Keine Kassam, kein Terror, keine Verantwortung?

honestreporting Communiqué, 17. Dezember 2007

The Guardian und BBC ignorieren die palästinensische Verantwortung für wirtschaftliche Härten.

Der Guardian berichtet ausführlich über die internationale Geberkonferenz, die in Paris stattfindet. Zweifellos leiden die Palästinenser unter harten ökonomischen Bedingungen. Vorhersehbar war aber, dass Ian Black die Hauptschuld dafür Israel gibt:

Entscheidend jedoch ist, dass es nicht das kleinste Anzeichen für Israels Bereitschaft gibt, die Beschränkungen für die Palästinenser zu lockern, was lebensnotwendig ist, wenn Bemühungen, ihre stagnierende Wirtschaft anzukurbeln, erfolgreich sein sollen….

Es war das Ausbleiben von Verbesserungen in der „Bewegungs- und Zugangsfreiheit“, das die Mission von James Wolfensohn, Vorgänger Blairs als Beauftragter des Nahost-Quartetts, zum Scheitern brachte….

Seit dem einseitigen Rückzug Israels aus dem Gazastreifen im Jahr 2005, der Machtübernahme durch die islamische Bewegung Hamas und die noch andauernde Blockade ist alles noch schlimmer geworden.

In der Welt Ian Blacks gibt es keinen von der Hamas unterstützten palästinensischen Terror und keine Kassam-Raketen, die pausenlos auf Sderot und die umliegende Gegend abgefeuert werden. Keine Erwähnung der letzten Kassam-Welle sowie der, die ein Kibbutzhaus traf und einen dreijährigen Jungen verletzte. Keine Erwähnung eines neuen Berichts, der aufzeigt, dass mehr als 190.000 Israelis im westlichen Negev innerhalb der Reichweite der Kassam leben und dass innerhalb der letzten 6 Jahre geschätzte 2.380 Raketen in diesem Gebiet niedergingen, die Hälfte davon in Sderot.

Überrascht es dann, wenn die Bewegungsmöglichkeiten an den Grenzen zu Gaza eingeschränkt sind und nur die lebenswichtigen Lieferungen durchgelassen werden? (Black verschweigt zudem, dass auch Ägypten aus Sicherheitsgründen seine Grenze zum Gazastreifen geschlossen hat). Ist es angesichts einer PA, die ihre Unfähigkeit vorgeführt hat, die Machtübernahme im Gazastreifen zu verhindern, unvernünftig von Israel, für seine Sicherheit im Westjordanland selbst zu sorgen, bis die PA nachweisen kann, dass sie in der Lage ist, ihr Haus in Ordnung zu halten?

In ähnlicher klingender Art und Weise schreibt Jeremy Bolden von der BBC auf Radio 4 Israel die Hauptverantwortung an der ökonomischen Misere der Palästinenser zu. Geht es nach Bolden, stellen sich die Hauptgründe für die wirtschaftlichen Probleme so dar:

…weil Maßnahmen, die Israel ergriffen hat, und von denen es behauptete, sie seien lebenswichtig für die Sicherheit seiner Bevölkerung, die Bewegungsfreiheit der Palästinenser stark einschränken. Es ist fast unmöglich, aus dem Gazastreifen herauszukommen – der von den Palästinensern oft als Gefängnis beschrieben wird, und ich denke, das trifft es genau; und dann noch die Gebiete in der West Bank….in denen es auch nicht besser aussieht.

Wenn er Bewegungseinschränkungen in Orten wie Nablus anführt verschweigt Bowen, dass die PA selbst vor kurzem versuchte, gegen bewaffnete Terrorgruppen innerhalb der Stadt vorzugehen, einer Brutstätte des Terrors.

Was Gaza betrifft – wenn Ian Black und Jeremy Bolden sich mehr Ausgewogenheit wünschen, hätten sie vielleicht die andere Seite der Geschichte bringen können, wie sie von US-Außenministerin Condoleeza Rice formuliert wurde, als sie auf dem Weg zur Geberkonferenz in Paris war:

Die Verantwortung für das, was in Gaza geschieht, sollte direkt der Hamas zugewiesen werden… Es ist die Politik der Hamas, die zu ihrer Isolierung geführt hat, und folglich auch des Gazastreifens… Es werden Anstrengungen unternommen, um sicherzustellen, dass humanitäre Hilfe über die Grenze gelangt… Natürlich sind wir sehr besorgt, aber suchen wir doch die Schuld da, wo sie herkommt – von der Hamas.

Wenn sich freilich israelische Sicherheitsmaßnahmen negativ auf die Palästinenser auswirken, ist es dann nicht an der Zeit für den Guardian und für die BBC, dass sie dringend benötigten Kontext zur Geschichte hinzufügen und damit aufhören, die Palästinenser von jeglicher Verantwortung für die Situation freizusprechen?

Briefe an den Guardian – oder an die Beschwerdestelle der BBC: [Bitte in Englisch]

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