Posted tagged ‘Reuters’

Reuters killt Nahost-Dominotheorie

5. August 2013

Peach Benson, HonestReporting.com, 5. August 2013

Reuters brach mit dem benebelten Mantra der großen Medien, dass der israelisch-palästinensische Konflikt der „Kernkonflikt“ der Region ist.

Mehr als 100.000 Menschen sind im syrischen Konflikt gestorben und Gewalt ist im Irak wieder aufgeflammt, wo allein seit Juli mehr als 1.000 Menschen getötet wurden, viele durch die Hand der Al-Qaida. Auch sind wegen des umstrittenen Atomprogramms des Iran Spannungen aufgekommen, während sich auf den Straßen des vorwiegend sunnitischen Ägypten zwischen Islamisten und dem Militär ein Machtkampf abspielt.

Man kann wohl sagen, dass keine dieser Krisen einer Lösung näher kommen wird, sollten durch irgendein Wunder Israel und die Palästinenser sich endlich auf eine Teilung des Landes zu einigen, in dem sie leben …

In der Öffentlichkeit haben muslimische Führer traditionell gegen Israel geflucht – glücklich, die aufrichtige Wut der gewöhnlichen Araber wegen des Leides der Palästinenser zu schüren – und vielleicht von Kritik an ihrem eigenen Versagen bei dringend benötigten Reformen abzulenken.

Die arabischen Führer können damit nicht länger davon kommen.

Diese Idee des „Kernkonflikts“ verhalf also der Nahost-„Dominotheorie“ (auch als „Verkettung“ bekannt) zum Aufstieg. Nach der Logik der Verkettung würde auch, wenn Israel und die Palästinenser Frieden schließen, der Rest der Konflikte der Region rasch in Ordnung kommen. Egal, dass der brodelnde Kessel der ethnischen Feindschaften – äh – Jahrhunderte älter ist als der moderne Staat Israel.

Dank der Domino-Theorie konnte Israel für Probleme verantwortlich gemacht werden, die weit jenseits seiner Grenzen liegen. Ein hysterisches Beispiel erschien vor ein paar Jahren im Christian Science Monitor. Das hier war der Untertitel:

Globale Stabilität darf nicht länger Geisel der israelischen Siedler sein.

Die dubiose Domino-Theorie ist tot und die Nachrichtenagentur hat es endlich eingeräumt.

Eine weitere Ausgabe von “Alles begann, als Israel zurückfeuerte”

4. April 2013

HonestReporting Media BackSpin, 4. April 2013

Eine weitere Ausgabe von ins Gegenteil verdrehter Chronologie seitens der Nachrichtenmedien. Reuters ist ein Paradebeispiel dafür, was wir als das Phänomen “Alles begann, als Israel zurückfeuerte” bezeichnen.

So, als bestünde kein Zweifel, wer Schuld am letzten Gewaltausbruch trage, schreibt Reuters:

Die Luftschläge drohten eine von Ägypten  vermittelte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas zu beenden, eine Waffenruhe, die an der Grenze seit November für relative Ruhe gesorgt hatte….

Aber wenn man weiterliest, erfährt man, dass die Schläge der IDF eine Reaktion auf palästinensischen Raketenbeschuss waren.

Nun, ist das etwas, das eine Waffenruhe bedroht?

Update, Mittwoch, 12:30: Associated Press zeigt, wie es man es richtig macht.

Ignoranter Tweet eines Reuters-Redakteurs

22. November 2012

Simon Plosker, HonestReporting.com, 21. November 2012

Twitter-Feeds offenbaren oft, wie Persönlichkeiten der Medien wirklich über Israel denken; und das kann wirklich übel sein. Man nehme diesen Tweet des Reuters-Redakteurs für soziale Medien und Kolumnisten Anthony De Rosa:

Wenn die Eiserne Kuppel so erfolgreich ist, worin besteht dann der Sinn des Tötens so vieler bei Vergeltung, besonders der Opfer unter den „menschlichen Schutzschilden“?

