Die Untersuchungen der BBC im Fall Tim Wilcox machen Fortschritte

Simon Plosker, HonestReporting 26. Januar 2015 (übersetzt von Cora)

Tim Wilcox von der BBC löste einen Sturm des Abscheus und der Wut in der Folge der Massaker bei Charlie Hebdo und dem koscheren Supermarkt in Paris aus. Die BBC erhielt viele Beschwerden, auch von HonestReporting.

Wir haben die Beschwerden und den Ablauf bei der BBC ständig beobachtet und können nun die entscheidende E-Mail der Beschwerdeabteilung an HonestReporting veröffentlichen.

Durch die große Anzahl der Beschwerden und der aufgeworfenen Fragen hat die Beschwerdeabteilung den Ablauf beschleunigt, indem sie die Eingaben zusammenfasste und eine Zusammenfassung dessen veröffentlicht, was sie untersucht:

  • Dass die Frage, die Tim Wilkox der Interviewten stellte, irreführend war, indem er die Pariser Morde in einem koscheren Supermarkt mit den Geschehnissen im Nahen Osten verknüpfte.
  • Dass die Frage beleidigend und antisemitisch war, weil sie unterstellte, dass alle Juden für die Taten Israels verantwortlich seien.
  • Dass die Frage beleidigend und antisemitisch war, weil sie unterstellte, dass Juden für den Mord an anderen Juden verantwortlich seien.
  • Dass die Frage Vorurteile gegen Israel verbreitet.
  • Dass der Kommentar von Tim Wilcox „Aber man muss alles aus unterschiedlichen Perspektiven sehen“ nahelegt, dass es eine Rechtfertigung für die Morde gibt.
  • Dass die Interviewte nicht mit dem nötigen Respekt behandelt wurde.
  • Dass die Art und Weise, wie sich Tim Wilcox entschuldigte, unzureichend war und nicht genau ausdrückte, worin das Beleidigende seiner Äußerungen bestand.
  • Dass die Veröffentlichung der Entschuldigung auf einem privaten Twitter-Account nicht ausreichend war und sie von der BBC veröffentlicht hätte werden müssen.

Die Beschwerdestelle veröffentlichte dazu die relevanten Richtlinien, welche bei Genauigkeit, Unparteilichkeit, Verletzungen und Beleidigungen berücksichtigt werden müssen (vor allem wenn es um eine Darstellung geht).

Die Richtlinien für Genauigkeit sagen folgendes:

Tim Willcox

Alle Veröffentlichungen der BBC müssen, die zum Thema und dessen Beschaffenheit gehören, auf festem Boden stehen müssen, auf stichhaltigen Beweise gründen, die gründlich geprüft wurden und sie müssen in klarer und präziser Sprache dargestellt sein. Wir sollten offen und ehrlich die Dinge benennen, über die wir nichts wissen und unbegründete Spekulationen vermeiden. Forderungen, Aussagen, materielle Fakten und andere Inhalte, die nicht bestätigt sind, sollen als solche dargestellt werden.

Die Richtlinien zur Neutralität sagen folgendes:

Die Neutralität ist das Herz des Dienstes an der Öffentlichkeit und der Kern der Verpflichtung der BBC an seinem Publikum. Dies gilt für all unsere Veröffentlichungen und Dienste – Fernsehen, Radio, Online; es ist in unseren internationalen Diensten und kommerziellen Magazinen verpflichtend. Wir müssen umfassend berichten, die weiteren Perspektiven bedenken und sicherstellen, dass die Existenz unterschiedlicher Ansichten gewissenhaft wiedergegeben wird.

Die Vereinbarung, die die BBC Charta begleitet, verpflichtet uns dazu, alles dafür zu tun, dass kontroverse Themen mit der nötigen Neutralität in unseren Nachrichten oder anderen Veröffentlichungen dargestellt werden, ob es sich nun um Dinge des öffentlichen Interesses, oder um eine politische oder wirtschaftliche Kontroverse handelt. Wir gehen sogar so weit, dass wir uns zur Neutralität in allen Dingen verpflichten. Ungeachtet der unterschiedlichsten Anforderungen.

Der Begriff „gebührend“ bedeutet, dass die Objektivität dem Gegenstand angemessen      und angepasst sein muss, den Erwartungen des Publikums entsprechend und keinerlei Hinweis, der diese Erwartungen beeinflussen könnte.

Gebührende Neutralität ist oft mehr als nur der „Ausgleich“ zwischen zwei gegensätzlichen Standpunkten. Ebenso bedeutet es keine absolute Neutralität in jedem Fall und einer Distanziertheit von fundamentalen demokratischen Prinzipien.

Die Prinzipien der Darstellung sagen folgendes:

Unser Ziel ist es, vollständig und fair alle Kulturen und Menschen im Vereinigten Königreich darzustellen. Inhalte können Vorurteile und Benachteiligungen reflektieren, wie sie in allen Gesellschaften weltweit vorkommen, doch wir sollten sie nicht aufrecht erhalten. In manchen Fällen können Hinweise auf eine Behinderung, auf Alter, sexuelle Orientierung, Glaube, Rasse, etc. wichtig für die Darstellung sein. Dennoch sollten wir die leichtsinnige oder beleidigende Übernahme von Stereotypen vermeiden und Menschen nur dann derart beschreiben, wenn es redaktionell gerechtfertigt ist.

(Die wichtigen Richtlinien der Herausgeber können vollständig hier eingesehen werden.)

Uns wurde mitgeteilt, dass die Beschwerdestelle der BBC vorhat, das Ergebnis der Untersuchung am 23. Februar zu veröffentlichen. Wir würdigen die Ernsthaftigkeit mit der die Beschwerdestelle der BBC den Fall behandelt und wir sind auf die Ergebnisse im nächsten Monat gespannt.

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