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Reuters schießt der Wahrheit ins Knie

1. Juni 2014

Pesach Benson, HonestReporting.com, 29. Mai 2014

Die IDF suspendierte eine Soldaten, weil er seine Waffe beim Zusammenstoß während des Nakba-Tags auf nicht genehmigte Weise abfeuerte. So heißt es in israelischen Medienberichten z.B. bei der Jerusalem Post, Ha’aretz, YNet und der Times of Israel.

Die Berichte stellen klar, dass dieser Soldat NICHT die Schüsse abgab, die die palästinensischen Teenager Nadim Nuwara und Mohammed Salameh töteten. Als Mitglied einer nicht kämpfenden Kommunikationseinheit war der fragliche Soldat nicht autorisiert seine Waffe zu benutzen, außer er wird beschossen oder befindet sich in einer lebensbedrohlichen Lage; dennoch feuerte er mehrere Gummigeschosse auf eine Mauer, in der Hoffnung palästinensische Steinewerfer zu verscheuchen.

Jetzt stellen Sie sich vor, was ein fahrlässiger oder verwirrter Reporter mit dieser Information anfangen könnte. Dann sehen Sie sich genau an, wie Reuters Ihre Vorstellung erfüllt:

Berichte: Israelischer Soldat nach tödlichen Schüssen in Westbank suspendiert

Das Problem ist mehr als eine Schlagzeile, der Nuancen völlig fehlen. Der Vorspann ist sogar noch schlimmer:

Israel suspendierte einen Soldaten wegen der tödlichen Schüsse auf zwei palästinensische Teenager bei einem Protest am 15. Mai in der besetzten Westbank, berichteten israelische Medien am Mittwoch.

Die meisten Menschen sehen Schlagzeilen in sozialen Medien und auf Internetseiten, ohne auf die Artikel zu klicken. Die wenigsten, die die Story anklicken, tendieren dazu die ersten zwei oder drei Absätze zu lesen. Nur eine Minderheit der Leser die bis zum siebten Absatz bei dem Bericht blieben, erfuhren – Überraschung! – dass die Suspendierung nichts mit den Toten zu tun hatte.

Es gibt aber keine Beweise, die den Soldaten mit einem der Todesfälle vor dem Ofer-Gefängnis nahe der Westbank-Stadt Ramallah verbindet. Der Soldat wurde suspendiert, weil er Gummigeschosse verschoss, keine scharfe Munition, heißt es in den Berichten.

UPDATE:

Die New York Times hat denselben Fehler gemacht. Ihr Bericht beginnt:

Das israelische Militär suspendierte einen Soldaten, der diesen Monat auf Video festgehalten wurde, wie er sein Gewehr auf Protestierende in der besetzten Westbank abfeuerte. Videobeweise zeigten, dass der Soldat mit seiner Waffe innerhalb von Sekunden schoss, in denen ein palästinensischer Junge kollabiert und zu Boden fiel; es erwies sich, dass er eine tödliche Schusswunde erlitt.

Reuters killt Nahost-Dominotheorie

5. August 2013

Peach Benson, HonestReporting.com, 5. August 2013

Reuters brach mit dem benebelten Mantra der großen Medien, dass der israelisch-palästinensische Konflikt der „Kernkonflikt“ der Region ist.

Mehr als 100.000 Menschen sind im syrischen Konflikt gestorben und Gewalt ist im Irak wieder aufgeflammt, wo allein seit Juli mehr als 1.000 Menschen getötet wurden, viele durch die Hand der Al-Qaida. Auch sind wegen des umstrittenen Atomprogramms des Iran Spannungen aufgekommen, während sich auf den Straßen des vorwiegend sunnitischen Ägypten zwischen Islamisten und dem Militär ein Machtkampf abspielt.

Man kann wohl sagen, dass keine dieser Krisen einer Lösung näher kommen wird, sollten durch irgendein Wunder Israel und die Palästinenser sich endlich auf eine Teilung des Landes zu einigen, in dem sie leben …

In der Öffentlichkeit haben muslimische Führer traditionell gegen Israel geflucht – glücklich, die aufrichtige Wut der gewöhnlichen Araber wegen des Leides der Palästinenser zu schüren – und vielleicht von Kritik an ihrem eigenen Versagen bei dringend benötigten Reformen abzulenken.

Die arabischen Führer können damit nicht länger davon kommen.

Diese Idee des „Kernkonflikts“ verhalf also der Nahost-„Dominotheorie“ (auch als „Verkettung“ bekannt) zum Aufstieg. Nach der Logik der Verkettung würde auch, wenn Israel und die Palästinenser Frieden schließen, der Rest der Konflikte der Region rasch in Ordnung kommen. Egal, dass der brodelnde Kessel der ethnischen Feindschaften – äh – Jahrhunderte älter ist als der moderne Staat Israel.

