Die Berichterstattung im Zeitalter der Bestätigungen

Alex Margolin, HonestReporting, 10. September 2014 (übersetzt von Cora)

Der Krieg in Gaza hat ungewöhnlich üppige Analysen der Berichterstattung über den Mittleren Osten hervorgebracht, einschließlich eines herausragenden Artikels des ehemaligen AP-Reporters Matti Friedman, der behauptete, dass die Berichterstattung eines Teiles der Medien von einer „feindlichen Bessenheit gegen die Juden“ geprägt war.

Für den ehemaligen Chef des Jerusalemer Büros der New York Times, Ethan Bronner, besteht das Problem nicht darin, wie die Reporter diese Region darstellen, sondern im Verhältnis der Leser zu den Nachrichten. In einem Interview mit dem Magazin Moment, beschreibt Bronner, der von 2008 bis 2012 als Chef des Büros arbeitete, seine Erfahrungen „auf einem der heißesten Stühle des Journalismus“ zu arbeiten.

„Einer der deprimierendsten Schlüsse, die ich ziehen musste, war: Die Leute sind nicht wirklich an Informationen interessiert. Sie wollten lediglich die Bestätigung ihrer eigenen Ansichten. So war die Aufgabe, die wir uns als Journalisten stellten – die Komplexität, die vielen Grautöne der Wahrheit herauszustellen, damit die Menschen verstehen würden, dass das Leben kompliziert ist – für die meisten Menschen nicht von Interesse. Stattdessen wollten sie nur das hören, was ihre eigene Geschichte wiederholte oder was sie bestätigte.“

Bronners Haltung wird von der Untersuchung der Medien, die Shawn Powers für das USC Center of Public Diplomacy und Mohammed el Nawawy, von der Queens University in Charlotte, bestätigt, die schon 2009 veröffentlicht wurde. Übereinstimmend mit dieser Veröffentlichung schreibt der Pacific Standard:

„Powers und el-Nawawy betonen, dass das das in der arabischen Welt während des 1991er Golfkriegs eingeführte Satellitenfernsehen, sowohl die Strukturen des globalen Nachrichtensystems als auch dessen Rolle in Kriegszeiten veränderte. Obwohl diese Erfindung das Potential gehabt hätte, ein wirklich globales Forum kulturübergreifender Kommunikation zu werden, fanden die Wissenschaftler heraus, dass sich die Zuschauer rund um die Welt zunehmend den Nachrichtenstationen nicht zuwenden, um die letzten Neuigkeiten in der Welt zu erfahren, sondern um jene Informationen zu erhalten, die in ihr vorgefertigtes Weltverständnis passen.“

Die Frage ist nun, inwieweit die Verkäufer der Nachrichten bereit sind, den Lesern das zu geben, was sie verlangen. Matti Friedman zeigt die vielen Ironien auf, die auftauchen, wenn man das Objektiv auf den Umgang mit Israel richtet:

„Weiße Menschen in Paris und London, deren Eltern vor nicht allzu langer Zeit in ihren Wohnzimmern in Rangoon oder Algier von dunkelhäutigen Menschen Luft zugefächelt bekamen, verdammen den jüdischen „Kolonialismus“. Amerikaner, die an Orten wohnen, die „Manhattan“ oder „Seattle“ heißen, verurteilen die Juden, die Ureinwohner Palästinas vertrieben zu haben. Russische Reporter verdammen Israels brutale Militärtaktik. Belgier verurteilen Israels Umgang mit den Afrikanern. Als Israel einen Transportservice für die palästinensischen Arbeiter in der besetzten Westbank einrichtete, erfuhren die amerikanischen Nachrichtenleser von Israels „Rassentrennungs-Bussen“. Und es gibt nicht wenige Leute in Europa, nicht zuletzt in Deutschland, die sich darüber freuen, wenn die Juden des Genozids beschuldigt werden.“

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