Auslandspresse-Chef: keine Medienvoreingenommenheit gegenüber Israel?!

Simon Plosker, HonestReporting, 21. Februar 2016

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Luke Baker, Chef des Reuters-Jerusalembüros und aktueller Vorsitzender von Israels Foreign Press Association (FPA), ist in den letzten Wochen selbst zum Nachrichtenthema geworden, statt nur Nachrichten zu machen. Nach einer haarsträubenden CBS-Schlagzeile entschied das Pressebüro der israelischen Regierung, der Berichterstattung der Auslandspresse über palästinensischen Terrorismus etwas kritischer gegenüberzustehen.

Baker erschien vor einem Unterausschuss des Foreign Affairs and Defense Committee der Knesset, welche die Auswirkungen der Medienvoreingenommenheit untersucht — was Baker übrigens eine „Hexenjagd“ nannte. Das Meeting erwies sich aber als harmlos.

Und ein weiterer unglückseliger Vorfall brachte Israels Haltung gegenüber der Auslandspresse ins Rampenlicht: das Festhalten von William Booth, dem Bürochef der Washington Post, durch die in Jerusalems Altstadt stationierte Grenzpolizei.

Anbetrachts all dessen ist Luke Baker zum Vorzeigemann der Auslandspresse geworden, die gegen eine scheinbare „Hexenjagd“ Israels auf die internationalen Medien kämpft. In einem Interview mit Globes (einem israelischen Finanzblatt) wurde er gefragt, ob er der Ansicht sei, es gebe auf Seiten der Auslandsmedien eine gewisse Voreingenommenheit in ihrer Israelberichterstattung. Hier seine Antwort:

Ich bin jetzt seit 20 Jahren Journalist von Beruf, und ähnlich wie ich sind viele der hier hergeschickten Journalisten sehr erfahren. Ich arbeite mit äußerst professionellen Journalisten, die die Komplexität der Story einem internationalen Publikum zu erklären versuchen. Die Israelis glauben, wir würden ihre Haltung nicht adäquat wiedergeben, aber das ist es auch nicht, weswegen die Journalisten hier sind. Ich erkenne bei der Auslandspresse keine Unausgewogenheit. Es gibt Storys, die sich sehr schnell entwickeln, und die Berichte geben die Entwicklungen vor Ort wieder — es gibt einen Bericht über Todesopfer, und ganz am Anfang weiß man einfach nicht, wer tot ist und von welcher Seite er ist, aber du versuchst, das Geschehen so schnell wie möglich zu erklären. Die Vorwürfe, wir seien voreingenommen, nerven. Wenn es Fehler gibt, dann werden sie so schnell wie möglich berichtigt. Den Vorwurf der Unausgewogenheit weise ich zurück.

Behauptet Baker hier tatsächlich, es gebe keinerlei Voreingenommenheit in den Medien? Und sagt er hier auch, die Auslandsmedien würden sich korrigieren, wenn sie etwas falsch berichtet haben? Sieht man sich die schiere Zahl der Vorfälle an, bei denen HonestReporting und andere Gruppen intervenierten und die Medien zu einer Korrektur zwangen, so stellt sich heraus: Bakers Aussage ist komplett falsch.

lukebakertwitterFalls Baker seine Hypothese testen will, laden wir ihn ein, das Material auf der HonestReporting-Website zu sichten, das sich im Lauf der letzten 15 Jahre angesammelt hat.

Baker sagt auch, die Journalisten wären nicht hier, um die Haltung der Israelis wiederzugeben. Trifft dies tatsächlich zu, dann sollten die Auslandsjournalisten aber auch nicht das palästinensische Narrativ übernehmen!

Wir sollten nicht vergessen, dass Baker höchstpersönlich vor kurzem der Einseitigkeit bezichtigt wurde, nämlich im Oktober 2015, als er fälschlicherweise behauptete, israelische verdeckte Ermittler würden palästinensische Jugendliche bewusst zum Steinewerfen aufstacheln, was der Polizei einen Vorwand gäbe, die Steinewerfer festzunehmen. Hat Baker das je korrigiert oder sich dafür entschuldigt? Nein.

