Verteidigung der Meinungsfreiheit eines Professors?

Yarden Frankl, HonestReporting, 30.09.2014

Die Geschichte des Professors, der proisrealische Studenten als „hirntot“ beschrieb, geht in Illinois und auch auf den Seiten der New York Times weiter.

Unser Video „Steven Salaita: Meinungsfreiheit oder Israelhass?“ zeigt, dass die University of Illinois Steven Salaita nicht etwa vor die Tür gesetzt hat, weil er ein Israelkritiker war. Vielmehr zogen sie ein Jobangebot an jemanden zurück, der Israelunterstützern hasserfüllte Drohbotschaften entgegenschleuderte. Das ist keine Frage der Meinungsfreiheit oder der akademischen Freiheit.

Es ist die simple Frage, ob eine Universität jemanden beschäftigen muss, der ein Klima der Einschüchterung fördert. Bemerkungen wie „hirnlose“ Israelunterstützer und „abscheuliche Menschen“ sind kein Bestandteil irgendeiner legitimen Debatte. Den Wunsch zu äußern, alle „verd*mmten“ Israelis, die in den umstrittenen Gebieten leben, sollten entführt und ermordet werden, geziemt sich nicht für einen zivilisierten Menschen, und insbesondere nicht für einen Lehrer junger Menschen.

Doch dann meldet sich die Times mit einem Artikel mit der Überschrift „Organisierung zur Verteidigung der Meinungsfreiheit eines Professors“. Der Artikel beschreibt den Einsatz von Professor Corey Robin vom Brooklyn College (einem Teil der City University of New York) für die Herbeiführung eines akademischen Boykotts der University of Illinois. Professor Robin ist ein selbsternannter „Antizionist“. Auf seiner Website:

Er empfiehlt, dass Wissenschaftler aller Disziplinen öffentliche Erklärungen abgeben, dass sie jedwede Einladung, auf einem Campus der University of Illinois zu sprechen, ablehnen würden. Dies stellt eine ernste Störung des Akademiewesens dar.

Die Times erwähnt gegenüber ihren Lesern jedoch mit keinem Wort die hasserfüllten Tweets, welche die Universität zur Rücknahme ihres Beschäftigungsangebots bewog. Statt dessen beschreibt der Artikel Robins Organisation des Boykotts. Ironischerweise führt der Artikel folgendes Zitat von Robin an:

Herr Robin betrachtet seinen Aktivismus bezüglich Salaita und anderer Fälle als Erweiterung seiner Arbeit in politischer Theorie. Sein erstes Buch widmete sich der Politik der Angst. Schon seit langem interessiert er sich für Angelegenheiten der Einschüchterung und Nötigung.

Ironisch, denn durch seine Verteidigung Salaitas verteidigt Robin in Wirklichkeit Einschüchterungen auf dem Campus.

Zum Ende des Artikels hin beschuldigt Professor Todd Gitlin von der Columbia University Robin, dass jener nicht die tatsächliche Natur der Tweets angesprochen hätte. Die Antwort?

Herr Robin räumt ein, sich „absichtlich nicht dem Inhalt gewidmet zu haben…“ Sich den Einzelheiten in den Tweets zu widmen, sei seiner Aussage zufolge „den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“.

Doch indem sie einen Artikel bringt, in welchem sie den Sachverhalt als Problem der Meinungsfreiheit darstellt und die Inhalte der Tweets verschweigt, ist die Times diejenige, die den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.

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