Die hier zur Schau gestellte Ignoranz ist einfach atemberaubend. Doch es könnte auch die Mentalität von Reuters erklären, die es gestattet, dass Videos gefälschter Opfer in wichtigen Medienorganen verbreitet werden.

UPDATE:

Diese getwitterte Antwort kann nun durch nichts mehr getoppt werden:

@AntDeRosa Hätten Sie ein ERSTAUNLICHES Suspensorium, das den Schmerz um 90% reduziert, dürfte ich Ihnen dann weiter in die Eier treten, ohne dass Sie zurückschlagen?

Des einen Ultrakonservativer ist des anderen Faschist

20. Dezember 2011

HonestReporting Media BackSpin, 20. Dezember 2011

Es ist nicht nur das Wort moderat, das immer von Journalisten missbräuchlich verwendet wird, wenn sie versuchen, die wie Pilze aus dem Boden schießenden islamistischen Parteien zu erklären. Reuters sagt, dass Islamist nun ein anderes Wort für “bis zum geht nicht mehr ausgereizt“ bedeutet.

Die schillernde Bandbreite des Politischen Islam hat weltweit die Medien dazu veranlasst, fremdartige Begriffe wie Salafi einzuführen – des ultrakonservativen Verfechters eines islamischen Staates -, um die Vielfalt in den entstehenden islamischen Demokratien [sic! (bd] zu betonen.

Selbst Analysten vor Ort und Journalisten in Nahost tasten nach Substantiven und Adjektiven, um genau zu beschreiben, wo sich eine Partei im Spektrum der politischen Optionen befindet, die Inspirations-Pools in der dort vorherrschenden Religion zu trachten findet.

Man hört daraus [fast zwangsläufig (bd)] die Bemühung um eine Nuancierung bzw. Weichzeichnung heraus.

Und es passt wieder einmal, dass Reuters – wie beinahe alle Nachrichtenagenturen – die [N]etikette über alles stellt. Denn wir alle wissen, dass des einen Ultrakonservativer des anderen Faschist ist. Oder so ähnlich.

EJC an Reuters: Feuert den Journalisten, der die pro-palästinensische E-Mail verschickte

26. September 2011

HonestReporting Media Backspin, 26. September 2011

Der European Jewish Congress wurde jüngst von einer Botschaft in Aufruhr versetzt, die angeblich von der Reuters-E-Mail-Adresse des Svebor Kranjc kam, einem niederländischen Kameramann und Bild-Editor, der den Eigenstaatlichkeitsantrag der Palästinenser unterstützt.

Nach Angaben der Jerusalem Post hieß es in der E-Mail (die Antwort auf eine Presseerklärung des EJC gegen den einseitigen palästinensisch Vorstoß auf Eigenstaatlichkeit):

„Ich werde ihn unterstützen!“, hieß es in der E-Mail, die sich auf den Vorstoß bei der UNO bezog. „Ihr habt euren Staat, aber ihr wollt nicht, dass andere ihren Staat haben. Traurig…“


In einer Exklusiv-E-Mail an HonestReporting.com erklärte Flo Kaufmann, Vorsitzende des Rates des EJC, warum ihre Organisation auf Kranjcs Entlassung drängt:

Die Objektivität von Journalisten als Beobachtern ist eine lange geltende Konvention des demokratischen Kodex.

Nach meiner Ansicht ist es völlig unangemessen, dass ein Journalist, der für eine Nachrichtenfirma wie Reuters arbeitet und ihren Briefkopf oder E-Mail benutzt, um Meinungen zum Ausdruck zu bringen, die eindeutig seine Neutralität oder die seiner Firma kompromittieren. Wenn der vorgeworfene Vorfall, auf den Sie sich beziehen, sich bestätigt, sollte der fragliche Journalist seinen Job als in Gefahr betrachten müssen. Der Präsident des European Jewish Congress, Moshe Kantor, hat gefordert, dass er aufgrund dessen, dass er seine Position als unparteiischer Journalist und Kommentator von Geschehnissen eindeutig kompromittiert hat, entlassen werden sollte. Der Journalist hat nicht nur sich selbst kompromittiert, sondern auch die respektierte und lange bestehende Organisation, für die er arbeitet, ist in Misskredit gebracht worden.

