Antisemitismus, ein Problem? Nicht für den Guardian.

Simon Plosker, HonestReporting.com, 19. Mai 2014 (übersetzt von Cora)

Die Anti-Defamation League hat kürzlich eine große Umfrage zur Haltung gegenüber Juden in über 100 Ländern rund um die Welt veröffentlicht. Vielleicht nicht ganz überraschend, befinden sich die 16 antisemitischsten Länder alle im Nahen Osten und Nord-Afrika. Die palästinensischen Gebiete überragten die Umfrage mit einem „Punktestand“ von 93%.

International wird der Rassismus gegen die verschiedensten ethnischen Gruppen für absolut böse gehalten und es steht außer Frage, dass er bekämpft werden muss. Diesen ethnischen Gruppen wird auch das Recht zugesprochen zu entscheiden, was den sie betreffenden Rassismus ausmacht. Nicht aber dem jüdischen Volk. Nur der Rassismus gegen die Juden, gewöhnlich als Antisemitismus bezeichnet, kann, so scheint es, in Frage gestellt und verspottet werden. Das muss keine andere ethnische oder nationale Gruppe erleben.

Und so können wir uns darauf verlassen, dass der Guardian die gesamte ADL-Umfrage auf sein enges Prisma des israelisch-palästinensischen Konflikts reduziert. Die Anti-Israel-Aktivistinnen Donna Nevel und Marilyn Kleinberg Neimark schrieben einen besonders ekligen Text auf der „Comment is Free“-Seite mit der Überschrift „Mit Antisemitismus sollte nicht wie mit einem Propagandawerkzeug herumgewedelt werden“.

Ganz vorne steht der Versuch, den Boten zu erschießen, indem die ADL so beschrieben wird:

eine Organistation mit einer langen Geschichte jene zum Schweigen zu bringen und einzuschüchtern, die nicht ihre unerschütterliche Unterstützung Israels und seiner Politik teilen.

Das ist heute ein typisches Manöver der Anti-Israel-Aktivisten, die behaupten die jüdischen Sorgen wegen des Antisemitismus würden nur dazu dienen, anderen ein schlechtes Gewissen zu machen und alle Diskussionen abzuwürgen. So stellt David Hirsh heraus:

„Das ist eine Formulierung die oft als Reaktion auf die Beschuldigung des Antisemitismus auftaucht und die ich die Livingston-Formulierung nenne.“ (Hirsh 2007/2010) Es ist ein rhetorisches Mittel, das es dem Benutzer ermöglicht, die Beschäftigung mit dem Vorwurf abzulehnen. Es ist ein Spiegel, der die Anschuldigung des Antisemitismus auf jene zurückwirft, die sie aussprechen. Es beinhaltet auch die Gegenbehauptung einer unlauteren jüdischen (oder „zionistischen“) Verschwörung.

Nevel und Kleinberg Neimark sagen:

Anstatt unser Verständnis für diese ernste Sache zu fördern, scheint diese Umfrage offensichtlich dazu gemacht worden zu sein, die Angst davor zu verbreiten, der Hass auf Juden sei ein weltweites Problem, das Juden überall in Gefahr bringe und die größten Täter seien die Muslime und Araber, insbesondere die Palästinenser.

Sie fahren fort:

Das deutlichste Beispiel für eine Suggestivfrage zeigt die Behauptung der ADL, dass der höchste Anteil an Antisemitismus bei den Palästinensern zu finden ist, jenen Palästinensern, die in den besetzten Gebieten leben. Die ADL fragt also eine Gruppe, für die jeglicher Warenverkehr, Geld oder Arbeit von Israel kontrolliert wird, ob „die Juden zu viel Macht in der Geschäftswelt“ haben. Hat wirklich jemand angenommen, die Antwort könnte anders als „Ja“ lauten?

Selbst wenn das ein bedenkenswerter Punkt wäre, wird er durch die Tatsache untergraben, dass die Umfrage der ADL auch zeigt, dass die Palästinenser auf Fragen, wie „Juden haben zu viel Macht an den Finanzmärkten“, „Juden haben die Kontrolle über die Medien weltweit“, und „Juden sind für die meisten Kriege in der Welt verantwortlich“ genauso reagieren. Das könnte geradewegs aus den Seiten der berüchtigten „Protokolle der Weisen von Zion“ (oder der Hamas-Charta) kommen und hat überhaupt nichts mit den lokalen Verhältnissen zu tun, in denen die Palästinenser leben.

