Die New York Times gibt zu, Kontext zu verschweigen

Yarden Frankl, HonestReporting, 10. Januar 2016

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Ayed Fadel, Hauptquelle eines New-York-Times-Artikels über die palästinensische Sozialszene in Haifa, beschwerte sich bitter darüber, dass seine Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Trotz der Darstellung der Journalistin Diaa Hadid, die Szene würde progressive Werte vertreten, ist die Wirklichkeit weit politischer. Wie wir gezeigt haben, ist Fadels Facebookwand voller antiisraelischer Beiträge und zeigt auch keinerlei Unterstützung für die Rechte Homosexueller.

Beschwerden zahlreicher Leser erreichten den Public Editor der New York Times, Margaret Sullivan. Ihre Antwort räumt ein Versagen auf Seiten der Times ein:

Was jedoch fehlte, was etwas, das ich in meiner Nahost-Kolumne empfohlen habe: viel Kontext. Zwar ist es unmöglich (und nicht ratsam), die Geschichte Israels und Palästinas in jeder Nachrichtenberichterstattung und jedem Sonderbeitrag darzulegen, benötigte dieser Artikel jedoch mehr politische und geschichtliche Informationen, um ihn in die richtige Perspektive zu rücken.

Keine Formulierung eines Artikels wie diesem wird jeden Leser zufriedenstellen. Aber die Times kann es besser machen, indem sie mehr Kontext und weitere Informationen bereitstellt, selbst in einem Sonderbeitrag.

In einem Folgebeitrag drückte Hadid, die Journalistin, gegenüber Sullivan ihre Überraschung aus, dass nicht nur einer, sondern gleich vier ihrer Interviewpartner sagten, ihre Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden:

Ich habe diese Story geschrieben, weil ich Haifas einzigartiger Kultur Tribut zollen wollte. Insbesondere wollte ich zeigen, wie die palästinensischen Bürger Israels ihre eigene dynamische, linke Szene in der Stadt errichtet haben. Daher war ich äußerst überrascht zu hören, dass mindestens vier Interviewpartner den Eindruck hatten, ich hätte sie in der Story falsch dargestellt, und dass diese Story mehr Kritik zur Folge hatte als jede andere, die ich in knapp einem Jahrzehnt Nahostberichterstattung geschrieben habe.

Es ist sehr offenbarend, dass die Hauptkritik der Interviewpartner darin bestand, ihre politischen Ansichten seien aus dem Artikel herausgelassen worden.

Und die Ironie ist, dass wir dem zustimmen.

Der von den Interviewten gepflegte Israelhass hätte im Artikel erwähnt werden sollen, damit die Leser verstehen, dass ihre liberalen Ansichten ein sofortiges Ende finden, sobald es um Frieden und Koexistenz geht.

Aber wir begrüßen, dass Sullivan den Anliegen der Leser gegenüber offen war und sie der Journalistin mitgeteilt hat.

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