Konfuse Schlagzeilen: Gleichsetzung der Terroristen mit den Opfern

Alex Margolin, HonestReporting, 23. November 2015

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Es ist zwei Monate her, seit die aktuelle Terrorwelle begonnen hat, und die Medien verwechseln noch immer die Opfer mit den Terroristen.

Am Sonntag wollten drei palästinensische Terroristen bei voneinander getrennten Anschlägen Israelis erstechen, wobei sie eine Frau ermordeten. Die Terroristen wurden im Rahmen der Selbstverteidigung getötet. Wie sah die erste Schlagzeile der New York Times hierzu aus? (Sie wurde seither verändert) „1 Israeli und 3 Palästinenser bei Angriffen im Westjordanland getötet“

Diese Schlagzeile impliziert, die Gewalt sei moralisch gleichwertig gewesen, und es habe sich ohnehin nur um „Angriffe“ gehandelt — Palästinenser griffen Israelis an, und Israelis griffen Palästinenser an. Tatsächlich impliziert die Schlagzeile sogar, dass die israelischen Angriffe schlimmer waren, da mehr Palästinenser getötet wurden.

Aber nicht nur die New York Times zeigt moralisches Versagen. Auch andere Zeitungen überboten sich gegenseitig mit begriffsstutzigen Schlagzeilen, in denen Opfer und Terroristen gleichgesetzt wurden. Die Irish Times brachte dieses Mordsding von irreführender Schlagzeile:

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Daraus erfährt man nicht einmal, dass Terroranschläge stattgefunden haben. Ein „Vorfall“ oder „Ereignis“ (incident) kann ein Autounfall sein oder sogar eine Lawine. Interessanterweise stammt die Berichterstattung von Reuters, allerdings mit einer anderen Schlagzeile mit akkurateren Informationen — Israeli erstochen, drei palästinensische Angreifer im Westjordanland getötet: Polizei. Das bedeutet, die Irish Times hat die Schlagzeile bewusst verändert.

Aber auch der Sydney Morning Herald wollte sich nicht ausstechen lassen und publizierte dieses Kuddelmuddel von Schlagzeile:

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Zumindest die New York Times änderte ihre Schlagzeile — aber die Berichterstattung im Artikel zeigt nach wie vor einseitige Sympathie für die Terroristen. Nehmen wir zum Beispiel die ersten beiden Absätze:

Drei Palästinenser, die am Sonntag in voneinander getrennten Vorfällen im besetzten Westjordanland israelische Juden angegriffen haben, wurden von israelischen Zivilisten und Soldaten erschossen, wie Beamte und Augenzeugen sagten. Eine israelische Frau wurde dabei getötet.

Der Vater eines der palästinensischen Angreifer, einem 16jährigen Mädchen, sagte, sie habe sich auf die Märtyrerschaft vorbereitet und ihn gebeten, ihre Organe zu spenden.

Das Schicksal der Angreifer wird in den Vordergrund gestellt. Das wahre Opfer — die israelische Frau — wird ohne echte Informationen einfach ans Ende geklatscht. Ihr sollte der zweite Absatz gewidmet sein, aber nein. Statt dessen erhält der Leser ein Zitat des Vaters einer Terroristin über ihren Wunsch, ihre Organe zu spenden. So redet man über einen Menschenfreund und ein Opfer, aber nicht über einen Terroristen.

Vergleichen wir das mit den einleitenden Absätzen der Associated Press:

Eine junge israelische Frau wurde von einer Palästinenserin erstochen, eine von drei Angreifern, die bei voneinander getrennten Attacken am Sonntag erschossen wurden, wie israelische Sicherheitskräfte mitteilten. Dies war das jüngste Aufflammen von Gewalt vor dem bevorstehenden Besuch der Region durch US-Außenminister John Kerry.

Die 21jährige israelische Frau wurde bei einem Messerangriff einer Palästinenserin Sonntagabend im Westjordanland schwer verletzt, bevor diese von in der Nähe befindlichen Soldaten erschossen wurde, wie das Militär mitteilte.

Die AP priorisiert das Opfer und beschreibt Einzelheiten des gegen sie ausgeführten Verbrechens. Es gibt keine emotionalen Zitate der Familie der Terroristin und keine Andeutung, die israelische Handlung sei irgend etwas anderes als Selbstverteidigung gewesen. So sieht korrekte Berichterstattung aus, und das ist etwas, das der Berichterstattung der New York Times über Israel und die Palästinenser gut täte.

Die Schlagzeilen und die Berichterstattung der New York Times verzerren schlicht die Realität und machen es ihren Lesern unmöglich, die Geschehnisse im Nahen Osten zu verstehen. Wenn Terroristen mit gleicher oder sogar größerer Achtung behandelt werden als ihre Opfer, dann müssen die Journalisten mal ihre moralische Richtschnur überprüfen.

Bild: CC BY-SA HonestReporting.com, Elena via flickr

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2 Kommentare - “Konfuse Schlagzeilen: Gleichsetzung der Terroristen mit den Opfern”


  1. […] Medien-BackSpin: – Herausgeber schweigen zu einem antisemitischen Brief – Aufhetzung ist kein Spiel – Video: Israel nicht länger dämonisieren, sondern von Israel lernen – Konfuse Schlagzeilen: Gleichsetzung der Terroristen mit den Opfern […]


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