Schafft das Internet neue Arten von Medien-Einseitigkeit?

HonestReporting Media Backspin, 12. Mai 2010

HonestReportings Gesellschafts-Redakteur Alex Margolin schreibt gelegentlich Einträge zu sozialen Medienfragen. Er ist für HonestReportings Facebook-Seite verantwortlich.

Wenn es ums Internet geht, dann hatte Marshal McLuhan Recht: Das Medium ist tatsächlich die Botschaft.

Genau das bekommen die Washington Post und ander Schwergewichte der traditionellen Medien zu spüren, die jetzt darum kämpfen eine lebendige Web-Präsenz zu erstellen. Die Post investierte in einen starken Stamm an Bloggern für ihre Internetseite.

Das Problem dabei, berichtet Politico, besteht darin, dass der Erfolg der liberalen Blogger der Post die Internetseite weiter nach links gedrückt hat als die Printausgabe:

Die Post ist jetzt Heimat dreier der stärksten linken Blogs des Internet und bezieht einen unverhältnismäßig großen Anteil ihrer Zugriffe und Begeisterung durch sie – eine signifikante Veränderung für eine traditionelle Zeitung, die kämpfen musste, um sich zu erneuern.

Kevin Merida, innenpolitischer Chefredakteur der Post, sagte, Online-Leser hätten andere Anforderungen als traditionelle Zeitungsleser.

Das Web ist ein Ort, an dem die Leute die tagesaktuellen Nachrichten Entwicklungen in der politischen Welt und öffentlichen Politik von anderen Blickwinkeln aus bekommen wollen, also versucht man ihnen online ein ziemlich robustes Sammelsurium anzubiegen“, sagte er.

Dieses Sammelsurium, mit dem auch das Internet selbst beschrieben ist, wird zunehmend von der „unsichtbaren Hand“ des Nutzerverkehrs und Leser-Engagements geleitet. So werden die Blogger mit dem meisten Verkehr oder den meisten eingehenden Links letztlich an die Spitze aufsteigen. Selbst einen Institution wie die Washington Post muss sich auf diesem Level beugen den Leser-Forderungen.

Das mag sich ultimativ ausbalancieren, wenn neue Technologien diskutiert wie Blogs werden, die ein eingeborener Teil des Internets sind. Was aber ist mit echten Nachrichten? Wird die Berichterstattung globaler Fragen wie Israel auch unverändert bleiben, wenn die Zeitungen ihren Schwerpunkt auf ihre Internetseiten verschieben? Außer, wenn Zeitungen extrem sorgfältig sind, könnten wir den Anfang eines neuen Typs von Einseitigkeit sehen – einen, der von Internet-Ökonomen angetrieben wird, nicht von den Regeln in der Nachrichten-Redaktion.

Mit anderen Worten: Das Medium verändert sich – wir bewegen uns vom Druck zu Digitalen; wie also wird sich das auf die Nachricht auswirken? Wie wir anhand der Erfahrung der Washington Post sehen, ist es problematisch ein ausgewogenes Angebot zu bieten, wenn die Form ein Sammelsurium fordert.

(Der letzte Eintrag aus Alex‘ Serie: Antisemitismus und die neuen Mainstream-Medien)

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3 Kommentare - “Schafft das Internet neue Arten von Medien-Einseitigkeit?”


  1. […] This post was mentioned on Twitter by J-Comm, Bernd Dahlenburg. Bernd Dahlenburg said: Schafft das Internet neue Arten von Medien-Einseitigkeit? http://bit.ly/9oWTYD […]

  2. Stefan Says:

    „liberal“ (am.) ist nicht gleich „liberal“ (dt.).
    Ersetze diesen Begriff doch bitte durch einen anderen. (Konstruktive Kritik! Ich weiß deine Arbeit zu schätzen.)


    • Hallo Stefan

      du hast recht, ich sehe diese Unterscheidung auch so (hatte sogar während des Studiums das politische System der USA als einen Schwerpunkt).

      Den Beitrag hat aber Heplev übersetzt. Ich gehe davon aus, dass er es übersehen hat, denn ich kann mir bei seinen hervorragenden Kenntnissen über die USA schlecht vorstellen, dass er es nicht weiß. Kannst ihm ja schreiben, damit er es ausbessert. Ich will ihm nicht dazwischenfunken: heppyop@web.de

      Er wird noch bis einschließlich 27. Mai übersetzen, weil ich zwischendurch bei Honestly Concerned redigiere. Ich kann also immer nur ganz kurz drübersehen; am 28. Mai geht’s wie gewohnt weiter.

      Dank für deine konstruktive Kritik!
      Grüße
      Bernd


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