APs Unterlassungssünde

Simon Plosker, HonestReporting, 15. Oktober 2015

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Die Associated Press ging der Frage nach, warum palästinensische Bewohner Jerusalems in Terroranschläge involviert waren.

Bequemerweise unterschlägt AP-Bürochef Josef Federman wichtige Fakten. Er schreibt:

Die Unruhen — eine Reihe von Messerstechereien und Schießereien seitens palästinensischer Angreifer in ganz Israel sowie Zusammenstöße zwischen israelischen Truppen und palästinensischen Protestlern in Gaza und Westjordanland — wurden durch palästinensische Behauptungen ausgelöst, Israel plane eine Übernahme der verletzlichsten heiligen Stätte der Stadt. Das Hügelgelände, von Juden als Tempelberg verehrt, ist heute die Heimstätte der Al-Aqsa-Moschee, der drittheiligsten Stätte im Islam und einem Nationalsymbol für die Palästinenser.

Zwar trifft es zu, dass der Tempelberg von Juden verehrt wird, aber es wird unterschlagen, dass die Stätte die allerheiligste im Judentum überhaupt ist. Statt dessen sagt AP jedoch, dass die Stätte die drittheiligste des Islam ist.

Was die Wohnrechte für Palästinenser in Jerusalem betrifft, heißt es in der Story:

Das Wohnrecht gewährt Palästinensern den Zugang zu israelischen Sozialeinrichtungen und das Recht auf Freizügigkeit, aber ohne Staatsangehörigkeit können sie nicht an Wahlen teilnehmen.

Ebenso steht da:

Während Palästinenser rund 37% der Einwohner Jerusalems ausmachen, erhalten ihre Wohngebiete laut der Lobbygruppe Ir Amim, die sich für Gleichberechtigung in der Stadt einsetzt, weniger als 15% des städtischen Haushalts. Aus diesem Grund haben arabische Viertel Straßen mit Schlaglöchern, überfüllte Klassenzimmer und unzureichende öffentliche Versorgungsdienstleistungen beispielsweise bei Wasser, Abwasser und Müllabfuhr.

Was der Artikel jedoch verschweigt, ist, dass Jerusalemer Palästinenser als Kandidaten bei den Stadtwahlen antreten und diese wählen können. Die meisten lassen dieses Recht unberührt, was teils an der Einschüchterung durch PA und Hamas liegt und teils die Nichtanerkenntnis der israelischen Souveränität über Jerusalem signalisieren soll. Und dies trotz der Tatsache, dass sie einen signifikanten Teil des Stadtrates stellen könnten.

Ressourcen werden gemeinhin auf der Grundlage der Repräsentanz verteilt. Es gibt kaum (oder keine) arabische Repräsentanz im Jerusalemer Stadtrat, und das beeinflusst, wieviel für die arabischen Viertel abgezweigt wird. Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat versucht, diese Situation zu korrigieren, wie im AP-Bericht abschließend erwähnt wird.

Dennoch ist es eine schwere Unterlassung seitens der AP, unerwähnt zu lassen, dass die Jerusalemer Palästinenser ihre Situation verbessern könnten — und zwar einfach indem sie ihre demokratischen Rechte ausüben.

Warum berichtet AP nicht die ganze Geschichte?

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3 Kommentare - “APs Unterlassungssünde”

  1. caruso Says:

    Weil sie genau solche Schweine (liebe Schweine, ich bitte um Entschuldigung!) sind wie die anderen Presseagenturen.
    lg
    caruso


  2. […] Medien-BackSpin: – Die Rückkehr von Opferzahlen als Moralbarometer? – NPR interviewt Familie eines „toten“ Palästinensers, der jedoch lebt – Palästinensische Terrorwelle: grässliche Schlagzeilen – CNN: Israel “beunruhigt” genug, um “Vergeltungsattacken” auszuüben – APs Unterlassungssünde […]


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