Posted tagged ‘Libanonkrieg’

“Lasst uns Assad mit Israel vergleichen”

2. März 2012

HonestReporting Media BackSpin, 2. März 2012

Während die syrische Todesmaschinerie weiterhin unerbittlich wütet, trifft Tariq Alhomayed den Nagel auf den Kopf, was arabische Heuchelei betrifft. Lasst uns Assad mit Israel vergleichen.

Lasst uns angesichts dieses Staates mit seiner brutalen Diktatur innehalten und einen Vergleich mit Israel ziehen und damit, was es uns in der letzten Zeit angetan hat – und ich meine mit ’letzter Zeit’ die vergangenen 5 Jahre, vor allem die Kriege im Libanon und in Gaza. Die ganze Welt drängte darauf, Israels Aggressionen gegen den Libanon im Jahr 2006 zu stoppen; und dieser Krieg endete nach etwa zwei Monaten, wobei 1.200 Libanesen getötet wurden. Das Gleiche gilt für den Gaza-Krieg, bei dem es etwa ebenso viele Todesopfer gegeben hatte. In beiden Kriegen drängte die öffentliche Meinung in der arabischen Welt darauf, Maßnahmen zu ergreifen, in deren Verlauf gefälschte Listen über “Freunde Israels” veröffentlicht wurden, und das unter das Federführung des Regimes von al-Assad; in der Tat hatte eine Reihe von arabischen Politikern versucht, diese Tragödie auszuschlachten, an vorderster Stelle das al-Assad-Regime. Allerdings haben wir niemanden fragen hören – auch jetzt nicht -,  warum diese Kriege geführt worden waren. Wessen Interessen dienten diese Kriege und vieles mehr? Wer war verantwortlich dafür?

Im Fall Assad jetzt sehen wir, wie die syrischen Truppen seit einem Jahr – nicht zwei Monaten – (Anm: [bd]: der Libanon-Krieg ist hier gemeint) und vor laufenden Kameras ihr eigenes Volk umbringen, während die Zahl der Todesopfer mehr als 8.000 übersteigt und die Truppen des Tyrannen von Damaskus Moscheen zerstört haben, Kinder sowie Frauen und ältere Menschen gefoltert und ermordet; und das alles nur, um Assad an der Macht zu halten. Trotz alledem finden wir einige zaudernde Länder, Politiker, Medien und Persönlichkeiten. Es ist, als ob wir – die Araber – sagen würden, dass, wenn der Mörder auch ein Araber ist, wir das dann akzeptieren können. Aber wenn er ein Israeli ist, dann müssen wir dem gemeinsam ein Ende zu setzen! Dies ist ein trauriger und beschämender Zustand, insbesondere dann, wenn jemand wie Hassan Nasrallah sich schamlos vor al-Assad stellt!

Wenn wir also al-Assad mit Israel vergleichen, werden wir das Ausmaß der zunehmenden Heuchelei in unserer Region entdecken, und eine der wichtigsten Quellen dafür ist das al-Assad-Regime – sowohl das des Vaters als auch des Sohnes, die beide mit der Lüge des Widerstandes und anderem überlebten. Daher wird einer der Vorteile des Abgangs des Tyrannen dazu dienen, die Heuchelei in unserer Region auszurotten, deren prominentestes Symbol das al-Assad-Regime verkörpert.

Rest des Beitrags bitte hier weiterlesen [In Englisch].

(Bild via YouTube/ReutersTV)

Leseempfehlungen 23. Dezember 2010

23. Dezember 2010

HonestReporting Media BackSpin, 23. Dezember 2010

Die uncharmante PR-Offensive der Hamas
Die Boston Globe durchschaut eine PR-Kampagne der Hamas – vorher aufgegriffen von AP.

Der Iran rekrutiert Nuklearwissenschaftler für sein Waffenprogramm
Ein ehemaliger Diplomat packt aus, dass er ausländische Wissenschaftler angeheuert hatte, um für den Iran Nuklearwaffenfähigkeit zu erlangen und die Reichweite ballistischer Raketen zu verbessern.

Assange kündigt  Infos zu Mabhouh* und dem Libanonkrieg an.
Er bestreitet zudem Gerüchte über Wikileaks-Deals mit dem Mossad.

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*Als hilfreiche Hintergrundinformation hier ein paar Beiträge, die wir (HonestReporting) zum Thema Mabhouh (Dubai) gepostet hatten [bd].

“Kein besonders interessantes Motiv“

6. Januar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 6 Januar 2010

Errol Morris von der NY Times und Teil 2 seines Interviews mit Ben Curtis von AP über Fotografie im Libanonkrieg. Eine ungewöhnliche Anmerkung lässt mich ein wenig nachdenklich werden darüber, wie Fotografen ticken. Curtis beschreibt das Stadtviertel, in dem er die Mickey Mouse-Puppefotografierte:

ERROL MORRIS: Also wieder dieselbe Gegend, da wo die Mickey Mouse lag?

BEN CURTIS: Ja. Ob es dieselbe Straße war kann ich nicht bestätigen, sicher aber dieselbe Gegend. Wir befanden uns in einem Gebäude, in dem wir auf einige Waffenvorräte stießen und, wie nennen Sie das…diese khaki-grünen Taschen, wie sie sonst die Soldaten um ihre Hüften tragen? Hinter einer Tür (niemand befand sich in dem Raum) stießen wir auf einige Stapel aufgehäufter Waffen. Wir schossen ein paar Fotos, aber besonders aufregend war das Motiv nicht. Wir liefen das ganze Viertel von Straße zu Straße ab, zwischen den Wohnblocks und den flachen Appartementanlangen, und hielten nach Motiven Ausschau. Wir verließen dieses Gebäude und liefen eine Straße zwischen Appartementblogs runter. Ich sah dann zufällig diese Mickey Mouse am Boden liegend. Höchstens 45 bis 60 Sekunden dauerte es, um sie zu fotografieren. Ich machte etwa 10 Aufnahmen – genau weiß ich das nicht mehr. Dann setzte ich meinen Weg fort….

Informationen über Hisbollah-Waffen, versteckt in einem dunklen und staubigen Raum eines Wohnhauses, in dem Kinder mit Mickey Mouse-Puppen spielen, sollten eine Bildnachricht wert sein, auch wenn sie für Curtis nicht sexy genug war.

Ob er diese Info wenigstens an andere Reporter oder Journalisten weitergegeben hat?

Lesen Sie bitte auch Teil 1.

Die Spielzeug-Story aus dem Libanonkrieg

4. Januar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 4. Januar 2010

Errol Morris vom Opinionator Blog der NY Times im Gespräch mit AP-Fotograf Ben Curtis über Kinderspielzeug auf Fotos vom zweiten Libanonkrieg. Anlass für das Interview war der im Jahr 2006 erschienene Beitrag The Passion of the Toys bei Slublog.


Kinderspielzeug liegt inmitten von Scherben zerborstener Fenster eines Wohnhauses, nahe den anderen Häusern, die am Montag, den 7. August 2006, durch israelische Luftangriffe auf die südlibanesische Stadt Tyros zerstört worden waren.

Ein lesenswerter Text, weil er eine Ahnung davon vermittelt, wie sich die Dynamik zwischen den Fotografen vor Ort und ihren Redakteuren zuhause entwickelt, was passiert, wenn sich im Kampfgebiet jede Menge Bildreporter tummeln, und wie sie sich Schnappschüsse wie diesen aussuchen.

ERROL MORRIS: Ein gutes Beispiel liefert natürlich das Mickey Mouse-Foto, weil es nicht mit Photoshop manipuliert wurde. Doch ungeachtet dessen finden es die Leute problematisch. Sie betrachten das Foto und denken sich: „Man versucht, Israel dafür an den Pranger zu stellen, indem man sagt, dass dieses Land unschuldige Kinder tötet.“ Und gleich darauf folgt der Gedanke: „Wie können die das wagen! Die sind Antisemiten“ und so weiter und so fort. Meine bescheidene Meinung zu gestellten Szenen ist, dass wir häufig dann sagen, ein Foto sei gefaked, wenn es eine Sichtweise suggeriert, die uns nicht behagt, unabhängig davon, was sich der Fotograf bei der Aufnahme gedacht hat bzw. ob das Bild nun manipuliert worden ist oder nicht.

BEN CURTIS: Photoshop-Trickserei ist eine Sache, Bildunterschriften manipulieren eine andere. Aber es stellt sich auch die Frage der redaktionellen Bearbeitung wie Bildauswahl, und ob man tatsächlich von den Bildern, die Sie aus allen anderen ausgewählt haben, behaupten kann, dass sie von dort stammen, wo die Nachrichten entstanden sind. Über diese Form der Berichterstattung entscheiden die Medien. Und wenn Sie an einer Geschichte arbeiten, besteht diese immer aus etlichen verschiedenen Elementen. Sie entscheiden sich dafür, manche Bilder zu verwenden und andere wiederum nicht.

Curtis fährt fort und bezieht sich speziell auf das Mickey Mouse-Foto:

Wenn Sie über Zerstörung berichten, dann werden Sie immer lieber auf Details aus sein als auf Großaufnahmen zerstörter Gebäude. Solche und ähnliche Bilder wie während des Konfliktes im Libanon sehen Sie immer wieder und überall. Wann stolpern Sie schon über ein interessantes Detail….in meiner Bildunterschrift habe ich aber nicht gesagt, dass die Kinder, die sich während des Bombardements im Wohnblock befanden hatten, getötet worden sind.

Ich weiß es nicht, also behaupte ich es auch nicht. Wenn Sie sich aber mein Foto ohne das Spielzeug ansehen, haben Sie keine Ahnung, welche Gebäude das sind. Es könnten Bürokomplexe sein – alles. Die Einbeziehung der Mickey Mouse in das Bild gibt dem Ganzen einen menschlichen Touch. Sie bekommen einen Eindruck davon, was sich abgespielt hat und wie es dort aussieht; und das vermittelt Ihnen ein wenig Kontext zur Tatsache, dass eben erst auf diesem Stadtteil Luftangriffe geflogen worden sind.

Den vollständigen Text bitte hier lesen [In Englisch]

Medienbeschränkungen ein Jahr nach dem Gazakrieg

16. Dezember 2009

HonestReporting Media BackSpin, 16. Dezember 2009

Eine Diskussion, die auf die Medienberichterstattung zum Gazakrieg zurückblickt, muss sich direkt mit dem heiklen Thema der israelischen Pressebeschränkungen auseinandersetzen.

Die Ursache dieser Politik reicht zurück in den Libanonkrieg 2006, als die Hisbollah die Presse als Waffe gegen Israel missbrauchte. Wir sahen inszenierte Fotos, Unterstellungen, dass Israel Hisbollah-Raketen für PR-Zwecke verschonte wegen des Vorwurfs, Uran-Granaten eingesetzt zu haben, und natürlich Reuters Adnan Hajj, den Reklamehelden für Nahost-„Fauxtography.”

Berichte aus dem Libanon unterschlugen meistens die massive Medienzensur durch die Hisbollah sowie weitere Verfälschungen und Verletzungen der Medienethik.

Zeitsprung in den Dezember 2008: Da der Raketen- und Granatenbeschuss aus dem Gazastreifen eskalierte und Israel die Operation Gegossenes Blei startete, kann es kaum überraschen, dass die IDF nach den Lektionen, die sie im Libanon gelernt hatte, Journalisten den Zugang in den Gazastreifen verwehrte.

Die beiden meist verwendeten Argumente für die Pressebeschränkung enthalten auch zwingende Gegenargumente:

• Es wirkt herablassend, wenn man Kriegskorrespondenten erklärt, dass Beschränkungen ihrer Sicherheit dienen.

• Zu behaupten, dass Journalisten den Soldaten in die Quere kommen, mag auf spezielle militärische Operationen zutreffen, aber es ist nicht grundlegend für die Blanko-Politik eines demokratischen Staates.

Es muss angemerkt werden, dass die Beschränkungen nicht – und das war auch früher nicht der Fall – zu einem völligen Ausfall der Berichterstattung führen würden. Nach Kriegsbeginn arbeiteten jede Menge palästinensischer Journalisten in Gaza. Al-Jazeera unterhielt weiterhin sein Büro und griff sogar zu der ungewöhnlichen Maßnahme, jeglichen Inhalt freizustellen, was zu einem erstaunlichen Traffic-Zuwachs von 600 Prozent führte. Viele Zeitungen bauten auf Stringer (palästinensische Zuträger, freie Mitarbeiter, [bd]). Der italienische Journalist Lorenzo Cremonesi kam über Ägypten nach Gaza rein.

Und wie erging es der Presse in Gaza? CNN-Reporter Anderson Cooper am 6. Januar:

“Die Kontrolle der Hamas im Gazastreifen ist erdrückend. Es gibt kaum Pressefreiheit innerhalb Gaza und die Hamas wacht genau darüber, wer von dort berichtet und wohin die Reporter gehen dürfen.”

Erdrückend in der Tat. Trotz Israels Pressebeschränkung.

• Die Hamas brachte es fertig, ein „Massaker für die Medien“ hinzubiegen, als Israel des Beschusses einer UN-Schule beschuldigt wurde. (HonestReporting hatte das schon Tage vorher geahnt.)

• Leute wie Mads Gilbert und Eric Margolis forcierten unbegründete Anschuldigungen über „Massaker“ und “unverhältnismäßigen Militäreinsatz“.

• Die reinen Statistiken selbst sind und bleiben Gegenstand der Debatte – Simona Weinglass fand, dass divergierende Definitionen von “Zivilisten“ seitens der IDF bzw. palästinensischer Gruppen verwirrend sind.

Pressebeschränkungen konnten palästinensische Tricksereien, die den Boden für gegen Israel gerichtete dämonisierende Geschichten bereiteten, nicht verhindern. Welche Form der Berichterstattung hätten wir also gesehen, wenn es keine Pressebeschränkung gegeben hätte?

Kompliment an NY Times-Büroleiter Ethan Bronner, der sich kurz und bündig fasst:

Aber gleich was – Israels Diplomaten wissen, dass Journalisten, vor die Wahl gestellt zwischen Berichterstattung über Tote oder Kontext, stets Ersteres wählen. So haben sie sich in einem Krieg, den sie zwar für notwendig, aber schwer vermittelbar erachten, dafür entschieden, die Medien weit weg vom Tod zu halten.

In einer abschließenden Analyse von 2009 muss man feststellen, dass viele Pressevertreter nicht einfach „neutrale Beobachter“ waren. Sowohl in den Fällen, in denen die MSM missbraucht wurden, als auch in den Fällen, wo die MSM selbst versuchten, Ereignisse zu beeinflussen  – die großen Medien wurden „Mitwirkende”. Wenn dies die Dynamik der asymmetrischen Kriegsführung darstellt, müssen wir uns fragen, ob die Medienberichterstattung nun zur „Kriegsführung mit anderen Mitteln“ geworden ist.


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