Wikipedia voreingenommen gegenüber Israel?

HonestReporting Media BackSpin, 4. Mai 2009

Haaretz berichtet, dass israelische Internet-Rechercheure auf einer Wikipedia-Tagung erklärten, die „Open Source“-Enzyklopädie hätte Israel gegenüber Vorurteile.

Unter den Punkten, die Eli HaCohen auf einer Wikipedia-Konferenz in Tel Aviv ansprach:

• Die Hamas wird auf der englischsprachigen Seite im ersten Absatz nicht als Terrororganisation bezeichnet.

• „HaCohen dokumentierte auch seine Versuche, den iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad als Holocaustleugner einzutragen, und immer, wenn er seine Redigierung bei Wikipedia vorgenommen hatte, wurde sie von Usern und Redakteuren wieder gelöscht – trotz der wiederholten Holocaustleugnungen Ahmadinejads.“

• „Wikipedia bezeichnet David Irving – einen bekannten Holocaustleugner – als Historiker, obwohl seine Empfehlungsschreiben von niemandem außer ihm selbst stammen.“

• „Der Wikipedia-Eintrag zur Operation Gegossenes Blei im Januar spricht von einem „massiven Bombardement“ Israels gegen die Zivilbevölkerung.“

• „In der arabischsprachigen Wikipedia-Version wird Lod nicht als Stadt innerhalb Israels Grenzen aufgeführt.“

Wikipedias dünne Antwort:

Auf der Konferenz, die Wikipedias Rolle in akademischen Kreisen diskutierte, war auch Sue Gardner anwesend,  die Geschäftsführerin der Wikimedia Foundation, unter deren Ägide Wikipedia geführt wird. Gardner erklärte Haaretz gegenüber, dass sie mit den Fehlern auf der Webseite „sehr gut leben“ kann. „Ich weiß, dass die gleichen Fehler mehr oder weniger auch bei der New York Times auftauchen können“, so Gardner.

Wenn sie schon die NY Times erwähnt: Wenigstens hat das Blatt ein ausgeprägteres Verantwortungsgefühl. Man weiß, wer den Artikel geschrieben und freigegeben hat und man muss nicht befürchten, dass täglich neu am Text herummanipuliert wird. Ergebnisse mit Wikipedia-Bezug erscheinen bei Google-Suchoperationen zu beinahe jedem Begriff ganz oben ins Ranking (weil Google nach dem Häufigkeitsprinzip vorgeht [bd]). Die Nutzer vertrauen der Seite. Nervig, wie Sue Gardner die Verantwortung von Wikipedia einfach negiert.

Letztes Jahr deckte HonestReporting antiisraelische Subversionsversuche bei Wikipedia auf, besonders zu den Themen Jerusalem, Camp David Abkommen, Israels Unabhängigkeitskrieg und den Hebräern, ganz zu schweigen von der Unterstützung palästinensischer Interessen, die sich als Wikipedia-Projekt tarnte.

Es gibt ein bestimmtes (Bewertungs-) Verfahren, das man Weisheit der Vielen nennt; aber zu einigen Themen wie Israel fragt man sich schon, ob ein Eintrag nicht andere Dynamiken reflektiert, die mit im Spiel sind. Begriffe wie Gruppendenken, Massenpsychologie und Mitläufer-/Nachahmereffekt könnte man da aufzählen.

ShareThis

Explore posts in the same categories: Antisemitismus, Die Welt und Nahost, Islam+Islamisten, Israel, NGOs, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

Schlagwörter: , , , , ,

You can comment below, or link to this permanent URL from your own site.

2 Kommentare - “Wikipedia voreingenommen gegenüber Israel?”

  1. heplev Says:

    Was wird eigentlich von einem Medium erwartet, das schon Obamas Seiten „geputzt“ hat ohne Ende?
    Wieso sollte es bei Wikipeda anders sein als bei den übrigen politisch korrekten Medien?
    „Lobbyarbeit“ seitens der Terror-Gutmenschen und ihrer liebsten Kuschelobjekte dürfte ja wohl kein Problem sein, oder?


    • Exakt.

      Jetzt kommt aber noch etwas Anderes hinzu, wie es Pesach Benson vollkommen richtig beschrieben hat:

      „Vox Popoli“ bemächtigt sich mittels Wikipedia der Meinungsherrschaft.

      Und das ist das eigentliche Problem.

      Nicht die Intellektuellen bestimmen (heute) den Diskurs, sondern die Blöden, die sich Halbwissen aneignen.

      Und was erwartet uns?

      Eine Invasion der Meinungsmache von Links- und Rechtsaußen und eine Verrohung der Gesellschaft, weil – ich sage es ungern – viele in der nachwachsenden Generation zu links- oder rechtsradiklalen Lösungen tendieren werden.

      Ich sehe (manchmal) Schwarz für unsere Demokratie -; gleichzeitig hoffe ich aber dennoch auf unsere aufgeklärte Jugend, die sich kein Rechts-X für ein Links-U vormachen lässt und den Weg der Freiheit geht.

      Und der Weg der Freiheit geht nur durch die aufgeklärte bürgerliche Mitte.

      Davon bin ich überzeugt.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: