Dem Echo-Raum des Internets entkommen

HonestReporting Media Backspin, 8. August 2010

HonestReportings Gesellschafts-Redakteur Alex Margolin schreibt gelegentlich Einträge zu sozialen Medienfragen. Er ist für HonestReportings Facebook-Seite verantwortlich.

Das Aufkommen der sozialen Medien hat es einfacher gemacht Informationen mitzuteilen und wichtige Ideen zu fördern. Selbst kurze Zeit bei Twitter oder auch Facebook wird eine massive Anzahl an Einträgen aufzeigen, die Links zu Online-Inhalten haben, die die Leute mit ihren Freunden und Online-Bekanntschaften teilen wollen.

Die Menschen erhalten ihre Nachrichten zunehmend aus diesen Quellen statt aus den traditionellen Medien. In vielen Fällen haben die Leute das Gefühl den traditionellen Informationsquellen überhaupt nicht mehr folgen zu müssen. Wenn etwas ihre Aufmerksamkeit wert ist, so argumentieren sie, wird das letztlich den Weg in die Online-„Gespräche“ finden.

Diese Art der Demokratisierung der Medien – wo jeder einen Link zu einem Artikel oder Blogeintrag setzen oder einen eigenen Artikel oder Blogeintrag schreiben kann – wird oft als einer der größten Nutzen des sozialen Web genannt. Dank Googles PagerRank-Algorithmus wird in der Google-Suchmaschine jeder angesehene Link als „Stimme“ für Inhalt gewertet; sie ist der wichtigste Sammler von Inhalten im Internet.

Doch parallel zur Zunahme der verfügbaren Inhalten ist die Notwendigkeit generiert worden Informationen zu filtern. Da aus allen Richtungen so viel Inhalte kommen, haben die Menschen es für erforderlich befunden ihren Medienkonsum auf Quellen zu beschränken, denen sie vertrauen und die sie wertschätzen.

Eine beliebte Form der Filterung kennt man als „Personalisierung“. Sie ist eine der fundamentalen Prinzipien von Seiten wie Facebook, wo unser „news stream“ uns zeigt, was unsere Freunde tun, sonst aber nichts. Personalisierung ist attraktiv, weil sie uns mit den Menschen in Verbindung hält, denen wir am meisten vertrauen.

Gleichzeitig trägt die Personalisierung zu einem anderen Phänomen bei, das zunehmend im Internet zu finden ist – die Atomisierung des Publikums in kleine Zugehörigkeitsgruppen, von denen viele nie mit anderen online interagieren.

Das Ergebnis ist eine Form von Echo-Raums, in dem wir unsere Meinung als Echo von gleich denkenden Menschen zu hören bekommen. Das Ergebnis stärkt unsere Überzeugungen zu vielen Themen, verschließt uns aber auch für alternative Ansichten. Das geschieht sogar auf Seiten, die kein anderes Ziel haben, als uns etwas zu verkaufen, zum Beispiel Amazon. Die Seite personalisiert ihre Dienste durch Speicherung von Informationen über ihre Besucher und die Erstellung individualisierter Empfehlungen. Dadurch sehen die Leute mehr von dem, was sie früher schon gekauft haben und weniger von allem anderen.

In seinem 2004 – einige Jahre, bevor Seiten wie Facebook und Twitter geschaffen worden waren –  veröffentlichten Buch The Wisdom of Crowds warnte James Surowiecki vor der Notwendigkeit sich in Gruppen aufzuteilen. Homogenisierte Gruppen wurden einfacher zusammenhaltend als ungleich zusammengesetzte Gruppen; und je geschlossener sie werden, desto abhängiger wird man von der Gruppe, desto isolierter vor Meinungen von außen und daher überzeugter, dass das Urteil der Gruppe zu wichtigen Fragen richtig sein muss. Dieser Art Gruppen ist eine Illusion der Unverletzbarkeit gemein, eine Bereitschaft mögliche Gegenargumente zur Haltung der Gruppe zu rationalisieren und eine Überzeugung, dass abweichende Meinungen nicht nützlich sind.

Die derzeitigen Trends im Internet machen Verschiedenheit innerhalb von Gruppen jedoch schwieriger. Andererseits bietet das Internet auch eine bunte Mischung an Meinungen aus dem breitest möglichen Spektrum. Alles, was man braucht, ist die Bereitschaft sie zu suchen.

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One Comment - “Dem Echo-Raum des Internets entkommen”


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