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Warum kein MSM-Protest gegen Medienbeschränkungen der Palästinensischen Autonomiebehörde?

31. Oktober 2010

HonestReporting Media BackSpin, 31. Oktober 2010

Die PA versucht, den Informationsfluss einzuschränken, indem sie Journalisten daran hindert, an von Israelis unterstützten Reisen in die West Bank teilzunehmen. Eine Pressetour nach Jericho wurde bereits gecancelt.

Nun fragt sich der palästinensische Journalist Khaled Abu Toameh: Warum protestieren die Mainstream-Medien (MSM) nicht gegen diesen Anschlag auf die Pressefreiheit?

Die vom Westen finanziell unterstützte palästinensische Regierung instruiert doch tatsächlich die Auslandsjournalisten, dass sie ab sofort nur noch über Angelegenheiten berichten sollten, die ein positives Licht auf die PA und deren Führer werfen.

Wenn sie darauf besteht, dass die Journalisten ihre Besuche in die palästinensischen Gebiete allein mit den Palästinensern absprechen sollen, beweist die Palästinenserregierung, dass ihre Einstellung zur Pressefreiheit sich nicht wesentlich von derjenigen der Hamas, Mahmoud Ahmadinejad oder Bashar Assad unterscheidet.

Auslandsjournalisten, die über den Konflikt in Nahost berichten, sollten nicht in eine Situation versetzt werden, in der irgendjemand sie bedrohen oder beeinflussen könnte bezüglich dessen, was sie schreiben wollen. Man sollte ihnen [vielmehr] ermöglichen, sowohl in Israel als auch in den PA-Gebieten ungehindert zu arbeiten; sie sollten auch das Recht haben, zu befragen, wen sie wollen und mit allen, deren Zusammenarbeit sie in Anspruch nehmen wollen, jeden Ort aufzusuchen.

Toameh mit einem weiteren Blick auf die PA-Pikiertheid und Verweis auf diesen LA Times-Beitrag von Ed Sanders:

Die Entscheidung wurde gut informierten palästinensischen Quellen zufolge nach einer Nachrichtenstory in der Los Angeles Times gefällt, die offensichtlich für Verwirrung bei der palästinensischen Regierung gesorgt hatte.

Die Geschichte, die in Zusammenhang mit einer Zeremonie zum 10.000. Jahrestag  von Jerichos Gründung stand, besagte, dass viele Palästinenser und ausländische Würdenträger, die zur Feier nicht eingeladen worden, nicht erschienen.

Offensichtlich war der Korrespondent der LA-Times nicht in der Lage, seinen Besuch in Jericho mit dem Büro des PA-Sprechers abzustimmen.

MediaCentral ist ein HonestReporting-Projekt, das Journalisten in der Region Unterstützung zukommen lässt. Es hatte Sanders Bericht aus Jericho nicht begleitet.

Leider ist dies nicht das erste Mal, dass die Mainstream-Medien von Palästinensern eingeschüchtert wurden. Letztes Jahr wurde der britische Journalist Paul Martin von der Hamas mehr als einen Monat inhaftiert, ohne dass die westlichen Nachrichtenmedien einen Pieps von sich gegeben hatten.

Warum wir nicht mit Channel 4 sprachen

21. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 21. November 2009

Weiterhin kamen E-Mails und Kommentare zur Reaktion von HonestReporting (hier kurz HR [bd]) auf Dispatches:  Inside Britain’s Israel Lobby.

Einige Leser fragten nach, warum wir beschlossen hatten, Channel 4s (hier kurz C4 [bd] Anfrage wegen eines Interviews mit HR-Chefredakteur Simon Plosker nicht zu entsprechen. Berechtigte Frage – wir dachten auch darüber nach.

Der aggressive Ton der auslösenden E-Mail, die Simon Plosker von C4 erhalten hatte, war ein sehr wichtiger Faktor. Er bestimmte auch den Form der Dokumentation, die die Existenz einer “Israel-Lobby” in Großbritannien als gegeben vorausgesetzt hatte. Die E-Mail, gedacht als Anfrage an Plosker, stank nach einem bewusst inszenierten Verriss.

