Sollten Nachrichten mit Ausgewogenheit berichtet werden? Die Antwort könnte Sie überraschen

David Pomerantz, HonestReporting, 24. Oktober 2021

Am Wochenende kennzeichnete Israel offiziell sechs verschiedene Nichtregierungs-Organisationen als Terrorgruppen. Die Schlagzeile der Associated Press lautet: „Israel ächtet Rechtegruppen, unterstellt Terrorismus“ (Hervorhebung hinzugefügt).

Die AP machte mit dem Zitat von Kritikern weiter, die sagten, der Schritt solle „Menschenrechts-Beobachtung mundtot machen“ und Kritiker Israels „bestrafen“. Der weit verbreitete Nachrichtendienst schloss sogar eine Erklärung von B’Tselemen ein, die es einen Akt nannte, „der totalitäre Regime charakterisiert, mit dem eindeutigen Ziel diese Organisationen zu schließen“.

Dieses Framing bereitet die Bühne für eine Vielzahl anderer Gruppen weltweit Erklärungen abzugeben wie die der International Human Rights Clinic an der Harvard Law School, in der es heißt, sie „steht solidarisch mit der palästinensischen Zivilgesellschaft und ruft die israelische Regierung auf ihre Entscheidung der Kriminalisierung prominenter Menschenrechtsorganisationen zurückzunehmen“.

Ken Roth von Human Rights Watch protestierte gegen die Entscheidung und nannte die Gruppen „stolze Partner“; er griff Israel verbal mit Anschuldigungen von „Verbrechen gegen die Menschheit“ und „Apartheid“ an.

Das Menschenrechtsbüro der UNO in Ramallah behauptete, Israel versuche „völlig friedliche und legitime Aktivitäten“ von „Menschenrechtsgruppen“ einzuschränken und sogar das US-Außenministerium gab eine Stellungnahme ab, die Klärung forderte.

AP muss eine Art „Ausgewogenheit“ angerechnet werden, weil sie beide „Seiten“ zitiert, aber es gab einen entscheidenden Aspekt, den AP in ihrer Berichterstattung komplett auslässt: die faktische Wahrheit.

Macht „Ausgewogenheit“ guten Journalismus?

Um diese Frage zu beantworten, stellen Sie sich vor, in der Geschichte ginge es nicht um Politik, sondern darum, wer das Baseballspiel von gestern Abend gewann: Ein Kommentator sagt, es waren die Atlanta Braves, ein anderer sagt die LA Dodgers. Können Sie sich vorstellen, dass ein Sportreporter einfach „beide Seiten“ zitiert und das Publikum staunen lässt? Was ist mit einem Börsenstand oder einem Wetterbericht?

Natürlich ist das Beispiel absurd – nicht weil es falsch ist Ausgewogenheit zu haben, sondern weil in diesem Fall der Journalist Zugang zu etwas Besserem hat: Verlässliche, unabhängige Daten, die jeder überprüfen kann. Wenn also ein Journalist irgendwelche Zweifel hat, könnte er oder sie vorliegendes Videomaterial des Spiels ansehen und unabhängig bestätigen, dass Atlanta mit 4:2 gewonnen hat.

Natürlich wird ein Journalist in einigen Fällen nicht die vollständigen Informationen haben und muss sich daher auf konkurrierende Berichte verschiedener Quellen verlassen.

Dieser Fall gehört nicht in diese Kategorie.

Von den Daten zur Wahrheit

Israel hat erklärt, dass es aufgrund als geheim eingestufter Informationen handelt und es ablehnt weitere Details zu veröffentlichen, was einem Journalisten nicht viel gibt, mit dem er arbeiten kann. Es hätte allerdings, ganz ähnlich wie das Nachsehen des Gewinners des Baseballspiels von gestern Abend, nur bescheidener Recherche bedurft, um zu bestätigen, dass sie einschlägigen NGOs tatsächlich eng mit Terrorismus verbunden sind – auf Grundlage öffentlich zugänglicher Daten.

Zum Beispiel:

Zusätzlich zu dem oben beschriebenen sind viele Persönlichkeiten dieser Organisationen wegen Terrorakten verhaftet worden, in manchen Fällen viele Male und zahlreiche Fälle wurden von Israels unabhängiger Justiz entschieden.

Die PFLP bestritt ihre Beziehungen zu den verschiedenen NGOs nicht. Im Gegenteil: Ein Sprecher der Terrororganisation, Kayed al-Ghoul, erklärte:Ddie Palästinenser „sind stolz auf die Beziehungen aller ihrer Söhne zu jeder nationalen Gruppe, die Widerstand gegen die Besatzung leistet, einschließlich der Volksfront zur Befreiung Palästinas.“

Jenseits der Ausgewogenheit: Journalismus und Ethik

Es gibt Orte auf der Welt, an denen Diktaturen und Tyrannen wirklich Polizeibefugnisse nutzen, um legitime Menschenrechtsorganisationen zu schließen. Solche Organisationen mit Typen wie der PFLP und ihre Partner in einen Topf zu werfen schädigt der Sache der Menschenrechte in aller Welt.

In einer Welt der Rund-um-die-Uhr-Nachrichten und kurzen Abgabefristen arbeiten Journalisten unter erheblichen Beschränkungen an Zeit und Ressourcen. Dennoch brauchte HonestReporting weniger als zwei Stunden, um diese Recherche durchzuführen und wir komplettierten sie weit vor unserer eigenen Veröffentlichungsfrist. (Und mit dem Risiko das Offensichtliche zu sagen: Unser Budget ist weit niedriger als das einer typischen Mainstream-Nachrichtenagentur!)

Die Ethik fordert mehr als reine „Ausgewogenheit“, sie fordert, dass ein Journalist der Wahrheit so nah wie möglich kommt.

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