Sieben Gewohnheiten höchst ineffizienter Terroristen

honestreporting Media Backspin, 2. Oktober 2008

Max Abrahms von Stanford veröffentlicht eine Studie (pdf Format), die die althergebrachten Weisheiten zum Terror auf den Kopf stellt. Wired fasst die aufschlussreiche Studie sehr gut zusammen:

In einem Papier, das in diesem Jahr zu Fragen der Internationalen Sicherheit herausgegeben worden war, und – leider – nicht den Titel „Sieben Gewohnheiten höchst ineffizienter Terroristen“ trägt, spricht er diese Phänomene an. Diese sieben Tendenzen kann man in Terrororganisationen weltweit feststellen, und sie widersprechen damit direkt die Theorie, dass Terroristen lediglich politische Maximalforderungen stellten:

Terroristen, schreibt er, greifen (1) Zivilisten an; eine Methode mit der Ekel erregenden Erfolgsgeschichte, dass Zivilisten „überzeugt“ werden, auf alle Forderungen der Terroristen einzugehen; (2) betrachten Terror als erstes Mittel, nicht als letztes; und sie versagen darin, sich an alternativen Wegen wie Wahlen zu beteiligen; (3) schließen keine Kompromisse mit dem Land, in dem sie ihre Anschläge verüben, selbst wenn diese Kompromisse politisch ihren Vorstellungen entsprechen; (4) operieren von wechselnden politischen Plattformen aus, die sich regelmäßig und manchmal radikal verändern; (5) beteiligen sich oft an anonymen Anschlägen, die es den Zielländern verunmöglicht, politische Zugeständnisse zu machen; (6) greifen regelmäßig andere Terrorgruppen mit gleichen politischen Zielen an; und (7) widerstehen allen Auflösungsbestrebungen, selbst wenn sie immer wieder ihre politischen Ziele verfehlen, oder im umgekehrten Fall – wenn ihre erklärten politischen Ziele erreicht worden sind.

Während wir über das Thema „Höchst ineffiziente Terroristen“ nachdenken erhalten wir ein neues Video (via WeaselZippers), das derzeit zirkuliert. Eine Organisation namens „Hamas im Irak“veröffentlichte selbst ein Video über einen ihrer Leute, der von seiner Rakete in die Luft gejagt wird.

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2 Kommentare - “Sieben Gewohnheiten höchst ineffizienter Terroristen”

  1. beer7 Says:

    „ineffizient“ koennen die Terrororganisationen nur genannt werden, wenn man ihnen ihre vorgeblichen Ziele abnimmt. Tatsaechlich moegen diese Ziele bei ihrer Entstehung eine Rolle gespielt haben, aber sehr schnell geht es ausschliesslich um Machterwerwerb und Machterhalt. Die politischen Plattformen koennen daher nicht ausgewechselt werden, sondern sie muessen ausgewechselt werden, wenn das dem Machterhalt dienlich ist.

    Keine Kompromisse einzugehen, ist zentral, da jeder Kompromiss die rigide Autoritaet untergraebt, mit der die Organisation die eigenen Mitglieder und ihr nahe stehende Bevoelkerungsgruppen beherrscht. Die Beteiligung an „weicheren“ Vorgehensweisen beinhaltet diesselbe Gefahr, vor allem auch gegenueber rivalisierenden Organisationen. Solche Konkurrenten muessen natuerlich bekaempft und wenn moeglich unterworfen werden.

    Die Aufloesung der Terrororganistion wuerde die eigenen Entmachtung bedeuten. Da es um die Macht und sonst um nichts geht, ist nur eine Situation denkbar, in der sich eine Terrororganisation selber aufloesen wuerde: wenn sie dadurch einen Staat uebernaehme, siehe die iranische Revolution oder auch weiter zurueck die frz. Revolution und „le terreur“.


  2. @beer7

    Du:

    “ineffizient” koennen die Terrororganisationen nur genannt werden, wenn man ihnen ihre vorgeblichen Ziele abnimmt. Tatsaechlich moegen diese Ziele bei ihrer Entstehung eine Rolle gespielt haben, aber sehr schnell geht es ausschliesslich um Machterwerwerb und Machterhalt. Die politischen Plattformen koennen daher nicht ausgewechselt werden, sondern sie muessen ausgewechselt werden, wenn das dem Machterhalt dienlich ist.

    ————

    Sehe ich auch so. Deshalb sollte man das „ineffizient“ auch als ein wenig ironisierend intendiert betrachten. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies in Pesach Bensons Überlegung (HonestReporting) mitschwang.

    Grüße
    Bernd


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