannte“.

Aber wie viele Leute sahen die ursprüngliche Schlagzeile und schlossen aus ihr, ein Israeli hätte ein unschuldiges Mädchen erschossen?

Womöglich sollten wir der Times dankbar sein, dass sie wenigstens diesen schwachen Versuch zur Verbesserung der Schlagzeile unternommen hat. Bei Sky News Australia und auch im Australian sieht die bislang unveränderte Schlagzeile so aus:

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Weiter unten im Artikel nennt Sky folgende Einzelheiten:

Sie hielt ein Messer in der Hand, rannte auf einen Sicherheitsmann am Zugang zur Siedlung Anatot zu, und er eröffnete das Feuer.

Aber kein Mensch, der einfach nur die Schlagzeile liest, hätte auch nur den Schimmer einer Ahnung, was sich wirklich zugetragen hat.

Leider sind das einfach nur zwei weitere Beispiele der Bemühungen vieler Medien, die wahre Natur palästinensischen Terrorismus, dem Israel ausgesetzt ist, herunterzuspielen.

„Mein Kampf“ zum Angriff auf Israel benutzt

13. Januar 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 12. Januar 2016

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Paul Mason vom britischen Channel 4 hat im Guardian einen Meinungsbeitrag mit dem Titel „Während Mein Kampf nach Deutschland zurückkehrt, spült neuer Hass über die Welt“ veröffentlicht. Während Hitlers „Mein Kampf“ nach dem Wegfall des Copyrights in Deutschland neu veröffentlicht wird (obgleich der Text mit kritischen Ausführungen versehen ist), erscheint es für Mason überaus vernünftig, einen Blick zurück in die Geschichte zu werfen und zu beurteilen, wie Hitler in sehr kurzer Zeit nach dem Verfassen seiner rassistischen Hetzschrift von einer extremistischen Randerscheinung zum Nazi-Führer aufstieg, der einen Weltkrieg entfesselte und einen Völkermord betrieb.

Ebenso ist es völlig legitim, dies auch mit aktuellen Geschehnissen zu verknüpfen. Mason schreibt:

Seit 1945 wurden jeder Generation der aufgeklärten Welt „die Lektionen“ des Sich-Erhebens des Nazitums gelehrt. Wenn man sich jedoch die Welt ansieht, wie sie sich Anfang 2016 präsentiert, stellt man fest, dass wir scheinbar die falschen Lektionen gelernt haben. Die Welt ist voller Hass. Und da zirka ein Viertel ihrer Bewohner mobile Konten in den sozialen Medien haben, hinterlassen wir eine äußerst detaillierte Hinweisspur über deren Ausmaß und Verbreitung.

Aber dann kommt die böse Überraschung:

Israelische soziale Medien beispielsweise quellen seit dem Gazakonflikt von 2014 mit Rassenhass gegenüber Arabern über. Dies wiederum hat Attacken auf israelisch-jüdische Menschenrechtsorganisationen befeuert; die Regierung zwingt diese, ihre „ausländischen Geldgeber“ offenzulegen. Und vor kurzem gingen unter den wachsenden Hassreden die Jerusalembüros der bekannten Menschenrechtsgruppe B’Tselem in Flammen auf — das Resultat von Brandstiftung, wie die Gruppe mitteilt.

Ist es Zufall, dass Mason Israel als erstes Beispiel für den laut ihm „wachsenden Hass und Rassismus“ herausgepickt hat? Es ist eine gewöhnliche rhetorische Waffe der Israelhasser, das jüdische Volk herauszupicken und ihm vorzuwerfen, es habe die Lektionen aus dem Holocaust nicht gelernt, weil es Palästinenser in derselben Weise oder sogar schlimmer behandle als die Nazis die Juden behandelt haben.

Ob bewusst oder unbewusst, jedenfalls vertritt Mason exakt jene Ansicht, jüdische Israelis hätten nichts aus den Lektionen des Sich-Erhebens des Nazitums gelernt.

Trotz der Situation, dass die Palästinenser ständig zu Hass auf Juden und zu Terrorismus angestachelt werden, und zwar sowohl in den sozialen Medien als auch durch ihre eigene Führungsriege bei der Palästinenserbehörde und der Hamas, sind es in Masons Augen die Israelis, die Hass und Rassismus repräsentieren. Und ist ein Gesetz über die Offenlegung der ausländischen Geldgeber nichtstaatlicher Organisationen wirklich mit den Auswüchsen des Naziregimes vergleichbar?

Was das Feuer bei B’Tselem betrifft: Hätte Mason da nicht voreilig etwas dahingeschrieben, wäre ihm bekannt, dass das Feuer offenbar durch einen elektrischen Defekt im Gebäude verursacht wurde und nicht durch einen politisch motivierten Brandstifter. [Der Meinungsbeitrag wurde seither verändert, und der Satz mit B’Tselem wurde entfernt.]

Danach führt Mason echte Menschenrechtsverletzungen in der Türkei und in Saudi-Arabien an, z. B. Massenexekutionen und Regierungsschläge gegen moderate Oppositionsparteien. Das sind zwei Länder, mit denen das demokratische Israel nicht in die gleiche Schublade werden sollte.

Mason hat recht, wenn er den sich in sozialen Medien verbreitenden Hass anprangert und auch die Konsequenzen von Hassreden anspricht, wie man sie in „Mein Kampf“ verkörpert sieht. Aber indem Mason fälschlicherweise Israel als bestes Beispiel hierfür herauspickt, zeigt, wo der wirkliche Hass verborgen liegt.

Die Wahrheit reicht nicht aus

3. Januar 2016

Elijah Granet, HonestReporting, 3. Januar 2016

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Der folgende Gastbeitrag wurde von Elijah Granet verfasst, HonestReportings Gewinner des Blankfeld Award 2014/15. Momentan studiert Elijah Politikwissenschaften an der Columbia University und den Talmud am Jewish Theological Seminary in New York City.

