Die jüdische Verbindung zum Land Israel

Dov Lipman, HonestReporting, 30. Juli 2019

Auf die spätbyzantinische Zeit datiertes antikes Medaillon; abgebildet sind u.a. ein Schofar und eine Thora-Rolle. (Foto: Flash90)

Die jüdische Verbindung zum Land Israel begann nicht erst nach dem Holocaust oder mit dem Zionismus des späten 19. Jahrhunderts.

Das jüdische Volk hat seit 3.000 Jahren im Land Israel gelebt. Wer für diese Wahrheit die Bibel als Quelle nicht anerkennen will, für den hat die Archäologie die Tatsache bewiesen.

Und während die meisten des jüdischen Volks von den Römern erbarmungslos ins Exil getrieben wurden, haben die Juden seit 2.000 Jahren an den heiligsten Momenten des jüdischen Kalenders – am Versöhnungstag und an Pessah – „nächstes Jahr in Jerusalem“ gesagt, das Gebet darum wieder mit den Juden vereint zu sein, die in Israel geblieben waren.

Wo immer in der Welt Juden waren, sie wandten sich dreimal am Tag Jerusalem zu, wenn die Zeit für das Gebet war.

Und während des gesamten Exils setzten sich Juden oft großen Gefahren aus, um ins Land Israel zurückzukehren.

Die Geschichten

Das jüdische Volk baute sein Leben nach der römischen Vertreibun gin Babylon (dem modernen Irak) wieder auf und gedieh dort. Aber trotzdem berichten der Jerusalemer Talmud und der Babylonische Talmud, dass von 200 bis 500 n.Chr. große Anzahlen der führenden Rabbiner ihr bequemes und sicheres Leben aufgaben und sich entschieden nach Israel zu ziehen, das voller Chaos und Unsicherheit war.

  • 1211 immigrierte eine Gruppe von 300 Rabbinern aus Frankreich und England nach Israel. Sie zogen mit absolut keine finanziellen Unterstützung und ohne Aussicht darauf ihren Lebensunterhalt zu verdienen ins Heilige Land. Die meisten wurden von den Kreuzrittern ermordet, die dort nur acht Jahre später ankamen. Den wenigen Überlebenden wurde erlaubt in der Stadt Akko zu leben. Die Mameluken eroberten Akko 1291 und töteten die gesamte jüdische Bevölkerung, einschließlich der Frauen und Kinder, wobei viele abgeschlachtet wurden, als sie in der Synagoge waren.
  • Rabbi Ovadiah von Bartenura, einer der führenden rabbinischen Weise im Italien des 15. Jahrhunderts, unternahm einen herkulianischen Verusch in einer Zeit nach Israel zu ziehen, als viele die Reise von Italien und Sizilien versuchten und im Mittelmeer ertranken. Er brauchte drei anstrengende Jahre mit vielen Rückschlägen unterwegs, aber 1488 kam Rabbi Ovadiah im Land Israel an und machte es zu seinem Zuhause.

  • Rabbi >Menachem Mendel aus Witebsk war ein Jünger des berühmten Rabbi von Mezhrich, der die der Hauptschüler des Baal Shem Tov war, des Gründers der chassidischen Bewegung. 1777 verließ er Galatz in Rumänien mit ein paar hundert anderen, alle in kleinen Booten. Zuerst segelten sie nach Konstantinopel und dann nach Akko ins Land Israel. Für die relativ kurze Distanz im Mittelmeer brauchten sie vier Monate und der Konvoi durchlitt auf der Reise furchtbare Härten durch, darunter Piraten, die Passagiere ermordeten oder sie in die Sklaverei verkauften. Die Gruppe stand nach der Ankunft in Israel vor großen Herausforderungen und Rabbi Menachem Mendel musste Emissäre nach Russland entsenden, um Gelder für ihren Unterhalt zu sammeln.

