Aufhetzung ist kein Spiel

Yarden Frankl, HonestReporting, 16. November 2015

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Schon wieder verbiegt sich die New York Times bis zur Unkenntlichkeit bei dem Versuch, journalistische „Ausgewogenheit“ zu zeigen, wo keine existiert.

Ein Artikel dreht sich um einen palästinensischen Fernsehsender, der der „Aufhetzung“ beschuldigt worden war.

Die Times führt ein paar Beispiele an, welche diese Anschuldigung untermauern:

Ein israelischer Beamter, der anonym bleiben wollte, da er sonst nicht hätte sprechen dürfen, sagte, er habe kürzlich diesen Sender angeschaut und gesehen, wie ein Studiogast eine Frau pries, die einen israelischen Sicherheitsmann in Ostjerusalem erstechen wollte. Danach wurde ein Koranvers eingeblendet, der Moslems zum Kämpfen ermutigt. (…)

Vor einigen Tagen versuchten Moderatoren dieses Senders, das Kriegsgetrommel frisch zu halten, als sie von einem neuen Studioset aus sendeten, das einen maskierten Palästinenser mit einem Messer zeigt, von dem Blut auf einen Davidstern tropft. Darunter war ein arabischer Hashtag, den man übersetzen kann mit: #dieintifadavonjerusalem

Wenn wir sagen, dass „Aufhetzung“ Worte und Taten meint, die andere zum Mordversuch an Unschuldigen motivieren, dann sind diese zwei Beispiele, ausgestrahlt auf einem Sender, dessen Website 120.000 Besucher pro Tag zählt, Beweise hierfür. Die Times hätte darüber reden können, wie stark diese Art von Aufhetzung in palästinensischen sozialen Medien und sogar unmittelbar in der Palästinenserführung vertreten ist.

Aber nein.

Statt dessen schreibt die Times:

Aufhetzung ist natürlich keine Einbahnstraße.

Dann probiert sich die Times an einem schwächlichen Versuch, zu zeigen, dass beide Seiten ihre Leute zum Mord aufhetzen. Hier ihr Beispiel für die israelische Seite:

Israelische Nachrichtenorganisationen berichteten letzte Woche, die militaristische Website Arutz 7 habe ihrem Kinderbereich ein Spiel namens „Beat the Terrorist“ hinzugefügt. Dort erhalten die Spieler Nunchakus, Regenschirme und Selfie-Sticks, mit denen sie in Hamas-Grün gekleidete und mit Messern, Gewehren oder Molotow-Cocktails bewaffnete Angreifer abwehren können. Die Spieler haben drei Leben in Form von Davidsternen und erhalten 10 Punkte für jede Tötung. Arutz 7 entfernte das Spiel, aber auf anderen Websites kann man es immer noch online spielen.

Auf der einen Seite haben wir also eine Nachrichtensendung, in welcher eine Frau, die einen unschuldigen Israeli niedergestochen hat, mit Preisungen überhäuft wird, und auf der anderen Seite haben wir ein Kinderspiel, in dem man bewaffnete Terroristen „abwehren“ muss. Die Times setzt beides gleich.

Was für eine Art von Aufhetzung ist das denn bitte? Die Times impliziert, israelische Kinder, die das Spiel spielen, könnten bewaffnete Terroristen töten wollen. Ist das so extrem? Das Spiel zeigt KEINE Gewalt irgendeiner Art gegen unschuldige Palästinenser.

Kann man ein primitives Spiel, das es momentan nur auf ein paar obskuren Websites gibt, wirklich mit einer beliebten Nachrichtensendung vergleichen, in der Mörder mit Ehrungen überhäuft werden?

Selbstverständlich nicht. Aber die Times ist von einem Narrativ besessen, der den israelisch-palästinensischen Konflikt einfach als Kreislauf der Gewalt zeigt, in dem beide Seiten gleichermaßen an der Fortführung des Konflikts beteiligt sind.

War das Videospiel das extremste Beispiel für „Aufhetzung“, das die Times auf der israelischen Seite finden konnte, dann hat sie soeben bewiesen, dass von Ausgewogenheit überhaupt keine Rede sein kann.

Bild: CC BY-NC-SA Ardail Smith via flickr mit Modifikationen CC BY-NC-SA Lauren Michell Rabaino und HonestReporting

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3 Kommentare - “Aufhetzung ist kein Spiel”

  1. Paul Says:

    War das Videospiel das extremste Beispiel für “Aufhetzung”, das die Times auf der israelischen Seite finden konnte, dann hat sie soeben bewiesen, dass von Ausgewogenheit überhaupt keine Rede sein kann.

    Ohne es zu wollen hat die Times damit bewiesen, dass es in Israel keine Aufhetzung gegen Palästinenser gibt.
    Denn das Beispiel dieses Kinderspiels ist in diesem Zusammenhang wirklich Kinderkram.
    Wenn es einschlägigeres Material geben würde, die Times hätte es gefunden und ausgeschlachtet.
    Ihr Pech, dass es das nicht gibt. Das hat sie damit, wenn auch ungewollt, dokumentiert.
    Dafür sollten wir ihr dankbar sein.
    So wendet sich das Böse, wenn auch ungewollt, doch noch zum Guten.

    Herzlich, Paul


  2. […] – Herausgeber schweigen zu einem antisemitischen Brief – Aufhetzung ist kein Spiel – Video: Israel nicht länger dämonisieren, sondern von Israel lernen – Konfuse […]


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