Ich habe erfahren, dass der Vorfall untersucht wird und erwarte zu erfahren, ob er bestätigt wird oder nicht; wenn er bestätigt wird, dränge ich Reuters, entsprechend und scharf zu handeln.

Ein Reuters-Sprecher bestätigte der Jerusalem Post, dass eine interne Untersuchung läuft.

Reuters verschickt Pressemitteilungen über redaktionelle Feeds

29. Dezember 2010

HonestReporting Media BackSpin, 29. Dezember 2010

Solange Zeitungen für die Publizierung von Anzeigen Geld entgegennehmen, solange bereiten Spannungen zwischen Angestellten, die für deren Inhalt verantwortlich sind (Redakteure und Personal für die Nachrichtenaufbereitung) und den Mitarbeitern Sorgen für das, was letzten Endes herauskommt (also für das Anzeigenteam).

Normalerweise spielen sich mögliche Interessenkonflikte auf dem Niveau eines Restaurantbesitzers ab, der auf einen netten Bericht in der Lokalzeitung drängt, wo er regelmäßig Anzeigen schaltet. Der Restaurantbesitzer will gewöhnlich mit seiner Kontaktperson für Werbeanzeigen in Verbindung treten, er wird auf eine Story drängen und im ungünstigsten Fall abgewiesen.

“Mir geht es nicht um den Inhalt. Man soll es nur mit dem richtigen Redakteur abwickeln“, so lautet seit Jahren die höfliche, aber bestimmte Antwort manches Anzeigenverkäufers.

Und damit kommen wir zu Reuters. IR Web Report zufolge begann Reuters vor kurzem damit, Presseveröffentlichungen ihrer Kunden in ihre Nachrichten-Feeds zu integrieren.

Eine der fünf Prinzipien lautet: „Thomson Reuters liefert unparteiische und zuverlässige Informationen an Zeitungen, Nachrichtenagenturen, Moderatoren und andere Medienteilhaber sowie Regierungsgeschäfte, Institutionen, Einzelpersonen und andere, mit denen Thomson Reuters Verträge hat oder eingehen könnte.“

Die Reuters-News-Feeds jedoch, die an Yahoo! Finance übermittelt worden waren, enthalten plötzlich komplette, nicht editierte Presseveröffentlichungen von Thomson Reuters-Vertragspartnern inmitten neuer Reuters-Artikel. Presseveröffentlichungen von Kunden, die nicht mit Reuters kooperieren, werden nicht über Yahoo! Finance verteilt. Die Schlagzeilen der Pressemitteilungen sind vom redaktionellen Inhalt der Nachrichtenagenturen praktisch nicht mehr zu unterscheiden.

Indem sie die Trennung zwischen redaktionellen und geschäftlichen Inhalten aufhob, hat Reuters auch die Tür zur öffentlichen Prüfung seiner Kunden und Rechtstitel geöffnet. Ich erhalte genug E-Mails, die wegen hartnäckig vertretener moderner Legenden nachfragen und es satt sind, dass Reuters von arabischen Interessengruppen kontrolliert wird.

Lesen Sie mehr, sehen Sie sich die screengrabs* an und urteilen Sie selbst.

Hat tip: @mickwe

————-
*Screengrabs sind Abbildungen kompletter Webseiten, siehe hier.

