Was die Universitäten über Israels Status auf ihrem Campus lernen können

Gastautor, HonestReporting 9. Februar 2015 (übersetzt von Cora)

Cherryl Smith, PhD, ist emeritierte Professorin für Rhetorik und Gestaltung an der California State University, Sacramento. Ihr Blog ist Framing Israel.

In den postmodernen Universitäten, zumindest in den Sozial- und Geisteswissenschaften, sind Fakten, nun ja, nicht mehr faktisch, dem Staat Israel ergeht es dort übel. Statt Informationen über das Land ist über die letzten dutzenden von Jahren auf den College-Campus eine abstrakte Idee von Israel entstanden. Der jüdische Staat scheint die einzige Nation der Welt zu sein, die einen Boykott ihrer (derzeitigen) Produkte und akademischen Institutionen verdient. Die palästinensische Darstellung herrscht vor, aber es ist eine besondere, monolithisch palästinensische Darstellung, die zum Beispiel völlig außen vor lässt, dass die Palästinenser gegen den Boykott Israels sind.

Diese abstrakte Wahrnehmung Israels zeigt sich in unzähligen Foren auf dem Campus, in Vorlesungen, Protestdemonstrationen, zugehörigen Wahlkampagnen; hinzu kommen an vielen Universitäten jedes Jahr zwei Wochen Performance- Aktivismus, der die Studenten mit inszenierten „Checkpoints“, Photos von blutigen Opfern und emporragenden Pappen als „Apartheid“-Mauern konfrontiert.

32 Wissenschaftler haben in ihrer neuesten Sammlung „The Case Against Academic Boycotts of Israel“ die Kluft zwischen dem Status Israels und der Realität untersucht. Unter verschiedenen Themen sprechen sie auch die Verletzung der akademischen Freiheit an, die auftritt, wenn Akademiker nur auf Grund ihrer Nationalität boykottiert werden (R. Berman, G. Brahm und A. Romirowski; D. Hirsh, M. Nussbaum.), ebenso die Absurdität., die darin liegt israelische Institutionen zu verleumden, die nicht nur als Beispiel für multikulturelles Lernen und Lehren stehen können, sondern auch selber Bastionen der akademischen Freiheit sind; die Gründer der Bewegung des Israelboykotts bekamen ihr Abschlussdiplom von der Universität Tel Aviv noch während sie sich für den Boykott stark machten (S. Wolosky, I. Troen). Das Buch bietet außerdem eine prägnante, hochwertige Geschichte Israels (C. Nelson, R. Harris und K. Stein), die sehr nötig ist, da die Boykottbewegungen und ihre Agitationen gegen Israel einen erschreckenden Mangel an Interesse an nachprüfbaren Belegen, Dialog und die üblichen Erwartungen an eine akademische Debatte aufzeigt.

Eine Anzahl von Autoren in „Case Against Academic Boycott of Israel“ bestätigen die einseitige Präsentation des Vorhabens und Verfahren, wie andersdenkende Stimmen unterdrückt werden (S. Musher, J. Robbins). Außerdem werden Einwände von Studenten und Fakultäten gegen die Aussonderung des israelischen Staates, nur um Beifall zu bekommen, oftmals ignoriert (D. Divine, M Kotzin). Während Sprach-Codes und Empfindlichkeiten schon bei kleinsten Aggressionen an den Universitäten Mainstream sind, stellen etliche Autoren fest, dass jüdische Besorgnis über Antisemitismus abgewiesen oder schlimmer, lediglich als Wege betrachtet werden die Debatte abzuwürgen (R. Fine, K. Marcus).

Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf die Stellung Israels auf dem Campus richten, erkennen wir, dass eine Diskussion über dieses Thema nicht wirklich möglich ist. Die Richtigkeit der Behauptungen über Israel in den Boykott Planungen ist absolut nicht diskutierbar. Die einzige Frage, die gestellt wird, ist, ob oder ob nicht boykottiert wird und ob oder ob nicht die akademische Freiheit oder die professionelle Organisation, die den Boykott durchführt, Schade nehmen könnte. Bezeichnungen wie „Apartheid“ und „Kolonialisten“, die auf Israel angewandt werden, werden in den meisten akademischen Umgebungen nicht kontrovers betrachtet. Was bei den Diskussionen über Israel auf dem Campus fehlt, ist Israel selbst: seine Geschichte, seine Menschen, die derzeitige Situation, das alltägliche Leben und sein Platz im Nahen Osten.

Antizionismus an den Universitäten, so stellt die Mitherausgeberin Cary Nelson fest, wird so gesehen, als sei es für eine progressive Politik unerlässlich – unabhängig von Israels tatsächlichem Progressivismus, der alltäglichen Demokratie, der lebendigen Redefreiheit der Presse, der Religion und der Verpflichtung für die Rechte der Frauen, Homosexuellen, Minderheiten und all seiner Bürger.

Die Weigerung, die Realitäten in Israel anzuerkennen und daran festzuhalten die einzige Demokratie im Nahen Osten für einen Boykott auszusondern, sagt mehr über die Universitäten aus, als über das Thema Israel.

Die Vereinigung amerikanischer Studenten nennt ihren Israelboykott einen Lackmustest für die „Grundhaltung der Organisation zu Palästina“. Dabei wäre der derzeitige Status Israels möglicherweise nur in einem akademischen Umfeld ein Lackmustest, in dem die progressiven Qualifikationen des Einzelnen darauf beruhen an der Parteilinie festzuhalten und wo Fakten nicht bloß dehnbar, sondern nur dann akzeptiert werden, wenn sie in die vorherrschende Ideologie passen.

Israel fällt auf dem Campus auf, weil es unter den Studenten und einigen Professoren Widerstand gegen den Antiisraelismus der Universitäten gibt. Möglicherweise ist das die einzige große Veränderung im Mainstream der Campus-Politik. Als solches kann der Status Israels auf dem Campus als Warnung vor dem sich unkontrolliert ausbreitenden Dogmatismus und dem Mangel an Raum für gedankliche Vielfalt in dem Bereich dienen, den wir als Marktplatz der Ideen bezeichnen.

Foto: CC BY-NC-SA Xurxo Martínez via flickr mit Ergänzungen von HonestReporting

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