Lektionen aus der palästinensischen Herrschaft über Bethlehem

Dov Lipman, HonestReporting, 28. Januar 2020

Das Minarett einer muslimischen Moschee spiegelt sich an Bethlehems Krippenplatz wird während einer Heiligeabend-Prozession vor der Geburtskirche in einem goldenen Kruzifix. (Foto: David Silverman/GettyImages)

Was ist so besonders an Bethlehem?

Für Juden stammt die Heiligkeit der Stadt aus ihrer Beschreibung als Begräbnisort von Rahel, Jakobs geliebter Frau (1. Mose 35,19). Später dreht sich die Geschichte von Ruth weitgehend um Bethlehem als Heimatort in der Kindheit von König David und Ort, an dem er zum König gesalbt wurde (1. Samuel 16,1-13). Jüdische Tradition lehrt, dass der Messias aus Bethlehem kommen wird (Micha 5, 2-5).

Christliche Tradition lehrt, dass Bethlehem der Geburtsort Jesu war (Math. 2,1-12; Lukas 2,4-20 und Joh. 7,42). Die Geburtskirche wurde von Konstantin dem Großen im 4. Jahrhundert n.Chr. über einer Höhle gebaut, die für den Ort gehalten wird, an dem Jesus geboren wurde.

Bethlehem heute und damals

Leider ist diese Stadt auch eine Stadt des Streits geworden.

Der Teilungsplan der Vereinten Nationen von 1947 schlug vor, dass Bethlehem, nur 9 km südwestlich von Jerusalem gelegen, als Teil der internationalen Zone Jerusalem unter UNO-Kontrolle gestellt wird. Während des Unabhängigkeitskriegs von 1948, der ausbrach, nachdem die arabischen Länder den Teilungsplan ablehnten, übernahm die Arabische Legion die Kontrolle über Bethlehem. Während dieser 19 Jahre nahm die christliche Bevölkerung um tausende ab.

Israel übernahm im Juni 1967 während des Sechstage-Kriegs die Kontrolle über die Stadt. Die christlichen Einwohner baten Israel die Stadt zu annektieren und sie offiziell zum Teil Israels zu machen, aber Israel lehnte die Idee ab; es bestand auf der Möglichkeit sie im Kontext einer Friedensvereinbarung in arabische Hände zurückzugeben.

Von 1967 bis 1995 blühte Bethlehem auf. Christen kamen zu Millionen auf Pilgerreisen zur Geburtskirche und jüdische Beter strömten zum verehrten Rahelgrab. Verkäufer, Restaurants und Hotels vor Ort erlebten großen Erfolg, weil Menschen aus allen Religionen sich frei fühlten die Straßen der Stadt zu besuchen und entlang zu gehen.

Aber dann führten israelische Verhandlungen mit der Palästinenserführung zum Oslo II-Abkommen, bei dem Israel zustimmte die zivile und Sicherheitskontrolle von sechs Städten – Jericho, Tulkarm, Nablus, Qalqilya und Bethlehem – abzugeben.

Bethlehems langjähriger christlicher Bürgermeister Elias Frej bettelte den israelischen Premierminister Yitzhak Rabin an, die Stadt mit ihrer mehrheitlich christlichen Bevölkerung nicht an die palästinensische Autonomiebehörde abzugeben. Er fürchtete, was muslimische Herrschaft mit den dort lebenden Christen tun würde. Aber Israel übergab Bethlehem, im Versuch einen Durchbruch in seiner Beziehung zu den Palästinensern zu erzielen, am 21. Dezember 1995 in palästinensische Herrschaft.

Das Rahelgrab

Das führte zu einer Periode furchtbarer Unruhe in und um die heilige Stadt. Palästinensische Heckenschützen begannen auf jüdische Besucher des Rahelgrabs zu schießen und töteten sogar IDF-Soldaten, die die Beter schützten. Manchmal musste die heilige Stätte, die mit Betonmauern und Dächern befestigt ist, wegen der Drohungen palästinensischer Terroristen geschlossen werden. Zu anderen Zeiten konnten die Besucher nur in gepanzerten Fahrzeugen zu der heiligen Stätte reisen.

Abgesehen von den Angriffen auf das Rahelgrab wurde Bethlehem zur Heimatbasis von Terrorzellen und Ausgangspunkt für Terroranschläge auf israelische Bürger. Seine Nähe zu Jerusalem machte die Hauptstadt verletzbar. Ein paar Beispiele:

  • Dezember 2001: Der palästinensische Terrorist Daoud Ali Ahmed Saad wurde von der Basis des Islamischen Jihad in Bethlehem geschickt, um sich im Herzen des Zentrums Jerusalems zu sprengen. Er machte das, wobei er fünf Zivilisten schwer verletzte.
  • Februar 2002: Der palästinensische Terrorist Yassir Said Moussa Uda wurde von einer Terrorgruppe der Fatah/Tanzim in Bethlehem geschickt, sich an einer Straßensperre an einer Schnellstraße außerhalb von Jerusalem zu sprengen. Er tötete einen israelischen Polizisten und verletzte zwei Zivilisten schwer.
  • März 2002: von einer Fatah/Tanzim-Terrorzelle in Bethlehem geschickt, sprengte sich Abdullah Nabatiti an einer großen Jerusalemer Kreuzung, wobei er 25 Menschen schwer verletzte.
  • März 2002: Der palästinensische Terrorist Ayat Mohammed Latfi al-Akhras aus dem Distrikt Bethlehem sprengte sich in einem großen Jerusalemer Supermarkt; er tötete zwei Zivilisten und verletzte 22.
  • März 2002: Fatah-Agenten in Bethlehem bereiteten eine Bombe in einem Rucksack vor und schickten einen 16-jährigen Jungen nach Jerusalem. Der Junge sprengte sich neben einer Krankenstation und verletzte sechs Zivilisten.

