CNN und der dubiose Behauptungsjournalismus

Pesach Benson, HonestReporting, 19. Mai 2015

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Angesichts der gegen ihn geäußerten Kritik legte Don Melvin, der CNN-Reporter, der eine unbelegte Geschichte über das angebliche Fällen von 800 Olivenbäumen durch israelische Siedler geschrieben hat, auf Twitter mehrfach nach.

Sein Bericht steht ohne jede unabhängige Verifizierung da und ist somit ein Beispiel für das, was Medienspezialisten „Behauptungsjournalismus“ nennen. Hierbei handelt es sich um die Vorstellung, dass Reporter eine Story im Zeitalter immer schnellerer Nachrichtenzyklen nicht verifizieren brauchen, wenn sie einfach nur ihre Quellen nennen.

Bei Melvin wäre das die Wafa-Nachrichtenagentur, der offizielle Nachrichtendienst der Palästinenserbehörde, deren Aktivitäten direkt von Mahmoud Abbas bestimmt werden. Um Ihnen eine Vorstellung vom journalistischen Standard der Wafa zu vermitteln: Dort nannte man die Terroristen, die letztes Jahr in eine Jerusalemer Synagoge eindrangen, „islamische Märtyrer“.

Obwohl Wafa keinerlei Quellen oder Augenzeugen benennt, ist Melvin journalistisch auf der sicheren Seite, so lange er Wafa „Fakten zuschreiben“ kann, richtig?

Mal ganz langsam. Sehen wir uns an, wie die Medienexperten Bill Kovach und Tom Rosentiel die Defizite des Behauptungsjournalismus beschreiben:

Die zweite Implikation ist, dass diese neutrale Stimme ohne Verifizierung einen Anstrich von Wahrhaftigkeit erzeugt. Journalisten, die Quellen wählen, die in Wirklichkeit ihre eigene Sichtweise repräsentieren, und die dann die neutrale Stimme verwenden, um den Anschein von Objektivität zu erzeugen, machen sich einer Form der Täuschung schuldig. Dies schädigt die Glaubwürdigkeit des gesamten Berufsstandes und lässt ihn prinzipienlos, unehrlich und voreingenommen erscheinen. Dies ist ein wichtiger Ruf zur Vorsicht in einer Zeit, in der die Standards der Presse so sehr im Zweifel liegen.

Wenn Melvin seine Quellen und die Einzelheiten seiner Storys nicht überprüft und auch den Lesern gegenüber nicht transparent ist, welchen Nutzen hat er dann für CNN? Oder für uns?

"So viele Leute fordern mich auf, Nachrichten rauszufiltern, die sie nicht mögen. Würde ich allen Forderungen nachkommen, würden wir nichts mehr veröffentlichen."

„So viele Leute fordern mich auf, Nachrichten rauszufiltern, die sie nicht mögen. Würde ich allen Forderungen nachkommen, würden wir nichts mehr veröffentlichen.“

Bild: CC BY flickr/Charles Atkeison mit Beifügungen von HonestReporting

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2 Kommentare - “CNN und der dubiose Behauptungsjournalismus”

  1. Paul Says:

    Aber Lügenpresse darf man das in Deutschland nicht nennen, weil dieser Begriff von den Nazis missbraucht wurde.
    Welch eine Logik?

  2. yvainedewinter Says:

    Da hast du recht…


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