Das Wunder der Wiederbelebung des Hebräischen

Dov Lipman, HonestReporting, 15. August 2019

Die Geschichte der Wiederbelebung des Hebräischen geht tausende Jahre zurück in die Vergangenheit. Vor Jahrtausenden sprach das jüdische Volk untereinander antikes Hebräisch, betrieb Hebräisch sprechend Handel und verehrte Gott in Hebräisch – alles im Land Israel.

Auch die Bibel wurde in Hebräisch geschrieben.

Vor mehr als 3.000 Jahren hat das jüdische Volk in Synagogen aus handgeschriebenen Thora-Rollen gelesen und aus Druckausgaben in Studiersälen und in ihren Häusern gelernt – alles auf Hebräisch. Es gibt zudem Beispiele dafür, dass Hebräisch die gesamte jüdische Geschichte hindurch in Literatur verwendet wurde, was im 19. Jahrhundert eine besondere Renaissance erfuhr.

Aber bei der Vertreibung aus dem Land Israel vor 2.000 Jahren hörte Hebräisch auf die gesprochene Sprache des jüdischen Volkes zu sein. Sogar die kleine Anzahl Juden, die in Israel verblieb, begann die Sprache ihrer Eroberer zu sprechen und verlor das Hebräische.

Und heute ist Hebräisch wieder zum Leben erweck worden – wird im ganzen Land Israel gesprochen und sogar unter Juden an anderen Orten der Welt.

Es gibt Weltgeschichte nichts zu berichten, in keinem  Glauben, Land oder Nation, wo eine antike Sprache wiederbelebt wurde, um eine gesprochene Sprache zu werden.

Die Wiederbelebung des Hebräischen: Wie fand das statt?

Der Prozess begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als Juden begannen ins Land Israel zurückzukehren, sich wieder mit der kleinen, das ganze Exil hindurch dort verbliebenen jüdischen Gemeinschaft und mit in früheren Generationen zurückgekehrten Juden zu verbinden.

Um eine gemeinsame Sprache unter den verschiedenen jüdischen Gruppen in Israel zu ermöglichen, die Jiddisch, Ladino oder Aramäisch sprachen, fingen sie an Hebräisch zu sprechen.

Etwa um dieselbe Zeit führte der Traum von einer Rückkehr nach Israel bei europäischen Juden zu einem Schub der Wiederbelebung des Hebräischen – besonders in zionistischen Bildungsprogrammen und in Treffen, die mit der zionistischen Bewegung in Verbindung standen.

Der Schlüssel bei der Gründung einer jeden Gemeinschaft ist Schulung. In ihren Versuchen wieder einen souveränen jüdischen Staat im Land Israel zu gründen, erkannten die frühen Zionisten die Bedeutung Schulen einzurichten, in denen eine gemeinsame Sprache gelehrt wird. Das erste hebräische Internat, in dem jüdische Studien auf Hebräisch gelehrt wurden und in dem Lehrer und Schüler auf Hebräisch kommunizierten, wurde 1884 von Aryeh Leib Frumkin gegründet.

Die Haviv-Schule wurde zur ersten hebräischen Grundschule moderner Zeiten, als sie 1886 in Rischon LeZion gegründet wurde. Allmählich begannen alle Schulen in den landwirtschaftlichen Siedlungen ihren Sachunterricht auf Hebräisch zu lehren. Versuche aus Hebräisch die einzige gesprochene Sprache in den Siedlungen und Städten zu machen, schlugen fehl, weil Eltern Hebräisch als unpraktische Sprache betrachteten, der die Worte fehlten, um Alltagsaktivitäten zu beschreiben. Ja, die Leute kannten das antike Hebräisch, weil sie die Bibel kannten, aber das half ihnen nicht bei ihrem Bedürfnis in einer modernen Welt zu kommunizieren.

Der Mann hinter der Wiederbelegung des Hebräischen: Eliezer Ben-Yehuda

Eliezer Ben Yehuda

Dann kam Eliezer Ben-Yehuda, die historische Person, die die Wiederherstellung des Hebräischen als gesprochener Sprache zugeschrieben wird.

Da jüdischer Nationalismus im Europa des 19. Jahrhunderts zunahm, glaubten Ben Yehuda und andere, damit die Nation nationaler Rechte wert ist, müsse sie in einer gemeinsamen, nationalen Sprache sprechen. Ihm wird zugeschrieben der erste gewesen zu sein, der sich auf Hebräisch verständigte, nachdem er 1881 beschloss, er werde in der Familie und mit Freunden ausschließlich Hebräisch sprechen, zuerst in Paris und dann in Jerusalem, wohin er Ende des Jahres zog.

