New York Times gibt Kolumne an antiisraelischen Verschwörungstheoretiker

Simon Plosker, HonestReporting.com, 27. Oktober 2013

Die New York Times hat eine Ausweitung der Kommentarangebote ihres Editorial Departments angekündigt, die mit der Wiedergeburt der International New York Times durch die International Herald Tribune zusammenfiel. Zu den Kommentaroren auf der Liste gehört der ägyptische Atuor Alaa Al-Aswany.

Ein Blick auf einige der Kommentare Al-Aswanys werfen ernste Fragen zu seiner Eignung als Kommentarschreiber für ein Medium auf, das sich als selbst als führende Zeitung betrachtet.

1. Verschwörungstheoretiker

Im August 2011 schrieb Al-Aswany einen höchst bedenklichen Text, in dem er fragte, wie Ägypten auf die „israelische Aggression“ reagieren sollte. Die ägyptische Revolution war nach der Absetzung von Präsident Mubarak voll im Gang und Al-Aswany fand ein offensichtliches Ziel, das er für die Unruhe und Gewalt in seinem Land verantwortlich machen konnte. Nach Angaben Al-Aswanys ist Israel für die gezielte Destabilisierung Ägyptens und – teilweise – der Halbinsel Sinai verantwortlich:

In dieser Phase, glaube ich, dass Israel gewalttätig intervenieren musste, um die Revolution zu sabotieren. Es begann mit dem plötzlichen Auftauchen verdächtiger und schwer bewaffneter Gruppen, die anfingen Polizeiwachen anzugreifen und die staatliche Kontrolle des Sinai zu untergraben. Das Ziel war Beweise für einen Zusammenbruch der Sicherheit im Sinai zu liefern, der die bald folgende israelische Aggression rechtfertigen würde. Israelische Streitkräfte drangen auf ägyptisches Territorium vor und töten oder verwundeten mehrere ägyptische Offiziere und einfache Soldaten. Die Ziele des israelischen Angriffs waren mehrere: die neuen Herrscher Ägyptens austesten, sie aus dem Gleichgewicht zu bringen, den Eindruck zu erwecken, dass sie das Land nicht schützen können und den Übergang zur Demokratie zu vereiteln. Das Ziel könnte auch sein Ägypten in eine unverantwortliche militärische Konfrontation zu ziehen, die die Revolution komplett ungeschehen machen würde (so wie Gamal Abdel Nasser 1967 in den Konflikt gezogen wurde).

Der „Akt der Aggressino“, auf den Al-Aswany verweist, war nichts Derartiges. Stattdessen war es Israel, das zum Opfer eines grenzüberschreitenden Terroranschlags wurde, bei dem ägyptische Soldaten versehentlich getötet wurden, als israelische Soldaten in den Sinai fliehende Terroristen verfolgten. Israel entschuldigte sich dafür.

Trotz alledem behauptet Al-Aswany, der Vorfall sei ein israelischer Akt der Aggression. Er fährt mit der Frage fort, wie Ägypten darauf reagieren sollte und schlägt vor den israelischen Botschafter auszuweisen, alle Vereinbarungen zwischen Ägypten und Israel zu überdenken oder aufzuheben und den Friedensvertrag zu ergänzen. Am verstörendsten ist jedoch das, was eine Forderung nach militärischer Auseinandersetzung zu sein scheint.

Jetzt ist es unsere Pflicht die Streitkräfte bei ihrer Konfrontation mit Israel zu unterstützen.

Er schließt:

Die Massendemonstrationen, die schallenden Gesänge, die Sit-ins und die Entfernung und das Verbrennen der israelischen Flagge, die sich auf dem Balkon der israelischen Botschaft befand – all das ist spontanes und authentisches Handeln, das die berechtigte Volkswut spiegelt, aber meiner Meinung nach bleibt das hinter der richtigen Reaktion auf israelische Aggression zurück. Die richtige Antwort auf israelische Aggression wird sich ergeben, wenn man dafür sorgt, dass sie fehlschlägt und das wird nur durch eine Machtübergabe an eine gewählte Regierung geschehen, damit die Streitkräfte sich ihrem Kampfauftrag widmen können und Ägypten sich auf den Weg in die Zukunft machen können, die sie verdienen.

Es gibt nach Ansicht Al-Aswanysnur einen „Kampfauftrag“ – sich Israel entgegenzustellen. Dies trotz eines Friedensvertrags und fortgesetzter militärische Kooperation zwischen Israel und Ägypten, die seine Beschuldigung Israel destabilisiere den Sinai als den heillosen Müll bestätigt, die sie ist.

In der New Republic untersucht auch Eric Trager Al-Aswanys Geschichte der Verschwörungstheorien:

Er gehört vielmehr zu Ägyptens erfolgreichsten Verschwörungstheoretikern und nutzt oft sein sehr öffentliche Plattform, um einige der beliebtesten ägyptischen Engstirnigkeiten zu verstärken – und er tut dies typischerweise, wenn er auf Arabisch spricht oder twittert, weshalb die westliche Press oft diesen Aspekt seiner öffentlichen Persönlichkeit übersieht. Aswany sagte z.B. im ägyptischen Fernsehen, dass eine „massive zionistische Organisation Amerika beherrscht“, weshalb „Obama nicht in der Lage ist gegen Israels Wünsche anzugehen“.

Trager schreibt außerdem:

Und er glaubt, dass die westlichen Medien ebenfalls unter den Zauber der Zionisten stehen. „Ein einfaches Experiment“, twitterte er im Juli. „Gehen Sie auf die Internetseite irgendeiner globalen Zeitung und lesen Sie deren Berichterstattung zu Ägypten; sie werden feststellen, dass die meisten der Autoren, die Israel verteidigen, jetzt zumeist die Bruderschaft verteidigen.“ In der Tat: In Aswanys verdrehter Weltsicht muss bei Washingtons Verdruss mit der Art, wie Morsi abgesetzt wurde und die westliche Berichterstattung zur steigenden Zahl der Todesopfer auf der Seite der Bruderschaft zu allererst an Israel gedacht werden. Und derart pro-Bruderschaft zu sein – wie Aswany es definiert – muss ein zionistischer Standpunkt sein.

Alaa Al Aswany

2. Leugnung des arabischen Antisemitismus

In einem Kurzvideo gibt Al-Aswany seine Ansichten zum Antisemitismus wieder:

Da hatten wir [Ägypten] also unsere sehr, sehr große, positive Erfahrung mit Juden, mit Juden und unser Problem waren nicht die Juden. Das Problem war Israel, sehen Sie? Und es ist sehr gefährlich, diese beiden Konzepte zu verwechseln. Ich würde sagen, dass einige Leute in Israel sich sehr wohl dabei fühlen durcheinanderzubringen, die bieden Konzepte in dem Sinne zu mischen, dass, wer einer Politik Israels gegenüber kritisch ist, der dann entsprechend gegen die Juden ist und das ist furchtbar falsch, furchtbar falsch, sehen Sie, denn ich bin, das glaube ich, ich bin dem saudischen Regime gegenüber sehr kritisch eingestellt und ich glaube, dass das ein sehr schlimmes Regime ist, doch das bedeutet nicht, dass ich gegen alle Araber oder alle Muslime bin. Ich glaube also, dass wir niemals, niemals in der gesamten arabischen Geschichte wirklich ein Problem mit den Juden hatten oder sie diskriminierten.

Es gab niemals in der gesamten arabischen Geschichte Diskriminierung von Juden? Die Jewish Virtual Library erklärt, dass lange vor der Gründung des modernen israelischen Staates Juden dort diskriminiert wurden, wo sie Muslimen in einem Zustand des Dhimmitums unterworfen waren.

Er fährt fort:

Zu verschiedenen Zeiten waren Juden in muslimischen Ländern in der Lage in relativem Frieden zu leben und kulturell sowie wirtschaftlich Erfolg zu haben. Die Position der Juden war jedoch nie sicher und Veränderungen im politischen oder sozialen Klima führten oft zu Verfolgung, Gewalt und Tod. Juden wurden von ihren muslimischen Nachbarn allgemein mit Verachtung betrachtet; zur friedlichen Koexistenz zwischen den beiden Gruppen gehörte die Unterordnung und Erniedrigung der Juden.