Die Wahrheit über Israel ist selbstverständlich von enormer Wichtigkeit. Das meine ich nicht philosophisch, sondern in dem Sinne, dass die hartnäckigen Lügen über Israel dem Land schaden können, wohingegen die Wahrheit überzeugende Argumente für das Land Israel liefert. Diskussionen über Israel sollten ehrlich, gerecht und akkurat sein, und das gilt insbesondere für die Medien, da sie enormen Einfluss besitzen.

Um die BDS-Bewegung und andere eingefleischte antiisraelische Gruppen zu überwinden, reicht die Wahrheit jedoch nicht aus.

Die BDS-Bewegung wärmt viele abgedroschene Lügen über Israel immer wieder auf, verfolgt damit aber ein bestimmtes Ziel: Sie möchte die öffentliche Meinung nicht nur gegen Israel wenden, sondern erreichen, dass die Leute sogar Angst bekommen, Israel in einer Diskussion überhaupt zu erwähnen.

Die große Mehrheit der Weltbevölkerung kümmert sich nicht sonderlich um Israel und weiß recht wenig über das Land. Tatsächlich verfolgen nur wenige die Feinheiten der politischen Situation ihres eigenen Landes, vom Nahen Osten ganz zu schweigen. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass die große Mehrheit Israel nicht einmal auf der Landkarte finden würde.

Genau aus diesem Grund reicht die Wahrheit nicht aus. In einer Zeit, in welcher alles, was mit Israel zu tun hat, „kontrovers“ ist, und alles, was auch nur am Rande mit Israel zu tun hat, Protesten und Boykotten unterworfen ist, ignorieren die meisten vernünftigen, uninformierten Leute israelbezogene Themen einfach. Denn wenn man weder mit Israel vertraut ist noch sich sonderlich darum kümmert, ist es am besten, das Thema gänzlich zu meiden und die Unmengen an Gehässigkeit zu vermeiden, die mit diesem „irrelevanten“ Thema verknüpft sind.

Und das hat sehr reale Konsequenzen, wenn die BDS ihre üblichen Tricks versucht. Wird gegen einen Laden protestiert, wird er boykottiert und belästigt, weil er israelische Produkte verkauft, ist die Wahrheit dessen Inhabern nicht wichtig. Was wirklich zählt, ist, dass der Laden unbehelligt weiterbesteht, und am besten und schnellsten geschieht das, indem man dem BDS-Druck nachgibt. BDS ist durchweg lauter und aggressiver als die Freunde Israels, und daher gewinnt BDS.

Ich will nicht sagen, dass die Freunde Israels so laut und zerstörerisch wie die BDS-Horde werden sollten. Uninteressierten gilt die Wahrheit über Israel nichts. Was zählt, ist, was mit ihnen geschieht, wenn sie es mit Israel bzw. Israelthemen zu tun haben. Interessierte, die sich die Fakten über Israel genau angeschaut haben, werden jedoch für ihre Sichtweise aufstehen, egal wieviel Krach die BDS-Bewegung macht. Leider leben wir jedoch in einer Welt gleichgültiger Menschen, und daher gewinnt meist der Krach und nicht die Wahrheit.

Wie kriegt man dann die Menschen dazu, die Wahrheit wahrzunehmen? Indem man sie an Israel und seinen Themen interessiert macht.

Zuallererst — und am wichtigsten überhaupt — müssen wir Uninteressierte in Interessierte verwandeln. Öffentliche Aufklärung über alle Aspekte Israels einschließlich allem, was überhaupt nicht mit dem Nahostkonflikt zusammenhängt, ist einer der besten Wege, um emotionale und intellektuelle Verbindungen zu Israel zu fördern. Und was noch besser ist: BDS-Proteste gegen solche Versuche, Informationen über Israel zu vermitteln, sind vollkommen ineffektiv. Zum einen zeigen diese Proteste, wie launenhaft die BDS-Bewegung ist. Beispielsweise verteilten Pro-Boykott-Gruppen an der Columbia University, wo ich studiere, den Campus mit Flyern, in welchen sie gegen einen Versuch protestierten, Israels humanitäre Bemühungen im Ausland bekannt zu machen. Selbst ein Uninteressierter und Uninformierter kann sehen, wie komplett lächerlich solche „Proteste“ sind. Zum anderen ist die Reaktion von Leuten, die von der öffentlichen Debatte bzw. „Kontroverse“ über Israel angeregt werden, nach dem Stichwort „Israel“ zu googeln. Auch hier wird die Wahrheit wieder wichtig, und HonestReportings Bemühungen haben hier große Auswirkungen. Unser hypothetischer Googler wird zweifellos über viele verschiedene Artikel über Israel stolpern, und es ist sehr wichtig, dass er dann Fakten findet und keine Voreingenommenheit.

Natürlich wird es Leute geben, die man durch solche Informationsbemühungen nicht erreicht, aber auch sie können umgestimmt werden. Da wir Israel für diese Leute nicht in den Vordergrund bringen können, müssen wir es eben in den Hintergrund bringen und so normal machen, dass Boykotte oder Dämonisierungen Israels befremdend wirken und nicht die Normalität darstellen. Drücken wir es anders aus: Kein Ladenbesitzer würde Menschen nachgeben, die einen Boykott portugiesischer Produkte fordern, egal wieviel Krach sie auch machen. Uninteressierte müssen Israel als ein normales, hochentwickeltes, westliches Land sehen, bevor BDS seine aggressiven Dämonisierungen veranstaltet. BDS will Israel „besonders“ machen; wir müssen uns bemühen, Israel normal zu halten. Das ist eine subtile und schwierige Bemühung, die von einer Sicherstellung der breiten Verfügbarkeit von Produkten made in Israel bis hin zu subtilen Dingen gehen kann wie z. B. dass eine israelische Flagge in jeder Anreihung von Flaggen oder Hebräisch in jeder Aufzählung von Sprachen vorkommt. So albern und seltsam sich das vielleicht anhört, aber diese Art Hintergrundbotschaft ist vielleicht der einzige Weg, Uninteressierte nicht von den lauten Lügen umstimmen zu lassen.