So wurde Bethlehem zur Basis für palästinensische Anschläge auf Israelis in Jerusalem. Die zunehmende Zahl der Oper zwang die Israelischen Verteidigungskräfte wiederholt in die Stadt einzudringen,  um die Terroristen zu suchen und zu verhaften. Die israelischen Streitkräfte arbeiteten auch daran die Terrorinfrastruktur in der Stadt abzubauen. Nicht nur wurden zahlreiche Selbstmord-Bombenanschläge vereitelt, die Sicherheitskräfte entdeckten zudem Mörser und Infrastruktur für die Produktion von Raketen.

Bethlehems Geburtskirche

Israel hatte auch keine andere Wahl als die Sicherheitsbarriere zu bauen, die Bethlehem umgibt und das Gefühl einer Stadt unter Belagerung gibt. Die Maßnahmen reduzierten die Zahl der erfolgreichen Terroranschläge stark, aber mit einer in Bethlehem verankerten Hamas-Terrorzelle gehen die Versuche weiter.

Christen und ihre heiligen Stätten litten furchtbar unter den Kämpfen, besonders die Geburtskirche während einer Monate dauernden Belagerung. Am 2. April 2002, während der IDF-Operation Defensive Shield, wollten israelische Truppen eine Reihe palästinensischer Flüchtlinge in der Stadt verhaften. Fünfzig flüchteten in das Kirchengelände, wo sie 200 Mönche als Geiseln nahmen. Nach 38 Tagen endete die Belagerung friedlich; die palästinensischen Flüchtlinge stimmten zu ins Exil zu gehen, einige in den Gazastreifen und andere nach Europa. Israelische Sicherheitskräfte fanden 40 Sprengsätze auf dem Kirchengelände, von denen eine Reihe mit versteckten Auslösern ausgestattet war.

Bethlehems abnehmende Christen

Abgesehen von den vom Sicherheitskonflikt geschaffenen Herausforderungen sehen Christen, wie radikale Muslime Christen im gesamten Nahen Osten verfolgen und sehen, dass das bei ihnen geschieht, seit der palästinensischen Autonomiebehörde die Kontrolle über die Stadt gegeben wurde. Zu Beispielen dafür, dass palästinensische Muslime ihre christlichen Nachbarn einschüchtern, gehört:

  • Landraub mit Gewalt oder mit gefälschten Dokumenten, mit wenig bis keiner Zuflucht im PA-Justizsystem.
  • Muslimische Männer belästigen christliche Frauen verbal und sexuell.
  • Christliche Geschäfte werden gezwungen Schutzgeld zu zahlen.
  • Es gibt Diskriminierung von Christen bei der Arbeitsplatzsuche.
  • In Kirchen wird eingebrochen, sie werden geplündert und verwüstet.
  • Muslime, die zum christlichen Glauben bekehren, sehen sich Ausgrenzung, Angriffen, sogar Mord ausgesetzt.
  • Entführung und Zwangskonversion von Christen.

All das hat zu einem beträchtlichen Rückgang der christlichen Bevölkerung in Bethlehem geführt.

Bethlehems Hirtenfeld

Während Christen früher die Mehrheit der Einwohner Bethlehems stellten, machen sie heute, nach 25 Jahren palästinensischer Kontrolle über die Stadt, nur noch 20% seiner Bevölkerung aus. (Einen ähnlichen Vorgang gab es im Gazastreifen, wo 2005, als Israel sich zurückzog,  5.000 Christen lebten. Aber nach 14 Jahren Hamas-Herrschaft sind nur noch 1.000 Christen verblieben und oft sind Kirchen abgerissen worden.)

Die Lage im heute von Palästinensern kontrollierten Bethlehem steht in starkem Kontrast zum israelisch kontrollierten Jerusalem, das nur 9 km weiter nördlich liegt. In Jerusalem kann die christliche Bevölkerung ihren Glauben frei und sicher leben. Die Stadtverwaltung von Jerusalem stellt christlichen Einwohnern sogar kostenlos Weihnachtsbäume zur Verfügung.

Fakt ist, dass Israel das einzige Land im Nahen Osten ist, in dem die einheimische christliche Bevölkerung seit 1948 zugenommen hat. Ende 2019 zählte Israels christliche Bevölkerung 177.000, hatte nach Angaben des zentralen Statistik-Büros um 1,5 Prozent zugenommen.

Die Lektion ist eindeutig. Christen blühen in israelisch kontrollierten Gebieten mit totaler Religionsfreiheit auf und leiden, wenn Israel die Kontrolle an die radikalen Palästinenserkräfte übergibt.

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