Ben-Yehudas erstes Kind, Itamar Ben-Avi, wurde am 31. Juli 1882 geboren und wurde als Hebräisch Sprechender aufgezogen – der erste Muttersprachler des modernen Hebräisch. Im Versuch andere Familien zu überzeugen ihren Teil an der Wiederbelegung des Hebräischen zu spielen, veröffentlichte er eine hebräische Zeitung namens „HaZvi“ und gründete Vereine zum Sprechen von Hebräisch. Dieser Anstrengung wurde mit großem Frust begegnet, da sehr wenige Familien der ausschließlichen Verwendung des Hebräischen zustimmten.

Unbeeindruckt gründete Ben-Yehuda 1889 die Gesellschaft für klare Sprache, die das Ziel hatte Hebräisch überall auf Hebräisch zu lehren. Und 1890 gründete der das Komitee für Hebräische Sprache, das den Bedarf für neue hebräische Wörter für die moderne Konversation anging. Das Komitee veröffentlichte Bücher, Wörterbücher, Berichte und Zeitschriften, erfand tausende neuer Wörter mit Projektion auf antike Quellen und Wurzeln, um moderne hebräische Wörter zu schaffen.

Beispielsweise bedeutet chaschmal Elektrizität und leitet sich aus Hesekiel 1,4 ab, wo chaschmal das Wort ist, mit dem eine Farbe in der Mitte eines Feuers beschrieben wird. Dasselbe wurde für moderne Lebensmittel gemacht, die es in der Thora nicht gab, so tapuz für Orange und glida für Eiskrem. Weil eine Orange einem „goldenen Orange“ ähnelt, ist tapuz eine Kombination aus tapuach, dem antiken hebräischen Wort für „Apfel“ und zahav, das ein antikes hebräisches Wort für „Gold“ ist. Die Mischna verwendete das Wort galid, um auf eine gefrorene Substanz zu verweisen, die für ein spirituelles Bad verwendet wurde. Onkelos, der eine Übersetzung/einen Kommentar zur Thora schrieb, verwendete das Wort „glida“ für das Thora-Wort kerach, das „Eis“ bedeutet. (Genesis 31,9)

1903 wurde die Gewerkschaft hebräischer Lehrer gegründet. Zur Gründungsgruppe gehörten nur 60 Lehrer, aber die Gerwerkschaft führte zu hunderten Hebräischsprachigen, die demonstrierten, dass Hebräisch in Alltagsgesprächs-Kontext verwendet wird.

Vervollständigung der Wiederbelebung: Die neue Realität des Hebräischen

Immigranten in einem Jerusalemer Ulpan (Foto: Nai Shohat/Flasch90)

Als Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts die zweite Aliyah begann, verbreitete sich die Verwendung des Hebräischen in Israel als die Kommunikationssprache. Die meisten dieser neuen Immigranten kannten die hebräische Literatur des Europas des 19. Jahrhunderts und glaubten, dass Hebräisch für die Entwicklung einer offiziellen nationalen Heimstatt für das jüdischen Volk in Israel notwendig sei.

Das Hebräische Sprachkomitee wurde mit einem Auftrag wieder eingerichtet „die hebräische Sprache zur Verwendung als gesprochene Sprache in allen Lebensbereichen vorzubereiten“ und konzentrierte sich auf die Bildung einheitlicher grammatischer Regelungen. Rein hebräischsprachige Schulen begannen eigene Familien zu schaffen, Hebräisch wurde schnell die gängige Konversationssprache sowohl Zuhause als auch auf der Straße.

Der letzte Schritt bei der Wiederherstellung des Hebräischen und seiner Etablierung als offizielle Sprache des sich entwickelnden Staates kam 1913, als ein Vorschlag Deutsch als offizielle Sprache der Ingenieursschule Technion – die voller umfangreichem Technik-Vokabular ist – von den Studenten, dem Lehrkörper und der weiteren Gemeinschaft wütend abgelehnt wurde.

Alles oben Beschriebene schuf vor Ort in Israel eine Realität, die als Grundlage für die britische Entscheidung diente in Palästina drei offizielle Sprachen zu etablieren, als sie nach dem Ersten Weltkrieg die Kontrolle über die Region übernahmen – Arabisch, Englisch und … Hebräisch!

Als Israel 1948 seine Unabhängigkeit erklärte, berichteten trotz des hohen Immigranten-Anteils in der Bevölkerung mehr als 80 Prozent der Juden in Israel, dass Hebräisch die einzige Sprache sei, die in sie in ihren täglichen Gesprächen verwendeten.

Trotz der tiefen Verbindung der israelischen Gründergeneration zum Hebräischen stellten sie sicher, dass Arabisch als neben Hebräisch als eine offizielle Sprache des neuen Staates etabliert wurde, um sicherzustellen, dass die Minderheitsbevölkerung im jüdischen Staat das Gefühl hat als Staatsbürger willkommen zu sein.

Und jetzt ist diese antike, biblische Sprache wiederbelebt worden und auf den Straßen Israels kann man heute ein Volk in derselben Sprache reden hören wie König David in genau demselben Land vor über 2.500 Jahren.

Fotos: CC BC-NC-ND anefixus21 mit Ergänzungen durch SeekClipArt.

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