Keiner dieser Versuche lenkt von der Tatsache ab, dass die Wahrheit über Israel, wie bereits erwähnt, von immenser Wichtigkeit ist. Ehrlichkeit, Akkuratesse und Gerechtigkeit in Diskussionen über Israel sind wichtig für den Schutz des Landes vor den bösartigen und hartnäckigen Versuchen, sein Image in der Öffentlichkeit zu zerstören, und ohne die Wahrheit kann keine Bemühung Israel vor seinen Feinden schützen. Gleichermaßen reicht die Wahrheit in einer Welt, die sich zum größten Teil nicht um ein winziges Land mit geringer Bevölkerung schert, nicht aus. Nur wenn die Freunde Israels die Wahrheit mit Aufklärung und Normalisierung koppeln, können sie die Welle der Dämonisierung und der Verleumdungen gegen den jüdischen Stadt stoppen.

Dishonest Reporter of the Year 2015: Warum die BBC gewonnen hat

29. Dezember 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 28. Dezember 2015

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Als wir unsere Archive für 2015 durchsahen, war klar, welches Medium den diesjährigen Dishonest Reporter Award verdient. Die Ehre gebührt dem ewigen Kandidaten BBC News.

Egal zu welchem Zeitpunkt man die BBC anschaltet, die hinterhältige Natur ihrer antiisraelischen Voreingenommenheit zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Programm. Dieses Jahr jedoch lief das Fass über, da die BBC einige ernsthaft schockierende Momente in ihrer Berichterstattung hatte, die zu einem gewaltigen Maß an Zorn und Ärger führten.

Hier sind neun „Highlights“, welche die Stellung der BBC als schlimmster Nachrichtendienst 2015 zementierten.

Hier klicken für die Liste der Nächstplatzierten.

1. Tim Willcox’ “jüdische Hand”

Das besonders üble Jahr der BBC begann im Januar mit der haarsträubenden Berichterstattung über die Pariser Terroranschläge auf Charlie Hebdo und einen koscheren Supermarkt. Reporter Tim Willcox interviewte bei der Solidaritäts-Massenversammlung vom 11. Januar in Paris eine jüdische Frau. Willcox unterbrach sie mit den Worten:

Viele Kritiker von Israels Politik würden sagen, dass auch die Palästinenser sehr unter der jüdischen Hand leiden.

Damit machte er im Grunde das gesamte französische Judentum (und alle Juden) für die Handlungen Israels verantwortlich und bot gleichzeitig eine Rechtfertigung für die Terroranschläge.

Später entschuldigte sich Willcox auf Twitter für eine „schlecht formulierte Frage“. Die BBC hielt das für hinreichend reuevoll und verzichtete daher auf weitere Maßnahmen gegen Willcox und auch auf eine offizielle Anerkenntnis der beleidigenden Natur dieses Interviews.

Hiernach gab es ein langgezogenes und letztlich fruchtloses Beispiel für die Absurdität der Beschwerdeprozedur bei der BBC. Deren Editorial Complaints Unit schmetterte die zahlreichen Beschwerden ab und formulierte nicht nur einmal, sondern gleich doppelt eine Verharmlosung und Reinwaschung des Vorfalls. Nachdem sie den Prozess bereits über Monate gezogen hatten, wurde ein weiteres Gesuch seitens HonestReporting vom redaktionellen Chefberater des BBC Trust zurückgewiesen.

Schlussfolgerung? Die Beschwerdeprozedur der BBC ist eindeutig nicht zweckdienlich.

2. Anschlag auf Charlie Hebdo kein „Terrorismus“

Willcox war nicht das einzige Beispiel der unterirdischen Berichterstattung der BBC über die Pariser Terroranschläge. Es waren unprovozierte Anschläge auf rein zivile Ziele — das Büro eines Magazins und ein koscherer Supermarkt — mit der Absicht, Menschen umzubringen und eine Stadt einzuschüchtern. Jeder vernünftige Mensch würde das Terrorismus nennen.

Nicht aber die BBC. Nehmen wir zum Beispiel den Chef von BBC Arabic, Tarik Kafala. Er sagte dem Independent, Terror sei ein zu stark „geladener“ Begriff für das Geschehene.

„Wir versuchen es zu vermeiden, eine Person als Terrorist oder eine Tat als terroristisch zu bezeichnen“, so der britisch-libysche Kafala, der ein Team aus zirka 200 Personen in den Büros von BBC Arabic im vierten Stock des New Broadcasting House anführt. „Terrorismus ist ein stark geladenes Wort. Die Vereinten Nationen haben sie über ein Jahrzehnt lang schwergetan, das Wort zu definieren, und sie können es nicht. Es ist sehr schwierig.“

In Wirklichkeit wissen wir durchaus, was Terror ist — die BBC will das Wort einfach nur nicht sagen.

3. „Keine Beweise“ für menschliche Schutzschilde

video-BBC-biased-clueless-770x400Die Unfähigkeit der BBC, sich selbst zu überwachen, wurde zu einem Dauerbrenner. Nehmen wir zum Beispiel die vielen Beschwerden über Orla Guerin, die 2014 aus Gaza berichtet hatte, es gebe „keine Beweise“ dafür, dass die Hamas menschliche Schutzschilde benutze. Obwohl es sich um Beschwerden über Berichterstattung aus dem Jahr 2014 handelte, antwortete der BBC Trust nicht vor Mai 2015. Diesmal pflichtete der Trust der Beschwerde bei, dass Guerins Aussage unzutreffend war:

Sich auf die „Beweise“ einer Seite zu beziehen, bedeutet nicht notwendigerweise, dass ihre Version der Ereignisse untermauert werden. Daher würde ich der Einschätzung zustimmen, dass man es hätte besser formulieren können.

Aber weiter ging der BBC Trust nicht; man behauptete, die Zuschauer hätten aus Guerins Bezügen auf Raketen, die in unmittelbarer Nähe zu Wohnvierteln abgefeuert wurden, selbst den Schluss ziehen sollen, dass die Hamas nichts Gutes im Schilde führte.