Jüngere Beispiele

Und selbst als der Staat Israel gegründet wurde und sogar schon gegründet war, gingen Juden durch große Schwierigkeiten, um es ins Heilige Land zu schaffen. Nur ein paar Beispiele:

  • Mitte 1947 schlossen sich Mosche Frumin (6), Yaakov Schwartz (5), die einjährige Margalit Fried-Weinberg und die achtmonatige Yaffa Levy fünfzig anderen an, die Österreich zu Fuß über die Alpen verließen, über die italienische Grenze gingen, damit ein wartendes Schiff sie in den Hafen von Haifa im Land Israel bringt. Schwartz erinnert sich: „Die meiste Zeit über trug mein Vater mich auf seinen Schultern.“ Frumin hatte keinen Vater und ging mit seiner Mutter und Großmutter. Levys Mutter erzählte ihr, wie sie den Mund der klienen Yaffa zuhalten musste, damit ihr Weine nicht gehört und die Gruppe entdeckt wurde. Sie verließen das Lager für Vertriebene in Saalfelden gegen zehn Uhr abends, reiste in versiegelten LKWs in dem Versuch der Entdeckung durch die Behörden zu entgehen und waren auf dem Weg nach Krimml, wo sie gegen zwei Uhr morgens ankamen. Dort stiegen sie aus den LKWs und liefen einen weiteren Tag lang durch die tückischen Berge zum Krimml-Pass.Fast jede Nacht von April bis Oktober 1947 verließen ein paar Dutzend LKW das Lager und schickten Juden auf den Weg. Insgesamt machten rund 5.000 Juden diesen Treck.
  • Gegen Mitternacht am 10. Januar 1961 fuhr das Schiff Egoz vom Hafen Al-Hoceima in Marokko mit 44 Juden an Bord ab, die Hälfte davon Kinder. Das war die zwölfte Reise des Schiffs, nachdem es 334 Juden aus Marokko nach Gibraltar und dann nach Israel brachte. Um 3 Uhr morgens sank das Schiff und alle Passagiere an Bord kamen ums Leben.

Das Jerusalemer Denkmal für die äthiopischen Juden, die beim Versuch Israel zu erreichen starben.

  • Daniel Sahalo war Mitte der 1980-er Jahre fünf Jahre alt, als er und seine Eltern ihr Haus im nördlichen Äthiopien mitten in der Nacht verließen. Sie ließen bis zum Morgengrauen, um die Grenze des Sudan zu erreichen und marschierten dann neun Wochen durch die Wüsten des Sudan. „Ich hörte, wie Menschen davon redeten nach Jerusalem zu gehen“, erinnert er sich. Auf dem Weg starb seine Schwester an Malaria. „Wir begruben sie und gingen weiter.“ Zwölftausend Menschen machten diesen Treck und etwa viertausend Menschen starben auf dem Weg in den Sudan. Nach mehr als zwei Monaten Wanderung errichte die Familie ein Flüchtlingslager, in dem sie neun Monate lang lbten. Daniel war dort derart unterernährt, dass ein Bauch anschwoll. Dann wurden sie nach Brüssel und anschließend nach Israel geflogen. Rund achttausend äthiopische Juden überlebten diesen Marsch, das Warten und den Flug.

Warum das Risiko eingehen?

Diese Geschichten werfen eine Menge Fragen auf.

  • Warum waren jüdische Familien bereit die Gefahren durch Räuber, Wüsten und Berge einzugehen, um Israel zu erreichen?
  • Warum sollte ein Rabbiner seine Schüler in kleinen Booten wegbringen und sie Piraten aussetzen, um nach Israel zu ziehen?
  • Warum sollte einer der größten Gelehrten seiner Zeit drei Jahre seines Lebens auf den Versuch verschwenden ins Land Israel zu kommen?
  • Warum verließen diese Rabbiner in Babylonien und Europa ihre Gemeinden für ein Lben ohne Lebensunterhalt und mit nur begrenzter Sicherheit in Israel?

