Bloggen zum Terror in Jerusalem

honestreporting Media Backspin, 2. Juli 2008

Ich fuhr mit dem Bus durch die Jaffa-Straße nahe des Davidka Platzes, als Sirenengeheul in meine Ohren drang. Polizeiwagen – mindestens ein Dutzend – kamen mit hoher Geschwindigkeit angerast.

Was war geschehen? Und wo?

Der Busfahrer hatte das Radio eingeschaltet, aber ich saß zu weit hinten, um zwischen Sirenen-Kakophonie, aufgeregt telefonierenden Menschen und Motorenlärmetwas etwas herauszuhören. Zum Glück fuhr der Bus noch. Ich rief zwei Kollegen an. Sie waren online, wussten aber nicht, was passiert war. Hatte es einen Terrorangriff gegeben? Oder einen schweren Verkehrunfall? Die Hamas übernimmt nicht für alle Blechschäden und Massenkarambolagen auf israelischen Straßen die Verantwortung. Handelte es sich vielleicht um eine Katastrophenübung?

Den Polizeiwagen folgte bald eine Welle weiterer Einsatzfahrzeuge, Polizeitransporter, Hatzalah-Motorroller*, Krankenwagen und die allgegenwärtig schwarz gekleideten Antiterroreinheiten auf Motorrädern, die man in Jerusalem sehen kann.

Was immer auch geschehen war, dies war eindeutig etwas anderes als ein Spezialkommando, das die Durchgangsstraße sperrt, um eine Bombe zu entschärfen.

Ich rief meine Frau an. Sie war okay und saß im nächsten Bus hinter meinem – auch in der Jaffa-Straße. Und sie wusste ebenfalls nicht, was geschehen war. Es war schwierig, mit ihr zu sprechen, weil die Einsatzfahrzeuge an meinem und ihrem Bus mit Sirenengeheul vorbeifuhren.

Nachdem das Gespräch beendet war hörte ich jemanden etwas von einem Mann mit einem Gewehr sagen. Ein paar Sitze hinter erwähnte eine Frau einen Bulldozer nahe des Shaarei Tzedek Krankenhauses in der Jaffa-Straße. Dort wird der Grund zwischen Busbahnhof und dem Gemüsemarkt Mahane Yehuda aufgegraben, weil Gleise für die Stadtbahn verlegt werden sollen.

Und das ist die nächste Haltestelle!

Ich blickte aus dem Fenster die Straße hinunter. Die Jaffa-Straße beschreibt nahe der Tankstelle und unmittelbar nach der Bushaltestelle eine Kurve. Ich konnte viele flackernde Blaulichter erkennen. Wenn es ein verärgerter Straßenarbeiter war und zudem unzufrieden mit dem mäßigen Tempo der Bauarbeiten, dann war ich nicht erpicht darauf, ihm über den Weg zu laufen.

Als ich mich der Szene näherte konnte ich sehen, dass es keinen Explosion gegeben hatte. Eine Bombe hätten wir auch gehört.

An der Haltestelle beim Gemüsemarkt stiegen dem Bus weitere Passagiere zu. Er fuhr wieder an. Und dann sprach in mir die Stimme, die bei jedem Blogger wirkt:

Wie will ich das bloggen?

Gute Frage. Ich hatte keine Kamera dabei und meinem Mobiltelefon ging langsam der Saft aus. Mein Hebräisch ist lausig und ich trage keine Waffe. Und hatte ich wirklich gedacht, dass ich an der Phalanx der israelischen Sicherheitskräfte vorbeikommen würde, um ein Exklusivinterview mit einem Terroristen zu führen? Was würde Kevin Sites machen?

Und welcher Gefahr würde ich mich selbst aussetzen? Wenn die Polizei eine Straße absperrt, dann wegen der Sicherheit von Leuten wie mir, deren Macho-Gehabe nicht mehr als ein duck-and-cover-Verhalten hergibt.

Statt geradeaus weiterzufahren wendete der Bus und fuhr wieder Richtung Stadtmitte. Ich stieg nahe des Davidka Platzes aus, nicht weit entfernt von der Stelle, wo ich zugestiegen war – nur auf der anderen Straßenseite. Dann ging ich zum Innenstadtbüro von HonestReporting, denn es sollte noch eine Weile dauern bis ich nach Hause kam.

Kurz vor der Bürotür sprach mich mein Kollege Simon Plosker an. Begleitet von der Geräuschkulisse des anhaltenden Sirenengeheuls berichtete er mir, dass ein Palästinenser mit einer Planierraupe in einen Egged-Bus** und mehrere Autos gefahren war.

Nun steht fest, dass ein Bulldozerfahrer aus Ostjerusalem herumwütete, drei Menschen tötete und mehr als 40 verletzte, bevor er erschossen wurde. Sie können es sich von Ihrem sicheren Zuhause aus ansehen.

*United Hatzalah: Notfallmediziner auf Motorrollern.

**Busgenossenschaft Israel

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2 Kommentare - “Bloggen zum Terror in Jerusalem”

  1. Linus Says:

    Blöde Bloggerei. Ihr Möchtegern-Journalisten seid doch erst zufrieden wenn ihr live vor die Kamera kriegt wie einem anderen ne Bombe die Gedärme zerfetzt.


  2. @Linus

    An welcher Stelle glauben Sie zu erkennen Sie, dass der Autor, in diesem Fall P.B., ein Redakteur von Honest Reporting in Jerusalem, Sensationsjournalismus betreibt?

    Zum Zweiten: Sie sprechen von Möchtegern-Journalisten.

    Dies nur zur Information: Ich bin an einer renommierten Journalistenschule von erfahrenen Mitarbeitern einer der führenden deutschen Tageszeitungen zum Print- und Onlineredakteur ausgebildet worden.

    Im Übrigen hat jeder hat das Recht, Unsinn zu verbreiten – auch Sie. Der Diktion ihrer Formulierung nach zu urteilen scheinen Sie zu jenen “Kandidaten” zu gehören, die zeitlebens vor einem unbeschriebenen Blatt Papier sitzen, weil ihnen nichts Vernünftiges einfällt.

    Aber zum Motzen reicht’s gerade noch so…


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