Gastkommentar in der New York Times: Europas moralische Gleichsetzung auf dem Tiefpunkt

Simon Plosker, HonestReporting, 15. November 2014
(Übersetzung: Yvaine de Winter)

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Ein Gastkommentar in der New York Times von Vincent Fean, Großbritanniens Generalkonsul in Jerusalem von 2010 bis 2014, veranschaulicht einige der eklatanten moralischen Unzulänglichkeiten in der Art und Weise, wie europäische Diplomaten den israelisch-palästinensischen Konflikt sehen.

Fean fordert die Parlamente Europas zur Anerkennung „Palästinas“ auf, und zwar als Belohnung für „die gewaltlose Politik des Präsidenten der Palästinenserbehörde, Mahmud Abbas“. Dies ungeachtet von Abbas’ Aufwiegelung, die ihren Teil zu den jüngsten Terroranschlägen auf Israelis beigetragen hat.

Aber was schert das Fean, der palästinensischen Terror auf dieselbe moralische Stufe stellt wie israelische Handlungen?

Der Status quo ist schlecht und wird noch schlechter. Europa verurteilt den Raketenbeschuss Israels durch die Hamas, israelische Schläge gegen UN-Gebäude in Gaza und die jüngsten Morde in Jerusalem. Alles Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Während die Hamas mit ihren Raketen absichtlich auf israelische Zivilisten zielt, verfolgt Israel keine solch bösartigen Absichten gegen UN-Gebäude in Gaza. Doch Feans Ansicht zufolge sind sowohl palästinensischer Terror als auch die Bemühungen Israels, seine Bürger zu schützen, „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

Und hier kommt noch mehr moralische Gleichsetzung:

Leben ist heilig, ungeachtet der Nationalität – das eines drei Monate alten Kindes in Jerusalem und das eines 55jährigen Ministers im Westjordanland.

Wie kann der Tod eines drei Monate alten israelischen Babys, das voller Absicht von einem palästinensischen Terroristen umgebracht wurde, der sein Auto an einer Straßenbahnhaltestelle in eine Menschenmenge lenkte, mit dem Tod eines Palästinensers verglichen werden, an dessen Händen israelisches Blut klebt und der einen Herzanfall erlitt, während er israelische Soldaten konfrontierte?

Es überrascht kaum, wenn Fean so schreibt, als seien Palästinenser nur passive Akteure ohne Verantwortung für ihre Situation. Statt dessen dreht sich alles nur um Israel, denn:

Die Zweistaatenlösung ist gefährdet durch Gewaltakte, systematischen israelischen Siedlungsbau, die Trennungsmauer, die Zerstörung palästinensischer Häuser und die siebenjährige Abriegelung Gazas.

Was ist mit palästinensischem Terror, Aufwiegelung und der sturen Weigerung, Kompromisse zu billigen, die für den Frieden notwendig sind?

Fean fährt auf gleiche Weise fort:

In Oslo wurde den Palästinensern bis 1999 ein eigener Staat versprochen. Der Mord an Premierminister Jitzchak Rabin im Jahr 1995 vereitelte das.

Zwar darf durchaus spekuliert werden, was geschehen wäre, wäre Rabin nicht ermordet worden, aber Fean misst diesem Ereignis viel zu große Bedeutung bei und ignoriert dabei palästinensischen Terror und palästinensische Gewalt, die mehr als alles andere zur Aufhebung aller Zugewinne der Palästinenser im Oslo-Prozess geführt haben.

Dann stellt Fean Israels Wertesystem und Moralität in Frage, wobei er eine selektive Interpretation „internationalen Rechts“ bemüht:

Diese israelische Regierung teilt die Werte nicht, die sie mit dem Westen gemein zu haben behauptet, und bricht das Gesetz mit der Fortführung seiner 47jährigen Besatzung. Für eine Besatzungsmacht ist es ein Verbrechen, seine eigenen Bürger in Gebiete zu transferieren, die sie im Krieg besetzt hat. Doch das ist genau das, was die Siedlungsunternehmung tut.

Gleich ob man mit den Siedlungen übereinstimmt oder nicht, ist es völlig unaufrichtig zu behaupten, alle in Judäa und Samaria lebenden israelischen Bürger seien dort aus anderen Gründen gelandet als aus dem eigenen individuellen Bestreben heraus, und es ist nur eine Interpretation der Vierten Genfer Konvention, die Israel ablehnt.

Letztendlich ist Vincent Feans Gastkommentar ein verstörender Einblick in das europäische Denken in Bezug auf Israel und die Palästinenser. Dass die New York Times einer Ansicht, die ihrer eigenen Redaktionspolitik stark ähnelt, eine Plattform gibt, überrascht nicht.

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3 Kommentare - “Gastkommentar in der New York Times: Europas moralische Gleichsetzung auf dem Tiefpunkt”

  1. bernard Says:

    Sorry, the headline is a misleading one as this man is British, and as you say „European“ this put the context of his remarks simply wrong. It is just the sole opinion of an English ex-diplomat and you cannot hold entire Europe people as hostage for his ideas, which are in my opinion really awkward and put a terribly wrong light on Eretz Israel. Regarding this, I would say be a little more cautious with headlines and generalizing assertions on a whole people in a region, as this will have counter-productive effects. Europe and its different people have more shades as reflected by this biased British anti-Semite who erroneously using the term Europe for his assertions.


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