Der Beitrag, den der Public Editor der New York Times nicht schreiben wollte

Yarden Frankl, HonestReporting, 24. November 2014
(Übersetzung: Yvaine de Winter)

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Margaret Sullivan, Public Editor der New York Times (ja, richtig, das ist diejenige, die wir unsere Leser ständig wegen der antiisraelischen Haltung der Times zu kontaktieren auffordern) schreibt diese Woche über die Israel-Berichterstattung der Times und beginnt mit den Worten:

Das ist der Beitrag, den ich nicht schreiben wollte.

Warum wollte sie ihn nicht schreiben? Weil sie zuzugeben gezwungen war, dass die Art, in welcher die Times über Israel berichtet, tatsächlich problematisch ist.

Also warum schrieb sie ihn dann? Das ist recht einfach: So viele Menschen schrieben ihr wegen der Probleme mit der Berichterstattung der Times, dass sie keine andere Wahl hatte als zu antworten. Wenn Sie je ein E-Mail an public@nytimes.com geschickt haben, um sich über die antiisraelische Berichterstattung zu beschweren, dann gute Arbeit.

Sie erhält jedoch auch mächtig Feuer von der anderen Seite, die Israel kritisch sieht und denkt, die Zeitung unterstütze einseitig Israel. Diese Tatsache macht Zuschriften von HonestReporting-Lesern nur um so wichtiger. Ohne Ihre Bemühungen bekäme die Times nur Post von Menschen, die glauben, die Zeitung solle in ihrer Israel-Berichterstattung sogar noch einseitiger sein.

Erwarten Sie bitte nicht, dass die Zeitung plötzlich über Nacht ausgewogener und akkurater wird. Sullivan ist nicht der Ansicht, die Berichte seien Israel gegenüber unfair, und ihre Empfehlungen sind für die Times-Redakteure nicht bindend.

Aber sie sagt, dass Times-Reporter in ihren Berichten historische Zusammenhänge erwähnen sollten, und das ist ein großer Schritt nach vorne. Vielleicht dürfen wir jetzt endlich lesen, dass die Jerusalemer Altstadt für Tausende von Jahren das nationale und spirituelle Zentrum des jüdischen Volkes war, statt dass dort einfach nur steht: „das von Israel 1967 eroberte Ostjerusalem“.

Auch ist sie der Ansicht, dass die Times die palästinensische Regierung und Gesellschaft nicht gründlich genug beleuchtet. Eine ihrer Empfehlungen lautet:

Verbessern wir die Berichterstattung über Palästinenser. Sie sind mehr als nur Opfer, und ihre Ansichten und ihre Regierung verdienen Prüfung und Berichterstattung. Realistische Untersuchungen, was in Schulen gelehrt wird, und über die Art und Weise, wie die Hamas operiert, sollten Teil davon sein. Was ist die Ideologie der Hamas? Was ist ihr Kernglaube, was ihre operativen Prinzipien?

Das sagen wir seit Jahren, und es wird Zeit, dass die Times aufhört, diesen wesentlichen Aspekt des Konflikts zu ignorieren.

Ebenso stimmen wir zu, wenn sie schreibt:

Hören wir auf, nach Symmetrie zu streben. In Schlagzeilen, in Foto-Gegenüberstellungen, in Fotogalerien sieht es teilweise so aus, als sei die Times von Angst getrieben. Vielleicht ist es nur übertriebene Sensitivität, aber es spiegelt nicht unseren Kernwert „der Blick für gute Nachrichten ist wichtiger als alles andere“.

Könnte das bedeuten, dass die New York Times Terroristen und ihre Opfer nicht länger auf dieselbe moralische Plattform stellen wird? Das können wir nur hoffen, aber wir müssen abwarten, ob Sullivans Empfehlungen von den Times-Reportern beherzigt werden.

Die Hauptsache ist jedoch, dass Leser wie Sie die Times zur Veröffentlichung einer selbstkritischen Kolumne brachten, die sie nicht schreiben wollten. Es beweist, dass das Anschreiben von Medien Wirkung hat. Ob es nun die negative, unfaire Berichterstattung über Israel beendet oder einfach nur den vielen antiisraelischen Beschwerden, die die Times ebenfalls erhält, ein Gegengewicht beschert – auf jeden Fall ist eine Wirkung da.

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