Posted tagged ‘Harriet Sherwood’

Begreif’ das mal

2. Juli 2013

HonestReporting Media BackSpin, 2. Juli 2013

In einem Beitrag über die letzte Nahost-Reise des US-Außenministers John Kerry bringt Harriet Sherwood vom Guardian folgende Formulierung unter:

Israel erklärt seine Bereitschaft für Verhandlungen ohne Vorbedingungen, hat aber bisher palästinensische Forderungen zurückgewiesen.

Ich versuche immer noch, diesen Satz zu begreifen. Macht er überhaupt Sinn?

Der Guardian definiert die politische Mitte Israels

25. Januar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 25. Januar 2013

Mit Verweis auf Yair Lapids Partei Yesh Atid und deren Überraschungserfolg bei den israelischen Wahlen schreibt Harriet Sherwood im Guardian:

… positioniert [sie] sich in der Mitte des israelischen politischen Spektrums – das noch weiter rechts anzusiedeln ist als in den meisten europäischen Ländern.

Wenn der Guardian demnach, an europäischen Standards gemessen, Israel „extrem rechts“ verortet, wo sieht er dann die Palästinenser?

Diesem Editorial des Guardian aus dem Jahr 2011 zufolge…

…[war] Israel in Mahmoud Abbas mit dem moderatesten Palästinenserführer seit Generationen konfrontiert, der jemals am Verhandlungstisch gesessen war, und es hat ihn abblitzen lassen.

Möglicherweise ist Mahmoud Abbas im Vergleich zur Hamas relativ gemäßigt, aber wann zuletzt erklärte der Guardian seinen Lesern, dass sich das politische Spektrum der Palästinenser im Vergleich zu europäischen Ländern von extrem bis sehr extrem erstreckt?

Und vergessen wir nicht, dass die Palästinenser bei ihrem letzten Urnengang die Hamas gewählt haben.

Selbst wenn die Israelis offensichtlich moderat wählen, will der Guardian immer noch den Eindruck erwecken, dass Israel als völlig inakzeptabel wahrgenommen werden müsse, indem er mit seiner eigenen Definition einer politischen Mitte aufwartet.

Wieder eine Geschichte aus Bethlehem quetschen

23. Dezember 2012

HonestReporting Media BackSpin, 23. Dezember 2012

Abbildung: Hamas-Demo in Bethlehem

Jedes Jahr um diese Zeit die gleiche ausgelutschte Geschichte. Ein Journalist versucht, bei Weihnachten einen Bezug zu palästinensischem Leid zu finden, meist mit Schwerpunkt auf die christlichen Palästinenser in Bethlehem. Dieses Jahr ist das nicht anders, und Harriet Sherwood vom Guardian und dessen sonntäglich erscheinendem Schwesterblatt The Observer übernimmt das jahreszeitlich bedingte Rollenspiel.

Der Guardian unterschlägt oder untergräbt regelmäßig historische Ansprüche der Juden auf das Land Israel, die bis in biblische Zeiten zurückreichen. Wie kommt es aber, dass das gleiche Blatt kein Problem damit hat, mit biblischer Bildsprache vorgebrachte Forderungen der Palästinenser dann zu unterstützen, wenn diese Palästinenser Christen sind?

Sherwoods Artikel im Observer “Christen in Bethlehem verspüren Druck wegen ausgedehnter israelischer Siedlungstätigkeit” beginnt mit der Unterüberschrift:

Nahe einer biblischen Landschaft mit Eseln und Olivenbäumen werden Häuser errichtet und die palästinensischen Christen fürchten um ihre Zukunft.

Unter Bezugnahme auf die Jerusalemer Vororte Gilo und Har Homa als “Siedlungen”, behauptet Sherwood, dass “beide größtenteils auf Bethlehemer Areal gebaut sind.” In Wirklichkeit wurde ein Großteil der Fläche Gilos in den 1930er Jahren auf legalem Wege von Juden gekauft, und der überwiegende Teil von Har Homa befindet sich seit den 1940er-Jahren in jüdischem Besitz.

Nicht nur die Geschichtskenntnisse Sherwoods sind fehlerhaft, sondern auch ihre geografischen. Geht es nach ihr, dann ist:

Bethlehem [ist] heute umzingelt von 22 Siedlungen, darunter Nokdim, wo der Hardliner und israelische ehemalige Außenminister Avigdor Lieberman lebt, und Neve Daniel, Wohnsitz von Yuli Edelstein, Minister für öffentliche Angelegenheiten und die Diaspora.

Sherwood versucht offenbar, ein politisches Argument anzubringen, wenn sie in Betracht zieht, dass sowohl Nokdim als auch Neve Daniel im Vergleich zur Region Bethlehem sehr klein sind, mindestens 10 km vom Zentrum Bethlehems gelegen und selbst von arabischen Siedlungen umgeben. Darüber hinaus gehört Neve Daniel zur Gruppe des Siedlungsblocks Gusch Etzion auf einem Areal, wo in den 1940er-Jahren die jüdischen Kerndörfer errichtet wurden, die in den 1920er- und 1930er-Jahren von Juden käuflich erworben und vor dem Unabhängigkeitskrieg von 1948 zerstört worden waren. Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass Gusch Etzion im Falle eines Friedensabkommens mit den Palästinensern Israel zugeschlagen werden würde.

Aber die Schlüsselstelle in Sherwoods Beitrag lässt sich wie folgt zusammenfassen:

Ausmaß und Auswirkungen der israelischen Siedlungen in der Geburtsstadt Jesu sind verheerend.

Da die Christen nun eine Minderheit der Einwohner Bethlehems ausmachen, will Sherwood den Eindruck erwecken, dass hauptsächlich Israel für die Misere der dortigen christlichen Community verantwortlich sei. Sie spricht über den palästinensischen Vorort Beit Jala und die israelische Sicherheitsbarriere, ohne die Sicherheitslage dort während der letzten palästinensischen Intifada zu erwähnen. Einer der wichtigsten Gründe für den Bau der Sicherheitsbarriere war in erster Linie, sich vor palästinensischen Selbstmordattentätern zu schützen, die von Bethlehem kommend in Jerusalem eindrangen, während Beit Jala als Plattform für palästinensische Bewaffnete diente, die während der 2000er-Jahre auf israelische Zivilisten in Gilo schossen.

Was den Zurückgang der christlichen Bevölkerungszahlen betrifft, schreibt Sherwood:

Während der letzten Jahrzehnte haben die Christen Bethlehem zu Tausenden verlassen haben und nun sind eine Minderheit in einer Stadt, die sie einmal dominierten. Das Alltagsleben unter Besatzung mit wenig Möglichkeiten, wenig Hoffnung und der gewaltsame palästinensische Aufstand vor 10 Jahren werden als wichtigste Gründe für den Weggang genannt.

Associated Press stellte das in seiner eigenen Geschichte über Bethlehem an Weihnachten im vergangenen Jahr anders dar:

Die Zahl der Christen im Westjordanland nimmt ab. Während einige wirtschaftliche Gründe angeben, sprechen viele von Verfolgung durch die muslimische Mehrheit, aber aus Angst vor Vergeltung immer anonym.

Christen haben sogar ihre Mehrheit in Bethlehem verloren, wo jetzt mehr als zwei Drittel der etwa 50.000 palästinensischen Einwohner Muslime sind.

Und das Wall St. Journal schrieb vor genau drei Jahren:

An den seltenen Tagen, wenn westliche Medien über das Leid der Christen in den palästinensischen Gebieten berichten, geschieht das oft nur, um Israel und seine Sicherheitsbarriere zu verurteilen. Vor den Zeiten, in denen palästinensische Terroristen Bethlehem in einen sicheren Hafen für Selbstmordattentäter verwandelten, konnten Bethlehems Einwohner ungehindert nach Israel einreisen, so wie das in umgekehrte Richtung für viele Israelis auch möglich war.

Die andere Wahrheit, die regelmäßig von der westlichen Presse ignoriert wird, ist die, dass die Sicherheitsbarriere half, die Wiederherstellung von Ruhe und Sicherheit nicht nur in Israel, sondern auch im Westjordanland einschließlich Bethlehem zu gewährleisten. Die Geburtskirche, die im Jahr 2002 von palästinensischen Bewaffneten auf der Flucht vor israelischen Sicherheitskräften gestürmt und besudelt worden war, wird nun wieder von Touristen und Pilgern aus der ganzen Welt gefüllt.

Freilich – warum schrieb Harriet Sherwood dies nicht in einem Artikel, den sie für den Guardian nur wenige Tage zuvor verfasste, wo sie anmerkt, dass der Bethlehem-Tourismus in diesem Jahr wieder einen neuen Rekordstand erreichen könnte?  Stattdessen ” [sagen] Offizielle, dass die lokale Tourismusindustrie wegen der andauernden israelischen Besatzung nach wie vor große Hürden zu überwinden hat.“

Schon letztes Jahr fragten wir uns, wie viele weitere Jahre wir lange wir uns mit der Politisierung und dem Missbrauch von Weihnachten durch die Medien auseinandersetzen müssen. Dank Guardian ist das wieder einmal der Fall.

Die Olympia-Obsession des Guardian

8. August 2012

HonestReporting Media BackSpin, 8. August

Die Performance des israelischen Teams bei den Olympischen Spielen in London ist nicht berauschend. Sicherlich enttäuschend, aber vielleicht nicht ganz überraschend. Besonders erwähnenswert jedoch, dass es der Guardian für notwendig erachtet, dies in einem Olympia-Special von Harriet Sherwood hervorzuheben.

Warum eigentlich findet Israels Abschneiden bei Olympia mehr Interesse als das von der Türkei oder Argentinien (beide Länder derzeit mit einer Bronzemedaille)?

Vielleicht positiv zu bewerten, dass Sherwood auch bereit ist, den israelisch-palästinensischen Konflikt außen vor zu lassen.

Was jedoch hervorsticht ist Sherwoods Anspielung auf Olympische Themen, die nichts mit Sport zu tun haben und sich auf Israel fokussieren, darunter:

der Streit um die BBC-Beschreibung Jerusalems als “Sitz der Regierung” (nahezu die gesamte internationale Gemeinschaft erkennt Jerusalem nicht als Hauptstadt Israels an).

Lustig, wenn man bedenkt, dass der Guardian selbst vor wenigen Monaten in einen Streit verstrickt hatte und sogar weiter ging als die BBC, als er Tel Aviv als Israels Hauptstadt bezeichnete.

Wieder mal LiftaLand

7. Februar 2012

HonestReporting Media BackSpin, 7. Februar 2012

Ein Richter zerschlug israelische Pläne, das verlassene arabische Dorf Lifta an Jerusalems nordwestlicher Peripherie auszubauen. Haaretz berichtet:

Die Beschwerdeführer hatten argumentiert, dass der Plan die ehemaligen Bewohner – einige von ihnen leben heute noch in Ostjerusalem – ihrer Eigentumsrechte berauben würde, die sie bei ihrer Flucht aus dem Areal im Jahr 1948 zurückgelassen hätten.

Mersel [Der Richter; Anm. (bd)] gab diesem Anliegen jedoch nicht statt. Er annullierte die Ausschreibung wegen eines Formfehlers mit dem Hinweis darauf, dass vorgenommene Veränderungen durch die Israel Lands Administration substanziell genug waren, um einen Antrag auf Neuausschreibung erforderlich zu machen.

Man sollte daran erinnern, dass das letzte Mal, als Lifta in den Nachrichten war, der Guardian behauptet hatte, seine [Liftas] landwirtschaftlich genutzten Flächen hätten die Knesset, den Obersten Gerichtshof, die Hebräische Universität und den zentralen Busbahnhof eingeschlossen. Wir hatten darauf hingewiesen, dass dies nicht stimmte und Reporterin Harriet Sherwood zur Überprüfung der Fakten aufgefordert.

Eine Richtigstellung erfolgte nicht. Wenn Sherwood und ihre Quellen sich sicher genug wähnen, wird dann eine aktualisierte Berichterstattung uns glauben machen, dass auch Kiryat Shemona auf Ackerland von Lifta gebaut worden sei?

(Foto via Flickr/RonAlmog)

Das Nullwissen des Guardian in Sachen Geographie

7. Dezember 2011

HonestReporting Media BackSpin, 7. Dezember 2011

Inmitten eines Artikels über einen Plan zur Umsiedlung von Beduinen sorgt sich Harriet Sherwood vom Guardian, dass Maale Adumim eines Tages die West Bank halbieren könnte:

Viele Palästinenser sehen dies als Teil eines strategischen Plans, einen Ring aus jüdischen Siedlungen zu errichten, die Ost-Jerusalem von der West Bank abschotten würden. Durch die Ausdehnung bis ins Jordantal würde ein erweitertes Maale Adumim auch die Westbank halbieren können, so also einen zusammenhängenden palästinensischen Staat unmöglich machen.

Ich will nicht die Probleme der Beduinen ansprechen – das ist eine eigene Diskussion (die Sherwood und der Guardian schon vorher massiv eingetrübt haben).

Aber was ihre Vorstellung von Geographie betrifft, haben wir schon 2005 einen gleichlautenden Bericht zu einem Areal namens E-1 mitbekommen.

Die unbequeme Tatsache für Sherwood und ihre palästinensischen Fixer lautet: Selbst wenn Maale Adumim sich in eine weitläufige Metropole bis an die Grenzen der von ihnen bezeichneten Grenzen ausdehnen würde, hielten die Palästinenser immer noch eine Linie von 9 Meilen (15 km), die ihren Norden und Süden verbindet. Unsere Kollegen von CAMERA haben diese nützliche Karte eingestellt, die das verdeutlicht.

Und um die Relationen zurechtzurücken: Die schmalste Stelle des israelischen Territoriums zum Grenzland zu den Palästinensern beträgt etwa neun Kilometer zwischen Netanya und dem palästinensischen Ort Tulkarem. Jeder kann das nachmessen*.

Aber wer macht sich schon Gedanken um Israels unmittelbare Nachbarschaft?!

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* auch über Google Earth oder Google Maps. Da aber Google von der jüdischen Lobby beeinflusst wird, funktioniert dieser Beweis auch nicht :) [bd]

West Bank-Flugzeug offenbart Hohlkopf-Journalismus

6. Oktober 2011

HonestReporting Media BackSpin, 6. Oktober 2011

Die zufällige Begegnung mit einem abgewrackten Flugzeug in der West Bank offenbart Harriet Sherwoods Hohlkopf-Journalismus.

Ihre Neugier war geweckt und der Guardian veröffentlichte im Zusammenhang mit ihrem Beitrag eine Anfrage an die Leser, ob irgendjemand wisse, was ein verlassenes Passagierflugzeug und ein baufälliges Riesenrad auf einem Feld nahe Nablus bedeuteten.

Ein Leser reagierte:

Eine kurze Google-Suche brachte dieses Ergebnis von der New York Times:

Doch kurz vor der zweiten Intifada kauften sie eine stillgelegte Boeing 707-Passagiermaschine und parkten sie in einem Vergnügungspark, den sie entlang einer Straße im Osten der Stadt errichten hatten lassen. Sie hatten vor, das Flugzeug in ein Restaurant umzubauen.

Ich habe gerade mal 20 Sekunden benötigt, um das Ergebnis zu bekommen!

Scheint, dass Sherwood für solch eine Aktion zu begriffsstutzig war. Angesichts ihrer kürzlich formulierten Behauptung, die Knesset sei auf palästinensischem Land erbaut worden, scheint die Frau sowieso keine Ahnung zu haben.

Harriet, lege dir Google Basic Search Help als Lesezeichen an!


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