Dank der Domino-Theorie konnte Israel für Probleme verantwortlich gemacht werden, die weit jenseits seiner Grenzen liegen. Ein hysterisches Beispiel erschien vor ein paar Jahren im Christian Science Monitor. Das hier war der Untertitel:

Globale Stabilität darf nicht länger Geisel der israelischen Siedler sein.

Die dubiose Domino-Theorie ist tot und die Nachrichtenagentur hat es endlich eingeräumt.

Eine weitere Ausgabe von “Alles begann, als Israel zurückfeuerte”

4. April 2013

HonestReporting Media BackSpin, 4. April 2013

Eine weitere Ausgabe von ins Gegenteil verdrehter Chronologie seitens der Nachrichtenmedien. Reuters ist ein Paradebeispiel dafür, was wir als das Phänomen “Alles begann, als Israel zurückfeuerte” bezeichnen.

So, als bestünde kein Zweifel, wer Schuld am letzten Gewaltausbruch trage, schreibt Reuters:

Die Luftschläge drohten eine von Ägypten  vermittelte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas zu beenden, eine Waffenruhe, die an der Grenze seit November für relative Ruhe gesorgt hatte….

Aber wenn man weiterliest, erfährt man, dass die Schläge der IDF eine Reaktion auf palästinensischen Raketenbeschuss waren.

Nun, ist das etwas, das eine Waffenruhe bedroht?

Update, Mittwoch, 12:30: Associated Press zeigt, wie es man es richtig macht.

Ignoranter Tweet eines Reuters-Redakteurs

22. November 2012

Simon Plosker, HonestReporting.com, 21. November 2012

Twitter-Feeds offenbaren oft, wie Persönlichkeiten der Medien wirklich über Israel denken; und das kann wirklich übel sein. Man nehme diesen Tweet des Reuters-Redakteurs für soziale Medien und Kolumnisten Anthony De Rosa:

Wenn die Eiserne Kuppel so erfolgreich ist, worin besteht dann der Sinn des Tötens so vieler bei Vergeltung, besonders der Opfer unter den „menschlichen Schutzschilden“?

Die hier zur Schau gestellte Ignoranz ist einfach atemberaubend. Doch es könnte auch die Mentalität von Reuters erklären, die es gestattet, dass Videos gefälschter Opfer in wichtigen Medienorganen verbreitet werden.

UPDATE:

Diese getwitterte Antwort kann nun durch nichts mehr getoppt werden:

@AntDeRosa Hätten Sie ein ERSTAUNLICHES Suspensorium, das den Schmerz um 90% reduziert, dürfte ich Ihnen dann weiter in die Eier treten, ohne dass Sie zurückschlagen?

Des einen Ultrakonservativer ist des anderen Faschist

20. Dezember 2011

HonestReporting Media BackSpin, 20. Dezember 2011

Es ist nicht nur das Wort moderat, das immer von Journalisten missbräuchlich verwendet wird, wenn sie versuchen, die wie Pilze aus dem Boden schießenden islamistischen Parteien zu erklären. Reuters sagt, dass Islamist nun ein anderes Wort für “bis zum geht nicht mehr ausgereizt“ bedeutet.

Die schillernde Bandbreite des Politischen Islam hat weltweit die Medien dazu veranlasst, fremdartige Begriffe wie Salafi einzuführen – des ultrakonservativen Verfechters eines islamischen Staates -, um die Vielfalt in den entstehenden islamischen Demokratien [sic! (bd] zu betonen.

Selbst Analysten vor Ort und Journalisten in Nahost tasten nach Substantiven und Adjektiven, um genau zu beschreiben, wo sich eine Partei im Spektrum der politischen Optionen befindet, die Inspirations-Pools in der dort vorherrschenden Religion zu trachten findet.

Man hört daraus [fast zwangsläufig (bd)] die Bemühung um eine Nuancierung bzw. Weichzeichnung heraus.

Und es passt wieder einmal, dass Reuters – wie beinahe alle Nachrichtenagenturen – die [N]etikette über alles stellt. Denn wir alle wissen, dass des einen Ultrakonservativer des anderen Faschist ist. Oder so ähnlich.

EJC an Reuters: Feuert den Journalisten, der die pro-palästinensische E-Mail verschickte

26. September 2011

HonestReporting Media Backspin, 26. September 2011

Der European Jewish Congress wurde jüngst von einer Botschaft in Aufruhr versetzt, die angeblich von der Reuters-E-Mail-Adresse des Svebor Kranjc kam, einem niederländischen Kameramann und Bild-Editor, der den Eigenstaatlichkeitsantrag der Palästinenser unterstützt.

