Drei wichtige Unterschiede zwischen Paul Martin und Alan Johnston

HonestReporting Media BackSpin, 15. Februar 2010

Der britische Journalist Paul Martin wurde von der Hamas inhaftiert, nachdem er bei einer Gerichtsverhandlung gegen ein Mitglied der Abu Rish Brigaden aufkreuzte, das der Spionage für Israel beschuldigt worden war.

AP zufolge kam Martin, um Unterstützung zu zeigen, weil er den Angeklagten wenige Wochen vorher interviewt hatte. Ich nahm zuerst an, dass Martin ein ausgeflippter linker Filmemacher war, aber die Times of London berichtete mehr über seinen beruflichen Background. Es stellt sich auch heraus, (via Solomonia) dass Martin von der Hamas schon vorher einmal eingebuchtet wurde.

Martins Fall lässt sich nicht mit der Entführung des BBC-Journalisten Alan Johnston im Jahr 2007 vergleichen.

1. Johnston wurde von einer undurchsichtig agierenden Gruppe entführt, die sich selbst Armee des Islam nennt und der Hamas eine gewisse Glaubwürdigkeit bei deren Bestreitbarkeit der Tat verlieh. Martin wurde von der Hamas-Polizei nach Anweisung eines Hamas-Richters eingebuchtet.

2. Johnston war ein weithin bekannter Reporter, der für eines der weltgrößten Nachrichtenmedien arbeitete. Die BBC stellte sich geschlossen hinter Johnston und hielt den Druck auf die Islamisten aufrecht. Martin ist ein weniger bekannter Miteigentümer einer Firma, die Videomaterial an Nachrichtenorganisationen liefert. Das Unternehmen, World News & Features, wird kaum Druck auf die Hamas ausüben können.

3. Johnston wurde zu einem Zeitpunkt entführt, als die Hamas noch dabei war, ihre Macht in Gaza auszubauen. Martin wurde von einer de facto-Regierung eingesperrt, die keine Anstalten machen wird, ihre „Herrschaft“ über Gaza zu teilen.

Das Ziel einer baldigen Freilassung Martins ohne eine geforderte Anerkennung der Hamas wird zu einer heiklen Angelegenheit. Wird das britische Außenministerium das hinbekommen?

Selbstverständlich muss Martins Situation auch im Kontext mit Fragen zur Pressefreiheit in Gaza und in der West Bank gesehen werden, über die ich letzte Woche gebloggt hatte. In jenen Fällen waren die Probleme auf palästinensische Journalisten begrenzt. Martins Inhaftierung ist ein deutliches Signal dafür, dass auch die Auslandskorrespondenten ihren Bewegungsspielraum verlieren.

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