4. „Würden Sie Ihre Eltern als Terroristen beschreiben?“

Zwar konnte sich die BBC nicht dazu durchringen, die islamistischen Mörder in Frankreich oder die palästinensischen Messerstecher in Israel als Terroristen zu beschreiben, aber dieser Standard wird selbstverständlich sofort ungültig, sobald es um Juden geht.

Bei einem Interview für BBC Newsnight stellte Evan Davis der israelischen Politikerin Tzipi Livni eine Reihe von Suggestivfragen einschließlich der folgenden, die in Bezug auf Livnis Eltern gestellt wurde, die sich im Kampf gegen das britische Militär im Palästina-Mandat der 1940er der Irgun angeschlossen hatten:

Sie waren von den Briten festgenommen worden, sie waren Teil der Irgun, einer Bewegung. Würden Sie Ihre Eltern als Terroristen bezeichnen?

Evan Davis‘ Frage war ein plumper Versuch, dass Livni das Wort „Terrorist“ in den Mund nimmt. Sie stellt ernsthaft seine Unparteilichkeit in Frage und lässt uns fragen, warum bei der BBC nur Juden und Israelis als Terroristen bezeichnet werden können?

Was den Rest des Interviews betrifft, so versuchte Davis beständig, Livni mit Fragen in die Ecke zu drängen, die auf der Annahme beruhten, Israel sei ein Apartheidstaat. Er fragte sie sogar, ob sie Sanktionen gegen Südafrika zur Apartheidzeit zustimmte — ein Versuch, eine moralische Entsprechung zwischen dem südafrikanischen Apartheitregime und Israel herzustellen und Livni als potentielle Scheinheilige darzustellen.

Einfach nur ein weiteres Beispiel für die feindselige Haltung der BBC, wenn sie es mit einem israelischen Politiker zu tun hat — völlig gleich, wo dieser im politischen Spektrum steht.

5. Schockierender Holocaust-Tweet

Nur Wochen nach dem Willcox-Vorfall kam von Seiten der BBC etwas vielleicht noch Krasseres, Unsensibles und schlichtweg Beleidigendes. Anlässlich des internationalen Holocaustgedenktags und dem 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz tweetete „The Big Question“, eine BBC-Debattiershow über moralische, ethische und religiöse Fragen Folgendes:

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Was oder wen genau will die BBC zur Ruhe betten? Holocaustüberlebende? Die Erinnerung an sechs Millionen jüdische Opfer des Nazi-Völkermords?

Wieder einmal hat die BBC ein Thema von immenser Wichtigkeit für das jüdische Volk mit Füßen getreten.

6. Immer weiter draufprügeln

Wer immer noch nicht glaubt, dass die BBC an einer ungesunden Israelbesessenheit leidet, kann sich das Foto ansehen, das sie als Begleitbild ihrer Berichterstattung über ein Fußballspiel zwischen Israel und Wales bei der Qualifikation für die Europameisterschaften 2016 genommen hat.

Die Politik hinter dem Spiel wäre für einen BBC-Nachrichtenbericht passend gewesen, aber was erwartete die Besucher der BBC-Sportseite vor und während des Spiels? Dieses Bild:

BBC-Sport

7. Die alternative Realität der BBC

Bei der Verkündung des Atomdeals mit dem Iran interviewte das Radio BBC World Service Israels damaligen Wissenschafts-, Technologie- und Weltraumminister Danny Danon.

Danon sagte, Israel halte sich „alle Möglichkeiten offen“. Als die Moderatorin Razia Iqbal Danon um eine Erläuterung bat, war ihre Reaktion schockierend und verstörend zugleich:

Aber Sie werden vom Iran gar nicht bedroht. Für sehr lange Zeit hat niemand im Iran Sie bedroht. Sie greifen auf eine Zeit zurück, in der Präsident Mahmoud Ahmadinedschad Israel direkt bedroht hat.

Hier der Radiobeitrag: https://soundcloud.com/honestreporting/bbc-world-service-radio-newshour-july-14-2015

In welcher Realität lebt die BBC-Moderatorin eigentlich? Nur ein paar Tage vor dem Interview beging der Iran den „Al-Quds-Tag“, wo zahlreiche Drohungen gegen Israel ausgesprochen wurden. Und wiederum einige Tage davor hatte ein bekannter iranischer Führer Israel die Zerstörung angedroht:

„Die Präsenz des israelischen Regimes ist zeitweilig“, sagte der iranische Ayatollah Akbar Haschemi Rafsandschani der mit der Hisbollah verknüpften Nachrichtenseite Al Ahd. „Schlussendlich wird dieses fremdartige geformte Gebilde, das dem Körper einer uralten Nation und einer historischen Region aufgezwungen wurde, eines Tages von der Weltkarte gewischt werden.“

Am Ende des Jahres akzeptierte die Editorial Complaints Unit der BBC eine Beschwerde.

Obgleich die Frage nur dazu dienen sollte, dem Interviewpartner seine Sichtweise über die Natur der Bedrohungen zu entlocken, denen Israel gegenübersteht, erweckte die Formulierung den Eindruck, es wäre eine unbestrittene Tatsache gesagt worden. Die vom Beschwerdeführer angeführten Aussagen aus iranischen Quellen genügten, um dies in Frage zu stellen.

8. Entgleisung von BBC Panorama

BBC Panorama, die wichtigste Sendung der BBC zu aktuellen Themen, brachte im Juli einen Beitrag namens „Die Bahn, die Jerusalem spaltet“. Was für eine Entgleisung dieser Beitrag doch war.

Der selbsternannte jüdische Filmemacher Adam Wishart konzentrierte sich auf Jerusalems Straßenbahn, um Jerusalems Palästinenser als Opfer eines bösartigen Plans darzustellen, die Stadt auf ihre Kosten zu „verjuden“. Und das alles würde von der Entwicklung von Jerusalems Transportnetzwerk vorangetrieben.

