Regenten der University of California verurteilen antisemitischen Antizionismus, und die Medien missbilligen das

Cherryl Smith, HonestReporting, 4. April 2016

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Cherryl Smith, PhD ist Professor Emerita für Satzbau und Rhetorik an der California State University in Sacramento. Sie schreibt für Framing Israel.

Die University of California unternahm diese Woche einen bedeutsamen ersten Schritt zur Bekämpfung von Antisemitismus auf ihrem Campus. Die Prinzipienerklärung der Regenten verurteilt „antisemitische Formen des Antizionismus“ und erklärt, solche Verhaltensformen hätten „keinen Platz an der University of California“.

„Es steht zweifelsfrei fest, dass Antizionismus die treibende Kraft hinter dem alarmierendem Ausmaß von Antisemitismus an der UC und an Schulen im ganzen Land ist“, so Tammi Rossman-Benjamin, Fakultätsmitglied der UC Santa Cruz und Kopf der AMCHA-Initiative, welche den Antisemitismus auf dem Campus nachverfolgt.

Die meiste Berichterstattung über die Regentenerklärung unterschlägt jedoch diese Verbindung von Antizionismus und Antisemitismus: die Schlagzeilen sprechen von Antisemitismus, nicht aber von Antizionismus, und die Artikel suggerieren, es bestehe keine echte Notwendigkeit für diese Erklärung und die Redefreiheit sei nicht in Gefahr.

Die LA Times machte ihre Position per Redaktionsbeitrag explizit klar: „In Wirklichkeit ist es sehr wohl möglich, gegen den Zionismus zu sein oder sich für einen säkularen Staat im heutigen Israel und Westjordanland einzusetzen, ohne antijüdisch zu sein.“

Wenn wir mal außer Acht lassen, dass das jüdische Israel zuallererst säkular ist und von islamischen Ländern umgeben ist, die anders als Israel keine Religionsfreiheit besitzen, und wenn wir ebenso die säkularen zionistischen Gründer des jüdischen Staates außer Acht lassen, so bleibt immer noch die höchst beunruhigende Formulierung „heutiges Israel und Westjordanland“.

Irgendwie kann die LA Times, das auflagenstärkste Blatt der Stadt mit der zweitgrößten jüdischen Bevölkerung in den USA, deren Redaktion Antizionismus als „Gegner der Idee eines jüdischen Staates“ definiert, nicht begreifen, dass Universitätsstudenten von Ausgrenzung und Verfolgung berichten, weil sie (auf dem Campus) die Minderheitenmeinung vertreten, der einzige jüdische Staat der Welt solle weiterbestehen. Die Studenten erleben den altbekannten Antisemitismus in derartigem Ausmaß, dass selbst die Regenten der University of California, die wirklich ganz andere Sorgen haben, dies bemerkten.

Ich gebe zu, ich habe Schwierigkeiten zu verstehen, welche Formen des Antizionismus nicht antisemitisch sind. Die Definition der LA Times, Antizionismus stelle sich gegen die Idee eines jüdischen Staates, suggeriert eine unmittelbare Antijüdischkeit des Antizionismus. Antizionismus ist jedoch auch eine eigene Form von Fanatismus. Die Forderung nach legalistischer Sprache zum Schutz jüdischer Studenten entspringt der Realität, dass Antizionismus auf dem Campus sehr akzeptabel geworden ist und Juden gleichzeitig keine „geschützte Minderheit“ sind.

Die von AMCHA erfassten vielen hundert antisemitischen Vorfälle sind verknüpft mit der weithin hörbaren Campus-Position, Israel solle nicht als jüdischer Staat existieren. Zudem wird der Zionismus verteufelt. Vielsagenderweise stellten Berichte der Associated Press, die in vielen kalifornischen Blättern einschließlich dem San Francisco Chronicle abgedruckt wurden, „Israelunterstützer“ in Kontrast zu „Unterstützern der Rechte von Palästinensern“, obgleich der Zionismus das Konzept des jüdischen Selbstbestimmungsrechts ist. Kein einziger Bericht, den ich finden konnte, beschrieb proisraelische Studenten als „Unterstützer der Rechte von Juden“.

Tatsächlich betitelte die LA Times ihren Redaktionsbeitrag mit „Ein Gleichgewicht zwischen Redefreiheit und Bigotterie finden“, als sei Antizionismus keine Form der Bigotterie und als seien antizionistische Aussagen nicht durch den ersten Verfassungszusatz geschützt.

Niemand legt die Situation so klar dar wie der UCLA-Professor Judea Pearl:

Die UC-Richtlinien gegen Antisemitismus sind grob unzureichend bei der Zügelung der aktuellen Welle antijüdischer Feindseligkeiten auf den Campussen, die im Großen und Ganzen nicht auf jene abzielt, die ihre Religion praktizieren, sondern auf jene, von denen man glaubt, sie würden Israel unterstützen…

…die UC-Regenten haben antisemitische, islamophobe und weißrassistische Reden nicht verboten und wollen auch keine antizionistischen Reden verbieten; vielmehr möchten die Regenten es berechtigterweise klarstellen, dass Letzteres den Rahmen des zivilen Diskurs überschreitet.

Legen die Regenten also die Prinzipien gegen Intoleranz fest, beschränken sie die Redefreiheit nicht offiziell. Aber, und das ist eine wichtige Unterscheidung, sie schicken der Gemeinschaft eine Botschaft, dass Antizionismus ähnlich wie Islamophobie und andere Hassideologien kulturell „keinen Platz an der University of California“ haben.

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