Gaza: Was hätte das Pressekorps anders machen können?

Pesach Benson, HonestReporting 6.8.2014 (übersetzt von Cora)

Es ist noch zu früh um zu sagen, ob die Operation „Protective Edge“ heruntergefahren wird oder nicht. Israel sagt, es habe alle ihnen bekannten Terrortunnel zerstört, doch die Möglichkeit weiterer Raketenangriffe hängt drohend über den Waffenstillstandsgesprächen in Kairo.

Nach einem Monat dieses Konflikts ist es aber fair zu fragen, was die Nachrichtendienste in Gaza hätten anders machen können.

Lee Habeeb von der National Review diskutierte auf CNN die mediale Erfassung des Gaza-Konflikts. In der Folge seiner eben erschienen Kolumne „Die Mitverschwörer der Hamas“ zeigt Habeeb mehrere wichtige Punkte auf, in denen die Presse Fehler begangen hat, indem es keine Hamaskämpfer gezeigt oder die Opferzahlen nicht angemessen erklärt hat.

Die Interviewerin Kate Bolduan gehört nicht den Mainstream Medien an, doch sie war vorab instruiert worden, die Arbeit von CNN zu verteidigen.

Auf die Frage, was die Reporter besser machen könnten, glaube ich, hätte Habeeb besser können.

Auch wenn sich die IDF seitdem aus dem Gaza-Streifen zurückgezogen hat, ist das keine akademische Frage. Die Soldaten bleiben in großer Anzahl an der Grenze, bereit wieder einzumarschieren, wenn es notwendig sein sollte. Und sollte der Waffenstillstand doch für längere Zeit halten, werden die Journalisten einen mehr Zugang erhalten, um ein klareres Bild über die Opferzahlen zu bekommen.

Was denke ich also, hätten die Reporter besser machen können. Ich würde es in einem Wort aus 11 Buchstaben zusammenfassen:

TRANSPARENZ

Transparenz verlangt, dass die Reporter offen zu ihrem Publikum sind, was die Umstände angeht, unter denen sie arbeiten und die Methoden, die sie anwenden um ihre Informationen zu sammeln und auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen.

Ich habe nicht viele Journalisten gesehen, die offen Dinge gesagt hätten, wie: „Die Hamas erlaubt Reportern nicht …“ oder „Einige Leute von der Hamas würden mich bedrohen, wenn …“

Ich habe keine Aussage gehört, wie: „Diese Opferzahlen basieren auf den Aussagen der Vertreter des Gesundheitsministeriums in Gaza, die von der Hamas eingestellt sind.“

Ich habe nicht einen Reporter gesehen, der darauf hingewiesen hätte, dass die Hamas keinen einzigen Namen ihrer gefallenen Kämpfer veröffentlicht hat, noch habe ich bei der Berichterstattung über die Beerdigungen in Gaza eine Bemerkung gehört, dass der Tote ein Kämpfer gewesen sein könnte. Gehen Journalisten nur auf die Beerdigungen von Kindern?

Ich habe keine qualifizierten Opferzahlen gesehen. Was ich gesehen habe, waren Zeilen, die feststellten, dass eine „Anzahl von X Palästinensern getötet worden sind“, gefolgt von der Stimme eines Reporters „der größte Teil davon waren Zivilisten“. Auf welcher Grundlage sind sich dessen so sicher?

Ich habe keinen Reporter gesehen, der zugibt, dass der einfache Palästinenser nicht unbedingt offen spricht. Das würde erklären, warum ich keine vertriebenen Gazaner gesehen habe, die zugaben, dass ihr Gebäude auf Grund des Terrorkommandos im Eingang, des Scharfschützennests im oberen Stock, der im Keller versteckten Raketen oder einfach wegen einer fehlgeleiteten palästinensischen Rakete in die Luft geflogen ist.