Eine Chance, C4 auszubremsen, indem man sich auf sie einließ, beinhaltete das Risiko, dass Oborne sich die Rosinen aus dem Interview picken würde – ebenso die Erkenntnis, dass HonestReporting Obornes „Nachforschungen“ legitimierte, wenn man dort zitiert werden würde.

Plosker schrieb an C4 zurück, verbunden mit dem Angebot, auf spezifische  Fragen bezüglich HonestReporting mittels E-Mail zu antworten. Diese Mitteilung betraf Hintergrundinformationen über HR und seine Person. Aber Channel 4 ließ allen Anschein von Anstand fahren, als Peter Oborne in MediaCentral-Büro mit einem Drehteam aufkreuzte, um nach Plosker zu suchen.

(MediaCentral ist eine in Jerusalem ansässige Initiative von HonestReporting, die ausländische Journalisten betreut und unterstützt. Die Verbindung zu HonestReporting wird für jedermann sichtbar auf der Webseite angezeigt).

Hier der 7-minütige Ausschnitt des Channel 4-Videos, der sich mit HonestReporting befasst. Ich denke, er zeigt anschaulich, warum wir uns gegen die Legitimierung dieser Dokumentation entschieden hatten.

Bitte hier oder auf die Abbildung klicken.


Und hier die bisherigen Links von HonestReporting zu Channel 4:

“Antisemitismus, demonstriert an meinem Beispiel“

Under Attack: HR Accused by UK TV Documentary (sehr ausführlich; in Englisch)

HonestReporting antwortet Channel 4

Oborne nun mit Frontalangriff gegen „Israel Lobby“

Verzerrter Blick auf Großbritanniens “Israel Lobby“

HonestReporting antwortet Channel 4

17. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 17. November 2009

Channel 4 hat nun auf YouTube seine gestern ausgestrahlte Dispatches-Folge Inside Britain’s Israel Lobby eingestellt:

Hauptsächlich behandelt das Video innenpolitische Themen in Großbritannien, die von anderen Organisationen und Bloggern dort bereits angesprochen worden waren.

Ab 35:00 schließlich widmet sich Präsentator Peter Oborne Medienfragen, die die so genannte Israel-Lobby thematisieren. Meine Antworten auf das Video beginnen ab diesem Punkt.

• Wenn Mitarbeiter der Nachrichtenredaktion dabei zusehen, wie Charlie Beckett zu Peter Oborne spricht, dann sind Medien-Watchdogs wie HonestReporting auf der richtigen Fährte. Wir wollen bei den britischen Medien keine abschreckende Wirkung erzeugen, sondern nur erreichen, dass Nachrichtenmedien sich verantwortlich dafür zeigen, wie sie über Israel und Nahost berichten.

Als von Steuermitteln finanzierter Nachrichtenservice sollte die BBC für ihre Berichterstattung zur Rechenschaft gezogen werden können. Becketts Kommentare gründen sich auf eine BBC-Nachrichtenredaktion mit einer zementierten Weltsicht, die den Bezug zu einem großen Teil der Öffentlichkeit verloren hat.

• Möglicherweise konzentriert sich Oborne beim Versuch, unsere Arbeit zu beschreiben, auf Kritik an der BBC im April 2003 wegen ihres Dokumentarfilms Israel’s Secret Weapon, der von Israels Nuklearprogramm und Mordechai Vanunu handelte (hier das Video). Mit abschätziger Stimme zitiert Oborne HonestReportings Website:

“Die Botschaft hinter dem Film lautet, dass Israel für die Koalitionsstreitkräfte ein geeigneteres Angriffsziel gewesen wäre als der Irak.”

Oborne an dieser Stelle ganz salopp: HonestReporting hat niemals “Israels Geheimwaffe” kritisiert. Abgelesen hat Oborne das von einer Seite, die im Juli 2004 geschrieben wurde, also mehr als ein Jahr danach. Dieses Kommuniqué Documenting BBC Documentaries basierte auf einem sehr ausführlichen Report von Trevor Asserson: The BBC and the Middle East: The Documentary Campaign 2000-2004.

