Posted tagged ‘Gray Lady’

Berichtigung der NY Times zu E1 umsonst?

21. Dezember 2012

HonestReporting Media BackSpin, 21. Dezember 2012

Vielleicht litt bei der NY Times noch jemand an den Folgen einer Maya-Apokalypse-Party.

Weniger als eine Woche nach Berichtigung ihrer Aussage, der Ausbau von E1 in Israel würde das Westjordanland in zwei Hälften teilen, wiederholte die NY Times ihr Fehlverhalten.

Im heutigen Leitartikel.

Die Bauzulassungen folgen einer Ankündigung vom Ende des letzten Monats, dass Israel weiterhin einen Ausbau der E1-Areals plane – einem Projekt nordöstlich von Jerusalem, das die West Bank spaltete und die Errichtung eines lebensfähigen und zusammenhängenden palästinensischen Staates verhindern würde.

Man kann Jodi Rudoren nicht verantwortlich machen für dieses Herumgefummel. Des Blatt darf E1 kritisieren. Aber auch Meinungen sollten auf zuverlässigen Informationen beruhen.

Dummerweise erhalten Korrekturen selten die gleiche Aufmerksamkeit wie die ursprünglichen (fehlerhaften) Artikel. Wenn die NY Times eine Berichtigung veröffentlicht, bekommt man die dann wenigstens in den eigenen Redaktionsräumen mit?

Die Gray Lady hat einiges zu erklären. Und sie muss möglicherweise eine weitere Berichtigung veröffentlichen.

HR-Redakteur Pesach Benson schrieb der verantwortlichen Redakteurin Margaret Sullivan. Bleiben Sie dran.

Dazu passend: Trotz des Hypes um E1: Das Westjordanland wird nicht durchtrennt.

NY Times scheitert daran, die „absolute Wahrheit“ der neuen Redakteurin rauszubürsten

5. Juni 2011

HonestReporting Media BackSpin, 5. Juni 2011

Was für ein schlampiger Umgang mit einer Routine-Ankündigung.

Jill Abramson ersetzt Bill Keller in der Chefredaktion der NY Times. Dummerweise dachte jemand, dass Abramsons Begeisterung für das Blatt zu weit ginge. Wie Jay Nordlinger ausführt, wurde das folgende Zitat aus der Ankündigung der Gray Lady gelöscht:

Dort wo ich aufgewachsen bin, war die NY Times Religionsersatz“, sagte sie. “Wenn die Times etwas schrieb, dann war das die absolute Wahrheit.”

Und nicht mehr.

Das Zitat findet sich (bis jetzt zumindest) auf der Webseite zu Abramsons Werdegang.

Hier ein Screenshot für den Fall, dass die wirklich absolute Wahrheit auch noch erschüttert wird.

Okay, ein Kommentar wie dieser bietet Blogger-Futter für einen oder zwei Tage. Große Sache. Warum also ausgerechnet mehr Aufmerksamkeit auf ein Zitat wegen der „absoluten Wahrheit“ eines Blattes ziehen, indem man es entfernt?

Sehr merkwürdig.

NY Times und das Gesetz der unfreiwilligen Konsequenzen

10. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 10. März 2010

Der Staub wegen des von Electronic Intifada geschobenen Frusts über Ethan Bronner hat sich noch nicht gelegt: Vor wenigen Monaten hatten sie den Jerusalemer Büroleiter eines Loyalitätskonflikts bezichtigt, weil sein Sohn in der IDF dient. Sie wollten erreichen, dass Bronner versetzt wird.

Aber der radioaktive Niederschlag hat stattdessen Taghreed EL-Khodary getroffen, Gaza-Reporterin der Gray Lady. Nicht nur, dass sie aus Gaza nicht mehr berichten kann, es könnte für sie sogar auch dann gefährlich werden, wenn sie wieder in den Gazastreifen zurückginge.

Dazu Daoud Kuttab in der Huffington Post:

Als diese Kontroverse publik wurde, war Taghreed auf Fortbildung in den USA und danach im wohlverdienten Urlaub, wie Freunde berichten. Ihre Kollegen in Gaza haben gesagt, dass sie sich entschied, nicht zurückzukommen, da sie offensichtlich Sorge hatte, dass ihr Kontaktnetz aufgelöst werden würde und sie Schwierigkeiten bekäme, in dem von der Hamas kontrollierten Gazastreifen zu schreiben oder sich dort frei zu bewegen.

Jeder, der sich mit gewalttätigen Konflikten wie dem in Gaza auskennt, weiß, wie leicht sich die Situation für die Journalisten vor Ort, die an einer plötzlich negativ im Rampenlicht stehenden Publikation arbeiten, zum Schlechten wenden kann. EL Khodary, die selbst dann nicht den traditionellen islamischen Kopfschleier trägt, wenn sie aus Gaza berichtet, könnte leicht zum Ziel irgendwelcher hitzköpfiger Islamisten werden können, die diesen Anlass benutzt hätten, um Punkte zu sammeln, wenn sie sie als Sündenbock auswählten.

