Verzerrung der Nachrichten über den Terror in Jerusalem

Cherryl Smith, HonestReporting, 26. November 2014
(Übersetzung: Yvaine de Winter)

distortingnews

Ungenaue und verzerrende Einzeiler kann man leicht korrigieren. Nach Beschwerden überarbeitete CNN die völlig falsche Schlagzeile „Tödlicher Anschlag auf Jerusalemer Moschee“ und das verstörend irreführende „4 Israelis, 2 Palästinenser tot in Jerusalem“ und entschuldigte sich dafür.

Aber die systematischen Verzerrungen Israels durch die Medien sind viel schwieriger zu korrigieren.

In einem Augenblick der Wahrheit und Ungeduld unterbrach eine BBC-Reporterin das Kurzinterview von Knesset-Mitglied Naftali Bennett über den grausamen Mord an den Rabbis Moshe Twersky, Avraham Goldberg, Arye Kopinsky und Kalman Levine, während diese in ihrer Jerusalemer Synagoge beteten:

Wir wollen dieses Bild nicht sehen, nehmen Sie es runter.

Die BBC wollte das Bild „nicht sehen“ und auch seinen Zuschauern nicht zumuten, mit einem Terroropfer konfrontiert zu werden, das Tallit und Tefillin tragend auf einem blutbesudelten Boden liegt, nachdem zwei Palästinenser die Synagoge erstürmt, Menschen aus nächster Nähe erschossen und sie mit Äxten und Messern zerhackt haben.

Wir können nicht wissen, was im Kopf der Reporterin vor sich ging; wir wissen jedoch aus Analysen, wie Israel in amerikanischen und britischen Mainstreammedien oft dargestellt wird, und daher können wir schließen, dass die Reporterin höchstwahrscheinlich mit der Story weitermachen wollte.

Das heißt, sie wollte Bennetts Foto nicht sehen und brauchte es auch nicht, da die Rahmengeschichte bereits feststand: Die Story des Har-Nof-Terroranschlags geht um „überkochende Spannungen“ in Jerusalem und um „Rache“, Punkt, fertig.

Wenn Terroristen Israelis ermorden, verpacken renommierte Medien den Terrorismus oft in vertraute und trügerische Storylines. Die Aufmerksamkeit der Leserschaft wird von der Gewalt fortgeführt und auf vorhersehbare Rahmengeschichten gelenkt: in diesem Fall auf die falsche Analogie eines „Kreislaufs der Gewalt“ und auf das Bild von Israel als dem „Nachbarschaftsrowdy“ der Region.

Tatsächlich beschreibt die BBC ihre Leit-Fehlinterpretationen in einer als „Hintergrund“ betitelten Zusammenfassung: „Anschlag auf Synagoge: Monate voller Spannungen und Racheattacken“. Neben anderen Fehlern lässt diese Zusammenfassung den Raketenbeschuss der Hamas auf israelische Zivilisten als Auslöser für den Krieg diesen Sommer einfach aus.

In der Fotogalerie der Associated Press über das Synagogenmassaker ist kein einziges Bild über den angerichteten Schaden dabei, obwohl es von israelischen Medien und in den sozialen Medien viele entsprechende Fotos gab. Im Gegensatz hierzu scheuten sich die BBC und die AP nicht davor, grausame Bilder vom Gaza-Krieg zu zeigen. Vielmehr schienen sie es sogar auf genau solche Bilder abgesehen zu haben und zeigten Gaza-Szenen in Endlosschleifen.

Solche Storylines entstehen aus Verzerrungen. Egal wieviel Unterstützung Terroristen von Palästinenserführern, anderen Ländern und spezifischen Gruppierungen erhalten, die Morde unterstützen – die Täter werden als isolierte Einzelkämpfer dargestellt, die sich gegen den mächtigen Staat Israel stellen.

Und bizarrerweise wird der Mord an Juden, die in einer Synagoge beten, oder an Israelis, die an einer Bushaltestelle warten, mit dem Tod der Terroristen selbst gleichgesetzt. Die CNN-Schlagzeile „4 Israelis, 2 Palästinenser tot…“ berührt ebendiese Thematik.

4 Israelis, 2 Palästinenser tot in Jerusalem

4 Israelis, 2 Palästinenser tot in Jerusalem

Hier die New York Times:

Der Anschlag erhöhte die Zahl der im letzten Monat getöteten Israelis – einschließlich einem Baby, einem Soldaten und einem Grenzpolizisten – auf elf.

Im selben Zeitraum töteten israelische Sicherheitskräfte einen palästinensischen Bürger Israels, der sich mit einem Messer ihrem Auto genähert hatte, was einige Tage voller Unruhen auslöste; man erschoss zwei Autofahrer, die ihre Autos in Menschenmengen in Jerusalem steuerten; und man tötete einen Verdächtigen bei einem Mordversuch…

Die Phrase „im selben Zeitraum“ deutet an, dass es auf beiden Seiten Morde gegeben hätte. Aber die Terroristen – hier „Autofahrer“ genannt – wurden getötet, weil sie im Begriff waren, wahllos Menschen umzubringen. Die anderen Ereignisse werden erwähnt, um die Storyline des „Kreislaufs der Gewalt“ weiter zu untermauern.

Wie die BBC zeigt die New York Times eine klare Perspektive in ihrer Analyse und stellt diese unbegründete (und unbeweisbare) Behauptung auf:

Extremisten auf beiden Seiten scheinen immer stärker außerhalb der Kontrolle von israelischen und palästinensischen Führern zu agieren.

Der fünfte in Har Nof getötete Israeli war Polizeihauptfeldwebel Zidan Saif, Angehöriger der Gemeinschaft der Drusen. Er starb bei einer Schießerei mit den Terroristen, während er heldenhaft andere Israelis schützte. Tausende Drusen und jüdische Israelis waren bei seinem Begräbnis zugegen. Eine interreligiöse Zusammenkunft wurde vor dem Har-Nof-Synagogenkomplex abgehalten, bei der jüdische, christliche und muslimische Geistliche den Terror in Jerusalem verurteilten.

In Israel gibt es viele weitere Storys als die Presseberichte, an die wir uns schon gewöhnt haben.

Die Autorin Dr. Cherryl Smith ist emerierte Professorin in Rhetorik und Gestaltung an der California State University in Sacramento. Ihr Blog ist Framing Israel.

Advertisements
Explore posts in the same categories: Antisemitismus, Die Welt und Nahost, Europ. Medien und Nahost, Israel, Medienwelt, Nahost-Konflikt, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

One Comment - “Verzerrung der Nachrichten über den Terror in Jerusalem”


  1. Grotesk war die voellig verzerrte „Berichterstattung“ vom ZDF. Sie war nicht nur erstunken und erlogen, sie war consequent antiisraelisch und antisemitisch.

    Wer hat diese Journalisten dafuer bezahlt, dass sie gegen Israel berichten?


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: