Stellen Sie sich die Schlagzeilen vor!

HonestReporting Media BackSpin, 25. August 2009

Israelische Fernsehsender strahlten ein Video aus, das Hamas-Milizen bei der Hinrichtung von Mitgliedern der Gruppe Jund Ansar Allah im Innenhof einer Moschee zeigt. Gab es irgendwelche internationale Empörung?

Stellen Sie sich die Schlagzeilen vor, wenn israelische Soldaten bei solch einer Aktion gefilmt worden wären!

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8 Kommentare - “Stellen Sie sich die Schlagzeilen vor!”

  1. denkbar Says:

    Und das wäre auch völlig richtig so. Israel ist der einzige funktionierende demokratische, westliche Rechtsstaat der ganzen Region (neben der Türkei, in der es aber mit Menschenrechten und Ähnlichem nicht annähernd so gut steht wie in Israel). Entsprechend muss es sich auch daran messen lassen. Würden etwa österreichische Soldaten im Tschad das machen, oder deutsche in Afghanistan, oder amerikanische im Irak, würde es genau die selbe Reaktion hervorrufen. Ebenso völlig zu recht.

    Was aber stimmt, und was mich ebenfalls ankotzt, ist diese widerwärtige, anti-zionistische, oft kulturrelativistische Scheinheiligkeit, mit der bei der Hamas über solche „Kleinigkeiten“ hinweggegangen wird. Das ist eine der ekelerregendsten Seiten von vielen selbsternannten Pazifisten/Linken – und das sage ich, obwohl ich mich selbst durchaus zur linken Hälfte zähle.


    • Das ist eine der ekelerregendsten Seiten von vielen selbsternannten Pazifisten/Linken

      Die bringen es auch noch fertig, Israel für dies Massaker verantwortlich zu machen. Aber „Linke“ dürfen das, denn wie der altstalinistische Schriftsteller Zwerenz einst sagte: „Linke können keine Antisemiten sein“. (Zitiert aus aus Broders Buch „der ewige Antisemit“).

      • denkbar Says:

        Tja, das ist eines der Dinge, die ich bei vielen Linken einfach nicht verstehe. Sie sind gegen Diktatoren, für Frauenrechte, für einen säkularen Rechtsstaat, für Frieden, etc. – und scheuen sich nicht, mit den ekelerregendsten, militantesten Klerikalfaschisten gemeinsame Sache zu machen, wenn es um Israel oder die USA geht.
        Und zum Teil kommt so bornierter Dreck auch von ansonsten durchaus intelligenten Leuten.

        Aber keine Sorge, das ist nicht nur bei den Linken so. Die Konservativen, man denke nur an Karl Lueger, – und erst recht die Rechten – können ebenfalls auf eine antisemitische Geschichte zurückblicken. In Österreich waren in der Politik die Sozialdemokraten lange Zeit (schon in der Zwischenkriegszeit) die einzige Partei, die keine antisemitischen Register gezogen hat. (Auch wenn es, wie in jeder Partei, gelegentliche Ausreißer von drittrangigen Provinzpolitikern gab.)


  2. Tja, das ist eines der Dinge, die ich bei vielen Linken einfach nicht verstehe. Sie sind gegen Diktatoren, für Frauenrechte, für einen säkularen Rechtsstaat, für Frieden, etc. – und scheuen sich nicht, mit den ekelerregendsten, militantesten Klerikalfaschisten gemeinsame Sache zu machen, wenn es um Israel oder die USA geht.

    Ich denke, dass der anthropologische (nicht anthroposophische!) Ansatz entscheidend ist: Menschen, die sich ihrer Endlichkeit und Unvollkommenheit nicht bewusst sind, neigen dazu, ideologisch auf stramm totalititären Menschheitsbeglückungskurs einzuschwenken. Bei den Linken steckt anfangs oft die Absicht dahinter, eine sozial perfekte Gesellschaft zu schaffen, was bei den Ultrarechten von vornherein verneint werden kann. Wie heißt es so schön: „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert“.

    Ich habe aber meine Zweifel, ob diejenigen, die sich z.B. in den 1970er-Jahren als Bürgerbewegung aufmachten, die Republik von altem Müll zu entstauben (Die Grünen), im Laufe ihrer politischen Karriere weiterhin das lebten, was sie anfangs postulierten und anfangs manchmal auch überzeugend vorlebten.

    Und nun kommen menschliche Unzulänglickeit, Eitel, falscher Stolz, Postengeschacher, Trickserei und Anbiederei, was man vorher nur von den Großen kannte, an eine bestimmte Klientel dazu (Bei den Grünen und Dunkelroten heute bevorzugt die islamischen Verbände).

    Der Wahn, Menschen (allein) durch Erziehung besser machen zu können, tut sein Übriges dazu…

    Die Folgen sind Fehleinschätzungen der eigenen Persönlichkeit, Überheblichkeit, Wahrnehmungstörung etc; und das Schlimmste: man unterdrückt mit diesen Mechanismen sein Gewissen.

    Der Gott der Bibel sagt mir, dass ich ohne Befragung meines Gewissens kein aufrichtiges Leben führen kann. Aber um das Gewissen zu prüfen, muss man nicht gläubig, nicht Jude, Christ oder sonstwas sein. Man sollte wenigstens zulassen, dass sich das Gewissen meldet….

    Viele Grüße
    Bernd

  3. denkbar Says:

    Okay, wenn ich dich richtig verstehe, siehst du das Hauptproblem der Linken darin, dass sie – weil ja im Besitz der allein selig machenden Wahrheit – nicht in der Lage sind, ihre eigenen Gedankengebäude zu hinterfragen. Und diese Unfähigkeit zu hinterfragen führt dazu, dass sie an zwar gut gemeinte, aber in dieser Form real nicht umsetzbare Konzepte glauben, wenn nicht gar die Realität verweigern und in ideologischer Blindheit mit den größten Unsympathen gemeinsame Sache machen. Zumindest gilt das für jene abgedrifteten Linken, an denen du dich störst. Passt das soweit?