Sie ist bekannt für ihre Glaubwürdigkeit und ehrliche Berichterstattung – kein Wunder, dass sie verschwand. Gaza ist ein hartes Pflaster für Berichterstattung und es ist eine große Herausforderung, so viel Glaubwürdigkeit zu erlangen. Ihre Kollegen sagen, dass sie nicht so dumm ist, das aufs Spiel zu setzen, indem sie mit einem Chef in Jerusalem zusammenarbeitet, dessen Sohn in der israelischen Armee dient, die jederzeit in den Gazastreifen einmarschieren könnte.

Als Electronic Intifada erstmals petzte, dass Bronners in der IDF diente, forderte Clark Hoyt, Public Editor* bei der NY Times, sofort  die Versetzung Bonners, aber Chefredakteur Bill Keller verwarf diese Idee.

So bekommt die Pressefreiheit in Gaza also einen weiteren Schlag versetzt, unfreiwillig assistiert von Electronic Intifada und Clark Hoyt.

Die Hamas hat das Pressekorps komplett eingeschüchtert. Und die Mainstream-Medien verhalten sich merkwürdig ruhig zum Schicksal des britischen Journalisten Paul Martin, der immer noch von der Hamas gefangen gehalten wird. Ich frage mich, was der Public Editor oder Electronic Intifada zu Khodary sagen.

————
*Hier eine Umschreibung für den etwas sperrigen Begriff: http://en.wikipedia.org/wiki/Public_editor

NY Times mit Anzeichen von Interessenkonflikten, Teil 2

9. Februar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 9. Februar 2010

Als ich zuerst zum Interessenkonflikt der NY Times und Ethan Bronner bloggte, also wegen des Dienstes seines Sohnes in der IDF, wies ich darauf hin, dass auch Beziehungen, die westliche Journalisten zu palästinensischen Stringern und Aktivisten haben, Interessenkonflikte erzeugen.

Mir kam auch ABC-Moderator Peter Jennings in den Sinn und seine weithin bekannte „Beziehung“ zur palästinensischen Sprecherin Hanan Ashrawi.

Aber wie Tom Gross herausstellt, treffen Interessenkonflikte auch auf andere außerplanmäßige Tätigkeiten zu:

Bronner auszusortieren hat den Beigeschmack von Diskriminierung. Und wenn die Times sich nun dafür entscheidet, ihn zu versetzen, sollte sie sicher auch jemanden finden, der seine gegenwärtige Gaza-Korrespondentin, Taghreed EL-Khodary, austauscht, die faktisch wie ein Hamas-Propagandist klang, als sie bei einer Medienkonferenz sprach, die, wie ich hier anführte, letzten November besuchte.

Das Problem ist nicht allein auf die Gray Lady beschränkt. Im Jahr 2007 erlaubte Israel einem Hamas-Mitglied, das bei der BBC angestellt ist – im Nachhinein identifiziert als Fayad Abu Shamala – in den Gazastreifen einzureisen, um die Freilassung von BBC-Reporter Alan Johnston zu erwirken. Ich habe nicht festgestellt, dass die Mainstream-Medien sich gefragt hätten, ob Beep Shamala möglicherweise versetzen würde.

Shamalas ganz persönlicher Interessenkonflikt ist kein Geheimnis. Bei einer Hamas-Kundgebung am 6. Mai 2001 verkündete der BBC-Reporter Folgendes:

“Journalisten und Medienorganisationen [führen] die Kampagne Schulter an Schulter zusammen mit dem palästinensischen Volk.”

Ich kommentiere nicht, ob Bronner versetzt werden sollte. Wenn die Mainstream-Medien jetzt auf einmal auf die Ausräumung von Interessenkonflikten stehen, dann sollte man wenigstens konsequent sein.

NY Times von anonymen Quellen benutzt?

2. Juni 2009

HonestReporting Media BackSpin, 2. Juni 2009

Hatte die NY Times eine diplomatische Auseinandersetzung auf dem Rücken der ahnungslosen Journalisten ausgelöst? Helene Cooper berichtet, dass die Obama-Administration symbolische Maßnahmen gegen Israel in Erwägung zieht, um ihr Missfallen gegen Siedlungsaktivitäten zum Ausdruck zu bringen.

Schritte wie diese beinhalten “eine Abkehr von Amerikas nahezu unveränderter Unterstützung Israels” in der UNO und die “Inanspruchnahme der exzellenten Plattform Obamas, um die Siedlungen zu kritisieren.”

Dabei handelt es sich nach Cooper durchaus um einen Politikwechsel und eine echte Sensation. Dummerweise basiert die Geschichte auf „anonymem Regierungsbeamten“, darunter einem, der “anonym bleiben wollte, weil er nicht befugt war, die Frage öffentlich zu erörtern.”

Und höchstwahrscheinlich wurde dies vorsätzlich von Insidern in Washington lanciert, um exakt jenen Druck auf Israel auszuüben und einen Sturm zu entfachen, indem man die Times dafür einspannte. Die möglichen Gründe:

* In erster Linie wird der diplomatische Einsatz zwischen Israel und den USA hochgetrieben.

