Posted tagged ‘Weihnachten’

Wieder eine Geschichte aus Bethlehem quetschen

23. Dezember 2012

HonestReporting Media BackSpin, 23. Dezember 2012

Abbildung: Hamas-Demo in Bethlehem

Jedes Jahr um diese Zeit die gleiche ausgelutschte Geschichte. Ein Journalist versucht, bei Weihnachten einen Bezug zu palästinensischem Leid zu finden, meist mit Schwerpunkt auf die christlichen Palästinenser in Bethlehem. Dieses Jahr ist das nicht anders, und Harriet Sherwood vom Guardian und dessen sonntäglich erscheinendem Schwesterblatt The Observer übernimmt das jahreszeitlich bedingte Rollenspiel.

Der Guardian unterschlägt oder untergräbt regelmäßig historische Ansprüche der Juden auf das Land Israel, die bis in biblische Zeiten zurückreichen. Wie kommt es aber, dass das gleiche Blatt kein Problem damit hat, mit biblischer Bildsprache vorgebrachte Forderungen der Palästinenser dann zu unterstützen, wenn diese Palästinenser Christen sind?

Sherwoods Artikel im Observer “Christen in Bethlehem verspüren Druck wegen ausgedehnter israelischer Siedlungstätigkeit” beginnt mit der Unterüberschrift:

Nahe einer biblischen Landschaft mit Eseln und Olivenbäumen werden Häuser errichtet und die palästinensischen Christen fürchten um ihre Zukunft.

Unter Bezugnahme auf die Jerusalemer Vororte Gilo und Har Homa als “Siedlungen”, behauptet Sherwood, dass “beide größtenteils auf Bethlehemer Areal gebaut sind.” In Wirklichkeit wurde ein Großteil der Fläche Gilos in den 1930er Jahren auf legalem Wege von Juden gekauft, und der überwiegende Teil von Har Homa befindet sich seit den 1940er-Jahren in jüdischem Besitz.

Nicht nur die Geschichtskenntnisse Sherwoods sind fehlerhaft, sondern auch ihre geografischen. Geht es nach ihr, dann ist:

Bethlehem [ist] heute umzingelt von 22 Siedlungen, darunter Nokdim, wo der Hardliner und israelische ehemalige Außenminister Avigdor Lieberman lebt, und Neve Daniel, Wohnsitz von Yuli Edelstein, Minister für öffentliche Angelegenheiten und die Diaspora.

Sherwood versucht offenbar, ein politisches Argument anzubringen, wenn sie in Betracht zieht, dass sowohl Nokdim als auch Neve Daniel im Vergleich zur Region Bethlehem sehr klein sind, mindestens 10 km vom Zentrum Bethlehems gelegen und selbst von arabischen Siedlungen umgeben. Darüber hinaus gehört Neve Daniel zur Gruppe des Siedlungsblocks Gusch Etzion auf einem Areal, wo in den 1940er-Jahren die jüdischen Kerndörfer errichtet wurden, die in den 1920er- und 1930er-Jahren von Juden käuflich erworben und vor dem Unabhängigkeitskrieg von 1948 zerstört worden waren. Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass Gusch Etzion im Falle eines Friedensabkommens mit den Palästinensern Israel zugeschlagen werden würde.

Aber die Schlüsselstelle in Sherwoods Beitrag lässt sich wie folgt zusammenfassen:

Ausmaß und Auswirkungen der israelischen Siedlungen in der Geburtsstadt Jesu sind verheerend.

Da die Christen nun eine Minderheit der Einwohner Bethlehems ausmachen, will Sherwood den Eindruck erwecken, dass hauptsächlich Israel für die Misere der dortigen christlichen Community verantwortlich sei. Sie spricht über den palästinensischen Vorort Beit Jala und die israelische Sicherheitsbarriere, ohne die Sicherheitslage dort während der letzten palästinensischen Intifada zu erwähnen. Einer der wichtigsten Gründe für den Bau der Sicherheitsbarriere war in erster Linie, sich vor palästinensischen Selbstmordattentätern zu schützen, die von Bethlehem kommend in Jerusalem eindrangen, während Beit Jala als Plattform für palästinensische Bewaffnete diente, die während der 2000er-Jahre auf israelische Zivilisten in Gilo schossen.

