Der Social-Media-Aktivist der New York Times für den islamischen Dschihad

Simon Plosker, HonestReporting, 27. August 2015

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Die New York Times veröffentlichte ein Profil von Mohammad Allan, dem Palästinenser, der mit seinem zweimonatigen Hungerstreik kürzlich für Schlagzeilen sorgte. Allan, ein Mitglied der Terrororganisation Islamischer Dschihad, wird über Zitate und Anekdoten von ihn bewundernden Freunden und Familienmitgliedern beschrieben.

Wenn er mit rivalisierenden bewaffneten Palästinensern konfrontiert ist, die ihm sein Haus wegnehmen wollen, wird Allan als „kühn“ beschrieben. Die New York Times schreibt:

Während des Konflikts vor 10 Jahren zeigte Herr Allan etwas von der Tapferkeit, die er auch diesen Sommer an den Tag legte, als er sich während eines zweimonatigen Hungerstreiks beinahe zu Tode hungerte, um gegen seine Einkerkerung ohne Anklage durch israelische Behörden zu protestieren.

Proteste for Mohammad Allan (Screenshot von YouTube)

Proteste for Mohammad Allan (Screenshot von YouTube)

Später hören wir, dass Allan „vom Kampf gegen Israel bei der zweiten Intifada energetisiert“ war.

Kühn. Energetisiert. Tapferkeit.

Alles sehr positive Adjektive, um ein Mitglied des Islamischen Dschihad zu beschreiben. Zwar wird erwähnt, dass Allan „von Israel erstmals 2006 ins Gefängnis geworfen wurde, weil er einen Selbstmordbomber für einen Anschlag auf Israel rekrutieren wollte“, aber es wird der Eindruck vermittelt, dies sei in Wirklichkeit eine Ablenkung von Allans wahrem Charakter als Mann mit radikalen Gedanken, denen er jedoch nie Folge leisten würde.

Im Artikel steht:

Herrn Allans Vater sagte, sein Sohn habe auf sozialen Medien den Islamischen Staat als Verteidiger der unterdrückten Sunniten unterstützt, aber das sei nie über Onlinetexte hinausgegangen. Nur aus Gründen der Provokation habe Herr Allan behauptet, die brutale Gruppe von Militanten namens ISIS oder ISIL zu unterstützen, sagte Herr Hussein.

Nur um zu provozieren? In den meisten westlichen Staaten ist eine Unterstützung des Islamischen Staaten auf sozialen Medien mehr als genug, um eine Festnahme durch die Sicherheitsbehörden zu rechtfertigen. Und erinnern wir uns kurz daran, was der Islamische Dschihad ist, obwohl ihn die New York Times einfach als „Gruppe von Militanten“ verniedlicht:

Der palästinensische Islamische Dschihad wurde 1980 von radikalen Mitgliedern der Muslimbruderschaft in Gaza gegründet und dient der gewaltsamen Zerstörung Israels und der Vereinigung der muslimischen Welt unter einem Islam, der von modernen westlichen Elementen „befreit“ wurde. Anders als die größere und finanziell besser ausgestattete Hamas unterhält der Islamische Dschihad keine Sozialprogramme; statt dessen konzentriert er sich auf spektakuläre Attacken auf israelische Zivilisten und Militärkräfte, wobei manchmal Frauen und Kinder als Selbstmordattentäter eingesetzt werden.

Anders als die Hamas hat der Islamische Dschihad also keinen „politischen Zweig“, „sozialen Zweig“ oder irgend etwas anderes als einen „militärischen Zweig“. Ein Mitglied des Islamischen Dschihad hat keinen anderen Grund für seine Mitgliedschaft als das Betreiben von Terrorismus und den Mord an Israelis. Das ist Mohammad Allans Daseinsgrund, und die New York Times verschweigt das komplett.

Statt dessen steht im Text etwas wie das hier:

Herr Hussein sagte, er erwarte, dass sein Freund [Allan] wieder gesund wird und zu seinem Aktivismus zurückkehrt, sobald er aus dem Krankenhaus entlassen wird, nämlich seinen juristischen Tätigkeiten nachzugehen und seine feurigen Meinungen auf sozialen Medien zu vertreten.

Die New York Times hat Allan letztlich in einen Social-Media-Aktivisten mit einigen radikalen Ansichten verwandelt. Würde Mohammad Allan in den USA leben und nicht in Israel, wäre ihm die New York Times weit weniger wohlgesonnen. Doch nur, wenn ein Terrorist gegen Israel vorgeht, behandelt ihn die New York Times wie einen heldenhaften Widerständler.

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