Jahrestag der Balfour-Deklaration löscht die jüdische Verbindung zum Heiligen Land

Simon Plosker, HonestReporting, 3. November 2015

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Der 2. November 2015 war der 98. Jahrestag der Balfour-Deklaration von 1917, dem Brief, der die damalige britische Regierung der Idee gegenüber verpflichtete, in Palästina / Eretz Yisrael eine jüdische Heimstatt zu errichten.

Dass die Palästinenser in Gaza diesen Jahrestag mit dem Verbrennen britischer, israelischer und amerikanischer Flaggen markierten, überrascht kaum, wurde aber von der Daily Mail mit einem Artikel bedacht.

balfourdeclarationDie Geschichte des Nahen Ostens kann dem uninformierten Leser verwirrend erscheinen, insbesondere wenn es um Zeiten vor Anfang des 20. Jahrhunderts geht, die aber noch heute nachwirken. Daher hat die Daily Mail die Verantwortung, den geschichtlichen Hintergrund im richtigen Zusammenhang zu präsentieren.

Statt dessen lesen wir das:

Der britische Außenminister Arthur James Balfour schrieb am 2. November 1917 einen Brief an Walter Rothschild, dem zweiten Baron Rothschild und dem Führer der britisch-jüdischen Gemeinschaft.

Balfour versprach Rothschild „eine nationale Heimstatt für das jüdische Volk“ im Herzen Palästinas.

Weiter versprach er: „Die Regierung Seiner Majestät (…) wird ihr Bestes unternehmen, um die Erreichung dieses Zieles herbeizuführen.“

Diese Vereinbarung traf er unter der Bedingung, dass „nichts getan werden soll, was die zivilen und religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und den politischen Status von Juden in jedem anderen Land beeinträchtigen könnte“.

Aber Balfour gab in dem überraschend kurzen Dokument keine weiteren Instruktionen, wie die widersprüchlichen Anweisungen — einen jüdischen Staat in Palästina einzurichten, ohne die bereits bestehenden palästinensischen Gemeinschaften zu beeinträchtigen — umgesetzt werden sollten.

Die Palästinenser sind wütend, dass ihr Land faktisch dem jüdischen Volk versprochen wurde, was zu verstärkten Spannungen in der religiösen Stadt Jerusalem, die in beiden Religionen verehrt wird, führte.

Es überrascht kaum, dass der Mythos eines existierenden historischen Staates Palästina, der von europäischen Juden „kolonisiert“ wurde, weiterhin in der Bevölkerung umhergeht, wenn Medienkonsumenten mit dieser Art faulem historischem Hintergrund gefüttert werden.

  • Nirgendwo im Artikel steht, dass Palästina, unter welchem Namen es damals bekannt war, Teil des Osmanischen Reichs war und es dort niemals einen unabhängigen Palästinenserstaat gegeben hat.
  • Nirgendwo im Artikel steht, dass eingeborene jüdische Gemeinschaften seit weit über 3.000 Jahren im Land Israel gelebt hatten und dass es dort eine anhaltende und ununterbrochene religiöse und nationale jüdische Verbindung zu jenem Land gab.
  • Im Artikel steht fälschlicherweise, die Balfour-Deklaration habe Instruktionen „zur Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina“ gegeben. Tatsächlich unterstützte die Deklaration eine jüdische Heimstatt und nicht notwendigerweise einen Staat. Die Balfour-Deklaration war nur ein Schritt auf dem Weg hin zur Erfüllung des zionistischen Programms der Wiederherstellung der jüdischen Souveränität im angestammten Heimatland des jüdischen Volkes.
  • Wer damals von Palästinensern gesprochen hat, der meinte sowohl die jüdischen als auch die arabischen Bewohner des Gebiets. Wenn die Daily Mail davon schreibt, dass die „dortigen palästinensischen Gemeinschaften nicht beeinträchtigt werden sollten“, dann sagt sie nicht genau, wer denn diese Gemeinschaften bildete. Statt dessen arbeitet sie mit der Annahme, die palästinensischen Gemeinschaften seien palästinensische Araber gewesen.
  • Dies wird von folgender Aussage ergänzt: „Die Palästinenser sind wütend, dass ihr Land faktisch dem jüdischen Volk versprochen wurde.“ 1917, zur Zeit der Balfour-Deklaration, gab es keine nationale palästinensische Identität — die nichtjüdischen Bewohner des Gebiets betrachteten sich als Teil der weiteren arabischen Nation, und arabische Nationalisten wollten einen unabhängigen arabischen Staat nicht in Palästina an sich, sondern als Teil des osmanisch-arabischen Nahen Ostens als Ganzes.
  • Es war also damals gar nicht „ihr Land“, worüber die Palästinenser angeblich so zornig sind, dass es dem jüdischen Volk versprochen wurde.

Indem die Daily Mail jeden historischen Kontext ignoriert hat, hat sie die legitimen jüdischen Anrechte ausgelöscht, die vor der Balfour-Deklaration existierten, und eine palästinensische nationale Identität konstruiert, die es 1917 nicht gab. (Anmerkung: Das bedeutet nicht, dass es in späteren Jahren zu keiner palästinensischen Identität kam.)

In der Jewish Virtual Library gibt es mehr über das vorstaatliche Israel, vor allem während des Ersten Weltkriegs, und auch die Balfour-Deklaration selbst.

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2 Kommentare - “Jahrestag der Balfour-Deklaration löscht die jüdische Verbindung zum Heiligen Land”


  1. […] Medien-BackSpin: – Israel-“Freunde” machen BDS-Werbung in der Washington Post – Der Journalismus liegt blutend in den Straßen – Jahrestag der Balfour-Deklaration löscht die jüdische Verbindung zum Heiligen Land […]

  2. Dante Says:

    Dem Artikel lässt sich noch hinzufügen, dass es kurz nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Faisal-Weizmann-Abkommen eine reelle Chance gegeben zu haben scheint, dass ein unabhängigen jüdischen Staat im Einvernehmen mit den arabischen Nachbarn hätte entstehen können.
    Zudem lässt sich hinzufügen, dass „das palästinensische Volk“ als eigenes arabisches Volk 1964 aus der Taufe gehoben wurde. Ich ziehe es vor, sie Arabischpalästinenser zu nennen, um zu betonen, dass die Israelis gewissermaßen auch Palästinenser sind, da auch sie in der traditionell „Palästina“ genannten Region zu hause sind.
    Zunehmend nenne ich die Arabischpalästinenser auch Arabyans und Fatah die Arabyan Brotherhood.


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