Nach Angaben der Jerusalem Post hieß es in der E-Mail (die Antwort auf eine Presseerklärung des EJC gegen den einseitigen palästinensisch Vorstoß auf Eigenstaatlichkeit):

„Ich werde ihn unterstützen!“, hieß es in der E-Mail, die sich auf den Vorstoß bei der UNO bezog. „Ihr habt euren Staat, aber ihr wollt nicht, dass andere ihren Staat haben. Traurig…“


In einer Exklusiv-E-Mail an HonestReporting.com erklärte Flo Kaufmann, Vorsitzende des Rates des EJC, warum ihre Organisation auf Kranjcs Entlassung drängt:

Die Objektivität von Journalisten als Beobachtern ist eine lange geltende Konvention des demokratischen Kodex.

Nach meiner Ansicht ist es völlig unangemessen, dass ein Journalist, der für eine Nachrichtenfirma wie Reuters arbeitet und ihren Briefkopf oder E-Mail benutzt, um Meinungen zum Ausdruck zu bringen, die eindeutig seine Neutralität oder die seiner Firma kompromittieren. Wenn der vorgeworfene Vorfall, auf den Sie sich beziehen, sich bestätigt, sollte der fragliche Journalist seinen Job als in Gefahr betrachten müssen. Der Präsident des European Jewish Congress, Moshe Kantor, hat gefordert, dass er aufgrund dessen, dass er seine Position als unparteiischer Journalist und Kommentator von Geschehnissen eindeutig kompromittiert hat, entlassen werden sollte. Der Journalist hat nicht nur sich selbst kompromittiert, sondern auch die respektierte und lange bestehende Organisation, für die er arbeitet, ist in Misskredit gebracht worden.

Ich habe erfahren, dass der Vorfall untersucht wird und erwarte zu erfahren, ob er bestätigt wird oder nicht; wenn er bestätigt wird, dränge ich Reuters, entsprechend und scharf zu handeln.

Ein Reuters-Sprecher bestätigte der Jerusalem Post, dass eine interne Untersuchung läuft.

Reuters verschickt Pressemitteilungen über redaktionelle Feeds

29. Dezember 2010

HonestReporting Media BackSpin, 29. Dezember 2010

Solange Zeitungen für die Publizierung von Anzeigen Geld entgegennehmen, solange bereiten Spannungen zwischen Angestellten, die für deren Inhalt verantwortlich sind (Redakteure und Personal für die Nachrichtenaufbereitung) und den Mitarbeitern Sorgen für das, was letzten Endes herauskommt (also für das Anzeigenteam).

Normalerweise spielen sich mögliche Interessenkonflikte auf dem Niveau eines Restaurantbesitzers ab, der auf einen netten Bericht in der Lokalzeitung drängt, wo er regelmäßig Anzeigen schaltet. Der Restaurantbesitzer will gewöhnlich mit seiner Kontaktperson für Werbeanzeigen in Verbindung treten, er wird auf eine Story drängen und im ungünstigsten Fall abgewiesen.

“Mir geht es nicht um den Inhalt. Man soll es nur mit dem richtigen Redakteur abwickeln“, so lautet seit Jahren die höfliche, aber bestimmte Antwort manches Anzeigenverkäufers.

Und damit kommen wir zu Reuters. IR Web Report zufolge begann Reuters vor kurzem damit, Presseveröffentlichungen ihrer Kunden in ihre Nachrichten-Feeds zu integrieren.

Eine der fünf Prinzipien lautet: „Thomson Reuters liefert unparteiische und zuverlässige Informationen an Zeitungen, Nachrichtenagenturen, Moderatoren und andere Medienteilhaber sowie Regierungsgeschäfte, Institutionen, Einzelpersonen und andere, mit denen Thomson Reuters Verträge hat oder eingehen könnte.“

Die Reuters-News-Feeds jedoch, die an Yahoo! Finance übermittelt worden waren, enthalten plötzlich komplette, nicht editierte Presseveröffentlichungen von Thomson Reuters-Vertragspartnern inmitten neuer Reuters-Artikel. Presseveröffentlichungen von Kunden, die nicht mit Reuters kooperieren, werden nicht über Yahoo! Finance verteilt. Die Schlagzeilen der Pressemitteilungen sind vom redaktionellen Inhalt der Nachrichtenagenturen praktisch nicht mehr zu unterscheiden.

Indem sie die Trennung zwischen redaktionellen und geschäftlichen Inhalten aufhob, hat Reuters auch die Tür zur öffentlichen Prüfung seiner Kunden und Rechtstitel geöffnet. Ich erhalte genug E-Mails, die wegen hartnäckig vertretener moderner Legenden nachfragen und es satt sind, dass Reuters von arabischen Interessengruppen kontrolliert wird.

Lesen Sie mehr, sehen Sie sich die screengrabs* an und urteilen Sie selbst.

Hat tip: @mickwe

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*Screengrabs sind Abbildungen kompletter Webseiten, siehe hier.


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