Die LA Times täuscht über Tempelberg-Probleme

Simon Plosker, HonestReporting, 16. September 2015

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Die Los Angeles Times hat keinen permanenten Chef ihres Jerusalem-Büros mehr. Daher verlässt sie sich auf Berichte, die z. B. vom palästinensischen Journalisten Maher Abukhater stammen, der in zwei Artikeln, die er über kürzliche Unruhen auf dem Tempelberg geschrieben hat, als „Sonderkorrespondent“ aufgeführt wird. Beide zeigen eine klare Voreingenommenheit.

Der erste Artikel, „20 Palästinenser bei Zusammenstößen mit der israelischen Polizei an der heiligen Stätte Al-Aqsa verletzt“ erschien am 13. September. Bezugnehmend auf das „Al-Aqsa-Moscheegelände“ sagt der Artikel:

Es kam zu Gewalthandlungen, nachdem die israelische Polizei jüdische Gläubige und Touristen auf das Hügelgelände in Jerusalems Altstadt ließ, welches von Muslimen als ihre drittheiligste Stätte nach Mekka und Medina verehrt wird und von Juden als die Stätte ihres alten Tempels.

Nachdem Abukhater klarstellt, dass das Gelände, das auch als Tempelberg bekannt ist, die drittheiligste Stätte des Islam ist, sagt er jedoch nicht ausreichend adäquat, dass der Tempelberg die allerheiligste Stätte des Judentums ist.

Abukhater lässt wesentlichen Kontext absichtlich weg und führt bewusst in die Irre. Der Hinweis auf das Gelände aufsuchende „jüdische Gläubige“ unterstellt, dass alle jüdischen Besucher nur zum ausdrücklichen Zweck des Betens auf dem Tempelberg dort sind, was laut der in Kraft befindlichen Vereinbarung zur Verwaltung der Stätte jedoch verboten ist. Und durch den Bezug auf die „Gläubigen“ schiebt der Artikel die Schuld für die Gewalt den jüdischen Besuchern zu, eine Haltung, die sich auch im weiteren Verlauf des Artikels fortsetzt:

Palästinenser bereiteten sich auf die Störung von Versuchen durch jüdische Besucher vor, auf dem Gelände anlässlich des bevorstehenden jüdischen Neujahrs, das Sonntag bei Sonnenuntergang begann, zu beten. Die israelische Politik erlaubt Juden zu bestimmten Zeiten den Besuch der Bereiche außerhalb der Moschee, aber ihnen ist es verboten, dort zu beten.

Die Polizei hat die Moschee kürzlich für muslimische Gläubige, hauptsächlich Frauen, während der jüdischen Besuchszeiten verschlossen, um Konfrontationen zu vermeiden.

Tatsächlich ignoriert die LA Times die schon seit langer Zeit bestehenden Realitäten auf dem Tempelberg. Avi Issacharoff erklärt in der Times of Israel:

Viele Jahre lang war es Nichtmuslimen gestattet, zu bestimmten Zeiten den Tempelberg zu besuchen, insbesondere am Morgen und für eine Stunde am Nachmittag.

In den vergangenen Monaten gab es jedoch eine Zunahme der Zahl von Vorfällen, wo islamistische Frauen, meist Angehörige der jetzt verbotenen Murabitat-Gruppierung, nichtmuslimische Besucher unter dem Vorwand angriffen, die heilige Stätte beschützen zu wollen.

Danach begann die Jerusalemer Polizei, muslimischen Frauen während der Zeiten, zu denen Juden und Ausländer den Tempelberg besuchen, den Zugang zu verwehren.

Abukhater lässt uns also glauben, dass Juden, die auf dem Tempelberg beten wollten, Konfrontationen und die jüngste Gewaltwelle provoziert haben. Ebenso lässt er uns glauben, muslimischen Frauen sei das Gebet in ihrer Moschee verweigert worden, während es ebenjene Frauen gewesen sind, die nicht gebetet, sondern Besuchergruppen angegriffen haben.

Al-Aqsa-Moschee

Al-Aqsa-Moschee (CC BY-NC-ND flickr/Javier)

In seinem zweiten Artikel vom 15. September mit dem Titel „Israelische Polizei und Palästinenser geraten einen dritten Tag an Jerusalemer heiliger Stätte aneinander“ gibt Abukhater weiterhin dem muslimischen Anspruch auf den Tempelberg Vorrang. Zu Anfang seines Artikels schreibt er:

…heilige Stätte, die den Muslimen als Haram al-Sharif bekannt ist, der Ort der historischen Al-Aqsa-Moschee und dem goldenen Felsendom, und wo es zu Zusammenstößen mit drinnen befindlichen Palästinensern kam.

Weiter im Artikel sagt Abukhater einfach, Juden „nennen die Stätte Tempelberg und behaupten, sie sei der Standort ihrer Tempel gewesen.“ Muslimische Ansprüche werden als Faktum behandelt, die historische Verbindung der Juden zu dieser Stätte jedoch als unverifizierte Behauptungen abgetan.

Über die Gewalt auf dem Tempelberg selbst sagt der Artikel:

Der palästinensische Rote Halbmond sagte, seine Sanitäter hätten über 30 Menschen behandelt, die Verletzungen durch Schläge oder Granaten erlitten hätten, von denen einige ernster Natur gewesen sein sollen.

Zuvor schrieb der Artikel über den Einsatz von Blendgranaten, nichttödliche Explosivkörper zur vorübergehenden Desorientierung der Sinne eines Feindes. Sie produzieren einen blendenden Lichtblitz und einen sehr lauten Knall von über 170 Dezibel (dB), ohne dauerhaften Schaden zu verursachen.

Warum also spricht der Artikel plötzlich von „Granaten“, was üblicherweise kleine, von Hand geworfene, potentiell tödliche Bomben sind? Sagen wir es klar — die israelische Polizei nutzte weder Granaten noch irgendwelche anderen schädlichen Mittel. Sie nutzte nichttödliche Methoden, um mit den Palästinensern fertigzuwerden, die auf dem Tempelberg einen Aufstand machten.

Man kann nicht automatisch davon ausgehen, dass ein Leser dieses zweiten Artikels schon den ersten gelesen hat, der zwei Tage vorher erschienen ist. Der zweite Artikel enthält sogar noch weniger Kontext als der erste und hinterlässt den falschen Eindruck, die israelische Polizei sei einfach auf dem Tempelberg eingedrungen, um den bestehenden Status quo zu verändern. Die israelische Regierung hat klargestellt, dass sie diesen Status quo aufrechtzuerhalten beabsichtigt, aber das ist der LA Times nicht einmal eine Erwähnung wert.

Maher Abukhaters Berichterstattung über die Störungen am Tempelberg ergeben ein riesengroßes Fragezeichen, was die Verpflichtung der LA Times gegenüber einer ausgewogenen und akkuraten Berichterstattung aus Israel betrifft. Stellt das Blatt keinen permanenten Bürochef, dann sollte es gründlich nachdenken, bevor es sich auf die voreingenommenen Berichte eines Maher Abukhater verlässt.

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One Comment - “Die LA Times täuscht über Tempelberg-Probleme”


  1. […] Medien-BackSpin: – Fehlgriff der New York Times: „Westjordanland“-Attacke in Jerusalem – Mediale Schnitzer zum Thema Tempelberg – Die LA Times täuscht über die Tempelberg-Probleme […]


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