Was den Zurückgang der christlichen Bevölkerungszahlen betrifft, schreibt Sherwood:

Während der letzten Jahrzehnte haben die Christen Bethlehem zu Tausenden verlassen haben und nun sind eine Minderheit in einer Stadt, die sie einmal dominierten. Das Alltagsleben unter Besatzung mit wenig Möglichkeiten, wenig Hoffnung und der gewaltsame palästinensische Aufstand vor 10 Jahren werden als wichtigste Gründe für den Weggang genannt.

Associated Press stellte das in seiner eigenen Geschichte über Bethlehem an Weihnachten im vergangenen Jahr anders dar:

Die Zahl der Christen im Westjordanland nimmt ab. Während einige wirtschaftliche Gründe angeben, sprechen viele von Verfolgung durch die muslimische Mehrheit, aber aus Angst vor Vergeltung immer anonym.

Christen haben sogar ihre Mehrheit in Bethlehem verloren, wo jetzt mehr als zwei Drittel der etwa 50.000 palästinensischen Einwohner Muslime sind.

Und das Wall St. Journal schrieb vor genau drei Jahren:

An den seltenen Tagen, wenn westliche Medien über das Leid der Christen in den palästinensischen Gebieten berichten, geschieht das oft nur, um Israel und seine Sicherheitsbarriere zu verurteilen. Vor den Zeiten, in denen palästinensische Terroristen Bethlehem in einen sicheren Hafen für Selbstmordattentäter verwandelten, konnten Bethlehems Einwohner ungehindert nach Israel einreisen, so wie das in umgekehrte Richtung für viele Israelis auch möglich war.

Die andere Wahrheit, die regelmäßig von der westlichen Presse ignoriert wird, ist die, dass die Sicherheitsbarriere half, die Wiederherstellung von Ruhe und Sicherheit nicht nur in Israel, sondern auch im Westjordanland einschließlich Bethlehem zu gewährleisten. Die Geburtskirche, die im Jahr 2002 von palästinensischen Bewaffneten auf der Flucht vor israelischen Sicherheitskräften gestürmt und besudelt worden war, wird nun wieder von Touristen und Pilgern aus der ganzen Welt gefüllt.

Freilich – warum schrieb Harriet Sherwood dies nicht in einem Artikel, den sie für den Guardian nur wenige Tage zuvor verfasste, wo sie anmerkt, dass der Bethlehem-Tourismus in diesem Jahr wieder einen neuen Rekordstand erreichen könnte?  Stattdessen ” [sagen] Offizielle, dass die lokale Tourismusindustrie wegen der andauernden israelischen Besatzung nach wie vor große Hürden zu überwinden hat.“

Schon letztes Jahr fragten wir uns, wie viele weitere Jahre wir lange wir uns mit der Politisierung und dem Missbrauch von Weihnachten durch die Medien auseinandersetzen müssen. Dank Guardian ist das wieder einmal der Fall.

Politisierende Weihnachts-Miesmacher

9. Dezember 2011

HonestReporting Media BackSpin, 9. Dezember 2011

Die Palästinensische Autonomiebehörde wird Weihnachten nutzen, um ihre Forderung nach Eigenstaatlichkeit zu pushen. Geht man von diesem AP-Bericht aus, hat sie bereits die Rolle des politisierenden Weihnachten-Spielverderbers übernommen:

Als Teil der Kampagne bieten die Palästinenser auch organisierte vorweihnachtliche Pressefahrten an, um den Ausbau der Siedlungen um Bethlehem und die Zerreißung durch die israelische Sperranlage, die die Stadt auf drei Seiten umschließt, herauszustellen. Israel kündigte in den letzten Monaten Pläne zum Bau von weiteren tausenden Wohnungen für Juden in der Gegend um Bethlehem an bzw. erteilte deren Genehmigung, wie Siedlungs-Watchdogs sagen.

“Dieses Weihnachten wird die Möglichkeit bieten, die reale Bedrohung für die Stadt Bethlehem zu zeigen – die Siedlungsaktivitäten und die Mauer, die die Stadt von ihrem Zwilling Jerusalem trennt “, so Ziad Bandak, ein Berater Abbas’ für christliche Angelegenheiten….