    In dem Fall kann ich nur sagen, dass es das immer und überall gegeben hat, gibt, und geben wird. Das ist kein linkes Phänomen.
    Schau dir an, was die „Christlichsozialen“ 1933-1938 in Österreich aufgeführt haben. Damals hat deren Kanzler Dollfuß ein parlamentarisches Formalproblem genutzt, um das Parlament mit Waffengewalt auszuschalten und eine austrofaschistische Diktatur errichtet. (Das war kein Ausrutscher, sondern damals erklärtes Ziel – es sollte einen „Ständestaat“ geben, mit vollkommener „Klassenharmonie“.) Im Februar 1934 hat das zu einem kurzen, aber heftigen Bürgerkrieg geführt, in dem die von Dollfuß kontrollierte Armee, die Polizei, und die Heimwehr (paramilitärischer Verband der Christlichsozialen) die Sozialdemokratie und den Schutzbund (rotes Gegenstück zur Heimwehr) ausschalteten und der eigenen Bevölkerung die Wohnungen mit Kanonen zerschossen.
    (Falls Interesse, siehe diese 2 Wikipedia-Artikel: Austrofaschismus, Österreichischer Bürgerkrieg)

    Ich will aber nicht behaupten, dass alle Christlichsozialen damals ein katholisch-klerikalfaschistisches Pack waren. Dem ist nicht so. Nur waren damals die verblendeten Verbrecher am Drücker, und das hatte katastrophale Konsequenzen. (Unter anderem auch die Wegbereitung für die Nazis, da alle, die theoretisch substanziellen Widerstand hätten leisten können 1934 ausgeschaltet wurden, und die normale Bevölkerung an ein autoritäres Regime gewöhnt wurde. Hitler annektierte 1938 Österreich dann, ohne dass auch nur ein einziger Schuss fiel.)

    Dass ausgerechnet Dollfuß, Heimwehr und Konsorten innerhalb der Christlichsozialen den bei weitem größten Einfluss hatten war eine logische Entwicklung. In der Zwischenkriegszeit war die Stimmung – meistens – ökonomisch verzweifelt und politisch aufgeheizt. Aber ähnliche Erklärungen (nicht Entschuldigungen) lassen sich auch für verblendete Linke finden. (Die ja, Gott sie Dank, nicht die Mehrheit sind. Und meiner Ansicht nach noch nicht einmal links, auch wenn sie sich so nennen.)
    Worauf ich hinaus will ist, dass ideologische Borniertheit (mit manchmal verbrecherischen Folgen) in allen politischen Strömungen vorkommt.
    Die Frage ist nur, ob es einen mehrheitlichen gesellschaftlichen Konsens gibt, dass Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechte über politischen Differenzen stehen.

    Die ÖVP, die Nachfolgepartei der Christlichsozialen, hat übrigens heute noch in ihren Büros im Parlament ein Bild von Dollfuß hängen.


  4. und in ideologischer Blindheit mit den größten Unsympathen gemeinsame Sache machen.

    Hi,

    natürlich meinte ich nicht die Linken. Nur ganz kurz noch eine Anmerkung zu dem von mir oben zitierten Halbsatz:

    Sie machen nicht nur gemeinsame Sache, sondern glauben oft selbst, dass sie zu anderen Methoden greifen müssen.

    Und wenn ich mich lediglich auf dieses Thema gestürzt habe, dann nicht, weil ich denen am rechten Rand irgendetwas Positives abgewinnen könnte. Im Gegenteil, siehe hier:

    http://castollux.blogspot.com/2008/01/schwarzbraun-ist-die-haselnuss.html

    Mir sind Totalitarismen jeglicher Coleur ein Gräuel, selbst wenn sie sich in der Mitte der Gesellschaft nur andeutungsweise und verkappt zeigen.

    Mir ging es auch darum, den Widerspruch zwischen „Guter Absicht“ und schrecklichen Folgen anzusprechen und welches abstruse Menschenbild dahinter steht.

    Ist schon okay, was du schreibst.

  5. denkbar Says:

    „Mir sind Totalitarismen jeglicher Coleur ein Gräuel, selbst wenn sie sich in der Mitte der Gesellschaft nur andeutungsweise und verkappt zeigen.

    Mir ging es auch darum, den Widerspruch zwischen „Guter Absicht” und schrecklichen Folgen anzusprechen“

    *sign*

  6. Philip Stein Says:

    Tja, das ist eines der Dinge, die ich bei vielen Linken einfach nicht verstehe. Sie sind gegen Diktatoren, für Frauenrechte, für einen säkularen Rechtsstaat, für Frieden, etc. – und scheuen sich nicht, mit den ekelerregendsten, militantesten Klerikalfaschisten gemeinsame Sache zu machen, wenn es um Israel oder die USA geht.
    Und zum Teil kommt so bornierter Dreck auch von ansonsten durchaus intelligenten Leuten.

    Aber keine Sorge, das ist nicht nur bei den Linken so. Die Konservativen, man denke nur an Karl Lueger, – und erst recht die Rechten – können ebenfalls auf eine antisemitische Geschichte zurückblicken. In Österreich waren in der Politik die Sozialdemokraten lange Zeit (schon in der Zwischenkriegszeit) die einzige Partei, die keine antisemitischen Register gezogen hat. (Auch wenn es, wie in jeder Partei, gelegentliche Ausreißer von drittrangigen Provinzpolitikern gab.);. All the best!!


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