Mediale Schnitzer zum Thema Tempelberg

Simon Plosker, HonestReporting, 16. September 2015

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Die jüngsten Unruhen auf dem Tempelberg haben zu allerhand irreführenden Schlagzeilen in den Medien geführt. Hier einige, die uns aufgefallen sind.

DIE TIMES OF LONDON

Wer ist für diese Schlagzeile verantwortlich?

Tränengas beim Tempel bei Zusammenstoß zwischen Polizei und Palästinensern

Tränengas beim Tempel bei Zusammenstoß zwischen Polizei und Palästinensern

Natürlich ist der Tempelberg eine heilige Stätte, aber es befindet sich gegenwärtig kein jüdischer Tempel dort.

Im Artikel selbst steht:

Gemäß einer Langzeitvereinbarung dürfen Juden den Tempelberg besuchen, dort aber nicht beten. Vor kurzem haben die Behörden zwei muslimische Freiwilligengruppen verboten, die jüdische Besucher, die insgeheim beten wollten, häufig belästigten.

Diese muslimischen „Freiwilligengruppen“ sind keine. Die Wirklichkeit sieht so aus:

Sicherheitsbeamte sagen, die geschlossenen NGOs haben bezahlte Aktivisten für beide Gruppen rekrutiert, die den Tempelberg jeden Tag zu festgelegten Zeiten besuchten. Laut den Beamten verdienten die Aktivisten drei- bis viertausend Schekel (771 bis 1.028 US-Dollar) pro Monat. Sie fügten hinzu, einige der Gelder stammten aus den Golfstaaten und wurden (manchmal per Kurier) ins Westjordanland geschickt und von dort nach Ost-Jerusalem.

Und belästigen sie jüdische Besucher, die „insgeheim beten wollen“? Bislang haben sie nichts anderes gemacht als Besucher angegriffen, die sichtbar jüdisch waren, egal ob da irgendwelche hypothetischen Pläne zum „heimlichen Beten“ waren oder nicht.

Die Times hat fälschlicherweise angedeutet, dass die jüdischen Besucher muslimische Ausschreitungen provoziert haben, indem sie den Status quo brachen. Die Konfrontationen wurden in Wirklichkeit von diesen muslimischen Gruppen initiiert, die nun geschlossen wurden.

DER INDEPENDENT

Es ist nicht nur die Times, die keinerlei Kontext zu den Gruppen muslimischer Frauen angibt, welche die jüdischen Tempelbergbesucher angreifen. Der Independent schreibt:

Letzte Woche berichtete Press TV, israelische Soldaten und Polizisten hätten über 40 Palästinenserinnen vom Betreten der Al-Aqsa-Moschee abgehalten.

Selbstverständlich steht nirgendwo eine Erklärung, warum das passiert ist. Aber das ist wenig überraschend, wenn man als Quelle Press TV angibt, den internationalen Propagandaarm des iranischen Regimes. Dass der Independent Press TV auch nur ansatzweise für glaubwürdig erachtet, sollte dem Blatt peinlich sein.

Aber das ist nicht die einzige Peinlichkeit:

Israelische Sicherheitskräfte haben Schlagabtausch mit Palästinensern an Al-Aqsa-Moschee Die Moschee wird sowohl von Muslimen als auch von Juden als heilig betrachtet

Israelische Sicherheitskräfte haben Schlagabtausch mit Palästinensern an Al-Aqsa-Moschee
Die Moschee wird sowohl von Muslimen als auch von Juden als heilig betrachtet

Das Foto zeigt den Felsendom und nicht die Al-Aqsa-Moschee. Und seit wann ist diese Moschee eine heilige Stätte für Juden?

INTERNATIONAL BUSINESS TIMES

Auch die International Business Times erging sich in Konfusionen, als sie schrieb:

Die Moschee war in Kontroversen verwickelt, als Nichtmuslimen der Besuch gestattet wurde, Juden aber weder beten noch nationale Symbole zeigen durften, was oft zu tödlichen Kämpfen führte.

In Wirklichkeit ist Nichtmuslimen der Zugang zur Al-Aqsa-Moschee verwehrt. Sie dürfen nur das Gelände darum herum besuchen.

Und wie viele „tödliche Kämpfe“ hat es denn gegeben, weil Juden dort „beten oder nationale Symbole zeigen wollten“? Versuchen Sie mal, einen zu finden.

Um allem die Krone aufzusetzen, schreibt die IBT:

Die Moschee ist für Muslime wie Juden von religiöser Bedeutung.

In Wirklichkeit ist die religiöse Bedeutung der Moschee für Juden genauso „real“ wie der Hinweis auf tödliche Kämpfe.

Hoppla.

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One Comment - “Mediale Schnitzer zum Thema Tempelberg”


  1. […] – Fehlgriff der New York Times: „Westjordanland“-Attacke in Jerusalem – Mediale Schnitzer zum Thema Tempelberg – Die LA Times täuscht über die […]


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