Zersplitterte Objektive, Teil 2: Wie man Sport für Propaganda missbraucht

6. Dezember 2010

HonestReporting Media BackSpin, 6. Dezember 2010

Im zweiten Teil unserer Studie zur Methode von Reuters, AP und AFP/Getty, über den israelisch-palästinensischen Konflikt fälschendene Bildberichterstattung zu liefern, konzentrieren wir uns darauf, wie die Nachrichtenservices in zynischer Weise die Fußballweltmeisterschaft 2010 ausschlachteten, um negative Bilder über Israel zu produzieren [In Englisch]:

Shattered Lens: Part 2 – Abusing Sport for Propaganda

Gute und schlechte Nachrichten aus Gilo

16. August 2010

HonestReporting Media Backspin, 16. August 2010

Erst die guten Nachrichten aus Gilo: Wegen der ruhigen Situation beseitigt die Regierung eine Betonmauer, die das Viertel im Süden von Jerusalem vor palästinensischem Gewehrfeuer aus dem nahe gelegenen Beit Jalah schützte.

Die schlechte Nachricht? Ein paar Nachrichtenagenturen – Reuters, BBC and The Independent – kennzeichnen Gilo allesamt als „Siedlung“. AFP beschreibt Gilo als „ein jüdisches Viertel im besetzten Ostjerusalem“.

Letztes Jahr reagierten wir auf eine Flut gleicher Berichte: Gilo In Perspective.

Fotoreporter wartet auf Tod

6. August 2010

HonestReporting Media BackSpin, 6. August 2010

Stellen Sie sich vor, sie wären ein Soldat, der von einem Heckenschützen auf der anderen Seite der Grenze unter Beschuss genommen wird. Und das inmitten einer Gefechtssituation. Sie nehmen jemanden mit einer Ausrüstung wahr, die wie ein Gewehr oder eine Kamera aussieht. Ihnen bleiben nur Sekundenbruchteile, zu bestimmen, ob das Gegenüber feindliche Absichten hat, und Sie treffen eine Entscheidung um Tod oder Leben.

Trotz all dem: Stellen Sie sich die Empörung vor, wenn Reuters-Fotograf Karamallah Daher, der dieses Bild gemacht hat, erschossen worden wäre.

Ein israelischer Soldat bezieht Stellung während einer Baumfällaktion nahe des Dorfes Adaisseh im Südlibanon; 4. August 2010. Die israelische Armee setzte am gefahrenträchtigen Grenzabschnitt wieder einen Kran ein, um die Baumentfernung abzuschließen, die zum tödlichsten Gewaltausbruch seit dem Krieg im Jahr 2006 geführt hatte. REUTERS/Karamallah Daher

Was, glauben Sie, ging durch den Kopf des Soldaten, als er Daher durch sein Fernglas beobachtete?

Dazu passend: Digital Scope Looks Like Lethal Weapon

Reuters Doppelbelichtung

10. Juni 2010

HonestReporting Media BackSpin, 10. Juni 2010

Lesen Sie dazu bitte die beiden neuen Kommuniqués von HonestReporting.

– Reuters demonstriert Voreingenommenheit, indem sie eine Fotoreihe Hamas-Propaganda abliefert: Reuters’ Double Exposure

– iPhone-Nutzer werden gezwungen, bei der Wettervorhersage in der Yahoo-Anwendung zwischen West- und Ostjerusalem zu unterscheiden: Yahoo Divides Jerusalem.

Sonderberichte: „Geh’ zurück nach Auschwitz“: Eine Botschaft der Flotilla

7. Juni 2010

HonestReporting Media BackSpin, 7. Juni 2010

• Die neuesten Entwicklungen, dazu Material, darunter die schockierende Botschaft an die IDF und Terrorverbindungen zu den Teilnehmern der Flottille: “Go Back to Auschwitz”: A Message From the Flotilla

• Hochrangige Korrespondentin des Weißen Hauses mit völlig inakzeptablen antisemitischen Äußerungen: Helen Thomas: Israelis “Go Back to Poland”

• Reuters wieder einmal beim Manipulieren von Fotos zur Gaza-Flottille der „Friedensaktivisten“ erwischt: Special Analysis: Fauxtography – Reuters Caught Again.

