Drusen in den Nachrichten

Pesach Benson, HonestReporting, 23. Juni 2015

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Als ich die Frage im Betreff beantwortet hatte, fiel mir auf, dass diese E-Mail eine gute Gelegenheit darstellte, das Thema Juden und Drusen in den Nachrichten näher zu beleuchten.

Von: …@gmail.com
Datum: Samstag, 20. Juni 2015
Betreff: Stimmt dieses „Die meisten lehnten sie ab“?

Israel nahm die Golanhöhen im Nahostkrieg von 1967 von Syrien ein und annektierte sie, was international nicht anerkannt wurde. Die dortigen Drusen, etwa 20.000 an der Zahl, erhielten die Option auf Staatsbürgerschaft. Die meisten lehnten sie ab.

http://mobile.reuters.com/article/worldNews/idUSKBN0OZ0VP20150619?irpc=932

Soweit ich weiß, lehnten viele der Drusen auf dem Golan (womöglich sogar die meisten) Israels Angebot der Staatsbürgerschaft nach dem Sechstagekrieg ab, weil sie glaubten, Syrien würde sich die Golanhöhen irgendwann wieder zurückholen. Und dann würde jeder Druse mit israelischer Staatsbürgerschaft als Verräter betrachtet werden und sich in großer Gefahr befinden.

Mit der Zeit fühlten sich die Drusen auf dem Golan sicherer und begannen (zumindest die jüngere Generation) nach und nach mit der Bewerbung um Staatsbürgerschaft und erhielten Sozialhilfe, dienten in der Armee und bekleideten öffentliche Ämter. Aber denkt daran: Bevor der Bürgerkrieg in Syrien ausbrach, war es für Golan-Drusen normal, an syrischen Schulen zu lernen, syrische Drusinnen zu heiraten und sie zum Golan zu holen, um sich dort häuslich niederzulassen.

Auch in Galiläa und beim Berg Carmel gibt es drusische Ansiedlungen. Sie setzten sich im israelischen Unabhängigkeitskrieg für die Juden ein, wurden bei der Staatsgründung zu Staatsbürgern, und das sind die drusischen Persönlichkeiten, von denen man in politischen, militärischen und öffentlichen Sphären hört.

Ich sage das, weil viele (und bis vor kurzem auch ich) dazu neigen, die drusischen Gemeinschaften über einen Kamm zu scheren. Sie sind alle Drusen, aber sie haben unterschiedliche Hintergrundgeschichten. Die einen kamen durch eigene Entscheidung in den Einflussbereich Israels, die anderen umständehalber.

Reuters liegt also nicht falsch, aber ich kann nachvollziehen, warum der Mailschreiber glaubte, dass Reuters sich irrt.

Bild: “Karte der drusischen Gemeinschaften” CC BY-SA HonestReporting.com

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