Rick Salutin und die vier Mythen der „Israel Apartheid“-Woche

HonestReporting Media BackSpin, 9. März 2009

Globe & Mail-Kolumnist Rick Salutin sitzt vier der größten Mythen auf, die von den Organisatoren der Israel-Apartheids-Woche feilgeboten werden.

Mythos: Das „Apartheid“-Label verdankt seine Herkunft dem Sicherheitszaun. Salutin schreibt:

Kabinettsminister Jason Kenney nennt Israel-Apartheids-Woche „ein systematisches Bestreben, das demokratische Heimatland des jüdischen Volkes zu delegitimieren“, indem man es mit Rassismus in Verbindung bringt – wie auch Oppositionsführer Michael Ignatieff schon ausführte. Ein wenig zu nett. Jeder „Siedlerstaat“ wie Kanada, das das Land eines Anderen in Besitz nahm, kann als illegitim betrachtet werden. Aber das ist eine abstrakte Sache. „Apartheid“ wird in diesem Zusammenhang meistens benutzt, weil Israel anfing, das zu errichten, was man als Apartheidmauer bezeichnen kann, die sich drohend vor den Palästinensern auftürmt, noch mehr Land zerstückelt und die Menschen voneinander trennt.

Tatsache: Der Apartheidvorwurf wurde von den fanatischen Teilnehmern der Durban-Konferenz 2001 ins Spiel gebracht, fast ein Jahr, bevor Israel den Entschluss fasste, den Sicherheitszaun zu bauen. Lesen Sie, wie Generalmajor Fumanekile Gqiba, Südafrikas ehemaliger Botschafter in Israel, auf den Apartheidvergleich reagierte.

Mythos: Der Sicherheitszaun splittet die West Bank in „Bantustans“ auf. Wieder Salutin:

Das nahm immer mehr zu, weil Israel seine Sieglungen ausweitete, Straßen baute, die nur von Israelis befahren werden dürfen und mehr und mehr Checkpoints einrichtete, sodass die Palästinenser bestenfalls in einem „Bantustan“ leben können, einem der Art, wie es die südafrikanische Apartheidregierung den Schwarzen anbot, statt ihnen einen eigenen Staat zu geben.

Tatsache: Der Zaun, die Checkpoints und Straßen sind für Israels Sicherheit errichtet worden, nicht um Menschen zu trennen. 2007 bestätigte Ramadan Shalah, Führer des Islamischen Jihad sogar dem Hisbollah-Sender Al Manar, dass der Sicherheitszaun Terrorangriffe effektiv vereiteltet hatte.

Mythos: Jüdische Studenten sollten sich nicht übermäßig Sorgen wegen der Beschimpfungen in den Hochschuldebatten machen. Salutin sagt:

Meistens handelt es sch um primitives Protestgeschrei, so wie ’Stirb Jude’ und verzieh’ dich vom Campus’. Bernie Farber vom Canadian Jewish Congress sagt, dass er „Ähnliches in den Straßen von Toronto oder Universitäten nie gesehen“ habe. Gut, ich verbringe auch viel Zeit in Torontos Straßen, und wie in der Kristallnacht kommt es mir dort nicht vor. Es sind diese Bilder, die meine Freunde erschrecken: Sie rufen Nazideutschland ins Gedächtnis. Ich kenne das.

Aber in Nazideutschland ging es nicht nur um Beschimpfung oder Hass auf bestimmte Bevölkerungsgruppen. Das wird möglicherweise nie aufhören. Zum Holocaust kam es hauptsächlich deshalb, weil der Antisemitismus historisch verwurzelt und salonfähig war: religiös, sozial, intellektuell und politisch. Schriftsteller und Politiker waren stolz auf ihren Antisemitismus. Hier ist Antisemitismus in jeder Beziehung nicht akzeptabel. Darüber sollten wir uns freuen und es nüchtern sehen.

Tatsache: Die jüdischen Studenten der 1930er-Jahre in Deutschland hörten ähnliche Beschwichtigungen von Menschen, die es nicht weniger gut meinten wie Salutin und auch aufgeklärt waren. Mehr dazu in der nüchternen Reaktion von Professor Gil Troy (McGill University/Canada) und im Beitrag des israelisch-beduinischen Diplomaten Ishmael Khaldi

Mythos: Hamas kann das Existenzrecht Israels eingestehen.

Sogar Hamas hat eine (nuancierte) Position zum Zusammenleben mit Israel. Man kann das nachlesen.

Tatsache: Okay. Ich las in der Hamas-Charta nach. Dort steht drin, was Salutin mit „nuancierte“ verwechselt.

Israel existiert und wird weiterhin existieren, bis der Islam es ausgelöscht hat, so wie er schon Andere zuvor ausgelöscht hat. (Der Märtyrer: Imam Hassan Al-Banna seligen Angedenkens).

[Friedens-] Initiativen, die so genannten friedlichen Lösungen und die Internationalen Konferenzen zur Lösung der Palästinenserfrage stehen alle im Gegensatz zum Glauben der Islamischen Widerstandsbewegung.

Es gibt keine Lösung des palästinensischen Problems außer durch den Jihad.

Außerdem verweist die Hamas-Charta bei näherem Hinsehen auf die Identifikation mit der Muslimbruderschaft, einer internationalen Bewegung mit Zweigen in Ägypten, Jordanien – selbst den USA und Großbritannien. Internationale Bewegungen wie die Muslimbruderschaft haben keine Erfolgsbilanz nach der Art von Nuance vorzuweisen, auf die Salutin sein Vertrauen setzt.

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