Die „Volkswiderstand“-Differenzierung der TIME

HonestReporting Media BackSpin, 29. November 2011


Volkswiderstand
kann alles Mögliche bedeuten, aber eines sicher nicht: nämlich „friedvoll“. Korrespondent Karl Vick verrennt sich in Begrifflichkeiten.

Man kann sich seine rosarote Brille vorstellen, wenn er diese Einschätzung zu den Einheitsverhandlungen zwischen Hamas und Fatah für Time niederschrieb.

Danach trafen sich beide lächelnd vor den Kameras. „Es gibt keine Unterschiede zwischen uns“, sagte Abbas. Mashaal fügte hinzu: „Wir haben eine neue Seite im Buch der Partnerschaft aufgeschlagen.“ Und zu welchen Konditionen? Die Hamas steht für Widerstand, ihrem formalen Namen nach, der Islamischen Widerstandsbewegung. Aber im Gazastreifen, wo sie regiert, hält die Hamas seit Januar 2009 weitestgehend eine Waffenruhe mit Israel. Und in Kairo unterzeichnete sie ein Papier, in dem sie sich dem „Volkswiderstand“ gegen die israelische Besatzung in den palästinensischen Gebieten verpflichtet fühlt. Das ist „Volkswiderstand“ im Gegensatz zu „gewalttätig“ oder „militärischer“ Widerstand. Wir veranstalten Friedensmärsche und Sprechgesänge, senden Signale und machen nicht den Mist, Sprengfallen zu basteln oder Selbstmordattentäter anzuwerben.

Jedes Volk hat das Recht, gegen Besatzung zu kämpfen, wie auch immer – mit Waffen oder anders. Im Moment aber wollen wir mit dem Volkswiderstand zusammenarbeiten“, äußerte Meshaal gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. „Wir glauben an den bewaffneten Widerstand, aber der Volkswiderstand ist Bestandteil eines Programms, dem alle Fraktionen zustimmen.“

Die Trennung scheint einfach zu funktionieren: Wenn Palästinenser „Volkswiderstand“ sagen, hört Vick daraus „gewaltfrei“ heraus. Aber was sie damit aussagen wollen, hat für die Basis sehr wohl eine Bedeutung.

Nach palästinensischem Verständnis ist die Tatsache, dass Kinder Steine ​​auf Israelis werfen, ebenso Basis-Widerstand, wie wenn Erwachsene eine „Volks“-Mahnwache abhalten.

Gilad Shalit wurde nicht von vergreisten Widerstandsgruppen entführt. Er wurde von Volkswiderstand-Kommitees geschnappt und gefangen gehalten. Letztere beziehen ihre Popularität daraus, dass sie versprechen, weitere Soldaten zu kidnappen, und nicht, weil sie Sprechgesänge abhalten, dämliche Slogans skandieren oder abgefeimte Zeichen aussenden.

Was auch immer die Hamas in Kairo unterschrieben hat: das repräsentiert keine Mäßigung ihrer selbst, sondern eine zunehmende Gewaltbereitschaft der Fatah.

(Bild der rosaroten Brille via Flickr/derekGavey)

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