Zu Mabhous Reisepass, Teil 2

26. Februar 2010

HonestReporting Media Backspin, 25. Februar 2010

Da große Teile der Weltmeinung wegen des Reisepass-Missbrauchs durch Mahmud Mabhouh selbstgerecht empört sind, warte ich auf die Einzelheiten zu den Reisedokumenten des Hamas-Honchos.

Reuters füllt eine Lücke mit Informationen, die ich nirgendwo sonst gesehen habe.

Mahmud al-Mabhouh, der in Dubai getötete Hamas-Kommandeur, nutzte während Geheimmissionen zur Beschaffung von Waffen für die Gruppe dasselbe Gewerbe wie seine Mörder, sagte am Dienstag ein Vertrauter – gefälschte Paässe und Tarnungen….

„Er hatte viele Reisepässe unterschiedlicher Nationalitäten – alle arabisch“, fügte er hinzu. „Vor kurzem ließ er sich operieren, um seine Nase zu verändern. Sie wurde schmaler.“…

Die Polizei von Dubai hat offiziell nichts zu dem Pass gesagt, den Mahbouh benutzte, um in das Emirat einzureisen. Mabhous Bruder sagte, der Hamas-Kommandeur sei mit einem palästinensischen Pass nach Dubai gekommen, der als seinen Familiennamen Hassan angab.

Da die Polizei von Dubai nichts über Mabhous Missbrauch von Reisepässen sagt, ist es geschäftstüchtigen Journalisten überlassen, diesen Teil der Geschichte auszugraben.

Diese Woche berichtete die Winnipeg Free Press, dass Mabhouh mit einem gefälschten irakischen Pass nach Dubai einreiste, der von den Revolutionsgarden des Iran ausgestellt worden war.

“Definitiver Beweis für Voreingenommenheit der Medien“

21. Januar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 21. Januar 2010

Beim Vergleich der Satzkonstruktionen in den Verweisen auf Israels bzw. Ägyptens Rolle bei der Abriegelung des Gazas kritisiert Jeffrey Goldberg scharf die Reuters-Berichterstattung aus dem Gazastreifen.

Und wenn er darüber hinaus Israels Rückzug betrachtet, die gigantische Unterstützung aus dem Ausland für die Palästinenser und deren Verschwendung, die Raketenangriffe, unter denen israelische Familien litten und die menschlichen Schutzschilde der Hamas, bezeichnet Goldberg diese Form der Berichterstattung als “Wohl definitiven Beweis für Voreingenommenheit der Medien.”

Bitte den vollständigen Artikel lesen [In Englisch].

10 signifikante Artikel des vergangenen Jahrzehnts

3. Januar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 3. Januar 2010

Ich belasse es heute ausnahmsweise bei den Originalen [in Englisch]. Einfach zu viel Arbeit. Einige Bilder lassen sich vergrößern. Anklicken reicht!

1) Retraction Required

2) My Beating By Refugees is a Symbol of the Hatred and Fury of This Filthy War

3) Three Bullets and a Dead Child

4) How Two Lives Met In Death

5) Even Journalists Have to Admit They’re Wrong Sometimes

6) Ariel Sharon Eats Babies

7) I Was a Naive Fool to Be a Human Shield for Saddam

8.) The News We Kept to Ourselves

9) Photo Op

10) Reuters Doctoring Photos From Beirut?

Medienbeschränkungen ein Jahr nach dem Gazakrieg

16. Dezember 2009

HonestReporting Media BackSpin, 16. Dezember 2009

Eine Diskussion, die auf die Medienberichterstattung zum Gazakrieg zurückblickt, muss sich direkt mit dem heiklen Thema der israelischen Pressebeschränkungen auseinandersetzen.