Die Antwort auf diese Fragen wurde von Israels erstem PremierministerPremierminister David Ben-Gurion 1936 aufgegriffen, 12 Jahre bevor der Staat Israel gegründet wurde. Damals wurde das Land Palästina genannt – aufgrund eines griechischen Namens, den die Römer verwendeten, um die gesamte Gegend Israels zu beschreiben, nachdem sie den Tempel zerstörten und die Juden ins Exil trieben – und alle Einwohner des Landes, einschließlich der Juden, wurden als „Palästinenser“ bezeichnet. Araber wurden zunehmend gewalttätig und die Briten setzten die Peel-Kommission ein, um die Gewalt zu untersuchen und besser die arabisch-jüdischen Spannungen zu verstehen. Ben-Gurion, ein säkularer Jude, sagte vor dem Komitee aus und erklärte:

Unser Recht auf das Land Israel ist nicht von der britischen Regierung noch der Balfour-Erklärung gegeben; es ist viel älter. Die Bibel ist unser Mandat auf das Land.

Analysiert man den israelisch-arabischen Konflikt und versucht ihn zu verstehen, kann man diese Dimension nicht ignorieren. Die Bibel steckt voller hunderter Bezüge zu Israel und Jerusalem – einschließlich Beschreibungen seiner geografischen Grenzen – als Orte, die Gott dem jüdischen Volk gegeben hat. Und selbst wenn andere das nicht glauben, die jüdischen Menschen tun es. Das ist der Grund dafür, dass sie seit Tausenden von Jahren beteten und sich danach sehnten in dieses Land zurückzukehren und das ist der Grund, dass sie ihr Leben riskierten und verloren, um nach Israel zurückzukehren.

Dr. Qanta Ahmed

Das steht in starkem Widerspruch zu jedem Anspruch des muslimischen Glaubens an Israel. In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt. Der Koran erwähnt Jerusalem nicht ein einziges Mal.

Die Ärztin Qanta Ahmed, Lehrbeauftragte für Medizin an der State University von New York und Honorarprofessorin an der Glasgow Caledonian University School of Public Health, schreibt:

Aber als gläubig Muslima, die den Islam befolgt, bin ich vom Koran veranlasst Israels Alleinanspruch auf das Heilige Land zu bekräftigen; der Koran sagt das.

Das 80.000 Wörter lange Dokument, das 1,6 Millionen Muslime als von Gott offenbarte Wort akzeptieren, der Koran, ist kategorisch, was das Schicksal Israels und das Volk angeht, das sein Eigentumsrecht daran beanspruchen kann…

Der Koran erwähnt nirgendwo den Anspruch der Muslime auf das Heilige Land. Stattdessen offenbart Gott im Koran, dass das Heilige Land für die Anhänger des Mose vorgesehen ist… das Verheißene Land ist gemäß dem Koran das ihre.

Das ist der Grund, dass es keinerlei Beweise dafür gibt, dass Muslime ihr Leben riskierten, um in Israel zu leben. Oder dass der Koran nirgendwo das Land Israel als Fokus ihrer Religion vorstellt. Wenn Muslim in Israel beten – und sogar in Jerusalem – dann richten sie sich nach Mekka aus, das in ihrem Glauben der heiligste Ort. Auf dem Tempelberg legen sie ihr Gesicht auf den Boden, kehren der Stelle des Tempels die Rückseite zu.

Natürlich müssen Lösungen für die Palästinenser gefunden werden, die auch ihren eigenen Staat innerhalb der Grenzen Israels anstreben. Aber wenn sie den Konflikt im Heiligen Land ansprechen, kann der Gesichtspunkt der vier Jahrtausende jüdischer physischer und spiritueller Verbindung zum Land Israel nicht ignoriert werden, sondern muss an der Spitze der Diskussion und Überlegungen stehen, wenn man versucht den Konflikt zu lösen.

 

Bilder: Ahmed via YouTube/Kurdistan24 Englisch; Denkmal CC durch Wikimedia Commons

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