Wir stehen zu Assersons Aussagen bezüglich der Folgerungen zum Film. Aber wenn Oborne jemanden für seine Kritik an einem Film schmähen möchte, den auch wir weiterhin für eine schlampig gemachte Dokumentation halten, zielt Oborne auf den falschen zionistischen Verschwörer.

Wenn das die Methode ist, wie Oborne HonestReporting “untersucht“, was sagt dies dann über den Wahrheitsgehalt seiner restlichen Nachforschungen aus?

• Unsere Kritik an Orla Guerins Berichterstattung über den Libanonkrieg (BBC’s Orla Exposed), basierte auf Blogger-Beiträgen und Medien-Watchdogs, die Guerins Report vom 14. August 2006 – unter Einbeziehung aller Quellen von Nachrichtenservices – mit Channel 4 (abgekürzt C4; [bd]) verglichen hatten.

Guerin und Alex Thomson von C4 waren beide am selben Tag in Bint Jbeil; dennoch liefern sie diametral entgegengesetzte Schilderungen vom Umfang der Zerstörungen dort. Genug gesagt.

• Zuseher lieben die dramatische Inszenierung eines investigativen Reporters, der sich an irgendeiner Haustüre aufbaut, während die Kameras laufen, immer bereit, Auge in Auge zu einer widerliche Person zu stehen und irgendwie ein wenig Gerechtigkeit in die Welt zu bringen. Das war die Konfrontation, an die Oborne dachte, als er und seine Filmcrew bei Media Central aufkreuzten und nach HR-Chefradakteur Simon Plosker suchten.

(MediaCentral ist eine in Jerusalem ansässige Initiative von HonestReporting, die ausländische Journalisten betreut und unterstützt. Die Verbindung zu HonestReporting wird für jedermann sichtbar auf ihrer Webseite angezeigt).

Offensichtlich wollte Oborne Simon Plosker übertölpeln und ihn als undurchsichtige Figur porträtieren, die Verbindungen zu verschiedenen Organisationen habe, die die „Israel-Lobby“ repräsentieren. Der Trick war überflüssig, denn: Ploskers umfassendes Wirken in der Verteidigung Israels wird auf HonestReportings Seite Meet the Team offen beschrieben.

Jedenfalls ist Plosker nicht zu einem Interview verpflichtet.

Morgen mehr zu HonestReportings Antwort an  Channel 4.

Bleiben Sie dran.

Verzerrter Blick auf Großbritanniens “Israel Lobby“

16. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 16. November 2009

Heute (Montagabend) werden Großbritanniens Fernsehzuschauer darauf eingestimmt, was Dispatches von Channel 4 als Inside Britain’s Israel Lobby anpreist.

Hier drei Gründe dafür, warum HonestReporting das Schlimmste befürchtet.

1. Auch HonestReporting befand sich im Fadenkreuz von Channel 4 (C4).

C4 schrieb HonestReporting-Chefredakteur Simon Plosker wegen eines Interviewwunsches an.

Noch bevor Plosker auf die Mail reagierte, kreuzten Reporter Peter Oborne und ein Filmteam in den Büroräumen von MediaCentral mit laufenden Kameras auf und suchten nach Plosker für ein Exposé.

(MediaCentral ist eine in Jerusalem ansässige Initiative von HonestReporting, die ausländische Journalisten betreut und unterstützt. Die Verbindung zu HonestReporting wird für jedermann sichtbar auf ihrer Webseite angezeigt).

Plosker befand sich jedoch auf Vortragsreise in Großbritannien, was zwischen Oborne und MediaCentral-Direktor Aryeh Grün zu einem heftigen Disput führte. Während die Kamera lief, bat Grün Oborne einfach nur, sich zu auszuweisen, während Oborne Grün gegenüber aufdringlich wurde.