Die Ursache dieser Politik reicht zurück in den Libanonkrieg 2006, als die Hisbollah die Presse als Waffe gegen Israel missbrauchte. Wir sahen inszenierte Fotos, Unterstellungen, dass Israel Hisbollah-Raketen für PR-Zwecke verschonte wegen des Vorwurfs, Uran-Granaten eingesetzt zu haben, und natürlich Reuters Adnan Hajj, den Reklamehelden für Nahost-„Fauxtography.”

Berichte aus dem Libanon unterschlugen meistens die massive Medienzensur durch die Hisbollah sowie weitere Verfälschungen und Verletzungen der Medienethik.

Zeitsprung in den Dezember 2008: Da der Raketen- und Granatenbeschuss aus dem Gazastreifen eskalierte und Israel die Operation Gegossenes Blei startete, kann es kaum überraschen, dass die IDF nach den Lektionen, die sie im Libanon gelernt hatte, Journalisten den Zugang in den Gazastreifen verwehrte.

Die beiden meist verwendeten Argumente für die Pressebeschränkung enthalten auch zwingende Gegenargumente:

• Es wirkt herablassend, wenn man Kriegskorrespondenten erklärt, dass Beschränkungen ihrer Sicherheit dienen.

• Zu behaupten, dass Journalisten den Soldaten in die Quere kommen, mag auf spezielle militärische Operationen zutreffen, aber es ist nicht grundlegend für die Blanko-Politik eines demokratischen Staates.

Es muss angemerkt werden, dass die Beschränkungen nicht – und das war auch früher nicht der Fall – zu einem völligen Ausfall der Berichterstattung führen würden. Nach Kriegsbeginn arbeiteten jede Menge palästinensischer Journalisten in Gaza. Al-Jazeera unterhielt weiterhin sein Büro und griff sogar zu der ungewöhnlichen Maßnahme, jeglichen Inhalt freizustellen, was zu einem erstaunlichen Traffic-Zuwachs von 600 Prozent führte. Viele Zeitungen bauten auf Stringer (palästinensische Zuträger, freie Mitarbeiter, [bd]). Der italienische Journalist Lorenzo Cremonesi kam über Ägypten nach Gaza rein.

Und wie erging es der Presse in Gaza? CNN-Reporter Anderson Cooper am 6. Januar:

“Die Kontrolle der Hamas im Gazastreifen ist erdrückend. Es gibt kaum Pressefreiheit innerhalb Gaza und die Hamas wacht genau darüber, wer von dort berichtet und wohin die Reporter gehen dürfen.”

Erdrückend in der Tat. Trotz Israels Pressebeschränkung.

• Die Hamas brachte es fertig, ein „Massaker für die Medien“ hinzubiegen, als Israel des Beschusses einer UN-Schule beschuldigt wurde. (HonestReporting hatte das schon Tage vorher geahnt.)

• Leute wie Mads Gilbert und Eric Margolis forcierten unbegründete Anschuldigungen über „Massaker“ und “unverhältnismäßigen Militäreinsatz“.

• Die reinen Statistiken selbst sind und bleiben Gegenstand der Debatte – Simona Weinglass fand, dass divergierende Definitionen von “Zivilisten“ seitens der IDF bzw. palästinensischer Gruppen verwirrend sind.

Pressebeschränkungen konnten palästinensische Tricksereien, die den Boden für gegen Israel gerichtete dämonisierende Geschichten bereiteten, nicht verhindern. Welche Form der Berichterstattung hätten wir also gesehen, wenn es keine Pressebeschränkung gegeben hätte?

Kompliment an NY Times-Büroleiter Ethan Bronner, der sich kurz und bündig fasst:

Aber gleich was – Israels Diplomaten wissen, dass Journalisten, vor die Wahl gestellt zwischen Berichterstattung über Tote oder Kontext, stets Ersteres wählen. So haben sie sich in einem Krieg, den sie zwar für notwendig, aber schwer vermittelbar erachten, dafür entschieden, die Medien weit weg vom Tod zu halten.