Hier das Video: https://vimeo.com/136422517

HonestReporting nahm eine gründliche Widerlegung des halbstündigen Beitrags vor, der selbst nach BBC-Standards als derart voreingenommen angesehen wurde, dass er in jüdischen Zeitungen des Vereinigten Königreichs sowie auch in der Jerusalem Post Schlagzeilen machte. Die JP schrieb:

Die BBC hatte keine Antwort auf die Frage der Post, welche Mechanismen zum Einsatz kamen, um sicherzustellen, dass der Beitrag ausgewogen war, und ob man einen Folgebeitrag in Betracht zog, der die andere Seite des Streits um Jerusalem zeigt. Die Sprecherin sagte nur, der Beitrag habe „die Spannungen in Jerusalem durch die Augen eines britisch-jüdischen Filmemachers erforscht und wiedergegeben, was er in der Stadt bezeugt und von einer Anzahl von Stimmen mit unterschiedlichen Ansichten gehört hat.“

Yiftach Curiel, Sprecher der israelischen Botschaft in London, sagte der Post, dieser Beitrag sei einer der voreingenommensten in jüngster Zeit gewesen. „Er errichtet ein weitestgehend fiktives Narrativ, indem er marginale Meinungen in der israelischen Gesellschaft nahm und als Mainstream präsentierte, während er gleichzeitig palästinensischen Terrorismus und palästinensische Aufstachelung in den Hintergrund schiebt.“

9. Terroranschlag in Jerusalem: irreführende BBC-Schlagzeile

Zwei Israelis wurden zu Beginn der palästinensischen Terrorwelle im Oktober in Jerusalems Altstadt erstochen. Der palästinensische Attentäter wurde von Sicherheitskräften erschossen, nachdem er das Feuer auf sie eröffnete. Die Frau eines der Opfer und ihr zweijähriges Kind wurden leicht verletzt.

Wie berichtete die BBC anfangs über den Anschlag?

Palästinenser erschossen, nachdem Jerusalemanschlag zwei tötete

Der Fokus der Schlagzeile liegt auf dem Tod des palästinensischen Attentäters, der „erschossen“ wurde, was den Terroristen effektiv zum Opfer macht.

Und was ist eine „Jerusalem-Attacke“? Städte greifen keine Menschen an. Die BBC konnte sich nicht dazu durchringen, einem Palästinenser Verantwortlichkeit zuzugestehen. Ebenso verschwieg sie, dass die tatsächlichen Opfer des Anschlags israelische Juden waren.

Die haarsträubende Schlagzeile erzeugte so viel Zorn, dass selbst Israels normalerweise passives Regierungs-Pressebüro einen scharf formulierten Brief an den Chef des BBC-Büros in Jerusalem, Richard Palmer, schickte, in dem die Schlagzeile als „unethisch“ bezeichnet wird.

Die Schlagzeile wurde später mehrfach verändert, aber es ist verstörend, dass ein solcher Artikel überhaupt erst erscheinen konnte.

* * *

Die gesamte Zukunft der BBC wird dank einer Satzungsprüfung Ende 2016 seitens der britischen Regierung neu diskutiert. Es wäre übertrieben zu behaupten, die voreingenommene Israelberichterstattung der BBC spiele bei der Neuordnung bzw. Umstrukturierung des enormen Nachrichtenapparats der BBC eine wesentliche Rolle.

Dennoch ist die Behandlung Israels durch die BBC Teil eines tieferen institutionellen Problems ihrer Nachrichtenabteilung, der man weithin Voreingenommenheit nachsagt, wenn es um Themen geht, die nicht ins linke BBC-Weltbild passen.

Zumindest kann sich die BBC im Ruhm des Dishonest Reporter Awards suhlen, und zwar dank eines äußerst bemerkenswerten Jahres, selbst nach den hohen antiisraelischen Standards der BBC.

Simon Plosker, geschäftsführender Redakteur von HonestReporting, fügt hinzu:

Dieser Preis ist absolut verdient, denn die BBC hat dieses Jahr wirklich einen neuen Tiefstand in seiner Israelberichterstattung erreicht. Sie erkennt keinen Antisemitismus und nicht einmal Terrorismus. Es ist über zehn Jahre her, seit der Balen-Report die Israelberichterstattung der BBC untersuchte und hiernach von der BBC vertuscht wurde.

Die lange Reihe haarsträubender Vorfälle in diesem Jahr ist ein weiterer Beweis, dass die institutionelle Voreingenommenheit der BBC immer noch tief verankert ist. Dieses Jahr hat ebenfalls gezeigt, dass der Mangel an Verantwortlichkeit innerhalb der BBC und ihre Unfähigkeit, sich effektiv zu überwachen, dringend einer Abhilfe bedarf. Die Beschwerdeprozedur der BBC ist schlichtweg nicht zweckdienlich.

Als einer der einflussreichsten Sender der Welt hat die BBC die Verantwortung, eine Story korrekt zu berichten. Im Falle Israels hat sie grenzenlos versagt.

Hier klicken für die Liste der Nächstplatzierten.

Die „Dishonest Reporting Awards“ 2015

25. Dezember 2015

Pesach Benson, HonestReporting, 23. Dezember 2015

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Das Jahr begann mit islamischem Terror in Paris, wurde aber von den iranischen Atomverhandlungen und den strapazierten US-israelischen Beziehungen dominiert. Eine Welle palästinensischer Messer- und Autoramm-Angriffe begann mit dem jüdischen Neujahr. Als sich 2015 seinem Ende zuneigt, hat der islamische Terror wieder im Westen zugeschlagen, und Paris erlitt neuerliche Gewalt.