Stattdessen sind die Autoren des Texts im Guardian mehr damit beschäftigt, den Antisemitismus zu entschuldigen, der zum größten Teil ein direktes Resultat der eigenen palästinensischen Medien betriebenen Hetze gegen die Juden und dem Erziehungssystem ist, das Judenhass fördert (wie Palestinian Media Watch dokumentiert). Wenn der Wert von 93% Antisemitismus bei den Palästinensern einzig und allein dem Umgang der Israelis mit den Palästinensern zuzuschreiben ist, wie erklären sich dann die antisemitischen Ansichten bei 92% der Iraker? Tatsächlich hat der Irak keinerlei territoriale Streitigkeiten mit Israel und Israelis haben keinen direkten Einfluss auf das Leben der normalen Iraker, außer man glaubt an das Vorurteil der jüdischen Kontrolle über die ganze Welt.

Nevel und Neumark schreiben:

Die Untersuchung etikettiert auch jede Aussage als antisemitisch – auch bei den Palästinensern in den besetzten Gebieten in den besetzten Gebieten – Juden würden zu oft über das reden, was ihnen im Holocaust angetan wurde, ungeachtet der anderer Aussagen, dass zu viele in der Welt überhaupt nichts über den Holocaust wissen. Die Palästinenser hören ständig, wie der Holocaust dazu benutzt wird, die Vertreibung von 750.000 Palästinensern 1948 aus ihren Häusern und die andauernde Besatzung, unter der die Palästinenser unter Missachtung ihrer grundlegenden Menschenrechte zu leben haben, zu rechtfertigen.

Wo genau hören die Palästinenser, dass der Holocaust dazu benutzt wird um „die Vertreibung der Palästinenser 1948 zu rechtfertigen“ oder „die andauernde Okkupation“? Während die Palästinenser möglicherweise glauben, die Entstehung Israels sei eine direkte Folge des Holocausts, können die Israelis ihre Existenz durch historische, nationale und religiöse Bande zu diesem Land ebenso beweisen, wie sie auch durch die verschiedenen internationalen Vereinbarungen und Mandate, bis zurück zur Balfour-Erklärung von 1917, also lange bevor der Holocaust stattfand, gewährt ist.

Doch die Autoren frönten ihrer eigenen antisemitischen Stereotypisierung in folgendem Abschnitt, der allerdings nach Beschwerden von CiF-Watch vom Guardian entfernt wurde:

In seiner Presseerklärung stellt die ADL fest, dass „das am meisten weltweit akzeptierte antisemitische Vorurteil ist: Juden sind gegenüber Israel loyaler als dem Land/den Ländern in denen sie leben.“ Das ist ein merkwürdiger Indikator für Antisemitismus, bedenkt man, dass die israelische Regierung ständig behauptet, sie spräche für die jüdische Gemeinschaft weltweit und die Loyalität gegenüber Israel als Voraussetzung, ein guter Juden zu sein. So ist es wirklich nicht verwunderlich, wenn die ständige Behauptung das Bewusstsein der restlichen Welt eindrang.

Tatsächlich, nur zu versuchen die Anzahl der Vorurteile in der ADL-Umfrage zu rechtfertigen und zu entschuldigen, war dann sogar dem Guardian zu viel, der in einem Zusatz feststellte, dass der Hinweis auf die „Loyalität zu Israel“ mit den „Richtlinien des Herausgebers unvereinbar ist“.

Letztlich ist es so: Während der Nahe Osten und Nordafrika das Epizentrum des weltweiten Antisemitismus sein mögen, kann der Guardian für sich reklamieren, der absolute Meister der Mainstream-Medien zu sein, was das Rechtfertigen oder Wegerklären authentischen Judenhasses als Ergebnis seiner kurzsichtigen Besessenheit mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt angeht.

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One Comment - “Antisemitismus, ein Problem? Nicht für den Guardian.”

  1. heplev Says:

    Hat dies auf World-Media-Watch rebloggt und kommentierte:

    Der britische „Independent“ hat kein Antisemitismusproblem – jedenfalls nicht bei Antisemiten.


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