In einer abschließenden Analyse von 2009 muss man feststellen, dass viele Pressevertreter nicht einfach „neutrale Beobachter“ waren. Sowohl in den Fällen, in denen die MSM missbraucht wurden, als auch in den Fällen, wo die MSM selbst versuchten, Ereignisse zu beeinflussen  – die großen Medien wurden „Mitwirkende”. Wenn dies die Dynamik der asymmetrischen Kriegsführung darstellt, müssen wir uns fragen, ob die Medienberichterstattung nun zur „Kriegsführung mit anderen Mitteln“ geworden ist.

Bildbeschreibung: Grenzwertiger Missgriff

17. Juli 2009

Honestreporting Media BackSpin, 17. Juni 2009

Was stimmt nicht an dieser Bildbeschreibung von Reuters?

(Palästinensische Kinder stehen am 13. Juli 2009 an einem Tor zum Grenzübergang Rafah im südlichen Gazastreifen, während gegen die israelische Blockade protestiert wird. Israel, das 2005 Siedler aus dem Gazastreifen abzog, hat schon lange die Einfuhr von Gütern in die Enklave eingeschränkt und seine Blockade verstärkt, als sie 2007 von den Hamas-Islamisten übernommen wurde, die die Kräfte besiegte, die dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas loyal ergeben sind.)

Der Rafah-Übergang, an dem die Proteste stattfanden, befindet sich an Gazas Grenze nach Ägypten, das die Grenze – Überraschung! – aus Sicherheitsüberlegungen abriegelte. Die jüngste Öffnung der Grenze seitens der Ägypter geschah Ende Juni.

(Hat tip: Elder of Ziyon)
[Anmerkung heplev: Die Überschrift der Bildstrecke spricht natürlich auch Bände: Israelische Truppen dringen in Gaza ein.)

Schändung christlicher Friedhöfe kein Einzelfall

25. Mai 2009

HonestReporting Media BackSpin, 25. Mai 2009

Ich stelle mit Genugtuung fest, dass westliche Medien wie Reuters und  Daily Mail über die Schändung zweier christlich-palästinensischer Friedhöfe in der Ortschaft  Jiffna (nahe Ramallah) berichteten. Und ich war angenehm überrascht, dass die Journalisten, die sich stolz als „erste Informationsquelle“ sehen, von dieser Hassaktion Notiz nahmen.

Leider bleibt das mit einer Einschränkung versehen, wenn dieselben Journalisten dem PA-Funktionär Issa Kassissieh einen Freifahrtschein gaben, nachdem er die Schändung als “Ausnahmetat gegen christliche Symbole” bezeichnet hatte.

Wie HonestReporting während der letzten Papstvisite festgestellt hat, haben die Mainstream-Medien zum größten Teil Probleme wie diese ausgeklammert:

* Antichristliche Pogrome wie im Jahr 2005

* Landraub

* Verfolgung der Christen in der PA und im Gazastreifen

* Schleichender islamischer Fundamentalismus

* Einschüchterung der christlichen Medien

* Zwangsbekehrungen

* Christen aus dem nationalen palästinensischen Dialog ausgeschlossen

Als „Einzelfall“ bei diesem Anschlag kann man lediglich seine Offenkundigkeit bezeichnen – die von den westlichen Korrespondenten schwer ignoriert werden konnte.