Die „Dishonest Reporting Awards“ 2015

1. Der beste Grund, palästinensische Quellen mit Vorsicht zu behandeln: die Hochwasser-in-Gaza-Verleumdung

2. Voreingenommenster Journalist: Kitty Holland

3. Schlimmster Missbrauch anonymer Quellen: Haaretz

4. Verleumdung des Jahres: Fareed Zakaria

5. Übelste Verkettung: New York Times

6. Große Momente der Selbstbeweihräucherung: Brian Williams

7. Dümmste Twitter-Tirade: Jim Clancy

8. Verstörendste falsche Landkarte: MSNBC

Und wer ist insgesamt der unehrlichste Reporter 2015? Das verkünden wir nächste Woche, behaltet also diesen Blog im Auge! Und jetzt ohne große Umschweife… hier sind die Nächstplatzierten!

DRA-silhouette-25x2531. Der beste Grund, palästinensische Quellen mit Vorsicht zu behandeln: die Hochwasser-in-Gaza-Verleumdung

Nach schweren Unwettern im Februar beschuldigten Palästinenser Israel, Gaza überflutet zu haben, indem sie Dämme im Süden geöffnet hätten. Die Anschuldigungen erschienen in einer Reihe von Medien wie AFP, Al-Jazeera, Russia Today, Xinhua und den palästinensischen Maan News.

Quellen für diese Beschuldigung waren u. a. der Chef der Zivilschutzbehörde im Hamas-geführten Gazastreifen, Brigadegeneral Said Al-Saudi, während Russia Today schrieb: „Fast jedes Jahr öffnet Israel ohne vorherige Ankündigung die Fluttore ihrer Dämme in Richtung Gaza und setzt große Mengen überschüssigen Wassers frei, das sich bei schweren Regen- oder Schneefällen in der Region Naqab angesammelt hat.“

Bei dieser Story gab es jedoch ein großes Problem — es existieren keine Dämme in Südisrael. Das Hochwasser in Gaza lag einfach am schweren Regen und an den miserablen Abwasserkanälen. Als dies klar wurde, entfernte AFP sein Video über die Story, und Al-Jazeera nahm seinen Artikel zurück und veröffentlichte sogar eine Entschuldigung.

Die Daily Mail aber ignorierte das alles und veröffentlichte die Story sogar ein zweites Mal.

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Nach einem langen E-Mail-Austausch mit HonestReporting machte Mail Online einen erbärmlich anmutenden Versuch, den Artikel zu berichtigen. Man änderte die Schlagzeile, entfernte Zitate von Palästinensern und belastende Fotounterschriften, bevor man schlussendlich zugab, dass die Story erschwindelt war.

Eine frühere Version dieses Artikels besagte, Israel habe im Süden des Landes Flussdämme geöffnet und eine Überschwemmung des Gaza-Streifens verursacht. In Wirklichkeit gibt es keine Dämme in Südisrael, und die Überflutung wurde von Regen und Ableitungsproblemen verursacht. Wir freuen uns, das klarstellen zu können.

DRA-silhouette-25x2532. Voreingenommenster Journalist: Kitty Holland

Einige Journalisten bedanken sich und korrigieren ihre Story, wenn man sie auf einen Fehler hinweist. Andere lehnen freundlich ab und liefern Gegenargumente.

Aber als HonestReportings leitender Redakteur Simon Plosker eine Twitter-Konversation mit der Irish-Times-Journalistin Kitty Holland begann, wurde es übel.

Statt auf ein ernstes Problem bei ihrem fragwürdigen Bericht über die Anschuldigung von Amnesty International einzugehen, Israel habe „Kriegsverbrechen“ begangen, tweetete Holland:

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Hollands haarsträubender Tweet spricht Bände über ihre Haltung nicht nur gegenüber Israel, sondern auch gegenüber der Mehrheit der Juden, die sich als Zionisten betrachten. Aber wie konnte die Irish Times das akzeptabel finden? Die Antwort kam einige Monate später als Antwortmail an HonestReporting. Diese E-Mail wurde vom Chefredakteur der Zeitung geschrieben, Kevin O’Sullivan, und betraf andere einseitig gegen Israel gerichtete Artikel:

Die Irish Times war immer einer unvoreingenommenen Berichterstattung gegenüber verpflichtet und wird dies auch weiterhin bleiben. Wo angebracht, werden faktische Fehler korrigiert. Normalerweise treten wir diesbezüglich gerne in einen Dialog mit unseren Lesern, aber ich ziehe die Grenze bei einer Organisation, deren Website rassistisches, islamophobes und sexistisches Material bietet…

Schon wieder schlägt jemand bei der Irish Times berechtigte Kritik als unrechtmäßiges Produkt von „Zionisten“ in den Wind — oder wie im letzten Fall aufgrund einer Organisation, welche der Chefredakteur einfach nicht mag.

DRA-silhouette-25x2533. Schlimmster Missbrauch anonymer Quellen: Haaretz

Erasmus von Rotterdam

Erasmus von Rotterdam

Ein berühmter Kommentar des niederländischen Philosophen der Renaissance, Erasmus von Rotterdam, der von vielen Blues-Musikern übernommen wurde, passt auch auf anonyme Quellen: Man kann nicht mit ihnen leben, man kann nicht ohne sie leben.

Journalisten brauchen anonyme Quellen, da deren Informationen den Reportern ein besseres Verständnis des Geschehens vermitteln. Aber wenn die Leser nicht wissen, wer der unidentifizierte Sprecher ist, müssen sie den Vertrauensvorschuss leisten, dass die Quelle glaubwürdig ist und keine eigenen ideologischen bzw. politischen Hintergedanken verfolgt.

Da der öffentliche Diskurs nicht mit bzw. ohne anonyme Quellen leben kann, hat der Journalismus ethische Richtlinien formuliert. Zwei Richtlinien wurden von Haaretz grob verletzt, als das Blatt eine Story auf der Aussage zweier „hoher Regierungsbeamter in Washington“ gründete, die Schmutz auf die israelischen Einwände gegen die Nuklear-Vereinbarung mit dem Iran warfen.

