Anleitung zum Israelboykott bei der Huffington Post?

Zahava Raymond, HonestReporting, 24. Februar 2016

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Der britische Gesetzesvorschlag gegen Israelboykotte führte zu recht breitgefächerten negativen Reaktionen und Anschuldigungen, es handle sich hierbei um einen Angriff auf Demokratie und Meinungsfreiheit.

Während die britische Regierung der BDS-Bewegung Israelboykotte schwerer macht, schien dies der Huffington Post offenbar eine gute Gelegenheit, eine Art Anleitung zu liefern — Israelboykott „leicht gemacht“.

Sie schreibt:

Eine augenöffnende Liste von Dingen, die auf der Website der BDS-Bewegung zum Boykott empfohlen werden, beleuchtet die Waren, auf die sich die Kampagne konzentriert — Waren, die schon bald von der Regierung geschützt werden könnten.

Zu jedem Produkt verrät der Artikel Einzelheiten, woher sie für gewöhnlich stammen, wo im Vereinigten Königreich sie normalerweise gelagert werden, wie sie etikettiert sind, und im Falle der Medjoul-Datteln wird die Tatsache erwähnt, dass „die BDS-Bewegung ihren Rat jedes Jahr vor Ramadan erneuert — da Datteln traditionell zum Brechen des Tagesfastens genutzt werden“.

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Bei den Jaffa-Orangen steht folgender hilfreiche Hinweis: „Die BDS-Bewegung rät Verbrauchern zum Lesen des Etiketts, um eine informierte Kaufentscheidung zu treffen.“

Zwar sagt der Artikel: „Boykotte zielen auf Waren und Dienstleistungen israelischer Firmen, die sich auf umstrittenem Gebiet im Westjordanland befinden“, aber die Liste enthält auch Eiskrem von Ben & Jerry’s. Jene Firma wird von BDS wegen ihrer „langjährigen vertraglichen Beziehung zu einem israelischen Franchise“ bekämpft, „die Eiskrem in Israel produziert und sie in israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland und in Ostjerusalem anbietet“.

HonestReporting hat die Irish Times einst für einen ähnlich verschlagenen Versuch kritisiert, eine Anleitung unter die Leute zu bringen, wie man israelische Produkte boykottieren kann. Artikel wie diese unterstützen die BDS-Agenda und geben BDS das, was es am meisten ersehnt — Medienberichterstattung und öffentliche Aufmerksamkeit.

In der Zwischenzeit hat der Huffington-Post-Artikel, ein bemerkenswertes Beispiel für unausgewogene Berichterstattung, auch Ali Milani, Präsident der Union of Brunel Students, zu Wort kommen lassen. Dieser befördert die „Apartheid“-Verleumdung und behauptet (womöglich sogar ohne eine Miene zu verziehen):

Studenten hatten schon immer die Haltung, der Universitätscampus sollte das Herz moralisch-ethischer Praktiken sein, und die mit uns kooperierenden Firmen sollten frei von Besatzungs- und Apartheid-Politik sein. BDS ist die beste Form gewaltlosen Protests gegen sie.

Eine weitere Apartheidreferenz erscheint in einem Zitat eines Sprechers des britischen Oppositionsführers Jeremy Corbyn:

Dieses Regierungsverbot hätte auch jede Handlung gegen das Südafrika der Apartheidzeit illegal gemacht.

Der Autor bemühte sich vergeblich um Aussagen von Ben & Jerry’s, Eden und Ahava — Firmen, bei denen man nicht voraussetzen sollte, dass sie Erfahrung in israelischer oder britischer Regierungspolitik haben. Wäre es so schwierig gewesen, Kommentare von Quellen zu bringen, die gegen die BDS-Kampagne sind?

Zwar erwähnt der Artikel, dass der britische Minister Matthew Hancock Boykotte „spaltend“ und „kontraproduktiv“ nannte, verschweigt aber die weit ernstere Warnung, dass Boykotte den Antisemitismus anheizen könnten. Dieses Risiko — das kein Risiko ist, sondern erwiesene Tatsache — in Kombination mit dem Extremismus der BDS-Bewegung sind exakt die Gründe, warum verschiedene Strategien einschließlich staatlicher Gesetzgebung zum Stoppen von BDS unternommen werden.

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One Comment - “Anleitung zum Israelboykott bei der Huffington Post?”


  1. […] – Auslandspresse-Chef: keine Medienvoreingenommenheit gegenüber Israel?! – Anleitung zum Israelboykott bei der Huffington Post? – Warum der Independent einen Meinungsbeitrag zur “Apartheid-Woche” […]


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