ShareThis

Reuters und die “Anspannungen in der Kampfzone”

15. August 2008

honestreporting Media BackSpin, 15. August 2008

Reuters ist aufgebracht, weil ein IDF-Untersuchungsbericht Soldaten entlastete, die den Kameramann Fadel Shana (Abbildung rechts) getötet hatten, als sie eine Granate abfeuerten. Chefradakteur Redakteur David Schlesinger schreibt dazu:

Wie schon der Bericht aussagt: „Zwei Personen, die einen großen schwarzen Gegenstand trugen, wurden beim Verlassen des Fahrzeugs gesichtet. Der schwarze Gegenstand wurde auf einem dreibeiniges Stativ über einem Erdhügel angebracht und gegen den Panzer gerichtet…Die Panzerbesatzung gab die Beobachtung an ihre Vorgesetzten weiter. Letztere gaben die Freigabe zum Beschuss der Personen mit einer Panzergranate im begründeten Verdacht, dass der auf dem Stativ angebrachte und gegen den Panzer gerichtete Gegenstand eine Panzerabwehrrakete oder -granate war, ein Verdacht, der auf die Personen zutrifft, die an den feindseligen Handlungen jenes Tages beteiligt waren…“

Ich verstehe die Anspannungen in der Kampfzone.

Ich weiß, dass Kriege schrecklich gefährlich sind – Reuters hat es in Georgien beinahe erwischt; Kollegen anderer Organisationen sind getötet worden.

Ich verstehe jedoch nicht die absichtliche Entscheidung, auf Verdacht und Ungewissheit hin zu feuern.

Der Tod Shanas ist in der Tat eine Tragödie und Schlesinger hat Recht, sie als solche zu bezeichnen. Aber es ist schwer zu sagen, ob der Reuters-Redakteur wirklich etwas von den Anspannungen auf dem Schlachtfeld versteht.

Eine Panzerbesatzung, die zu viel Zeit damit verbringt, sich zu vergewissern, ob sie eine auf einem dreibeinigen Stativ angebrachte Kamera oder ein Panzerabwehrgeschoss vor sich hat, bringt sich selbst in Gefahr, wenn sie dem „unidentifiziertem Anderen“ die Initiative überlässt. Israel Matzav hat einige Fotos eingestellt, die zeigen, dass Panzerabwehrwaffen wie diese Milan manchmal Videoausrüstungen ähneln

Hätte die Panzerbesatzung der IDF ihre Aufgabe, ein Fernsehteam von einem Panzerabwehrtrupp auf einer Distanz von 1,4 km zu unterscheiden, besser ausführen können? Vielleicht.

Aber die Nichteindeutigkeit, so unglücklich sie war, führt zum zweiten Grund, warum Schlesinger von der Anspannung in einer Kampfzone wie dem Gazastreifen nichts zu verstehen scheint. Wie Kevin Williamson zutreffend aufzeigt:

Die Tatsache, auf die selten aufmerksam gemacht wird, ist, dass es eben die Palästinenser sind und nicht die Israelis, die Zivilisten dadurch gefährden, wenn sie sich unter sie mischten und zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser und Schulen als Schutzschild benutzen. Terroristen benutzen Zivilisten als menschliche Schutzschilde, und das gefährdet das Leben jedes Menschen, darunter auch das des unglücklichen Reuters-Fotografen.

Terroristen, die sich als Nachrichtenteams tarnen, gefährden echte Journalisten wie Shana, aber ich bin mir nicht sicher, ob Reuters das auch so sieht.

ShareThis

Weiterhin inszenierte Zusammenstöße für die Mainstream-Medien

9. Juli 2008

honestreporting Media Backspin, 9. Juli 2008

Reuters war wieder beim letzten Protest gegen den Sicherheitszaun bei Bil’in zugegen.

Dummerweise ist der Ort für inszenierte Zusammenstöße und Kameraspielchen bekannt.

ShareThis

Wessen Drusen rechnen sich den Juden zu?

27. April 2008

honestreporting Media BackSpin, 27. April 2008

Reuters erhält weiterhin eine unzutreffende Behauptung aufrecht:

Etwa 18.000 israelische Siedler leben in den [Golan-] Höhen unter 22.000 Drusen, die sich als Syrer betrachten.

In Wirklichkeit kritisieren die Drusen hart Extremisten in ihren Reihen, die enge Kontakte mit Syrien anstreben.

ShareThis


Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 323 Followern an