Nach den Ofcom-Richtlinien ist Channel 4 – als Öffentlich Rechtlicher – dazu verpflichtet, HonestReporting vor allen denkbaren Behauptungen, die ausgestrahlt werden, in Kenntnis zu setzen; ein Punkt, auf den Plosker in einer Antwortmail hingewiesen hatte.
2. Channel 4′s Titelung der Sendung setzt die Existenz einer mächtigen “Israel Lobby“ als selbstverständlich voraus.

Und so erklärt Channel 4 seine „Nachforschungen“:

Die Berichte stellen Untersuchungen über eine der mächtigsten und einflussreichsten politischen Lobbygruppen in Großbritannien an, die sich für die Interessen des Staates Israel einsetzen.

Trotz ihres großen Einflusses in höchsten Positionen der britischen Politiken und der Medien weiß man wenig über Einzelpersonen und Gruppierungen, die zusammen als Pro-Israel-Lobby bekannt sind.

Der politische Kommentator Peter Oborne zeigt, wer diese Menschen sind, wie sie sich organisierten, wie sie arbeiten und welchen Einfluss sie ausüben – von Schlüsselgruppen bis hin zu reichen Einzelpersonen, die das Lobbygeschäft finanzieren.

Er geht der Frage nach, wie verantwortlich, transparent und offen für genaue Nachforschungen die Lobby ist, besonders was ihre  finanziellen Zuwendungen und Unterstützungen an Parlamentsabgeordneten betrifft.

Die Pro-Israel-Lobby hat sich zum Ziel gesetzt, die Debatte über Großbritanniens Beziehung zu Israel und die zukünftige daran ausgerichtete Außenpolitik zu dominieren.

Oborne untersucht, wie die Lobby aus dem Innern des Parlaments heraus operiert und welche Taktiken sie hinter den Kulissen einsetzt, wenn sie es mit Print- und Rundfunkmedien zu tun hat.

Channel 4 impliziert also mit eigenen Worten beim organisierten Judentum in Großbritannien Folgendes:

• Es habe übermäßig viel Einfluss auf Politik und Medien.

• Zeige eine problematische Doppelloyalität zu Israel und Großbritannien.

• Sei weder transparent oder irgendjemand gegenüber verantwortlich.

• Dürfe taktisch in unangemessener Weise „hinter den Kulissen“  „innerhalb des Parlaments„ arbeiten, und das auch noch „im Umgang mit Print- und Rundfunkmedien“


3. Ist hier Antisemitismus am Werk?

In der Tat könnte dieses erklären, weshalb der Community Security Trust (CST) von C4 eine ähnliche Mail erhalten hatte, auch wenn der CST Antisemitismus bekämpft und dennoch nicht mit der Verteidigung Israels beschäftigt ist. Mir hat gefallen, wie CST blog Stellung bezogen hat:

….auch wenn wir nicht davon ausgehen, dass Berichte oder für schnelles Geld gemachte Produktionen per se als antisemitische Beiträge beabsichtigt sind, so finden sich doch auf dieser Webseite alle Standards antisemitischer Metaphern über Verschwörungstheorien: unmäßig viel Macht und Einfluss, Riesengeldsummen, Manipulation von Politikern und Medien – und all das im Geheimen. Selbst die Art und Weise, wie man auf die „die Pro-Israel-Lobby“ als allein handelnden Akteur verweist , als Einzelperson vorgehend und handelnd, suggeriert eine geheimnisvolle Verschwörung, innerhalb derer die unterschiedlichen Organisationen und Individuen in Wahrheit Handlanger ein und derselben einzigen Maschine sind.

“Dispatches” hat einiges an heftigem Investigationsjournalismus auf Lager, darunter Undercover Mosque, das erstmals einen tieferen Einblick in islamischen Extremismus britischer Prägung geliefert hatte. Channel 4-Offizielle versicherten dem Jewish Chronicle gegenüber, dass Inside Britain’s Israel Lobby „nicht das synagogale Äquivalent zu Undercover Mosque darstellen“.

Bleiben Sie dran….

UPDATE 16. November: Die Jerusalem Post mit weiteren Details zur gärenden Kontroverse.


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