Wenn Kunst Propaganda imitiert

Yarden Frankl, HonestReporting, 02.10.2014

ArtImitates

In ihrem Artikel „Remnants of War Become Art in Gaza“ (= soviel wie „Munitionsrückstände werden in Gaza zu Kunst“) zeichnet die AFP das Bild einer „Wohlfühl“-Geschichte, in welcher der menschliche Aspekt im Vordergrund steht. Der Artikel beschreibt, wie Palästinenser in Gaza Überbleibsel des Militärkonflikts in Kunst verwandeln. Das Thema ist interessant und inspirierend.

Natürlich ist das nichts Neues. Jahrelang haben Einwohner von Sderot Überbleibsel von Gaza-Raketen in schöne Skulpturen verwandelt. Ein Teil der Einkünfte wird für den Kauf von Luftschutzbunkern verwendet. Obgleich sie dies schon seit Jahren machen, konnte ich keine AFP-Geschichte hierüber finden.

Das Problem ist jedoch nicht, dass die AFP über dieses lokale Projekt in Gaza berichtet. Ebensowenig ist es ein Problem, dass sie Zitate der lokalen Künstler bringt. Viele dieser Zitate sind inspirierend und unterstreichen die Geschichte der Verwandlung von Waffen in Objekte der Schönheit. Auch an folgendem Zitat von einem der Künstler ist nichts verkehrt:

„Ich schätze die Idee, etwas Schönes aus diesen Geräten zu machen, die uns töten: Ich nehme diese Vase mit nach Hause und stecke regelmäßig Rosen hinein.“

Doch wenn die Zitate mit Propaganda versetzt sind, die kommentarlos wiedergegeben wird, dann bekommt der ganze Artikel eine einseitige Färbung:

Mohammed al-Zamars Garten ist übersät mit Geschosshülsen und Splittern, welche er nach einem Bombardement aus seinem Haus geholt hatte.
Auf eines der Stücke hatte er geschrieben: „Nein zum Krieg, wir hatten genug.“ Daneben ist eine Karte des historischen Palästina.
„Dies ist meine Botschaft“, so Zamar.

Man könnte den Eindruck gewinnen, mit den Geschosshülsen und Splittern wolle er eine Antikriegsbotschaft verbreiten. Aber in Wirklichkeit ist es nichts dergleichen. Als er jene Objekte neben einer Karte ohne Israel platziert (und das „historische Palästina“ ist genau das), wandelt sich seine Botschaft in Wirklichkeit in eine Botschaft für den Krieg.

Er sagt nicht einfach nur Nein zum Krieg, sondern er sagt Nein zum Staat Israel.

„Wir lieben das Leben, aber der Besatzer (Israel) zwingt uns Tod und Zerstörung auf. Ich will den israelischen Krieg in einen Ausdruck des ununterdrückbaren Lebenswillens der Palästinenser transformieren.“

Trotz dessen, dass dieser Artikel den menschlichen Aspekt in den Vordergrund stellt, hat die AFP die Verantwortung, ihren Lesern ein akkurates Verständnis der Sachverhalte zu vermitteln, die hier als Hintergrund dienen. Eine solche Bemerkung ohne Erklärung stehenzulassen verstärkt die falsche Anschuldigung, die Palästinenser in Gaza seien die unschuldigen Opfer einer aggressiven israelischen Militärattacke gewesen.

Die Geschichte hätte mit größerem Gleichgewicht geschrieben werden können, wenn auch die Israelis erwähnt worden wären, die Raketen von Terroristen in Kunstwerke verwandeln. Ebenso hätte die Geschichte akkurater sein können, hätte sie erwähnt, dass Israel trotz Zamars Empfindungen während des gesamten Konflikts versucht hat, den Raketenbeschuss einzudämmen, der die Gemeinden in Südisrael seit Jahren plagt.

Leider entschied sich die AFP dafür, keines der beiden zu tun, und das Resultat ist eine Geschichte, die den grundlegendsten Standards journalistischer Integrität gegenüber versagt.

Bild: CC BY-SA HonestReporting

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