Palästinensische Hipster mit Tattoos und Piercings?

Yarden Frankl, HonestReporting, 5. Januar 2016

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Einige Journalisten würden die palästinensische Gesellschaft am liebsten so darstellen, als sei sie modern und linksgerichtet, vertrete progressive Werte und sei keineswegs von ihrem Konflikt mit Israel besessen. Beispielsweise beschreibt dieser New-York-Times-Artikel eine Szene, in welcher (sich selbst so bezeichnende) junge Palästinenser in Haifa in Tanzclubs herumhängen, Alkohol trinken und kein Problem mit öffentlichen Zärtlichkeiten homosexueller Pärchen haben. Für sie zählt die Kultur, nicht die Politik.

Sie waren bei den vielen frisierten, gepiercten und tätowierten Frauen und Männern, die Haifas soziale Szene bilden, welche an die finanzstarken Hipster aus Tel Aviv erinnert. Aber hier sind die coolen Kids Palästinenser, und sie haben ein selbstbewusstes Arabermilieu gebildet, das säkular, feministisch und schwulenfreundlich ist.

Keinerlei Erwähnung des Israelkonflikts. Einfach nur progressive Jungs und Mädels, die in Clubs herumhängen.

Aber kurz nach der Veröffentlichung des Artikels schrieb Ayed Fadel, der im Artikel umfangreich zitiert wurde, einen Facebook-Beitrag. Darin beklagte er sich, die New York Times hätte seine Aussagen völlig aus dem Zusammenhang gerissen:

Ich fand den Artikel in Wirklichkeit verstörend. Er beschreibt bestimmte Aspekte und lässt so viele andere aus, die ich beim Interview erwähnt habe, dass er die modernen Palästinenser im Endeffekt in einem „westlichen“ Licht darstellt, das weiße Leser glücklich macht und sagen lässt: „Oh, sie sind genau wie wir!“ Nein, wir sind überhaupt nicht wie sie, wir sind total anders und stecken tief in der Scheiße, und uns so darzustellen ist beleidigend.

… Es fehlen so viele wichtige Punkte, dass dieser Artikel seicht, beleidigend und entwürdigend wirkt. Und es fehlen 90% des Interviews, wo wir darüber gesprochen haben, wie die Kultur des kulturellen Widerstands wächst…

Ich weiß nicht, ob das, was ich jetzt schreibt, alles im Artikel Geschriebene ansprechen kann, aber ich kann hoffentlich die Situation erklären und zeigen, dass es eine Falle der weißen Medien war. Die wollen uns immer als coole Hipster voll mit Tattoos und Piercings darstellen — weit entfernt von der Realität, in der wir uns befinden und gegen die wir jeden Tag kämpfen!

Wie denkt Ayed wirklich? Hier einige Beiträge von seiner Facebook-Seite:

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Aus irgendeinem seltsamen Grund schafften es Fadels Ansichten über Israel nicht in den Artikel. Vielleicht kamen sie ja in den 90% des Interviews zur Sprache, die laut ihm ausgelassen wurden?

Diaa Hadid ist die Times-Korrespondentin, die den Artikel geschrieben hat. Folgendes stammt vom Blog Israellycool („New York Times Employs Veteran of Anti-Semitic Website„):

Trotz einiger Artikel über das Versagen der Palästinenserbehörde, seine Stromrechnung zu bezahlen, und über die palästinensischen Araberinnen, die Juden auf dem Tempelberg belästigen, ist Hadid einfach nur ein Teil des Hamas-Propagandateams namens „Jerusalembüro der New York Times“. Das sollte nicht überraschen, wenn man ihre Vergangenheit bei Electronic Intifada und bei der Palästinensischen Gesellschaft für den Schutz der Menschenrechte und der Umwelt betrachtet.

Electronic Intifada ist eine Hass-Seite, welche die Hamas unterstützt. Der Antisemitismus seines Gründers Ali Abunimah ist gut dokumentiert. Abunimahs Unterstützung für die Hamas wurde auf einem YouTube-Video verewigt. Eine andere EI-Reporterin erklärt stolz auf Twitter: „Objektivität ist Bullshit“. Hadid schrieb zwischen 2002 und 2003 mindestens sieben Artikel für EI.

Es überrascht nicht, dass Hadid nur das wahrnahm, was sie wahrnehmen wollte, und dass sie nur das schrieb, was sie über die Leute schreiben wollte. Aber wenn eine ihrer Hauptquellen sagt, dass 90% des Gesagten ausgelassen wurde, ist das eine schrillende Alarmglocke, dass den Lesern nicht alles gesagt wird.

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3 Kommentare - “Palästinensische Hipster mit Tattoos und Piercings?”


  1. […] Medien-BackSpin: – Die Wahrheit reicht nicht aus – Kontext von Hisbollah-Grenzattacke geht verlustig – Palästinensische Hipster mit Tattoos und Piercings? […]


  2. […] Falsches zu Nahost richtig gestellt « Palästinensische Hipster mit Tattoos und Piercings? […]


  3. […] in welchem sie wesentliches Material, das nicht auf ihre Agenda passte, einfach ausgelassen hat. Wie wir bereits berichtet haben, beschwerten sich vier der Leute, die sie als Hauptquelle für ihren Artikel über die arabische […]


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