1. Berichte müssen wenigstens eine namentlich genannte Quelle beinhalten. Keine Story sollte je ausschließlich auf anonymen Quellen fußen.
2. Bei den Meinungen und Ansichten eines unidentifizierten Individuums muss man Vorsicht walten lassen. Es ist unethisch, jemand im Schutz der Anonymität jemand anderen attackieren zu lassen.

Die unangemessene Nutzung anonymer Quellen wie im vorliegenden Fall kann das öffentliche Misstrauen gegenüber der Nachrichtenindustrie nur weiter anheizen. Was würden Erasmus und die Blues-Musiker dazu sagen?

DRA-silhouette-25x2534. Verleumdung des Jahres: Fareed Zakaria

So spaltend es für das amerikanische Judentum war, gab es viele gute Gründe pro und contra dem iranischen Atomabkommen. Zwar sind persönliche Angriffe unglückseligerweise ein Bestandteil des öffentlichen Diskurs, aber es ist umso bedauerlicher, wenn Persönlichkeiten aus den Nachrichten an der Schlammschlacht teilnehmen.

Ein besonders hervorstechendes Beispiel war, als CNN-Analyst Fareed Zakaria Kritiker des Atomdeals ungerechtfertigt eines Loyalitätskonflikts beschuldigte. Hier (bitte klicken) ein Video, in dem man miterleben kann, was Zakaria der Moderatorin Brooke Baldwin sagte.

Ein Stabsredakteur des Tablet antwortete wie folgt:

Was wir immer weniger gut vertragen — und wozu wir uns im Augenblick verpflichtet fühlen, etwas zu sagen –, ist die Verwendung von Judenhetze und anderen eklatanten und rückschrittlichen Formen rassischer und ethnischer Vorurteile als Werkzeug, um einem politischen Deal Vorschub zu leisten oder die Opposition schlecht zu machen. Senator Schumer Loyalität zu einer ausländischen Regierung zu unterstellen ist schlichtweg Bigotterie. Senatoren und Kongressabgeordnete, deren Kritik am Iran-Deal von der Mehrheit der US-Wählerschaft geteilt wird, zu beschuldigen, im Interesse einer ausländischen Macht zu handeln oder ihre Stimmen zwielichtigen Lobbyisten zu verkaufen oder gegen die Interessen der Vereinigten Staaten zu handeln, ist die Art nackte Bigotterie und Vorurteile, die für die Politik der Südstaaten vor der Zeit der Bürgerrechtsbewegung so prägnant waren.

Dieser Gebrauch antijüdischer Hetze als politisches Instrument ist eine verstörende neue Entwicklung im politischen Diskurs der USA, und wir haben in letzter Zeit wirklich zuviel davon gehört — und einiges davon kam unheilverheißenderweise sogar aus dem Weißen Haus und von dessen Repräsentanten. Beschönigen wir es nicht: Das Gemurmel über „Geld“ und „Lobbying“ und „ausländische Interessen“, die Amerika in einen Krieg ziehen wollen, ist ein direkter Versuch, die Loyalitätskonflikts-Karte auszuspielen. Das ist die Art dunkler, bösartiger Aussagen, die man vielleicht von White-Power-Kundgebungen erwarten würde, aber nicht vom Präsidenten der Vereinigten Staaten — und es wird mittlerweile derart unverhohlen betrieben, dass selbst viele von uns, die der Regierung und selbst diesem Abkommen wohlwollend gegenüberstehen, dadurch erschüttert wurden.

DRA-silhouette-25x2535. Übelste Verkettung: New York Times

Als die Palästinenserbehörde Israel beschuldigte, den Status quo auf Jerusalems Tempelberg zu verändern, trumpfte die New York Times mit einem Artikel auf, der in Frage stellte, ob die antiken jüdischen Tempel überhaupt je auf dem fraglichen Gebiet standen. Die Times ignorierte, dass führende Historiker darin übereinstimmen, dass der Tempelberg natürlich genau dieser Ort war (daher auch der heutige Name „Tempelberg“), und schien den Schaden, den das Timing dieses unzutreffenden Artikels verursachte, völlig gleichgültig hinzunehmen.

Als Araber die jüdische Verbindung zum Tempelberg leugneten und die New York Times scharfer jüdischer Kritik ausgesetzt war, brachte sie erstmal eine kleine Korrektur zur Begrenzung des Schadens und veröffentlichte dann eine nicht damit in Zusammenhang stehende zweite Korrektur über die islamische Waqf, die den Tempelberg verwaltet.

Doch selbst die im ursprünglichen Artikel zitierte Historikerin Jodi Magness schrieb letztendlich einen Brief an die Times und beschwerte sich, ihre Worte seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Sie stellte klar, dass die jüdischen Tempel tatsächlich auf dem Tempelberg gestanden haben. Danach brachte die Times eine redaktionelle Bemerkung, der Artikel in seinem Originalwortlaut sei inkorrekt gewesen — und kein glaubwürdiger Historiker würde die Existenz der Tempel an jenem Ort leugnen noch dass der Tempelberg die heiligste Stätte des Judentums ist.

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DRA-silhouette-25x2536. Große Momente der Selbstbeweihräucherung: Brian Williams

Der NBC-Nachrichtensprecher Brian Williams verlor Glaubwürdigkeit und seine angesehene Position, als er im Fernsehen damit angab, in einem abgeschossenen Helikopter der US-Armee im Irak mitgeflogen zu sein. Nachdem er sich selbst eine Auszeit gönnte, damit NBC-Führungskräfte den Fall untersuchen konnten, kamen weitere Fälle übertriebener Selbstbeweihräucherung ans Licht.

Williams Geschichten klangen dramatisch, aber es kam u. a. heraus, dass er während Hurrikan Katrina keine Leichen gesehen hatte, die an seinem Hotelzimmer in New Orleans vorbeischwammen. Auch seine Geschichte über eine Katyusha der Hisbollah, die unter einem israelischen Helikopter vorbeiflog, in dem er sich befand, war ebenfalls nicht so dramatisch, da sich die Rakete in ziemlicher Entfernung von dem Helikopter befand.