Selbst im Globes-Interview macht Baker einen Fehler, wenn er sagt, William Booth sei „inhaftiert“ worden. Als angeblich professioneller Journalist sollte er wissen, wie wichtig akkurate Sprache und Terminologie sind. Booth wurde vorübergehend für eine Befragung festgehalten, aber nie formell unter Arrest gestellt oder irgendeiner Sache angeklagt, bevor er freigelassen wurde. Soviel zur Genauigkeit.

Und auch der Nachrichtendienst Reuters wurde zu zahlreichen Gelegenheiten dabei ertappt. Wie war das zum Beispiel im November 2015, als Reuters eine palästinensische Autoramm-Attacke, bei welcher israelische Soldaten verletzt wurden, mit der Schlagzeile „Palästinenser stirbt bei Ramm-Attacke“ versah und dieses dann zu korrigieren gezwungen wurde?

Und was war mit der irreführenden Schlagzeile, Benjamin Netanyahu habe gedroht, auf steinewerfende palästinensische Kinder schießen zu lassen? Auch hier war Reuters zu einer Korrektur gezwungen worden.

Im Lauf der Jahre war Reuters immer wieder Thema bei HonestReporting, und 2011 zog eine akademische Studie den Schluss, die Reuters-Berichterstattung über den Nahostkonflikt sei systematisch mit Propaganda durchsetzt und beeinflusse die Leserschaft, sich auf die Seite der Palästinenser und der arabischen Staaten gegen Israel zu stellen.

Bakers dubiose Behauptungen zeigen exakt, warum eine Organisation wie HonestReporting gebraucht wird. Nicht nur sind die Auslandsmedien unfähig, ihre Voreingenommenheiten und Fehler selbständig zu korrigieren, sondern (ausgehend von Bakers Kommentaren) es weigern sich sogar einige Vertreter besagter Medien, das Problem überhaupt anzuerkennen. Dass Baker gegenwärtig der Kopf der FPA ist, setzt dem ganzen dann nochmal die Krone auf.

Luke Baker schätzt es nicht, wenn man ihn kritisiert. Er sagt: „Die Vorwürfe, wir seien voreingenommen, nerven.“ Es tut uns leid, Luke, aber es scheint, dass wir Ihnen auch weiterhin auf die Nerven gehen müssen!

Joe Hyams, der Geschäftsführer von HonestReporting, sagt hierzu:

Angesichts aller Beweise für das Gegenteil ist es unglaublich, dass Luke Bajer, der Repräsentant der Auslandspresse in Israel und Kopf einer angeblich glaubwürdigen Nachrichtenagentur das himmelschreiende Problem bei der Medienberichterstattung über Israel nicht erkennen will. Und es ist unglaublich arrogant zu behaupten, die Auslandsmedien würden sich selbst korrigieren, wenn fehlerhaft berichtet wird. Medienbeobachter wie HonestReporting sind absolut notwendig, um sicherzustellen, dass die Medien wirksam überwacht und zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie Unwahrheiten berichten.

Wollen auch Sie helfen, Luke Baker darauf hinzuweisen, dass die Medien sehr wohl gegenüber Israel voreingenommen sind? Wir würden uns freuen, wenn Sie folgende Petition mitunterzeichnen: hier klicken. Vielen Dank!

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3 Kommentare - “Auslandspresse-Chef: keine Medienvoreingenommenheit gegenüber Israel?!”

  1. caruso Says:

    Wer die Voreingenommenheit der Presse gegen Israel nicht bemerkt, obwohl sie mehr als deutlich ist, … na ja, was kann man da sagen? kann nicht lesen, ist geistig beschränkt usw. oder?
    lg
    caruso


  2. […] – Israelhasser bestätigt aus Versehen: BDS ist antisemitisch – Auslandspresse-Chef: keine Medienvoreingenommenheit gegenüber Israel?! – Anleitung zum Israelboykott bei der Huffington Post? – Warum der Independent einen […]


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