Mit Dominotheorie endlich aufräumen

HonestReporting Media BackSpin, 8. Juli 2009

Die NY Times druckte einen aufschlussreichen Auszug aus Dennis Ross’ und David Makovskys neuem Buch ab, das mit der Theorie aufräumt, eine erfolgreiche Beilegung des israelisch-palästinensischen Konflikts liefere den Schlüssel für die Lösung anderer regionaler Konflikte:

Da die Ursachen so vieler regionaler Spannungen und Rivalitäten nicht in Zusammenhang mit dem arabisch-israelischen Konflikt stehen, ist es schwer vorstellbar, wie seine Beilegung andere regionale Pattsituationen oder Quellen der Instabilität auflösen sollte. Der Iran z.B. verfolgt seine atomaren Ambitionen nicht, weil es einen arabisch-israelischen Konflikt gibt. Sektiererische Gruppen im Irak würden nicht plötzlich ihre internen Kämpfe beenden, wenn die palästinensische Frage geklärt wäre. Wie viele Konflikte in der Region haben auch diese ihre eigene Dynamik entwickelt.

Hinzuzufügen wäre, dass so tragisch der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern auch geworden ist, er ist nicht in der Weise ausgeufert, dass er den Nahen Osten destabilisiert hätte. Es gab zwei palästinensische Intifadas, Aufstände und Unruhen, darunter jene von 2000 bis 2005, die 4.000 Palästinenser und 1.000 Israelis das Leben kostete – aber kein einziger arabischer Führer war gestürzt worden und kein einziges Regime deshalb destabilisiert. Es ist ein lokaler Konflikt geblieben, konzentriert auf eine kleine geographische Fläche. Doch die Konstruktion eines Zusammenhanges existiert bis heute, und das mit machtvollen Akteuren im Hintergrund. Warum ist das so? Und warum wird sie unter den politisch Verantwortlichen akzeptiert, als beruhe sie auf Tatsachen?

Yoram Ettinger unterstrich vor kurzem, dass nicht abzusehen sei, wie weit diese falsche Konstruktion ausgereizt werden kann:

Die von der US-Administration ausgeklügelte Konstruktion erfindet den Nahen Osten neu und transformiert einen 100 Jahre alten Konflikt (Araber vs. Israel) zu einer angeblichen Grundursache, zementiert auf 1.400 Jahren Nahostturbulenzen. Gibt es einen logischen Zusammenhang zwischen einer möglichen Übernahme Bahrains durch den Iran und einem „abtrünnigen Saudi-Arabien“ einerseits und der Zukunft der jüdischen Gemeinden in Judäa und Samaria andererseits?! Warum kein Zusammenhang zwischen dem Ende iranischer Unterwanderung im Irak und dem Ende IDF-geführter Terrorbekämpfung in Judäa und Samaria?!

Oder wie wär’s mit einem überzogenen Vergleich zwischen Verhinderung der Übernahme der Atombombe in Pakistan durch Al-Quida und einem vollständigen israelischen Rückzug in Judäa und Samaria?! Und wie wär’s mit der Mega-Konstruktion eines Zusammenhanges  zwischen dem Ende der tiefen Feindschaft zwischen Sunniten und Schiiten, dem Bürgerkrieg im Sudan und den innerlibanesischen Rissen einerseits und der Aufteilung Jerusalems andererseits?!

Dazu passend: Mideast Dominoes: A Falling Theory

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