* Ein in der NY Times berichteter Politikwechsel kann nicht übersehen oder ignoriert werden.

* Anonyme Drohungen können immer perfekt geleugnet werden.

Das Problem mit nicht identifizierten Quellen ist, dass die Leser nicht in der Lage sind, selbst zu beurteilen, wie glaubwürdig die Informationen oder die zugrunde liegenden Motive für ihre Veröffentlichung sind. Standardisierte Haftungsausschlusserklärungen, die betonen, dass die Quelle „nicht autorisiert ist, die Frage öffentlich zu behandeln“; verleihen nur eine dramatische Aura und Legitimität für etwas, das einem Puppentheater ähnelt.

Die Times ihrerseits verteidigt die Verwendung von anonymen Quellen als notwendiges Übel. (Lesen Sie die Stellungnahmen von Geschäftsführerin Jill Abramson und Clark Hoyt). Daniel Okrent, ehemaliger Public Editor der Gray Lady, im Gespräch mit David Ehrenstein von LA Weekly:

„Ich hasse nicht eindeutig zuzuordnende Quellen und denke, dass sie für den Journalismus absolut notwendig sind“, sagt Daniel Okrent. „Ich weiß, dass das wie ein schrecklicher Widerspruch klingt, aber anders kann ich es nicht beschreiben. Sie werden viel zu oft verwendet. Sie untergraben die Glaubwürdigkeit der Journalisten und der Publikationen. Andererseits verfügten Sie über sehr wenige Informanten, wenn Sie keine unklaren Quellen hätten. Angenommen, wir haben 100 nicht verifizierbare Quellen und 99 davon stammen von PR-Leuten oder anderen, die die Presse für ihre Zwecke benutzen, und die hundertste bietet Pentagon-Unterlagen an.“

Worauf Ehrenstein sofort entgegnete:

Okay, gut. Und wie viele Pentagon-Unterlagen sind seit Ellsberg ausgegraben worden? Genau. Vielen Dank auch! Abgesehen davon fiel der Name Daniel Ellsberg sofort. Ebenso wie „Informant“ Dr. Jeffrey Wigand, der die Tabakindustrie auffliegen ließ. Was also sollen wir mit jenen 99 Prozent restlichen Quellen machen, die keine Aufmerksamkeit wollen, weil es ihre Funktion als bezahlte Propagandisten enttarnen würde? Fragen Sie jeden Journalisten oder Redakteur und Ihnen wird schwindlig ob deren Geschwindigkeit, mit der sie das Thema wechseln.

Das Thema „Anonymität“ ist natürlich nicht nur auf die NY Times beschränkt. Kelly McBride vom Poynter Institute bietet Journalisten mögliche Fragestellungen mit Quellenangaben an, bevor diese „auf Sendung gehen“. Cooper und ihre Times wurden benutzt und es widerspricht jeglicher Logik, dass wir ihnen blind vertrauen sollen.

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Leseempfehlungen, 27. Mai

27. Mai 2009

HonestReporting Media BackSpin, 27. Mai 2009

Wer spricht für Israel? Zu viele Boten und Botschaften lähmen Israels Bemühungen, sein Anliegen der Welt zu vermitteln.

Abbas’ Glaubwürdigkeitsproblem. Die Wahlen sind längs überfällig, die Regierung und seine Partei fallen auseinander und Abbas Popularität schwindet. Daled Amos beschäftigt sich zudem mit der Legitimität der PA-Führung.

Ermordete die Hisbollah Hariri? Michael Totten fragt sich, ob man bei der UNO die syrische Komplizenschaft zugunsten der Diplomatie verschweigt.

10 zu auffällig retuschierte Nachrichtenfotos. Rückblick auf große Momente der Fauxtographie (via LGF).

New York Times ernennt „Redakteurin für Soziale Medien“. Neuland für die Gray Lady.

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Roger: Ende der Durchsage

28. April 2009

HonestReporting Media BackSpin, 28. April 2009

Martin Peretz merkt an, dass die NY Times Roger Cohen, dessen Kommentare nun weniger Aufmerksamkeit erregen werden, herabgestuft hat.

Dies hat wahrscheinlich mehr mit der finanziellen Situation der Gray Lady als mit Cohens Inhalten zu tun. Einige von uns haben das kommen sehen.

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Die Gray Lady hat’s begriffen

27. November 2008

HonestReporting Media BackSpin, 27. November 2008

Wir haben unsere Differenzen mit der NY Times, aber Ehre wem Ehre gebührt. The Lede bloggt fast ausschließlich live von den Entwicklungen in Mumbai und dabei einen verdammt harten Job.

Wir sind beeindruckt von den vielen Links zu anderen Zeitungen, Blogs und sogar zu Twitter.

Ein Fallbeispiel dafür, wie Medien im Jahr 2009 internationale Berichte bringen werden? Zu früh für eine Bewertung, aber diskussionswürdig, sobald sich die Aufregung gelegt hat. Aber jetzt sind unsere Gedanken und Gebete bei den Opfern dieses entsetzlichen Terroranschlags.

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