Die Financial Times übernimmt das palästinensische Jerusalem-Narrativ

Simon Plosker, HonestReporting, 17. Dezember 2014
(Übersetzung: Yvaine de Winter)

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Ein Leitartikel von John Reed in der Financial Times (erreichbar über Google News) zum Thema Spannungen in Jerusalem ist völlig einseitig und unausgewogen. Scheinbar hat sich Reed völlig dem palästinensischen Narrativ und der entsprechenden Terminologie angeschlossen.

Reed schreibt:

Besuche des Haram al-Sharif – die Stätte der muslimischen Al-Aqsa-Moschee und den Israelis als Tempelberg bekannt – im Herbst durch rechte jüdische Politiker und Aktivisten haben Palästinenser erzürnt, die auch durch Israels Militäraktion im Gazastreifen und den Zusammenbruch der israelisch-palästinensischen politischen Beziehungen nach dem Kollaps der Friedensgespräche verärgert waren.

Er verschweigt die Bedeutung des Tempelbergs als heiligste Stätte des Judentums und priorisiert statt dessen den muslimischen Namen für die Stätte. Später im Artikel wiederholt er das:

…die Forderung einiger rechter Israelis, an der al-Aqsa beten zu dürfen, Islams drittheiligster Stätte und ein Ort, der der muslimischen Verehrung vorbehalten war, seit Israel Ostjerusalem im Sechstagekrieg besetzt hatte.

Reed sagt sogar, dass al-Aqsa die drittheiligste Stätte im Islam ist, aber die Bedeutung des Tempelbergs für die Juden wird nicht erwähnt. Zudem hat kein Jude das Recht gefordert, „an der al-Aqsa“ zu beten. Warum sollte ein Jude an einer Moschee beten wollen? Vielmehr wollen einige Juden auf dem Tempelberggelände beten, ohne die muslimischen heiligen Stätten oder Gebetsarrangements zu stören.

Dann zitiert Reed eine Palästinenserin mit den Worten:

„Wir gehen nicht an die Klagemauer“ – der Ort, an dem Juden beten –, sagt sie, und Juden sollten nicht das betreten, was sie „eine heilige muslimische, palästinensische Stätte“ nennt.

Reed ignoriert die Tatsache, dass die Glaubensfreiheit im israelischen Gesetz verankert ist. Daher gibt es nichts, um Araber, Nichtjuden oder andere Religionen davon abzuhalten, heilige Stätten in Jerusalem einschließlich der Klagemauer aufzusuchen. Durch seine Darstellung des Tempelbergs als rein muslimische Stätte hat Reed die inhärenten Vorurteile in der Aussage der Palästinenserin effektiv maskiert. Eine ähnliche Aussage traf auch der PA-Vorsitzende Mahmud Abbas, der offen gesagt hatte, die Präsenz von Juden auf dem Tempelberg entweihe muslimische heilige Stätten.

Zum Thema Israels Sicherheitsbarriere sagt Reed:

…ein Großteil des Westjordanlands wird hinter Israels ein Jahrzehnt alter Sicherheitsmauer abgeschottet.

Angesichts dessen, dass weniger als 10% der Barriere eine Mauer sind und das meiste aus Maschendrahtzaun besteht, ist diese Aussage faktisch inakkurate Terminologie. Aber das überrascht nicht sonderlich, wenn man die Quelle der im Artikel abgedruckten Karte untersucht.

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Die Quelle „NAD-NSU“, wie rechts unten auf der Karte angegeben, ist die Negotiations Support Unit (NSU) des Negotiations Affairs Department (NAD) der PLO. Daher steht auch der plakative Begriff „Die Mauer“ auf der Karte.

Reed schreibt:

…der Rachemord an Abu Khdeir, einem palästinensischen Teenager, den jüdische Jugendliche bei einem Auge-um-Auge-Anschlag im Vorfeld des Gaza-Krieges zu Tode geprügelt und verbrannt haben.

„Auge-um-Auge-Anschlag“? Die Ermordung Abu Khdeirs war ein unentschuldbarer Akt, aber Reed sagt kein Wort über die Entführung und Ermordung dreier israelischer Teenager durch palästinensische Terroristen, was einen Großteil der nachfolgenden Geschehnisse verursachte.

Reed ist entschlossen, Jerusalem als auf jede erdenkliche Weise geteilte Stadt darzustellen. Trotzdem redet er von „French Hill, einem weitestgehend jüdischen Stadtteil“, erklärt das aber nicht näher, vielleicht weil das eine Realität berührt, die Reeds einseitige Darstellung zu Fall bringen würde. Die anderen Bewohner French Hills sind Araber, denn palästinensische Bewohner Jerusalems dürfen rechtmäßig überall innerhalb der Stadtgrenzen leben.

Nur eine weitere unbequeme Wahrheit für John Reed, die seine einseitige Sicht Jerusalems getreu dem palästinensischen Narrativ in Frage stellt.

Leser der Financial Times, von denen viele eine friedliche Lösung des arabisch-israelischen Konflikts unterstützen, erfahren in Artikeln wie diesem ein ernstes Missverständnis der Sachverhalte, was letztlich zu weitergehendem Konflikt und weiteren Missverständnissen führt.

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2 Kommentare - “Die Financial Times übernimmt das palästinensische Jerusalem-Narrativ”

  1. caruso Says:

    Das sind keine Missverständnisse sondern Lügen. FT und NYT sollen sich schämen!! Und nicht zu knapp!
    lg
    caruso


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