Und ich habe keinen Redakteur gesehen, der zugegeben hätte, er würde seinen palästinensischen freien Mitarbeitern – Autoren, Kameraleuten und Technikern – vertrauen, welche nicht frei sind die wirklich harten Fragen zu stellen. Für ausländische Korrespondenten wäre das Szenario des schlimmsten Falles – ungeachtet der Falls Alan Johnson und Paul Martin – aus dem Gaza-Streifen rauszufliegen. Aber wenn man ein palästinensischer Journalist ist, ist der schlimmste Fall, wenn ein Hamasstrolch mit Interesse daran an die Tür klopft, sich mit dir nicht sehr nett darüber zu unterhalten, was du berichtet hast.

Für Indiens NDTV besteht Transparenz darin, den Lesern zu berichten, dass der Reporter Sreeivasan Jain und seine Crew Gaza verlassen hatten, bevor sie ihr außergewöhnliches Video veröffentlichten, in dem Hamas-Gorillas eine Rakete direkt vor einem Hotel vorbereiteten, in dem viele Journalisten untergekommen waren.

„Dieser Bericht wurde auf NDTV gesendet und in ndtv.com veröffentlicht, nachdem unser Team den Gaza-Streifen verlassen hat. Die Hamas nahm jeden Bericht über Abschüsse von Raketen nicht sehr freundlich auf. Aber wenn wir über die verheerenden Konsequenzen der israelischen Offensive für die Zivilisten in Gaza berichten, ist es genauso wichtig, darüber zu berichten, wie die Hamas eben diese Zivilisten zusätzlich in Gefahr bringt, indem sie Raketen mitten aus dem Herzen der zivilen Zonen abschießt.

Ich schätze die Washington Post dafür, dass sie den Finger auf diesen Umstand gelegt hat. Anhand der Punkte, die von den Medien aufgebracht wurden, stellt der Reporter Paul Farhi fest:

  1. Menschenrechtsgruppen sagen, dass sie unter den schwierigen Umständen die Anzahl der Opfer in gutem Glauben auflisten.
  2. Israel hat keine eigene sichere Statistik
  3. An Ashraf Kidra, dem Gesundheitsminister von Gaza kommt niemand vorbei.
  4. Journalisten sind nicht in der Lage, einen unabhängigen Report über die Opfer zu erstellen.

Gestern – ich vermute, nachdem Farhis Artikel veröffentlicht wurde – gab die IDF bekannt, dass etwa 900 Terroristen getötet worden sind, seit die Operation „Fels in der Brandung“ vor einem Monat begann.

Ein weiteres Beispiel von Transparenz, auf das Habeeb oder Farhi nicht besonders hinwiesen, kam von einem anderen Reporter und wieder von der Washington Post. Sudarsan Raghavan ist im Gaza-Streifen und diese Nachricht lenkt die Aufmerksamkeit auf die sich wiederholenden Szenen von gestellten Fotografien, einem Beispiel von Fauxtografie.

Der Schauplatzwar zu ordentlich.

Ich war letzte Woche gerade bei den zertrümmerten Überresten einer großen Moschee im Zentrum von Gaza Stadt angekommen. Sie war durch einen israelischen Luftangriff pulverisiert worden. Da gab es überall Trümmer, Glas und Metall. Aber auf einem Flecken Erde vor dem Gebäude, für jeden sichtbar, lag ein kleiner staubiger Teppich.

Auf ihm war ein Haufen angebrannter und zerrissener Ausgaben des Korans, des heiligen Buchs des Islams. Das Symbol war offensichtlich, zu perfekt. Es war klar, dass sie jemand dort platziert hatte, um noch mehr Mitgefühl für die palästinensische Sache zu erregen. Ein Fernsehteam war an Ort und Stelle und filmte den Haufen. Auftrag erledigt.“

Farhis Kolumne nennt nicht alles, an das ich denke, aber es ist ein Anfang.

Wenn Reporter nicht transparent sind, lässt das Raum für Fragen offen und das ist auch vernünftig. Wenn es zu diesen Dingen plausible und vernünftige Antworten gibt, dann lasst sie uns hören.

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One Comment - “Gaza: Was hätte das Pressekorps anders machen können?”

  1. heplev Says:

    Hat dies auf World-Media-Watch rebloggt und kommentierte:

    Die Presse und der Gaza-Krieg


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