Schlussplädoyer

honestreporting Media BackSpin, 28. Februar 2008

Die Schlussplädoyers sind gesprochen und unser Kollege Endre Mozes von Take A Pen ist froh, den Gerichtssaal zu verlassen, in dem Philippe Karsenty und France 2 wegen des Al-Dura-Videos stritten. Ein Urteil wurde nicht gesprochen. Es soll am 21. März folgen.

„Das war Kampfführung des institutionellen Denkens“, so Mozes. „Das stärkste Argument, mit dem France 2 aufwartete, war, dass Charles Enderlin in diesem Land eine Institution sei. Sie sagten, dass [Jamal] Al-Dura (Der Vater Mohammed Al-Duras) vom jordanischen König besucht wurde, was zeige, wie wichtig dieser Fall ist. France 2 wollte damit dokumentieren, welch geachtete Persönlichkeiten Anteil nahmen. Sie haben sich kaum mit den Tatsachen beschäftigt und zogen es vor, die beteiligten Akteure und Institutionen hochzuspielen.“

Mozes berichtete auch, dass die Anwälte des französischen Fernsehsenders versuchten, Karsenty mit Handschriftanalysen zu diskreditieren und ihn als Dünnbrettbohrer zu behandeln. „Sie verspotteten ihn – so nach dem Motto, wie er es wage, die Institution France 2 herauszufordern“, berichtete Mozes.

Wird das aus drei Personen bestehende Richterkollegium mit althergebrachten Vorstellungen brechen? Das ist die Millionen-Dollar-Frage. „Das wird viel Mut erfordern“, so Mozes, der Richterin Laurence Trebucq dafür lobte, dass sie Karsenty Zeit und Freiraum gab, all das Material vorzulegen, das er für nötig befand.

Obwohl Mozes die Präsentation Karsentys als „besonnen und deutlich“ beschrieb, nimmt er an, dass Karsenty vielleicht zu detailversessen war. „Es gibt so viele starke Argumente, die zeigen, dass mit dem Video etwas nicht stimmt. Karsenty verlor sich in der Aufzählung vieler Argumente statt drei oder vier stärker zu gewichten“.

Eine der Überraschungen dieses Abends war Enderlins Aussage, dass er sich auf die Einschätzung des Kammermanns Talal Abu Rama (Abbildung) durch Shin Bet verließ.

„In der israelischen Presse gibt es generell die Auffassung, palästinensische Journalisten und Fotografen seien unzuverlässig. Enderlin sagte, dass sie nach seinen Erfahrungen vertrauenswürdig wären. Er gab auch zu Protokoll, dass er bei Shin Bet Auskunft über Talal Abu Rama eingeholt habe und man ihm gesagt hätte, dass er clean sei. Wenn Shin Bet sagt, dass er sauber ist, sagen sie nur, dass er nicht in Terrorakte verwickelt war; sie bürgen aber nicht für die Zuverlässigkeit seines Journalismus. Für Enderlin reichte das aber schon“.

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