Definieren die Medien „Mord“ und „Terrorismus“ für Israelis anders?

Benjamin Amram, HonestReporting, 12. Oktober 2022

Am Abend des 8. Oktober eröffnete ein palästinensischer Terrorist das Feuer auf eine Gruppe Grenzpolizisten und zivile Sicherheitskräfte am Sicherheitscheckpoint Schuafat in Ostjerusalem.

Der Terrorist [zum Zeitpunkt, als der Originaltext geschrieben wurde; inzwischen wurde er bei einem weiteren versuchten Anschlag erschossen – der Übersetzer] noch auf der Flucht befindliche Terrorist ist als 22-jähriger aus Schuafat namens Udi Kamel Tamimi identifiziert worden. Er trampte bis zum Checkpoint, verließ das Auto und eröffnete das Feuer.

Tamimi verletzte den ehemaligen IDF-Soldaten und jetzigen Sicherheitsmann David Morel schwer und tötete Noa Lazar, eine 18-jährige Grenzpolizistin.

Noga Tarnopolky ist eine altgediente israelische Journalistin und Analystin mit zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Berichterstattung zum arabisch-israelischen Konflikt für zahlreiche Nachrichtenmedien, darunter The Daily Beast und die Los Angeles Times. Die in der Schweiz aufgewachsene, in Amherst ausgebildete Journalistin hat aus mindestens acht Ländern weltweit berichtet.

Nur Stunden nach dem Anschlag postete Tarnopolsky auf ihrem Twitter-Account Folgendes:

„Der Trend der Infantilisierung von Militärpersonal geht weiter…
Feldwebel Noa Lazar wurde nicht ermordet. Sie war Kampfsoldatin und starb im Einsatz.“

Doch scheinen Tarnopolskys Definitionen von Terrorismus und Mord nicht mit allgemeingültigen Definitionen übereinzustimmen.

Laut FBI und dem Legal Information Institute (LII) an der Cornell Law School handelt es sich um Mord, wenn jemand absichtlich eine andere Person tötet. Entsprechend kann nicht abgestritten werden, dass Noa Lazar ermordet wurde, obwohl sie Soldatin war.

Eine Frage bleibt dazu, ob der Anschlag von Samstag ein Terrorakt war.

Wenig überraschend sind Terrorismus-Definitionen mehrdeutig und hoch politisiert. Es gibt jedoch einen gemeinsamen Faden bei verschiedenen Quellen: die darunterliegende Motivation und der Einfluss des Anschlags.

Journalisten beim The Atlantic unterscheiden zwischen Mord und Terrorismus; sie beschreiben Letzteren als „öffentliche Gewalt zur Verfolgung einer politischen, sozialen oder religiösen Sache oder Ideologie“.

Das National Institute of Justice (NIJ) unterscheidet ebenfalls zwischen Mördern und Terroristen und schreibt: „Während Terroristen Gewalttaten um politischen Gewinn begehen, fehlt Massenmördern diese Ideologie.“

Robert J. Art und Robert Jervis sind zwei prominente Politikwissenschaftler und Autoren, die untersuchten, was Terrorismus von allen anderen Gewalttaten unterscheidet. Sie entwickeln diese Definitionen weiter und nennen Terrorismus „das gewollte Erzeugen und Ausnutzen von Angst durch Gewalt oder die Drohung mit Gewalt mit dem Ziel politischer Veränderung.“

Tatsächlich haben diese drei Definitionen alle eine Gemeinsamkeit der politischen oder ideologischen Motivation. Jervis und Art geben starke Beweise dafür, dass Terrorismus die psychologischen Folgen einschließt, die dem Anschlag folgen,

Zweifelsohne waren die Schüsse am Übergang Schuafat auf Grundlage aller drei Definitionen ein Terrorakt.

Das Lob der Hamas für den Anschlag spiegelt ein politisches Ziel, was verstärkt, dass der Anschlag ein Terrorakt war. Das US-Außenministerium erklärte die Hamas 1997 zur Terrororganisation.

„Diese Operationen tragen die Botschaft, dass der Aufstand unseres Volkes im Gang ist und nicht abflauen wird und dass die Operationen, Beschießungen und Gewehrfeuer unserer revolvierenden Jugend die Besatzer und Siedlerherden überall als Antwort auf ihre Verbrechen und ihre Einfälle in die Al-Aqsa-Moschee später am Abend verfolgen wird“, kommentierte die Hamas.

Tamimi war von der Bewerbung der politischen Ideologie dieser Terrororganisationen mit Sitz im Gazastreifen und der Westbank motiviert, was die Feiern und Feuerwerk wegen Schuafat später am Abend weiter bestätigten.

Anschläge durch „einsame Wölfe“ sind eine Schlüsselstrategie der Hamas und des Palästinensischen Islamischen Jihad, weil sie überall und jederzeit stattfinden und von jede, verübt werden können.

Tarnopolskys Analyse ist vorher falsch gewesen. Als die Regierung des früheren Premierministers Naftali Bennett vereidigt wurde, behauptete sie fälschlich im The Daily Beast, dass seine Partei Yamina vertrete „hauptsächlich jüdische Westbank-Siedler“.

Bemerkenswerterweise bezeichnete sie nur einen Tag nach dem Anschlag, bei dem Noa Lazar getötet wurde, russische Soldaten als „Terroristen“. Ihre Definition von Terrorismus scheint sich abhängig vom Kontext zu ändern. [Kann man aber auch anders sehen; Sie zitiert Zelensky, das muss nicht heißen, dass sie diese Meinung teilt. – d. Übers.]

Zelensky fordert die Ukrainer auf nach einem schweren Morgen in Bunkern zu bleiben, sagt Terroristen „Dutzende Flugkörper von iranischen Schahed-Drohnen“, die Energie-Einrichtungen und Menschen, Ziele im ganzen Land beschossen… besonders ausgewählt, so viel Schaden wie möglich anzurichten.“

Während die Lage in der Westbank weiter eskaliert, jeden Tag zahlreiche Anschläge auf Zivilisten und israelische Soldaten stattfinden, ist es wichtig, dass über den Konflikt berichtende Journalisten die Tatsachen berichten und nicht politisierte Worte außerhalb des Kontextes verwenden.

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