Nach seiner sechsmonatigen Suspendierung gewöhnt sich Williams gerade an seine neue Rolle innerhalb von MSNBC, und Lester Holt hat seinen alten Job als Sprecher der NBC Nightly News übernommen. Hat Williams seine Lektion gelernt? Die Zeit wird es zeigen.

DRA-silhouette-25x2537. Dümmste Twitter-Tirade: Jim Clancy

Dank der sozialen Medien können die Leute der Welt mitteilen, was sie wirklich denken. Und das scheint exakt das zu sein, was CNN-Nachrichtenmann Jim Clancy bei einem bizarren Twitter-Wutausbruch im Januar gemacht hat. Das kostete ihn seinen Job und seine Glaubwürdigkeit, und viele Leser hatten das Gefühl, sie seien gerade Zeuge eines besonders grauenhaften Autobahnunfalls geworden.

Es begann recht harmlos. Clancy tweetete seine Ansicht über den schockierenden Terroranschlag auf das Pariser Charlie-Hebdo-Büro. Oren Kessler, ein Kommentator zu Israel-Angelegenheiten, widersprach ihm. Dann ging es richtig zur Sache…

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Clancys erster Antworttweet war einfach „Hasbara?“, so als sei jeglicher Kommentar eines Israelexperten nichts weiter als ein Versuch, Israel in ein gutes Licht zu stellen. Danach schaltete der erfahrene Nachrichtenmann auf stur und schlug in einer Reihe von Tweets, von denen er einige später löschte, wild auf alle ein, die nicht seiner Meinung waren. Erstaunlicherweise warf er sogar den proisraelischen Blogger Elder of Ziyon und den antisemitischen Twitteraccount Jews Making News als Teil des „Hasbara-Teams“ in einen Topf.

Simon Plosker von HonestReporting sagte hierzu:

Auf Twitter zeigt sich oft die wahre Gedankenwelt prominenter Nutzer, so auch die von Medienpersönlichkeiten. Jim Clancy hat uns Einblick in seine Weltsicht gewährt, und die sieht nicht gut aus. Und sie passt auch nicht zu einem CNN-Nachrichtensprecher.

CNN muss das genauso gesehen haben, denn zehn Tage später verkündete der Sender, das seit 30 Jahre bestehende Angestelltenverhältnis mit Clancy sei nun beendet. Zwar wurde kein Grund für Clancys Abschied angegeben, aber es fällt schwer, nicht den Schluss zu ziehen, dass Clancys ungeheuerlicher und unpassender Wutausbruch bei Twitter etwas mit seiner Entlassung zu tun hatte.

DRA-silhouette-25x2538. Verstörendste falsche Landkarte: MSNBC

Als die palästinensische Gewaltwelle im Oktober Fahrt aufnahm, sahen die Medien plötzlich die Notwendigkeit einer plausiblen Perspektive, um die Messerangriffe, Autoramm-Attacken und Schießereien zu „erklären“.

MSNBC fand einen neuen Weg, die schamlose palästinensische Aggression als vernünftig und angemessen hinzustellen — und zwar indem sie sich propalästinensischer Propaganda in Form einer Aufeinanderfolge von Karten anschlossen, welche die Geschichte in der Region falsch wiedergeben.

Selbst kleinste Nachforschungen hätten die Falschdarstellungen der Karten offengelegt, also dauerte es nicht lang, bevor sich MSNBC entschuldigte.

Die Lektion daraus ist jedoch weit heimtückischer: Medien sind weit mehr mit einer künstlichen „Ausgewogenheit“ in ihrer Berichterstattung über Attacken auf Israel beschäftigt, als dass sie ihren Lesern bzw. Zuschauern ein klares Bild des Geschehens vermitteln.

Hätten die Journalisten die palästinensischen Absichten auf einer Karte darstellen wollen, hätten sie natürlich mit Leichtigkeit ein Exemplar gefunden, welches Israel komplett auslöscht. Und das würde ausnahmsweise mal zeigen, was der wirkliche Kern der aktuellen Gewaltwelle ist.

Bild des Tempelbergs CC BY-NC flickr/marielinden4, flickr/Jeremy Piehler und CC BY-SA-NC HonestReporting

Terror in London, aber kein Terror in Jerusalem

9. Dezember 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 8. Dezember 2015

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London erlebte kürzlich einen Vorfall, der den vielen palästinensischen Messerattacken auf Israelis während der letzten paar Monate ähnelte.

Ein Angreifer, auf dessen Handy man später Material fand, das mit Syrien und dem weltweiten Terror in Verbindung stand, stach an einer Londoner U-Bahn-Station auf Passanten ein, während er „das ist für Syrien, meine muslimischen Brüder“ schrie.

Soweit es die britischen Sicherheitskräfte betrifft, war dies ein Terrorakt eines radikalisierten Individuums. Tatsächlich stellt „Mail Online“ von der Daily Mail in der Schlagzeile und im Eröffnungssatz klar, dass es sich um Terrorismus handelt.

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Vergleicht Obiges bitte mit einer Story über eine terroristische Messerattacke in Jerusalem, die nur Stunden später veröffentlicht wurde.

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In Schlagzeile und Text steht das Wort Terrorist in Anführungszeichen, um klarzustellen, dass diese Bezeichnung des palästinensischen Angreifers aus irgendeinem Grund in Frage steht.

Mittlerweile ist völlig klar, dass diese Attacke in Jerusalem die jüngste in einer Welle aus palästinensischem Terrorismus war, die sich gegen israelische Zivilisten und Soldaten richtet.

Für Mail Online (und andere) scheint es jedoch unterschiedliche Standards zu geben, wenn es darum geht, was Terrorismus überhaupt ist. Sind Briten die Opfer, ist es unzweifelhaft Terrorismus. Sind Israelis die Opfer oder Palästinenser die Täter, dann steht das alles in Frage.

Das ist nur ein weiteres Beispiel für den heimtückischen Doppelstandard in den Medien, wenn es um Israel-Berichterstattung geht.