Die JVL führt Beispiele der Gewalt gegen Juden im Verlauf der Jahrhunderte bis heute auf:

Die Lage der Juden in arabischen Ländern erreichte im 19. Jahrhundert einen Tiefpunkt. Juden im größten Teil Nordafrikas (einschließlich Algerien, Tunesien, Ägypten, Libyen und Marokko) wurden gezwungen in Ghettos zu leben. In Marokko, das die größte jüdische Gemeinde der Diaspora in der islamischen Welt hatte, mussten Juden barfuß gehen oder Schuhe aus Stroh tragen, wenn sie außerhalb des Ghettos waren. Selbst muslimische Kinder machten bei der Erniedrigung der Juden mit, indem sie Steine nach ihnen warfen oder sie auf andere Weise schikanierten. Die Regelmäßigkeit antijüdischer Gewalt nahm zu und viele Juden wurden aufgrund von Anklagen des Abfalls vom Glauben hingerichtet. Vorwürfe ritueller Morde gegen Juden wurden im ottomanischen Reich alltäglich.

Das war vor dem Massenexodus der Juden aus arabischen Ländern als Ergebnis gewalttätiger arabischer Reaktion auf die Gründung Israels 1948. Wenn, wie Al-Aswany behauptet, es möglich ist  zwischen Juden und Zionismus zu unterscheiden, dann ist die Reaktion seiner arabischen Brüder, die ihre jüdische Bevölkerung vertrieb, konkreter Beleg dafür, dass die arabische Welt nicht fähig war eine solche Unterscheidung zu treffen.

Alle Beweise deuten darauf hin, dass Al-Aswanys Sinnieren zu Antisemitismus unsinnig ist.

3. Unterstützung für den Boykott Israels

Im Oktober 2010 veröffentlichte die New York Times in ihrem Bereich Kunst Folgendes:

Alaa Al-Aswany, arabischsprachaiger Bestseller-Romanautor, hat Einspruch dagegen erhoben, dass einer seiner Romane ins Hebräische übersetzt wird. Er protestiert damit gegen normalisierte Beziehungen zwischen Israel und arabischen Staaten, berichtete Agence France-Presse.

Al-Aswany sagte AFP:

Meine Haltung hat sich bezüglich der Normalisierung mit Israel nicht geändert. Ich lehne sie komplett ab.

* * *

Zu Al-Aswanys Verschwörungstheorien erklärt Eric Trager:

In den Vereinigten Staaten ist diese Art paranoide Zirkel-Argumentation auf Randblogs üblich. Es ist alternativ aber nicht die Art Analyse, die jemandem eine Kolumne in einer der führenden Zeitungen der Nation einbringt.

In der Tat. Warum hat sich dann die New York Times entschieden Alaa Al-Aswany mit einer eigenen Kolumne zu ehren? Sind alle neuen internationalen Kolumnisten der Zeitung gleich extrem?

HonestReportings Vorstandsvorsitzender Joe Hyams kommentiert:

Die New York Times hat in der Vergangenheit dem völkermörderischen Extremismus der Hamas-Führung eine Plattform geboten. Alaa al-Aswany mag zwar kein Terrorist sein, doch es ist ein beunruhigendes Zeichen der Richtung, die die Times eingeschlagen aht, dass jemand, der solch randständige Verschwörungstheorien verficht, einen bezahlte Position und eine Plattform zur Verbreitung dieser Ansichten gewährt bekommt. Die Times sollte ihre Haltung ernsthaft überdenken.

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2 Kommentare - “New York Times gibt Kolumne an antiisraelischen Verschwörungstheoretiker”

  1. heplev Says:

    Hat dies auf World-Media-Watch rebloggt und kommentierte:

    New York Times – antiisraelisches Hetzblatt!


  2. der Typ ist kein Islamist und wohl auch kein Antisemit im Sinne eines primitiven Fremdenhassers.

    man muss sich jedoch endlich klar werden, dass der Verschwörungstheoretiker-Antisemitismus der wesentlich gefährlichere ist.


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