Christen vor Ort erklären, dass sie kein Problem mit einer Politisierung der Festtage haben; und sie sagen, dass sich der Konflikt mit Israel auf das Leben jedes Einzelnen hier auswirke.

“Die Siedlungen und die Mauer haben Bethlehem in ein Gefängnis verwandelt”, sagte Suzan Atallah, eine 48-jährige Lehrerin und Mutter von vier Kindern….

Ihre Pressefahrten zu Siedlungen und Sicherheitsbarriere finden das ganze Jahr über statt – daran ist nichts Weihnachtliches. Bewohner vor Ort aufzutreiben, die Israel denunzieren, finden sich auch regelmäßig.

Ich bin sicher, dass die Bewohner schon genug zu erzählen haben über die Verfolgung der Christen durch die PA – Diebstahl von Land, Erpressung und Zwangsbekehrungen -, falls diese Pressefahrten wirklich ein vollständiges Bild davon liefern sollten, was wir wahrscheinlich in einem unabhängigen palästinensischen Staat sehen werden.


Und dann noch dieser Schnipsel:

Israel bezeichnet die Mauer als Schutz gegen Militante, die während der Jahre der Gewaltexzesse regelmäßig versuch hatten, nach Israel einzudringen und Hunderte bei Selbstmordattentaten und anderen Anschlägen töteten. Die Palästinenser verurteilen das als Landnahme, weil sie an vielen Stellen in die West Bank eindringt und somit die De-facto-Grenze nach vorne verschiebt.

Warum werden die Auswirkungen der Sicherheitsbarriere als faktisch berichtet, Israels Gründe für den Bau in erster Linie aber als Darstellung?

Formuliert wie von einem echten Agentenführer.

Dazu passend: Zwei Adventsgeschichten, auf die wir verzichten können

(Bild via Flickr/Tracy Hunter)

Dhimmi-Weihnachten in Gaza

25. Dezember 2008

HonestReporting Media BackSpin, 25. Dezember 2008

Maan News (über Elder of Zion) berichtet, dass Pater Manuel Musallam die Weihnachtsfeiern in Gazas einziger katholischer Kirche abgesagt hat:

…aus Protest wegen der israelischen Belagerung des Gazastreifens und den jüngsten „israelischen Drohungen und Eskalationen“ dort, so der Priester….

„Die Mitternachtsmesse wird durch eine stille Versammlung in der Schule ‘Heilige Familie’ ersetzt“, sagte er.

Nehmen Sie dies nicht für bare Münze. Es handelt sich um denselben Pater Musallam, der vor einem Jahr buchstäblich zu einem unangenehmen Fototermin mit der Hamas gezwungen wurde.

Während der Würgegriff des fundamentalistischen Islam in Gaza sich mehr und mehr zuzieht (siehe die neuesten Änderungen im Strafgesetzbuch), begreifen Pater Musallam und seine Schäfchen, woher der Wind weht und sie lernen, sich wie die unterwürfigen Dhimmis zu verhalten, ganz so, wie die Hamas es von ihnen erwartet.

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Weihnachten in Bethlehem: Die Zahlen

17. Dezember 2008

HonestReporting Media BackSpin, 17. Dezember 2008

19 komplett ausgebuchte Hotels.

1,3 Millionen Touristen werden Bethlehem dieses Jahr besuchen.

30.000 Besucher werden allein an Heiligabend erwartet.

Weitere 5.000 Besucher für die Feiern der Orthodoxen im Januar.

12.000 neue Jobs wegen ansteigender Touristenzahlen.

30 Prozent weniger Arbeitslose im Stadtgebiet während der letzten drei Jahre aufgrund der verbesserten Sicherheitslage.

1.500 PA-Sicherheitskräfte* für die Weihnachtszeit eingestellt.

2.8 Millionen geschätzte Israel-Touristen im Jahr 2008.

Quellen: The Scotsman und AP. Lesen Sie weitere Beiträge über Rekorde in Israel / Tel Aviv.

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*Ich frage mich nur, welche „Beschäftigung“ die nach Weihnachten ausüben. Kann’s mir aber fast denken. (bd)


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